Viel Unterrichtsausfall an beruflichen Schulen – Sakellariou: „Allein im Landkreis Schwäbisch Hall fehlen sechs Lehrer“

An den beruflichen Schulen in Baden-Württemberg fallen 12,5 Prozent des Unterrichts aus oder werden nicht ordnungsgemäß gehalten. Dies erfuhr der Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou (SPD) aus einer Antwort des ehemaligen Kultusministers Helmut Rau (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Landtagsfraktion.

Pressemitteilung des SPD-Wahlkreisbüros Schwäbisch Hall

An Berufsschulen fallen 12,5 Prozent des Unterrichts aus

Laut Nikolaos Sakellariou setzt sich der Unterrichtsausfall aus drei Faktoren zusammen. 4,5 Prozent entfallen auf das strukturelle Defizit, da die Landesregierung 749 für den regulären Unterricht nötige Lehrerstellen nicht finanziert. Weitere 3,6 Prozent entfallen auf Krankheit oder dienstliche Verhinderungen, 4,4 Prozent auf Vertretungsstunden, die Lehrer für fehlende Kollegen halten.

Nichtbesetzung von Lehrerstellen gefährdet die Ausbildung der jungen Menschen

Im Schwäbisch Hall liegt der Anteil des strukturellen Unterrichtsausfalls an beruflichen Schulen bei 2,0 Prozent. „Rein rechnerisch ergibt sich für den Landkreis Schwäbisch Hall daraus eine Unterversorgung von sechs Lehrkräften an den beruflichen Schulen“, so Sakellariou. „Mit der Nichtbesetzung gefährdet die Landesregierung die Ausbildung der jungen Menschen und ihre Zukunftschancen“, sagt Nik Sakellariou weiter.

Die Landesregierung steuert nicht ausreichend dagegen

„Das Problem besteht seit Jahren und die Regierung steuert nicht ausreichend dagegen“, ärgert sich Sakellariou.  Die Schüler litten unter den ausfallenden Unterrichtsstunden, die Lehrer unter ständigen Überstunden. Gleichzeitig benötige die Wirtschaft angesichts zunehmender Anforderungen in vielen Berufen und des drohenden Fachkräftemangels gut und umfassend ausgebildete Absolventen. „Wir erwarten viel von den Schülern unserer beruflichen Schulen“, sagt Sakellariou. „Aber anstatt, dass das Land die Qualität in den Schulen sicherstellt, gefährdet es durch den verheerenden Unterrichtsausfall die Zukunft unseres Industriestandorts und die unserer jungen Menschen. Das ist ein ganz schlechtes Zeugnis für die Bildungspolitik in Baden-Württemberg“, meint Sakellariou.

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„Frauen leben länger. Aber wovon?“ – Diskussionsabend mit SPD-Frauen in Öhringen

Die  Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), Frauen für Hohenlohe, hat ihre politische Arbeit aufgenommen und lädt am Donnerstag, 11. März 2010, um 19 Uhr zu ihrer ersten Veranstaltung ins „Haus an der Walk“ in Öhringen ein.

Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), Frauen für Hohenlohe

Ver.di-Landesbezirksleiterin stellt sich der Diskussion

Für ihre Arbeit haben die „ASF –Frauen für Hohenlohe“ das Motto „Frauen leben länger, aber …“ gewählt. Es wird jeweils mit einem aktuellen „Aber“ ergänzt. Beim Diskussionsabend am Donnerstag, 11. März 2010, ab 19 Uhr geht es in Öhrignen um das Thema „Frauen leben länger. Aber wovon?“ Es diskutiert mit: Leni Breymaier, stellvertretende Landesvorsitzende der SPD und Ver.di-Landesbezirksleiterin Baden-Württemberg. Alle Frauen sind zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Mit dem Berufseinstieg beginnt die materielle Benachteiligung der Frauen

Bis zum  Ausbildungsabschluss sind Frauen nicht benachteiligt. Aber mit dem Berufseinstieg beginnt die materielle Benachteiligung: Weniger Lohn und Gehalt, weniger bezahlte Arbeitszeit, geringfügige Beschäftigung, Teilzeitarbeit. Kinderbetreuung oft Fehlanzeige. Kaum sind die Kinder aus dem Haus ist die Frau durch Eltern oder Schwiegereltern gefordert. Das bedeutet in der Summe viel Arbeit, aber wenig gut bezahlte Arbeit. Und dabei gibt es bereits heute eine sehr gut ausgebildete Frauengeneration. Frauen werden gebraucht und müssen deshalb selbstbewusst und laut Forderungen formulieren. An wen?

Bessere Strategien und Lösungen finden

Über diese Themen wollen die SPD-Frauen mit allen interessierten Frauen reden und diskutieren und aus eigenem Erleben, aus der Situation vor Ort berichten und vielleicht bessere Strategien und Lösungen finden.

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HT-Redakteur Mathias Bartels brüllt für den Lions-Club – Damit vermischt er Beruf und Privatleben

Wieder einmal hat Mathias Bartels, ehemaliger Redaktionsleiter des Hohenloher Tagblatts in Crailsheim, sein privates Engagement für den Lions-Club und seine berufliche Tätigkeit als Lokalzeitungsredakteur miteinander vermischt – ohne dies für die Leserinnen und Leser transparent zu machen.

Kommentar von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Lobhudelei für Lehrer-Fortbildungsprogramm

Der Anfang des Jahres 2010 von der HT-Geschäftsführung zum einfachen Redakteur zurückgestufte Mathias Bartels hat in der heutigen Ausgabe des Hohenloher Tagblatts (Montag, 8. März 2010) einen beinahe schon euphorischen Artikel über „Lions-Quest“ das „beliebteste freiwillige Fortbildungsprogramm für Lehrer“ (Zitat aus dem HT-Bericht) geschrieben. In diesem Bartels-Artikel mit der Überschrift „Aufgabe: das Wir-Gefühl stärken“ geht es um eine dreitägige Fortbildung von 20 Lehrerinnen und Lehrern aus dem Landkreis Schwäbisch Hall. Diese Fortbildung hatten die beiden Lions-Clubs aus Crailsheim und Schwäbisch Hall gemeinsam in Crailsheim organisiert.

Ehemaliger Club-Präsident kann nicht unabhängig sein

Für Hohenlohe-ungefiltert ist es weiterhin ein Rätsel, warum Lions-Club-Mitglied Mathias Bartels, der in den vergangenen Jahren auch schon als Präsident des Lions-Club Crailsheim tätig war, immer wieder als Zeitungsredakteur über den Lions-Club Crailsheim schreibt. Das ist Betrug an den Leserinnen und Lesern. Diesen wird durch die Autorenzeile „Mathias Bartels“ vorgegaukelt, der Artikel über die Lions-Club-Veranstaltung in Crailsheim sei von einem außenstehenden, unabhängigen Journalisten geschrieben. Dabei handelt es sich aber in Wirklichkeit nur um eine Pressemitteilung – also einen PR-Artikel – eines Lions-Club-Mitglieds oder gar eines Lions-Club-Funktionärs.

Warum schreiben HT-Redakteure über Vereine, bei denen sie selbst aktiv sind?

Das Hohenloher Tagblatt wäre gut beraten, ihre Redakteure nur zu Veranstaltungen von Vereinen, Verbänden, Firmen oder dergleichen zu schicken, bei denen sie nicht Mitglied oder gar Funktionär sind. So dünn kann die Personaldecke bei der Zeitung nicht sein, dass dies nicht möglich wäre.

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„Gewerkschaftsarbeit undercover im Diak“ – Leserbrief von Jochen Dürr

Zu dem Artikel in Zeitungen des Südwestpresse-Verbunds „Kein Zutritt für Gewerkschafter“ von Hans-Georg Frank, über eine Arbeitsgerichtsverhandlung in Crailsheim, veröffentlicht am 5. März 2010, schreibt ein ver.di-Gewerkschaftsmitglied:

Wenn ich die Worte von Herrn Büschler richtig verstehe, dann können die Beschäftigten des Diakonieklinikums ja undercover Gewerkschaftsarbeit machen – vielleicht wird jeder mit Sonnenbrillen auf der Nase im Dienst demnächst der ver.di-Mitgliedschaft im Diak verdächtigt.

Leserbrief von Jochen Dürr, ver.di-Gewerkschaftsmitglied aus Schwäbisch Hall

Nicht zum Scherzen aufgelegt

Nein, mir ist überhaupt nicht zum Scherzen zumute. Ich möchte daraufhinweisen, dass nicht überall Diakonie drin ist, wo Diakonie draufsteht (sprich ’ne Fahne vor dem Eingangsportal weht). Es ist, lieber Herr Dollmann, soziale Härte, wenn im Diakonieklinikum Hilfskräfte in einer firmeneigenen Zeitarbeitsfirma DSG arbeiten und davon noch leben müssen. Es ist sicher wichtiger, Ärzten den teureren Tarifvertrag des Marburger Bundes zu bezahlen – dafür muss die Hilfskraft eben billiger sein! Herr Dollmann und Herr Haun betonten vor Gericht sehr, dass im Diakonieklinikum das Prinzip der kirchlichen Dienstgemeinschaft praktiziert würde und hierbei Gewerkschaft nicht hineinpasse. Das ist ’ne saubere Dienstgemeinschaft, meine Herren! Im Wettbewerb sollten sich die diakonischen Manager darauf konzentrieren, über die Qualität der Arbeit mit anderen AnbieterInnen zu konkurieren. Da sie es aber immer mehr über Lohndumping und Outsourcing wie im Diak tun, brauchen die Beschäftigten die Gewerkschaft ver.di an ihrer Seite. Wenn die Gerichte diesen sogenannten Dritten Weg (Sonderweg) im Sinne der kirchliche Arbeitgeber bestätigen, dann ist die Politik gefordert.

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„Zehn Prozent aller volljährigen Personen verfügten 2007 über 61,1 Prozent des Vermögens“ – Zahlen und Fakten zum Nachlesen

Die reichsten zehn Prozent aller volljährigen Personen in Deutschland verfügten im Jahr 2007 über 61,1 Prozent des gesamten Vermögens. 27,0 Prozent der Erwachsenen verfügten über kein Vermögen oder waren verschuldet.

Gefunden von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Dies zeigt eine umfangreiche Studie „Die soziale Situation in Deutschland“, veröffentlicht auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung http://www.bpb.de/wissen/Z8ZY11,0,0,Einkommen_und_Verm%F6gen.html

Wie sind die sozialen Aufgaben in Deutschland verteilt? Für welche Aufgaben der Gegenwart und Zukunft müssen Lösungen gefunden werden? Das Online-Angebot „Zahlen und Fakten“ der Bundeszentrale für politische Bildung hilft dabei, die soziale Situation in Deutschland besser einschätzen und beurteilen zu können. Die Kapitel beantworten grundlegende Fragen zu Themenbereichen wie Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Familie und Kinder, Migration und Bildung.

Zur Internetseite: http://www.bpb.de/wissen/37OUAU,0,Die_soziale_Situation_in_Deutschland.html

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SS-Divisionen werden in Jagsthausen verehrt – Gemeinde distanziert sich von zwei SS-Gedenksteinen

Nach Auskunft von Jagsthausens Bürgermeister Roland Halter hat der SS-Gedenkstein im Hintergrund nichts mit der "Gedächtnisstätte der Kriegstoten" der Gemeinde Jagsthausen zu tun.

Nach Auskunft von Bürgermeister Roland Halter hat der SS-Gedenkstein im Hintergrund nichts mit der "Gedächtnisstätte der Kriegstoten" der Gemeinde Jagsthausen zu tun.

Zwei große Gedenksteine für die “17. Panzergrenadier-Division Götz von Berlichingen” und die “Panzer-Division Wiking” stehen etwa 100 Meter oberhalb der „Götzenburg“ Jagsthausen am Ortsausgang Richtung Berlichingen. Der Betrachter wird aber nicht darüber aufgeklärt, dass es sich bei diesen Divisionen um zwei SS-Einheiten handelt. Nur wenige Meter davon entfernt sind das „Ehrenmal der Gemeinde für Gefallene und Vermisste des Ersten und Zweiten Weltkrieges“ und für die „Opfer der Gewaltherrschaft während der Nazi-Diktatur“ der Gemeinde Jagsthausen.

Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Bürgermeister Halter: „Gemeinde hat mit den SS-Gedenksteinen nichts zu tun“

„Die Gedenksteine haben überhaupt nichts mit dem weiter nordwestlich liegenden Ehrenmal der Gemeinde für Gefallene und Vermisste des 1. und 2. Weltkriedges oder Opfer der Gewaltherrschaft während der Nazi-Diktatur zu tun. Die Gemeinde hat die Aufstellung weder veranlasst noch unterstützt und ist somit in keinen Zusammenhang damit zu bringen. Die Gedenksteine stehen auf Privateigentum von Götz Freiherr von Berlichingen. Weitere Auskünfte erhalten Sie gegebenenfalls von ihm“, schreibt Jagsthausens Bürgermeister Roland Halter auf eine Nachfrage von Hohenlohe-ungefiltert.

Freiherr von Berlichingen antwortete bisher nicht

Von Götz Freiherr von Berlichingen hat Hohenlohe-ungefiltert innerhalb der vergangenen drei Wochen keine Antwort auf Fragen zu den SS-Gedenksteinen bekommen.

Roman Herzog ist seit 2001 mit Freifrau von Berlichingen verheiratet

Interessant wäre auch eine Stellungnahme des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog (CDU) zu den Gedenksteinen in Jagsthausen für die SS-Divisionen „Götz von Berlichingen“ und „Wiking“. Ein entsprechender Fragenkatalog vom Januar 2010 an das offizielle Büro „Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog, Prinzregentenstraße 89, 81675 München“ blieb aber bis heute (7. März 2010) unbeantwortet. Roman Herzog ist seit 2001 in zweiter Ehe mit Alexandra Freifrau von Berlichingen, der Geschäftsführerin der Burgfestspiele Jagsthausen verheiratet. Bundespräsident a.D. Herzog ist selbst regelmäßiger Besucher der Burgfestspiele in Jagsthausen. In der Region Heilbronn-Franken scheint es Roman Herzog zu gefallen. Sein offizielles Büro verlegt er jedenfalls ab dem 15. März 2010 von München nach Heilbronn.

SS-Gedenksteine passen nicht zu einem „Gedenken an die Opfer“

Während seiner Amtszeit als Bundespräsident (1994 bis 1999) führte Roman Herzog 1996 in Deutschland den 27. Januar als Opfergedenktag ein. Seither wird dieser Tag in Deutschland als “Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus” begangen. In seiner Rede führte Herzog damals aus: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ Anmerkung von Hohenlohe-ungefiltert: Zu diesen Worten passen Gedenksteine für SS-Divisionen in Jagsthausen, der Heimat seiner Gattin, sicher nicht.

SS-Divisionen häufig in Kriegsverbrechen verwickelt

Bild des Gedenksteins in Jagsthausen für die SS-Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen", aufgenommen im Januar 2010.

Gedenkstein in Jagsthausen für die SS-Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen". Das Foto wurde im Januar 2010 aufgenommen.

Zur historischen Einschätzung der SS-Gedenksteine in Jagsthausen schreibt Thomas Will, Richter am Amtsgericht und Mitarbeiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg auf Nachfrage von Hohenlohe-ungefiltert: „Allgemein gilt, dass SS-Divisionen häufig in Kriegsverbrechen verwickelt waren, so dass derartige Gedenksteine grundsätzlich schon deswegen problematisch sind. Die Prüfung der Frage, ob solche Gedenksteine rechtlich erlaubt sind, fällt nicht in das Aufgabengebiet der Zentralen Stelle.“

16 Aktenbände über Ermittlungen gegen SS-Divisionen „Götz von Berlichingen“ und „Wiking“

Umfangreiche Ermittlungsakten zu den beiden SS-Divisionen „Götz von Berlichingen“ und „Wiking“ lagern in der Außenstelle Ludwigsburg des Bundesarchivs. „Im Teilfindbuch zum Bestand B 162 Zentrale Stelle derzeit insgesamt 16 Aktenbände recherchierbar, die Ermittlungen gegen Angehörige der von Ihnen genannten SS-Divisionen „Götz von Berlichingen“ und „Wiking“ zum Gegenstand haben“, schreibt Bundesarchiv-Mitarbeiter Dr. Tobias Herrmann auf Nachfrage von Hohenlohe-ungefiltert. „Diese Bände können unter den Bedingungen von Bundesarchivgesetz und Bundesarchiv-Benutzungsverordnung im Lesesaal unserer Außenstelle eingesehen werden. Eine „historische Einstufung“ militärischer oder paramilitärischer Einheiten „hinsichtlich Kriegsverbrechen“ vorzunehmen, ist nicht Aufgabe des Historikers“, schreibt Tobias Herrmann weiter (www.bundesarchiv.de).

Polizeidirektion Heilbronn hält die SS-Gedenksteine für strafrechtlich oder staatsschutzrechtlich nicht zu beanstanden

Nach Ansicht von Harald Schumacher, Pressesprecher der Polizeidirektion Heilbronn, sind die „Gedenksteine strafrechtlich oder staatsschutzrechtlich nicht zu beanstanden“.

Staatsanwaltschaft Heilbronn und Landeskriminalamt Stuttgart antworten nicht

Hubert Waldenberger, Pressesprecher des Landratsamts Heilbronn, berichtet auf Nachfrage von Hohenlohe-ungefiltert über die SS-Gedenksteine: „Bisher sind hier weder Hinweise noch Kritik eingegangen und der Kreistag hat sich damit nicht beschäftigt. Details zu diesen Gedenksteinen sind hier nicht bekannt. (…) Ob solch ein Gedenkstein einen Straftatbestand erfüllt, kann von hier nicht beurteilt werden, sondern müsste von der Justiz geprüft werden. Straftatbestände können bei jeder Polizeidienststelle angezeigt werden“, so Waldenberger weiter.

Eine entsprechende Anfrage von Hohenlohe-ungefiltert an die Staatsanwaltschaft Heilbronn, Referat Öffentlichkeitsarbeit, vom 4. Februar 2010, zur Zulässigkeit solcher SS-Gedenksteine blieb allerdings bis heute (7. März 2010) unbeantwortet. Ebenso unbeantwortet geblieben ist bisher eine inhaltlich ähnliche Nachfrage beim Landeskriminalamt Stuttgart, Referat Öffentlichkeitsarbeit und Abteilung Staatsschutz.

In Jagsthausen soll es schon in den 1980er Jahren Gedenktreffen von SS-Mitgliedern gegeben haben

Diese Bänder schmücken den Kranz zur Erinnerung der SS-Division "Götz von Berlichingen" in Jagsthausen.

Diese Bänder schmücken den Kranz zur Ehrung der SS-Division "Götz von Berlichingen" in Jagsthausen.

Bisher keine konkreten Informationen über die Gedenksteine für die SS-Divisionen in Jagsthausen hat die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Landesvereinigung Baden-Württemberg (VVN-BdA) in Stuttgart. Ein VVN-BdA-Mitglied aus dem Landkreis Schwäbisch Hall teilt auf Nachfrage von Hohenlohe-ungefiltert jedoch mit, dass ihm die SS-Gedenksteine in Jagsthausen schon seit einigen Jahren bekannt und „ein Dorn im Auge“ gewesen seien. In Jagsthausen habe es „wohl auch in den 1980er Jahren – vielleicht auch später noch „Gedenktreffen“ gegeben – wie zum Beispiel auch in Ruppertshofen, Gemeinde Ilshofen, „wo jahrelang der Musikverein nach der offiziellen Volkstrauertags-Kirchenveranstaltung den alten Kameraden aufgespielt“ habe. Im Friedhof Ruppertshofen gebe es auch eine „Nische“, in der SS-Soldaten liegen, die das Dorf bis zur Zerstörung „heldenhaft verteidigt haben“, schreibt das Mitglied der VVN-BdA aus dem Landkreis Schwäbisch Hall mit einer Prise Sarkasmus weiter.

SS-Gedenksteine werden vom Regierungspräsidium Stuttgart nicht als Denkmale geführt

Für „in keiner Form zuständig“ sieht sich die Denkmalabteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP), nach Darstellung des RP-Pressesprechers Clemens Homoth-Kuhs. Die SS-Gedenksteine in Jagsthausen werden von der Denkmalabteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart „nicht als Denkmale geführt“, so Homoth-Kuhs in seiner Antwort auf eine Nachfrage von Hohenlohe-ungefiltert.

Anmerkung von Hohenlohe-ungefiltert: Interessant wäre nun vor allem die Stellungnahme des aktuellen Eigentümers der Burg Jagsthausen, Götz Freiherr von Berlichingen, warum auf seinem Grundstück, unmittelbar neben der gemeindlichen Erinnerungsstätte für die Kriegsopfer, zwei Gedenksteine für SS-Divisionen stehen, deren Soldaten nach bisherigen Recherchen an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt waren. Auch eine Stellungnahme zu den SS-Gedenksteinen von Ex-Bundespräsident Roman Herzog, der mit Alexandra Freifrau von Berlichingen verheiratet ist und deshalb ein regelmäßiger Gast der Götzenburg Jagsthausen ist, wäre wünschenswert. Insbesondere deshalb, weil sich Roman Herzog während seiner Amtszeit als Bundespräsident für die Einführung eines Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus eingesetzt hat.

Weitere Informationen zu den Gedenksteinen in Jagsthausen bei Hohenlohe-ungefiltert:

https://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=6198

Weitere Informationen zur 17. SS-Panzergrenadier-Division “Götz von Berlichingen”:

http://de.wikipedia.org/wiki/17._SS-Panzergrenadier-Division_„Götz_von_Berlichingen“

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/0513/seite3/0001/index.html

Weitere Informationen zur SS-Panzer-Division “Wiking”:

http://www1.yadvashem.org/download/about_holocaust/studies/lappin_full.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/5._SS-Panzer-Division_„Wiking“

Rede von Bundespräsident Roman Herzog anläßlich des Gedenkens an den 50. Jahrestag des Warschauer Aufstandes am 1. August 1994 in Warschau:

http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/WegeInDieGegenwart_redeHerzogZumWarschauerAufstand/index.html

Gedenkstein an die SS-Panzerdivision "Wiking" in Jagsthausen, aufgenommen im Januar 2010.

Gedenkstein für die SS-Panzerdivision "Wiking" in Jagsthausen. Das Foto wurde im Januar 2010 aufgenommen.

Bisher unbeantworteter Fragenkatalog von Hohenlohe-ungefiltert vom 4. Februar 2010 an die Pressestelle der Staatsanwaltschaft Heilbronn:

Staatsanwaltschaft Heilbronn
Referat Öffentlichkeitsarbeit

Presseanfrage zu Gedenksteinen für zwei SS-Divisionen auf der Gemarkung Jagsthausen

Zum Sachverhalt:
Zwei große Gedenksteine für die „17. Panzergrenadierdivision Götz von Berlichingen“ und die „Panzer-Division Wiking“ stehen etwa 100 Meter oberhalb der Burg Jagsthausen am Ortsausgang Richtung Berlichingen. Ein Schild weist darauf hin, dass die Gedenksteine vermutlich zu einer gemeindlichen Gedächtnisstätte der Kriegstoten der Gemeinde Jagsthausen gehören. Der Betrachter der Gedenksteine wird nicht darüber aufgeklärt, dass es sich bei diesen Divisionen um zwei SS-Einheiten handelt. Laut Wikipedia-Eintrag waren diese SS-Divisionen im Zweiten Weltkrieg aktiv an Kriegsverbrechen beteiligt. Laut Entnazifizierungsgesetz handelt es sich bei der SS per se um eine verbrecherische Organisation.

Die Fragen:
1. Seit wann gibt es diese beiden Gedenksteine für die SS-Divisionen in Jagsthausen?
2. Wer ist für die jeweilige Aufschrift inhaltlich verantwortlich – wie kamen die Texte zu Stande und auf welcher Grundlage?
3. Auf wessen Veranlassung wurden die beiden Gedenksteine aufgestellt? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den beiden SS-Divisionen und der Gemeinde Jagsthausen?
4. Wer pflegt die Gedenksteine und die Einfriedung?
5. Stehen die Gedenksteine auf einem Gemeindegrundstück?
6. Ist es rechtlich erlaubt, Gedenksteine für SS-Divisionen aufzustellen?
7. Hat es in der Vergangenheit bereits Hinweise darauf gegeben oder Kritik daran gegeben, dass Gedenksteine für zwei SS-Divisionen in Jagsthausen stehen?
8. Hat es schon Forderungen gegeben, diese Gedenksteine zu entfernen – wenn ja, von wem?
9. Wie sind die beiden Gedenksteinen für die SS-Divisionen aus Sicht der Staatsanwaltschaft zu bewerten?
10. Falls es sich bei dem Grundstück um ein Privatgrundstück handelt: Ist es rechtlich erlaubt, Gedenksteine für SS-Divisionen auf einem Privatgrundstück aufzustellen?

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Die Reifeprüfung

Schlechte Nachrichten, die die Deutsche Presse-Agentur da am Freitag, den 5. März 2010 um 5.30 Uhr unter der Überschrift “Jeder zweite Schulabgänger ‘nicht ausbildungsreif’” verkündet hat. Doch es reich nicht immer aus, wenn einem so ein Entwurf vorliegt — man muss ihn auch verstehen. Und das ist gar nicht so einfach, wie ein Sprecher des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BILDblog gegenüber zugab.

Gefunden von Axel Wiczorke, Hohenlohe-ungefiltert

Der Journalist von dpa habe einfach die Zahl aller Schulabgänger aus dem Jahr 2008 mit der Zahl der Eintritte in sogenannte berufsgrundbildende Maßnahmen verglichen und war so auf einen Wert von 47,3% gekommen. Übersehen hatte er dabei aber, dass diese Maßnahmen auch von Abgängern anderer Jahrgänge in Anspruch genommen werden können, dass sie mehrfach besucht (und dann auch mehrfach gezählt) werden können und dass sie teilweise von “ausbildungsreifen” Jugendlichen zur Qualifikationsverbesserung genutzt werden.

(Kommentar A.W.: Eine Lektion in Sachen Journalismus und wer von wem welche Meldungen einfach übernimmt ohne sie zu überprüfen)

http://www.bildblog.de/16782/die-reifepruefung/

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Barmherzigkeit im Umgang mit ihrem demenzerkrankten Mann – Inge Jens liest in Crailsheim aus ihren „Unvollständigen Erinnerungen“

Inge Jens liest am Dienstag, 16. März 2010, um 20 Uhr im Forum der Crailsheimer Sparkasse aus ihrem Buch „Unvollständige Erinnerungen“. Inge Jens ist auch die Herausgeberin der Tagebücher von Thomas Mann.

Pressemitteilung der Buchhandlung Baier, Crailsheim

Offener Umgang mit der Demenzerkrankung ihres Mannes Walter Jens

In ihrem aktuellen Buch schildert sie ihre Kindheit und Jugendzeit während der Hitler-Zeit in Hamburg, ihr Studium und Familiengründung in Tübingen, ihr Leben an der Seite von Professor Walter Jens, ihr Spagat zwischen ihrer Rolle als Mutter und den eigenen beruflichen Ambitionen, ihre Begegnungen mit berühmten Zeitgenossen wie Hans Küng, Golo Mann, Richard von Weizsäcker, Loriot und Carola Stern, ihre Erlebnisse bei der Blockade in Mutlangen. Sie schreibt auch mit großer Offenheit über die Demenzerkrankung ihres Mannes.

Sachlich und reflektiert

Inge Jens schreibt sachlich und reflektiert über ihr Leben. Dieses ist weniger ein Leben im Schatten eines berühmten Mannes und schon gar nicht diesem Mann ausschließlich gewidmet. Als Herausgeberin der Tagebücher von Thomas Mann erntete sie viel Lob. Durch ihre Begegnungen mit Katja und Golo Mann erschloss sich ihr eine Weltsicht, die in den Büchern „Frau Thomas Mann“ und „Katjas Mutter“ ihren Niederschlag fanden und Bestseller wurden. Mit Hans Küng verbindet sie eine lange nachbarschaftliche Freundschaft, die bis heute hält und gerade jetzt sehr wichtig ist.

„Er ist der mir Anvertraute

Beim Beschreiben der neuen Lebenssituation auf Grund der Demenz von Walter Jens gibt Inge Jens ihre Diskretion auf. Sie schildert die Schwierigkeiten, die Krankheit zu akzeptieren, schildert, wie sie zornig und mitfühlend zugleich ist, wie es sie stört, wenn er nachts durch das Haus geistert oder an ihrem Bett steht, wie sie sich Nachsicht zu üben zwingt. Auf die Frage: Lieben Sie Ihren Mann?, sagte sie in einem Interview der Frankfurter Rundschau: „Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich mein Gefühl für ihn bezeichnen soll: ganz sicher als Barmherzigkeit, eine der Grundtugenden im christlichen Sinne. Sie können es aber auch Liebe nennen. Es ist eine Art der umfassenden Liebe. Sie hat mit den Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre zu tun. Der Mensch, mit dem ich lebe, ist nicht mehr mein Mann, aber er ist der mir Anvertraute.“

Info: Karten zu dieser Veranstaltung der Literarischen Gesellschaft gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Baier, Telefon 07951/940312) und (soweit noch vorhanden) an der Abendkasse.

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„Nein zur Privatisierung des Krankenwesens“ – Selbstaktiv-Netzwerk behinderter Menschen in der SPD

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), war vor kurzem bei den „Krautheimer Gesprächen“ des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) zu Besuch.

Pressemitteilung der Selbsthilfegruppe Selbstaktiv Baden-Württemberg, Netzwerk behinderter Menschen in der SPD

Nein zu einem Teilhabegesetz behinderter Menschen – bedauerlich

In den Krautheimer Gesprächen, die vom BSK-Vorstandsmitglied Karl Finke organisiert und moderiert werden, werden gezielt Fragen zu jeweiligen Umsetzungsmöglichkeiten gestellt. Der Beauftragte für behinderte Menschen der Bundesregierung, Hubert Hüppe, sprach sich hier eindeutig für die gemeinsame Beschulung sowie für das Budget für Arbeit aus. Dies sind beides Bereiche, die zunächst in Länderzuständigkeit sind und in denen der Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen, Karl Finke, zum Beispiel beim Budget für Arbeit, wesentlich in Niedersachsen beteiligt war. Erfreut waren hier die behinderten Menschen, über die klare Aussage Hüppes, den Beirat zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention mit über 50 Prozent behinderter Menschen zu besetzen sowie der klaren Absage an eine Privatisierung des Gesundheitswesens.

Entgegen den eindeutigen Forderungen aktiver behinderter Menschen sagte Hubert Hüppe jedoch zur Frage eines sozialhilfeunabhängigen Teilhabegeldes „… dies wird wohl nicht kommen“. Ebenfalls vermissten die Behindertenvertreter eine klare Aussage, behinderte Menschen aus der lebenslangen Sozialhilfeabhängikeit herauszunehmen. „So wird Denken in Sozialhilfekriterien von Politik und Gesellschaft gefördert“, sagt Walter Leyh, Sprecher von Selbstaktiv Baden-Württemberg. „Wir von Selbstaktiv unterstützen die Arbeit des Beauftragten für die Belange behinderter Menschen, um vor allen Dingen auch konsequent die materielle, eigenständige Lebensführung behinderter Menschen zu stärken und sie von lebenslangen Abhängigkeiten zu befreien. Hubert Hüppe ist sicherlich unverdächtig, Politikentscheidungen in Verbindung zu bringen mit Fördermöglichkeiten materiell sehr gut gestellter  Menschen. Wir erwarten einen klaren sozialen Konsens und einen aktiven Staat zur Schaffung eines solidarischen Systems in Deutschland. Die UN-Behindertenrechtskonvention mit ihren Aussagen zu  angemessener Lebensqualität und einem inklusiven Gesundheitssystem, sowie den Aussagen zur  politischen Teilhabe begründen dies. Wir von Selbstaktiv sind eine Stimme von Menschen mit Behinderung und bringen diese auch engagiert ein“, so Walter Leyh weiter.

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