„Deutschlandticket für 49 Euro kommt zum 1. Mai 2023“ – Kommentar des Bundestagsabgeordneten Kevin Leiser (SPD)

Bund und Länder haben sich auf einen Start des 49-Euro-Monatstickets im Nahverkehr zum 1. Mai 2023 geeinigt. Das berichtet Kevin Leiser, SPD-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Schwäbisch Hall-Hohenlohe.

Kommentar von Kevin Leiser, SPD-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Schwäbisch Hall-Hohenlohe.

„Wichtiger Beitrag für bezahlbare Mobilität“

„Das Deutschlandticket ist eine dringend benötigte Entlastung für Pendlerinnen und Pendler. Momentan kostet für Erwachsene ein Monatsabo im HNV-Netz 99,50 Euro und beim Kreisverkehr für den Landkreis Schwäbisch Hall 90 Euro. Ohne Abo würde man monatlich 150 Euro oder 153 Euro bezahlen. Zum 1. Mai 2023 ändert sich das: 49 Euro für ein Ticket, das in ganz Deutschland gültig ist. Eine große Ersparnis für viele Menschen und ein wichtiger Beitrag für bezahlbare Mobilität.“

Bund und Länder haben sich bei der Finanzierung geeinigt

Nach einer Initiative der Ampel-Koalition hatte sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten im vergangenen Dezember auf eine Finanzierung des Deutschlandtickets geeinigt. Insgesamt planen Bund und Länder dafür drei Milliarden Euro jährlich ein.

Hohenlohebahn elektrifizieren

„Die Tarifreform mit dem Deutschlandticket ist der eine Aspekt. Aber wir brauchen gerade im ländlichen Raum auch ein verbessertes ÖPNV-Angebot. Diesbezüglich baue ich zum Beispiel auf eine Elektrifizierung der Hohenlohebahn“, so Kevin Leiser.

Weitere Informationen und Kontakt:

https://kevin-leiser.de/category/veroeffentlichungen/

https://www.bahn.de/angebot/regio/deutschland-ticket

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„Bauministerin Razavi kommt zum CDU-Neujahrsempfang“ – Öffentliche Veranstaltung des CDU-Kreisverbands Schwäbisch Hall

Zum Neujahrsempfang laden der CDU-Kreisverband und der CDU-Stadtverband Schwäbisch Hall am Samstag, 4. Februar 2023, in den Neubausaal in Schwäbisch Hall ein. Einlass ist ab 17.30 Uhr, Beginn um 18 Uhr. Zu Gast ist Landesministerin für Landesentwicklung und Wohnen Nicole Razavi (CDU). Zu der öffentlichen Veranstaltung sind Interessierte und Besucher herzlich willkommen.

Von Ulrich Mack, CDU-Kreisverband Schwäbisch Hall

Wohneigentum nicht in der Hand von Konzernen bündeln

Im ganzen Landkreis Schwäbisch Hall ist der knappe Wohnraum eine spürbare Belastung; die Mietsteigerungen im Kreis der letzten Jahre spiegeln dies wider. Gleichzeitig galoppieren derzeit die Baupreise und Finanzierungskosten davon. Junge Familien wissen nicht, wie sie ihre Perspektive fürs eigene Wohnen entwickeln können. Für den Zusammenhalt der Gesellschaft spielt es eine wichtige Rolle, dass sich Wohneigentum nicht in der Hand von Konzernen bündelt. Überzogene bauliche Anforderungen müssen abgesenkt und ökologische Belange auch für gesundes Wohnen in den Fokus genommen werden. Baden-Württembergs Bauministerin Nicole Razavi wird angesichts aktueller Entwicklungen die Perspektiven für Bauen und Wohnen im Jahr 2023 skizzieren.

Weitere Informationen im Internet und Kontakt:

https://www.cdu-sha.de/index.php?id=3&no_cache=1

https://mlw.baden-wuerttemberg.de/de/ministerium/ministerin-nicole-razavi-mdl

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„Weltuntergangsuhr wurde auf 90 Sekunden vor Mitternacht umgestellt“ – Link zu einem Artikel auf den NachDenkseiten

Das Bulletin of the Atomic Scientists hat seine berühmte Weltuntergangsuhr am 25. Januar 2023 auf 90 Sekunden vor Mitternacht umgestellt. Das ist der niedrigste Wert, den das von Albert Einstein gegründete Institut jemals gemeldet hat. ist 90 Sekunden vor Mitternacht – wer noch bei Verstand ist, sollte jetzt aufwachen.

Artikel von Jens Berger auf den NachDenkseiten vom 26. Januar 2023

In Politik und Redaktionsstuben mehr Rückgrat nötig

Noch nie war die Gefahr eines atomaren Konflikts mit all seinen verheerenden Folgen nach Ansicht der Wissenschaftler so groß. Die NachDenkSeiten teilen diese Sorge, genauso wie die meisten ihrer Leser. Anders sieht es offenbar in Politik und Medien aus. Dort scheint man den Verstand an der Wache abgegeben zu haben und sich gegenseitig zum Überschreiten immer neuer Roter Linien anzufeuern … so lange bis die Weltuntergangsuhr zwölf schlägt. Gibt es denn in den Reihen der Politik und in den Redaktionsstuben niemanden, der jetzt Rückgrat zeigt und sich diesem Wahnsinn entgegenstellt? Ein Hilferuf von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Link zum ganzen Artikel und Audio-Podcast auf den NachDenkseiten:

https://www.nachdenkseiten.de/?p=93039

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„Team Menschenrechte der AnStifter: Erklärung zum 27. Januar 2023“ – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Das Konzentrationslager Auschwitz wurde am 27. Januar 1945 befreit. 1996 wurde in Deutschland der 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Generalversammlung der UNO proklamierte das Datum der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee zum internationalen Erinnerungstag an den Holocaust.

Vom Team Menschenrechte der AnStifter

Taten und Ursachen benennen

Wir wissen, wie sehr sich die Deutschen nach dem Krieg davor gescheut haben, ihre jeweils eigene Rolle während der NS-Herrschaft – in allen Lebensbereichen – kritisch zu hinterfragen. Wenn Schuld in Vergebung und Versöhnung gewandelt werden soll, braucht es eine Haltung, die den Schmerz über Unrecht zulässt, die Taten und Ursachen benennt, die Täterinnen und Täter beim Namen nennt, braucht es Menschen, die unüberhörbar gegen Antisemitismus, Hass, Hetze und Gewalt und für eine bessere Welt streiten.

Mehr zivilgesellschaftliche Initiativen

Es braucht Mühe und die kleinen und großen sichtbaren Schritte der Vielen. Es braucht das öffentliche Benennen und Bekennen von Unrecht und Schuld heute. Es braucht die wiederkehrenden Gedenktage wie den 27. Januar, es braucht das Erinnern an die Bücherverbrennungen vor 90 Jahren, es braucht mehr zivilgesellschaftliche Initiativen gegen Dummheit und Intoleranz, es braucht das Recht auf Menschenrechte.

Weitere Informationen im Internet, Termine und Kontakt:

Die AnStifter Bürgerprojekte gegen Gewalt und Vergessen

https://30tageimnovember.de/

Plan 33/23 verbannt verbrannt verfolgt verboten gerettet

19. Februar 2023: Jin, Jiyan, Azadî! Frauen, Leben, Freiheit!

8. März 2023: Internationaler Frauentag / Film

31. März 2023: Ihre Vorschläge zum Stuttgarter FriedensPreis 2023

April / Mai 2023: Verfolgte AutorInnen international, gestern und heute

30 Tage im November – Vom Wert der Menschenrechte

10. Dezember 2023: Tag der Menschenrechte*‘

  • Literatur, Theater, Tanz, Film, Debatten, Studienreise,
  • Bundesweite Plakatausstellung: Mein Name ist Mensch
  • ** Plakat 75 Jahre Menschenrechte für Kommunen, Schulen, Institutionen
  • Infos im Internet: www.die-anstifter.de
  • Die AnStifter, Werastraße 10, D 70182 Stuttgart

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Neu in der deutschen Erinnerungskultur: „Die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus“ – Frank Nonnenmacher wurde bei Verbandsgründung in Nürnberg zum Vorsitzenden gewählt

Neu in der deutschen Erinnerungskultur ist der Verband „Verleugnete Opfer des Nationalsozialismus“. Bei der Gründungsversammlung am 21. und 22. Januar 2023 in Nürnberg wurde Frank Nonnenmacher zum Vorsitzenden gewählt. Ines Eichmüller aus Nürnberg ist die stellvertretende Vorsitzende.

Vom Verband „Verleugnete Opfer des Nationalsozialismus“

Ohne jede Rechtsgrundlage in die KZ verschleppt

In einem zweitägigen Kongress am 21./22. Januar 2023 wurde in Nürnberg ein Verband für die „Erinnerung an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus“ gegründet. Zusammen kamen Menschen, deren Vorfahren von den Nazis als „Berufsverbrecher“ und „Asoziale“ ohne jede Rechtsgrundlage in die KZ verschleppt, dort geschunden und in großer Zahl ermordet wurden. Zum ersten Mal seit über 75 Jahren kamen Angehörige dieser in der deutschen Gesellschaft so lange verschwiegenen und diskriminierten NS-Opfergruppen zusammen. Im Mittelpunkt des Kongresses stand zunächst der Austausch über die jeweilige Verfolgungsgeschichte. Über bewegende Schicksale wurde berichtet und von den Teilnehmenden mit der jeweils eigenen Familiengeschichte verbunden. Manche Nachkommen redeten zum ersten Mal öffentlich.

Diffamierung von Menschen als ‚asozial‘ knüpft an die Nazisprache an“

Es herrschte eine empathische, geschützte Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens. Aber dabei sollte es nicht stehen bleiben. Die Anwesenden beschlossen, einen Verband zu gründen, der in Zukunft eine aktive Stimme im erinnerungskulturellen Geschehen darstellen soll. Er will dafür Sorge tragen, dass alle bisher nicht wahrgenommenen Opfer des NS ein „geachteter Teil der deutschen Erinnerungskultur werden“. Ines Eichmüller (Nürnberg), die Zweite Vorsitzende des neuen Verbandes sagte: “Mit der Einführung des Begriffs ‚die Verleugneten‘ wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass eine aktuelle Diffamierung von Menschen als ‚asozial‘ an die Nazisprache anknüpft.“

Geplante Aktivitäten:

Der Verband wird Trägerinstitutionen der historisch-politischen Bildung, die sogenannte „Zweitzeugen“ suchen, zur Verfügung stehen. Er ist bereit mit anderen erinnerungspolitischen Institutionen und Initiativen zusammenzuarbeiten. Der Verband wird öffentlich dafür eintreten, dass die Bundesregierung den Bundestagsbeschluss vom 13. Februar 2020 vollständig umsetzt, insbesondere dafür, dass die dort längst beschlossenen Forschungen, z. B. zur historischen Rolle der Verfolgungsinstanzen sowie zu den Biografien der Verfolgten, endlich einen konkreten Etat für die Finanzierung bekommen.

Es gibt einen Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2020

Frank Nonnenmacher (Frankfurt am Main), der 1. Vorsitzende, erklärte hierzu: „Es ist gut, dass es den Bundestagsbeschluss von 2020 gibt und damit auch die so lange Verleugneten als Opfer des Nationalsozialismus offiziell anerkannt sind. Erfreulich auch, dass alle Fraktionen (außer der AfD) ihm zugestimmt haben. Aber bis der Geist dieses Beschlusses im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen ist, ist noch viel zu tun.“ Schließlich tritt der Verband auch dafür ein, dass an geeigneter Stelle in Berlin ein zentrales Mahnmal für die jahrzehntelang diskriminierten und verleugneten Opfer des Nazisystems errichtet wird. Mitglied können laut verabschiedeter Satzung alle Personen werden, die die Menschenrechte achten und sich den Verbandszielen verpflichtet fühlt.

Grußworte von der IG-Metall, VVN-BdA und der SPD

Der frische gewählte Vorstand freut sich besonders über einige Grußworte, die zur Verbandgründung eingingen: IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans Urban hofft, dass der Verband „eine hörbare, ja unüberhörbare Stimme in der deutschen Erinnerungskultur wird.“

Der Bundesvorstand der VVN-BdA: „Wir wünschen Eurem Verband einen guten Start und Eurem Anliegen Erfolg und freuen uns auf eine produktive Zusammenarbeit.“

Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder (SPD), eine der engagiertesten Politikerinnen bei den Diskussionen im Vorfeld des Bundestagsbeschlusses von 2020, schreibt: „In mir werden Sie immer eine politische Mitstreiterin finden.“

Weitere Informationen und Kontakt:

Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus – vorläufige Kontaktadresse:

E-Mail: fnoma@gmx.de

Frank Nonnenmacher ist
• emeritierter Professor für Politische Bildung an der Goethe-Universität Frankfurt,
• Autor der Biografie seines Onkels, den die Nazis als „Berufsverbrecher“ im KZ „durch Arbeit vernichten“ wollten (Titel: „DU hattest es besser als ICH“),
• Initiator des erfolgreichen Appells an den Deutschen Bundestag zur Anerkennung der ignorierten NS-Opfer (siehe: change.org/vergessene-opfer) und
• war mehrfach als Experte im kulturpolitischen Ausschuss des Deutschen Bundestages eingeladen

Ines Eichmüller ist
• Politik- und Sozialwissenschaftlerin
• Projektmanagerin im Bereich Energie und Klima,
• Urenkelin eines KZ-Häftlings mit schwarzem Winkel und
• erinnerungskulturell engagierte Privatperson

Grußworte zur Verbandsgründung:

Grußwort Schieder:

GRUßWORT MARIANNE SCHIEDER MDB ZUR GRÜNDUNG DES VERBANDES FÜR DAS ERINNERN
AN DIE VERLEUGNETEN OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS
Sehr geehrter Herr Professor Nonnenmacher,
sehr geehrte Frau Eichmüller,
liebe Gründungsmitglieder des Verbandes für das Erinnern an die verleugneten Opfer des
Nationalsozialismus,
sehr geehrte Damen und Herren,
herzlichen Dank, dass Sie sich in dieser herausragenden Weise für die Würde der Menschen
einsetzen, die von den Nazis als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ verhöhnt und verfolgt wurden.
Herzlichen Dank ebenfalls für die Möglichkeit, ein Grußwort an Sie richten zu dürfen.
Als der Deutsche Bundestag im Februar 2020 beschloss, vergessene Opfergruppen des
Nationalsozialismus anzuerkennen, da war das ein erinnerungspolitischer Meilenstein. Endlich
erfolgte das staatliche Bekenntnis, dass niemand zurecht im KZ gewesen war. Dieser Grundsatz einte
alle Demokratinnen und Demokraten im Parlament und ich bin froh, dass wir dies gemeinsam
umsetzen konnten.
Dieser Beschluss wäre jedoch niemals ohne den leidenschaftlichen Einsatz persönlich betroffener
Menschen zustande gekommen, die diese Lücke in Gedenken und Aufarbeitung mit Nachdruck
anmahnten. Die darauf verwiesen, dass die Opfer weit über das Ende der nationalsozialistischen
Verbrechensherrschaft unter gesellschaftlicher Ausgrenzung und Ablehnung zu leiden hatten. Die
immer wieder von bewegenden Einzelschicksalen berichteten.
Ihnen allen bin ich sehr dankbar für die Unterstützung. Umso mehr freut es mich, dass Sie nun einen
Verband gründen, um die bisherigen Einzelaktivitäten unter einem geeinten Dach zu bündeln. Mit
Gründung dieses Verbandes schaffen Sie etwas, das bleibt und nicht mehr verschwindet: Eine
Interessengruppe und einen öffentlich wahrnehmbaren Akteur. Einen institutionalisierten
Ansprechpartner für Nachkommen wie auch Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Und einen
Ort, wo Menschen zusammenfinden können, deren Familiengeschichten einander gleichen.
Von Herzen wünsche ich Ihnen und dem Verband Erfolg und alles Gute. Die Anerkennung war ein
Anfang und nicht ein Abschluss. Die Politik muss dranbleiben, damit den Opfern Gerechtigkeit
widerfahren kann. Wir haben die Schaffung einer Wanderausstellung erreicht und müssen nun dafür
sorgen, dass die Verbrechen wie auch die Lebensgeschichten der Opfer aufgearbeitet werden. Ich bin
überzeugt, dass Ihr Verband dazu einen unschätzbaren Beitrag leisten wird. In mir werden Sie immer
eine politische Mitstreiterin finden.
Ihre Marianne Schieder

Grußwort des IG Metall Vorstands, Wilhelm-Leuschner-Straße 79, 60329 Frankfurt am Main:

An den

„Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus“

Grußadresse anlässlich der Verbands-Gründung am 21./22. Januar 2023

Der Deutsche Bundestag hat am 13. Februar 2020 die Anerkennung der von den Nazis als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ genannten KZ-Häftlinge als Verfolgte des Naziregimes beschlossen. Das war überfällig. Es wäre gleichwohl naiv zu glauben, dass damit das Erinnern an diese Opfergruppe seinen Abschluss gefunden hätte. Die Beschlüsse des Bundestages zur Finanzierung der bislang ausgebliebenen Forschungen zu den Biografien dieser NS-Opfer und zur Rolle der Verfolgungsinstanzen sind noch nicht in Gang gesetzt. Die diskriminierende Rhetorik bei der Bezeichnung dieser Menschen, die im KZ mit einem grünen beziehungsweise schwarzen Winkel markiert wurden, ist immer noch üblich. Und in den Veranstaltungen zur Erinnerung an den Terror der Nazizeit werden diese NS-Opfer nach wie vor weitgehend ausgeblendet.

Die IG Metall versteht sich als gesellschaftliche Kraft, die Antifaschismus, Humanismus und Demokratie gleichermaßen verpflichtet ist. Das Gedenken an alle Opfer des deutschen Faschismus ist fester Bestandteil unseres Geschichte- und Gegenwartsverständnisses. Niemand wurde zu Recht in einem Konzentrationslager inhaftiert, gequält und ermordet. Daher begrüße ich, dass sich zum ersten Mal in der deutschen Nachkriegsgesellschaft – initiiert von Nachkommen dieser Opfer – ein „Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus“ gründet. Ich wünsche diesem Verband viel Erfolg und vor allem, dass er eine hörbare, ja unüberhörbare Stimme in der deutschen Erinnerungskultur wird.

Mit solidarischen Grüßen

Dr. Hans-Jürgen Urban, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall

Weitere Informationen im Internet über die Verbandsgründung:

https://www.sonntagsblatt.de/artikel/gesellschaft/verband-will-auf-verleugnete-opfer-der-ns-herrschaft-aufmerksam-machen

„Aus dem Raster gefallen“ – Über verleugnete NS-Opfer. Ein antifaschistische-Gespräch mit Frank Nonnenmacher

Aus dem Raster gefallen

antifa: Du hast schon in der antifa-Ausgabe Mai/Juni 2022 mit einem auch sehr persönlichen Beitrag über die NS-Verfolgten mit grünem und schwarzem Winkel geschrieben, also die von den Nationalsozialisten als »Berufsverbrecher« und »Asoziale« Stigmatisierten und Verfolgten. Gib doch bitte unseren Leserinnen und Lesern einen Einblick in deinen persönlichen und familiären Bezug zum Thema.

Frank Nonnenmacher: Während mein Vater Gustav für Hitlers Luftwaffe flog, war sein Halbbruder Ernst im KZ. Dieser hatte aus materieller Not kleinkriminelle Delikte begangen und seine Haftstrafen vollständig abgesessen.1 Ernst fühlte sich als Opfer der Aussortierungsmaschine »Kapitalismus« und als Teil des Proletariats, als »Kommunist«, ohne Parteimitglied zu sein. Die Differenz im Lebenslauf der Brüder hat später zu dramatischen innerfamiliären Diskussionen geführt. Durch Forschungen zu solchen Biografien habe ich gelernt, dass Delinquenz und Kriminalität eher eine Folge der Klassenlage als der persönlichen Moral sind. Warum schlafen die Reichen nicht unter den Brücken, betteln nicht und stehlen kein Brot? Die Antwort auf diese Frage, die Anatol France schon vor über hundert Jahren gestellt hat, ist heute so aufschlussreich wie damals. Nur stellt sie kaum jemand, und die Diskriminierung derer, die aus dem bürgerlichen Raster fallen, ist immer noch allgegenwärtig.

antifa: Ab und an wird, wenn einmal von sogenannten Berufsverbrechern bzw. Asozialen die Rede ist, von den »vergessenen Opfergruppen« gesprochen. Was ist damit gemeint, und welche Hintergründe siehst du?
Frank Nonnenmacher zum geplanten neuen Verband: »Im Moment suchen wir Menschen, die Angehörige der verleugneten NS-Opfer sind. Mit diesen zusammen wollen wir einen Verband gründen. Die Gründung des Verbands wird am 21./22. Januar 2023 in Nürnberg stattfinden. Wir werden dann über Details informieren. An Adressen ist schwer heranzukommen. Deshalb die Bitte: Wenn unter den Leserinnen und Lesern der antifa Nachkommen, Verwandte oder Angehörige der »Verleugneten« sind, bitte ich diese, an fnoma@gmx.de zu schreiben.«

Frank Nonnenmacher zum geplanten neuen Verband: »Im Moment suchen wir Menschen, die Angehörige der verleugneten NS-Opfer sind. Mit diesen zusammen wollen wir einen Verband gründen. Die Gründung des Verbands wird am 21./22. Januar 2023 in Nürnberg stattfinden. Wir werden dann über Details informieren. An Adressen ist schwer heranzukommen. Deshalb die Bitte: Wenn unter den Leserinnen und Lesern der antifa Nachkommen, Verwandte oder Angehörige der »Verleugneten« sind, bitte ich diese, an fnoma@gmx.de zu schreiben.«

F.N.: In den ersten Jahrzehnten nach 1945 sprach man nur von »politisch, religiös, rassisch oder weltanschaulich Verfolgten«. Sie wurden im BEG (Bundesentschädigungsgesetz) als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. Andere, wie Sinti und Roma oder Homosexuelle, mussten beschämend lange kämpfen, bis sie anerkannt wurden. Die von den Nazis »Asoziale« und »Berufsverbrecher« genannten Menschen wurden weiterhin diskriminiert, sogar von den Verfolgtenverbänden ausgeschlossen. Ihnen wurden genetische Defekte unterstellt, weshalb sie einem »Trieb« zur Wanderschaft, Nicht-Sesshaftigkeit oder zur Kriminalität folgen würden. Dieses Menschenbild gab es schon vor den Nazis, und es gibt es bis heute. Die Nazis haben es auf die Spitze getrieben und wollten Delinquenz abschaffen, indem sie die so definierten Menschen »ausmerzen« und »vernichten« wollten. Das schafften sie auch in Zehntausenden von Fällen. Diese NS-Opfer wurden also nicht »vergessen«, son-dern bewusst ignoriert, weiterhin diskriminiert und verschwiegen. Das Schweigen herrschte nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in den Familien, in der Forschung, in der Erinnerungskultur. Ich finde inzwischen, sie sind die immer noch verleugneten Opfer des NS-Staats, und ich plädiere dafür, sie in Zukunft so zu benennen: Die Verleugneten. Der Ausdruck signalisiert die Art des Umgangs mit diesen KZ-Opfern.

antifa: Du bist gerade dabei, mit anderen eine neue Gruppe ins Leben zu rufen. Was verbindet euch, und warum dieser Schritt gerade jetzt?
Quelle: Beweise für die Nachwelt. Die Zeichnung des Dachau-Überlebenden Georg Tauber, Metropol-Verlag, Berlin 2018, S. 119

Quelle: Beweise für die Nachwelt. Die Zeichnung des Dachau-Überlebenden Georg Tauber, Metropol-Verlag, Berlin 2018, S. 119

F.N.: Uns verbindet, dass wir Nachkommen und Angehörige von Menschen sind, die zu den bis heute verleugneten NS-Opfern gehören. Uns verbindet das Bedürfnis, durch den Austausch mit anderen Nachfahren das innerfamiliäre Schweigen zu beenden. Uns verbindet das Bedauern, dass auch die Verbände der politisch Verfolgten an der Diskriminierung lange mitgewirkt haben. Das beschreiben zum Beispiel Christa Schikorra in »Kontinuitäten der Ausgrenzung« (Berlin 2001), Christa Paul (»Frühe Weichenstellungen« in: »Opfer als Akteure«, Frankfurt am Main 2008, S. 67 ff.) oder Wolfgang Ayaß in: »Ausgegrenzt. ›Asoziale‹ und ›Kriminelle‹ im nationalsozialistischen Lagersystem« (Bremen 2016, S. 16 ff.). Uns berührt noch heute das nebenstehende Bild des Malers Georg Tauber, eines »grünen« Dachau-Häftlings. Es ist ein Appell an die politisch Verfolgten, sie nicht zu vergessen, sie nicht auszugrenzen. Der Appell wurde nicht gehört. Auch der Versuch Georg Taubers, 1946 eine Verfolgtenzeitschrift unter dem Titel Die Vergessenen zu gründen, wurde sehr schnell wieder aufgegeben. Uns verbindet auch die Erfahrung, dass sich niemand für die vollständige Umsetzung aller Punkte des Bundestagsbeschlusses von 2020 einsetzt, ebenso wenig für die Einbeziehung der verleugneten NS-Opfer in das erinnerungskulturelle Gedenken der Republik, wenn wir es nicht tun.

Das Gespräch führte Andreas Siegmund-Schultze

1 Die beiden Biografien lassen sich nachlesen in Frank Nonnenmacher: DU hattest es besser als ICH: Zwei Brüder im 20. Jahrhundert. Westarp, Bad Homburg 2015, 352 Seiten, 19,80 Euro
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„Gelochte Augenblicke“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden neunter Teil

„Gelochte Augenblicke“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden neunter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

IX Ordnung

… Ein mildes Lüftchen ging um Carls Nase und wehte ihm einen feinen Duft zu. Fast war es ihm, als würde er aufstehen und durch die laue Luft spazieren können. Doch er musste zur Kenntnis nehmen, dass ihm nicht nur das Blut unwiederbringlich aus dem Körper, sondern damit verbunden, auch seine Lebenskraft langsam aber sicher aus dem minimalen Riss seiner Beinschlagader rann. Er wollte wenigstens in den allerletzten Minuten noch einen klaren Kopf bewahren und das Leben bis ganz zum Schluss genießen, also atmete er tief durch und verwob den intensiven Blütenduft mit liebevollen Gedanken an seine Paula.

Maskengeschäfte

Von seinem immer noch intensiven und freien Atem inspiriert, erinnerte sich Carl an ein unfassliches Vorkommnis aus dem Bundestag, bei welchem die UNPARTEI eine erhebliche Sachspende im Wert von bald dreihunderttausend Euro erhalten hatte und diese dann pflichtgemäß an die Bundestagsverwaltung meldete. Man freute sich über die Spende und gab die geschenkt bekommenen Masken an Tafeln, Flüchtlinge und Obdachlose ab. Damals, in den heftig karinösen Jahren zweitausendundzwanzig und zweitausendeinundzwanzig überlegte sich so mancher Parlamentarier lediglich, wie er sich durch die gesetzliche Pflicht zur Maskentracht bereichern könnte – an die armen Betroffenen die sich deswegen maskieren mussten, ohne es sich leisten zu können, dachte aber nämlich kaum jemand.

Vokabelakrobatik

Durch diese scheinbar recht noble Maskenspende wurde der grobe Unsinn im Zirkus der Parteienfinanzierung im Deutschen Bundestag jedoch ziemlich deutlich gemacht. Ein fürwahr unsägliches Wirrwarr an Prozentklauseln, staatlicher Teilfinanzierung, Gesamteinnahmen und Sonderregelungen, lässt normal denkende Menschen über eine derartige Unordnung nur noch den Kopf schütteln. In der clever ausgedachten Parteienfinanzierungsmanege treten dann noch undurchschaubare relative und tatsächliche Ober- und Untergrenzen auf. Carl wusste aus seiner langjährigen Erfahrung als Rechtsanwalt und Steuerberater, dass mit dieser Art Vokabelakrobatik lediglich Verwirrung anstatt Klarheit gestiftet wird. Gut kaschiert werden so die listigen Lügen der fest im Sattel sitzenden Leitpolitiker im systematisch aufgebauten Selbstbedienungsladen erst gar nicht durchschaut.

UNPARTEI

Da nun die zu allerhand Unfug aufgelegte UNPARTEI kaum zahlungskräftige Spender zu ihren bewussten Zuwendern zählt, ergibt sich jedoch gerade aus diesem klugen Schachzug, einen derart materiell greifbaren Transfer anzunehmen, überdies noch die Zahlung von zwischen vierundachtzig bis hin zu neunzig Prozent des angenommenen Wertes, dann im Jahr zweitausendundvierundzwanzig. Pro Stück mit einem wahrhaft günstigen Preis von einem Euro veranschlagt – macht das, mit einem kleinen kalkulatorischen Abschlag versehen – Summa summarum zweihundertfünfzigtausend Euro. Welche dann eben nicht in die anderen anspruchsberechtigten fünf etablierten Konkurrenzparteikassen, sondern in die Kasse der UNPARTEI fließen.

Horaffenstadt

Carl lächelte über die dreisten Späße der UNPARTEI und hintersann alle weiteren nun offensichtlich werdenden Blödheiten im Zusammenhang mit den einst, auf Teufel komm raus, propagierten Karinaverhüllung. Zum Beispiel sollen ganz am östlichen Rand von Hohenlohe, im Lager einer Spedition, Maulkörbe mit abgelaufenem Datum, im Wert von mehreren Milliarden Euro lagern. Abgelaufene Haltbarkeitsdaten werden ja immer noch für als unumstößlich geltend anerkannt und somit sind die damit gebranntmarkten Inhalte auch in diesem Fall ziemlich verpönt. Also bleibt dann eben der Lieferant auf seinen Waren sitzen. In diesem Fall handle es sich um dreihunderttausend Stück der besonders teuren Fiepfieptütchen, welche vom „Bund“ bei einem Unternehmer aus Offenburg, im Wert von anderthalb Millionen Euro bestellt, aber nie bezahlt wurden. Anscheinend hat der „Bund“ auf diese Weise mehrere andere Unternehmer um die Zeche geprellt. Insgesamt handle es sich um Masken im Wert von drei Milliarden Euro, die zum großen Teil in einer der imposanten Lagerhallen am Rande der Horaffenstadt
deponiert seien.

Autoerotisches Würgespiel

Zu welch absurdem Zweck die umstrittene Gesichtsverhüllung außerdem noch verwendet werden kann, ließ Carl Eugen Friedner nun vor seinem geistigen Auge Revue passieren. Kam doch erst vor kurzem Wilhelm Teufel, der Cousin von Paula, durch die Nutzung einer Gesichtszierde beim autoerotischen Würgespiel, auf tragische Weise und ungewollt ums Leben. Carl kam nicht umhin ein wenig Schadenfreude zu empfinden. Hatte doch Wilhelm seiner geliebten Paula mindestens einen Schädelbruch beigebracht. Die Umstände des misslungenen Mordversuches wurden zwar bis heute nicht aufgeklärt, aber Paula litt seitdem an erheblichen Angstzuständen. Wie schnell man bei dem absurden Machtspielchen mit seinem eigenen Odem dann tatsächlich erstickt, variiert von Fall zu Fall – so kann das Ersticken unter Umständen drei bis fünf Minuten dauern. Wann die Bewusstlosigkeit eintritt, hängt davon ab, wie schnell das Gehirn keinen Sauerstoff mehr bekommt. Der Kohlendioxidanstieg führt zu zunehmender Luftnot, schnellerem Puls, Blaufärbung der Haut und zum Verlust des Bewusstseins. Was wiederum durch Sauerstoffmangel neben langsamerem Puls, Erstickungskrämpfen, Kot- und Urinabgang, zum eigentlich Zweck der Übung, den erwünschten Ejakulatabgang auslöst. Während des Atemstillstands, unmittelbar vor der letzten Atembewegung, der Schnappatmung, tritt die Lähmung des Hirnnervs ein, der Puls steigt ein letztes Mal an und der Blutdruck fällt endgültig ab.

Missliche Lage

Dann nahm Carl Eugen Frieder noch ein paar kräftige Züge um das milde Lüftchen voll und ganz in seine Lungen aufzunehmen und fragte sich dann ziemlich nüchtern, ob Paula Engel ihm wohl tatsächlich helfen würde? Denn selbst wenn sie von seiner misslichen Lage wüsste und bei ihm sein könnte, wäre es fraglich, welchen Nutzen sie
aus seinem Leben noch ziehen könnte. Ein in allerletzter Minute dahingehauchtes Geständnis über seine aktive, ja federführende Rolle bei der geschehenen Schandtat, würde ihr nämlich kaum mehr helfen. Daher wäre im Angesicht des Dahinscheidens nur ihre Vergebung möglich … Fortsetzung folgt.

Quellen:

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/maskenskandal-medizinische-masken-lagern-in-crailsheim-bei-dbschenker-100.html

https://www.die-partei.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Atemkontrolle

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„Große Modellbahnausstellung in Wallhausen“ – Für angemeldete Gruppen bis 120 Personen

Die Modelleisenbahnausstellung in der Modellbahnhalle Wallhausen ist am Sonntag, 5. Februar 2023, von 13 Uhr bis 18 Uhr für angemeldete Gruppen geöffnet. An diesem Tag soll es ganzen Gruppen ermöglicht werden, die Anlage zu besichtigen. (Anmeldung siehe unten).

Von Marc Müller und Christoph Hassel

Individuelle Führung

Es gibt jeweils eine Führung, in der auf die Details und auf die technischen Einzelheiten eingegangen werden kann. Ebenso werden Fragen gerne beantwortet. Es können sich Gruppen mit bis zu 20, bis zu 40, bis zu 80 oder bis zu 120 Personen anmelden. Ebenso sollte die Dauer des Besuches (eine oder mehrere Stunden) vereinbart werden.

Anfahrt mit Schienenersatzverkehr oder Rufbus R55 möglich

Leider ist die Ausstellung derzeit nicht mit dem Zug über die Tauberbahn erreichbar – es können aber der Schienenersatzverkehr oder der Rufbus R55 genutzt werden.

Weitere Infos im Internet: https://www.modellbahnhalle-wallhausen.de/

Anmeldungen:

E-Mail: marc.mueller.wallhausen@web.de

Telefon: 07955/926390

Initiatoren: Marc Müller und Christoph Hassel

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„Robin Bank, Platin-Minen und Blackrock“ – Jahrestagung der Weltmarktverlierer-Akademie Schwäbisch Hall

Die Weltmarktverlierer-Akademie veranstaltet ihre Akademietagung in Schwäbisch Hall von Freitag, 27. Januar 2023, bis Dienstag, 31. Januar 2023. Themen sind unter anderem „Robin Bank, Platin-Minen und Blackrock“.

Von Hans A. Graef, Schwäbisch Hall, Akademie der Weltmarktverlierer

Gegen die Umverteilung von unten nach oben

Seit 2017 findet im Kontext des Haller Gipfels der Weltmarktführer die Jahrestagung der Akademie der Weltmarktverlierer statt. Globalisierungs-Verlierer sind all jene, die durch den ungezügelten neoliberalen Kapitalismus ihre Existenz, ihre Wohnung, ihre Gesundheit oder ihre Arbeit verlieren. Oxfam, Professor Butterwegge und die UNO haben auf die zunehmende soziale Krise im Zusammenhang mit der Klimakatastrophe und Umverteilung von unten nach oben hingewiesen. Die Treffen der Eliten in Davos oder Schwäbisch Hall sind Teil dieser Entwicklung. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat das reichste Prozent der Weltbevölkerung rund zwei Drittel des weltweiten Vermögenszuwachses kassiert. Gleichzeitig stegt die Zahl der Hungernden auf 850 Millionen, für 1,7 Milliarden steigen die Lebenshaltungskosten schneller als die Löhne.

Mit drei Veranstaltungen will die Akademie zur globalen Wirtschaftslage Stellung nehmen.

Er nahm von den Reichen und gab es den Armen – Eine Heldengeschichte wie Robin Hood

Am Freitag, 27. Januar 2023, um 20 Uhr wird im Haller Kino im Schafstall der Film Robin Bank von Anna Giralt über Enric Duran gezeigt. Er hat während der Finanzkrise 2008 etwas Unglaubliches geschafft: Bei Banken organisierte er Kredite von insgesamt einer halben Million Euro, finanzierte damit soziale Projekte, zahlte die Darlehen aber nie zurück. Er nahm von den Reichen und gab es den Armen. Eine Heldengeschichte wie Robin Hood.

„Marikana – die offene Wunde“ – Politische Verantwortung der Profiteure am Beispiel von BASF

Am Montag, 30. Januar 2023, um 19.30 Uhr spricht im Brenzhaus, Schwäbisch Hall, in Kooperation mit dem Evangelischen Kreisbildungswerk Simone Knapp von der Heidelberger Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) über „Für Platin über Leichen gehen? Forderungen an Industrie und Politik – 10 Jahre nach dem Massaker von Marikana in Südafrika.“ Sie liest aus dem neu erschienen Buch von „Marikana – die offene Wunde“ von Bischof Johannes T. Seoka, der den Kampf für gerechte Löhne und Entschädigung nach dem Massaker an südafrikanischen Minenarbeitern von 2012 beschreibt. Es geht am Beispiel der BASF um die politische Verantwortung der Profiteure durch ein faires Lieferkettengesetz.

Akademieabend: „Blackrock regiert die Welt – Wie ist eine andere Welt möglich?“

Am Dienstag, 31. Januar 2023, ab 19.30 Uhr, findet im Theatersaal des Alten Schlachthauses Schwäbisch Hall der Akademieabend statt mit einem Film, Impulsreferat und Gespräch über die Akademie-Idee Weltmarktverlierer. Thema: Blackrock regiert die Welt – Wie ist eine andere Welt möglich? Friedrich Merz steht vor der Tür des Bundeskanzleramtes. Er war Cheflobbyist von Blackrock, der größte Eigentümer von Aktien gehört zu den führenden Aktionären aller 40 DAX-Konzerne wie Siemens, RWE, Bayer, Daimler, Commerzbank und der Wohnungskonzerne Deutsche Wohnen, Vonovia usw. Sie schütteten im Krisenjahr 2021 so viele Gewinne aus wie noch nie. Neu beim grünen Wirtschaftsminister Habeck ist Elga Bartsch, zuletzt zuständig für Marktforschung bei Blackrock.

Weitere Informationen und Kontakt:

Organisiert wird die Tagung von der Initiative Umverteilen, Attac und dem Evangelischen Kreisbildungswerk.

Kontakt über folgende Internetseite:

www.weltmarktverlierer-akademie.de

Freitags um 15 Uhr im Akademie-Radio auf der Internetseite www.sthoerfunk.de

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„Martin Schofroh fehlt – Ein Naturkosthändler aus Überzeugung“ – Nachruf des Gewerbe- und Fremdenverkehrsvereins Kirchberg/Jagst

Der Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Kirchberg an der Jagst trauert um sein ehemaliges Mitglied Martin Schofroh. Der Naturkosthändler starb am 3. Januar 2023 nach kurzer schwerer Krankheit. Martin Schofroh wurde 67 Jahre alt. Viele Menschen sind traurig über den plötzlichen Tod des freundlichen Mannes.

Von Ralf Garmatter, Vorsitzender des Gewerbe- und Fremdenverkehrsvereins Kirchberg/Jagst

Im Mai 1991 Naturkostladen eröffnet

Am Dienstag, 31. Januar 2023, ist der Laden „Naturkost Schofroh und Müller GbR“ das letzte Mal geöffnet. Martin Schofroh betrieb sein kleines Geschäft in der Marktstraße 14 aus Überzeugung, mit Sachkenntnis und großem Einsatz seit Mai 1991. Es ist wahrscheinlich der am längsten von der gleichen Person und immer am gleichen Standort betriebene Naturkostladen in Hohenlohe. Urlaub hat Martin Schofroh in den fast 32 Jahren seines Bestehens so gut wie nie gemacht. Der Laden war immer offen – pünktlich und zuverlässig. Dank der Sparsamkeit und vorsichtigen Geschäftspolitik der Betreiber kam der Naturkostladen auch in schwierigen Zeiten mit schwarzen Zahlen über die Runden.

Am 3. Januar 2023 im Krankenhaus gestorben

Als 2014 ein Schlaganfall Martin Schofroh zu einer kurzen Pause zwang, sorgten sein Geschäftspartner Andreas Müller sowie Freunde, Bekannte und Kunden dafür, dass der Betrieb weiterlief – bis Martin Schofroh das Ruder nach einigen Wochen wieder selbst übernommen hat. Anschließend ging es noch acht Jahre weiter. An Silvester 2022 kollabierte Martin Schofroh in seiner Wohnung in der Poststraße 30. Ein Krankenwagen brachte ihn zunächst ins Haller Diak, von dort aus ging es mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik Heidelberg. Die Ärzte konnten ihm aber nicht mehr helfen. Er ist nicht mehr aus dem Koma erwacht. Martin Schofroh starb am 3. Januar 2023 im Krankenhaus.

„Wir werden Dich nicht vergessen“

An der Eingangstür zu seinem Laden hängen mehrere Verabschiedungsbriefe. Auf einem steht: „Gute Reise, lieber Freund, wir werden Dich sehr vermissen! Tag für Tag warst du für uns da … hier in diesem Laden! Hattest immer ein persönliches Wort für uns … und ein Lächeln. So sind wir nun fassungslos über den Verlust Deiner Person, lieber Martin! Wir werden Dich nicht vergessen – ganz sicher nicht! Ruhe in Frieden!“

Ein guter Freund, der immer da war

Martin Schofroh fehlt. Wie ein guter Freund, der immer da war – immer in Kirchberg, immer im Städtle. Als eines der letzten Kinder wurde Martin Schofroh am 12. November 1955 im Kirchberger Krankenhaus Adelheidstift geboren. Die ersten Jahre verbrachte er mit seinen Eltern und seinen beiden älteren Schwestern in Kleinallmerspann und dann in Hornberg im alten Schulhaus. Seine Familie war nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ungarn geflüchtet. Schon bald zog die Familie nach Kirchberg ins Städtle. Dort besuchte Martin die Volksschule im heutigen Stadtmuseum.

Schlechte Erinnerungen an prügelnde Lehrer

Mit gemischten Gefühlen erinnerte er sich oft an seine Schulzeit. Belastet hat ihn vor allem die Hartherzigkeit und Gewalttätigkeit von prügelnden Lehrern. Nach der Schule lernte Martin den Beruf des Konditors in der Bäckerei Illig in Kirchberg-Tal. Schon früh machte er sich als Getränke- und Zeitschriftenhändler selbstständig. Er wollte sein eigener Herr sein und nach seinen eigenen Vorstellungen arbeiten.

Absoluter Experte in seinem Metier

Freunde und Nachbarn bestärkten ihn Anfang der 1990er Jahre, sein kunterbuntes Sortiment auf Naturkost umzustellen. Mit Andreas Müller fand er einen guten Freund als Mitgesellschafter. Die GbR „Naturkost Schofroh und Müller“ war geboren. Der Naturkostladen mit zertifizierten Lebensmitteln aus „kontrolliert biologischem Anbau (k.b.A)“ wurde am 13. Mai 1991 offiziell gegründet. Im Laden war Martin der Chef. Intensiv las er seine Fachbücher zu gesunden Lebensmitteln. Er war ein absoluter Experte in seinem Metier.

Der Laden war ein Treffpunkt

Seine Geschäftspolitik war konservativ. Konsequent arbeitete er ausschließlich mit regionalen Großhändlern zusammen. Eier bezog er vom Biohof Maaß in Herboldshausen, Backwaren von der Bio-Bäckerei Wild in Lendsiedel. Jede Investition wurde gründlich überlegt. Im Büro tat bis zuletzt ein Telefon mit Wählscheibe zuverlässig seinen Dienst. Kartenzahlung im Laden wollte er nicht haben. Alles Prahlerische und Protzige lehnte Martin Schofroh ab. Neokapitalismus und Geldverschwendung waren ihm ein Gräuel. Er lebte bescheiden. Der Laden war sein Lebensmittelpunkt. Hier traf er viele Menschen, die gerne mit ihm ein Schwätzchen hielten – aber auch tiefgehende Gespräche mit ihm führten. Der Laden war ein Treffpunkt – auch für Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Für sie hatte Martin ein großes Herz. Auch Kinder gingen gerne bei ihm einkaufen, weil er immer ein freundliches Wort für sie hatte und jederzeit zu einem Späßchen bereit war.

Martin beherrschte die Weltsprache Esperanto

Nach der Arbeit zog sich Martin meist in seine Wohnung zurück. Ab und zu ging er ins Kino Klappe und schaute sich dort einen guten Film an. Seit Jahrzehnten beherrschte Martin die Weltsprache Esperanto wovon er seinen Kundinnen und Kunden hin und wieder eine Kostprobe gab. Martin Schofroh war überzeugter Pazifist und Antimilitarist. Er hoffte auf eine Welt, in der sich alle Menschen verstehen und friedlich zusammenleben können. Dafür arbeitete er bis zuletzt. Mit seiner Zugewandtheit und Freundlichkeit hat er viel dazu beigetragen, dass die Welt besser wird. Martin Schofroh wird fehlen.

Ausverkauf bis 31. Januar 2023

Mit ihm endet auch der Naturkostladen in Kirchberg. Am Dienstag, 31. Januar 2023, ist Schluss. Bis dahin wird die restliche Ware abverkauft – mit 30 Prozent Rabatt. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin sind nicht in Sicht. Der Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Kirchberg sagt auf Esperanto „Dankon“, lieber Martin´.

Die Urnenbeisetzung fand am Donnerstag, 26. Januar 2023, um 13.30 Uhr auf dem neuen Friedhof in Kirchberg/Jagst statt. Viele Menschen verabschiedeten sich dort von Martin Schofroh. Nach der Beerdigung trafen sich noch viele zum Gespräch im Kirchberger Kino Klappe. Schon zu Lebzeiten hatte Martin Schofroh unterschiedlichste Menschen zusammengebracht. Dafür gebührt ihm Dank und Respekt.

Info:

Der Laden „Naturkost Schofroh und Müller“, Marktstraße 14, in Kirchberg an der Jagst, hat noch bis Dienstag, 31. Januar 2023, geöffnet. Montag bis Freitag von 16.30 Uhr bis 19 Uhr, samstags von 9 Uhr bis 13 Uhr.

Weitere Informationen im Internet und Kontakt:

https://adressen.naturkost.de/naturkost-schofroh-und-mueller-gbr-74592-kirchberg

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