„Hermann Roßmann – Schriftsteller, Dichter, Filmamateur“ – Stadtarchiv Crailsheim meldet Neuzugänge im Bestand

Die vielfältigen Themen, mit denen sich historisch interessierte Menschen an das Stadtarchiv wenden, führen immer wieder dazu, dass neue Aspekte der Stadtgeschichte in den Fokus treten oder aber Personen, deren Bedeutung bisher völlig unterschätzt wurde. Ein bezeichnendes Beispiel der letzten Monate ist Hermann Roßmann (1902-1985).

Von der Stadtverwaltung Crailsheim

Ferne – Roman eines D-Zug-Waggons

„Kennen Sie Hermann Roßmann?“ — Mit dieser Frage brachte Dr. Otto Burkhardt die Mitarbeiter des Stadtarchivs im Sommer 2018 ordentlich ins Grübeln. Der pensionierte Rektor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums interessierte sich für die Werke des ehemals in Crailsheim beheimateten Schriftstellers. Jedoch war bislang über die literaturhistorische Facette der Stadt wenig bekannt. Nach einer mäßig ergiebigen Internet-Recherche stand fest: Hermann Roßmann wurde am 15. Februar 1902 in Berlin geboren. Er schrieb Romane (Klas der Fisch, 1927; Ferne – Roman eines D-Zug-Waggons, 1928) und Theaterstücke sowie zahlreiche Hörspiele, die in der gesamten Bundesrepublik gesendet wurden. Außerdem produzierte er in den 1930er und 1940er Jahren mehrere international prämierte Amateurfilme. Diese wenigen ersten Rechercheergebnisse lieferten den Auftakt zu einem innovativen Forschungsprojekt.

Eine Spurensuche mit Erfolg

Der Germanistik-Student Sebastian Kopf (Karlsruher Institut für Technologie) ist als freier Mitarbeiter von Stadtblatt und Stadtarchiv unter anderem Autor der Broschüren zu den Städtepartnerschaften mit Worthington und Pamiers. Er beschloss, sich im Rahmen seiner Masterarbeit mit dem Leben und Wirken Roßmanns auseinanderzusetzen. Dies bedeutete zunächst einmal abzuschätzen, ob genug Material für eine wissenschaftliche Arbeit zu beschaffen war. So begann eine zeitintensive und spannende Spurensuche, die schließlich bis ins benachbarte Ausland führte.

Archivdokumente füllen vier laufende Meter

Den entscheidenden Hinweis lieferte Dr. Burkhardt. Der passionierte Pädagoge konnte über die erste Crailsheimer Austauschschülerin in Worthington und zugleich Tochter des Schriftstellers, Renate Roßmann, den Kontakt zu deren Familie herstellen. Von hier an übernahm Axel Roßmann, der älteste Sohn, die Koordination der einzelnen Familienmitglieder, wenn es um die Beschaffung von verschiedenen biographischen Informationen ging. Zusätzlich sorgte Axel Roßmann dafür, dass der gesamte literarische Nachlass seines Vaters an das Stadtarchiv Crailsheim gesendet wurde, wo er im Umfang von zirka vier laufenden Metern dauerhaft verwahrt wird.

Die Digitalisierung und Verwahrung der Filme Roßmanns

Das literarische Vermächtnis Roßmanns beinhaltet neben sämtlichen veröffentlichten Werken und weiteren unveröffentlichten Manuskripten auch zahlreiche biographische Unterlagen. So konnte mit Hilfe eines Briefwechsels zwischen dem langjährigen Pressereferenten der Agfa Gevaert, Frank Frese, und Hermann Roßmann aus dem Jahr 1977 der Film „Masken“ in den Beständen des Bundesverbands Deutscher Film-Autoren (BDFA) ausfindig gemacht und digitalisiert werden. Der Film „Masken“ wurde während der Weltausstellung 1937 in Paris mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Filme liegen auf DVD im Stadtarchiv vor

Weitere Amateurfilme verwahrte die Filmwissenschaftlerin Martina Roepke in den Niederlanden für die Familie Roßmann. Durch Roepkes Kontakte zur Landesfilmsammlung Baden-Württemberg konnte im Herbst 2019 mit Unterstützung des Stadtarchivs eine Fördermöglichkeit zur Digitalisierung und Verwahrung der Filme in Stuttgart gefunden werden. Die restaurierten Schmalfilme zeigen auf beeindruckende Weise die kreativen Möglichkeiten der Filmamateure in der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus. Sie gewähren uns zudem einen Einblick in das Privatleben einer mittelständischen Familie in Berlin. Auch die Roßmann- Filme liegen auf DVD im Stadtarchiv vor.

Kunst und Kultur in der Zeit des Nationalsozialismus

Der Aufstieg der Nationalsozialisten erschwerte Roßmann die schriftstellerische Tätigkeit immens. Das Stück „Flieger“ (1933), eine Hommage an die Piloten des Ersten Weltkriegs, wurde vom Reichspropagandaministerium als „unerwünscht“ deklariert. Nach dem Verbot wurde das Stück 1934 in London aufgeführt und in den USA unter dem Titel „The As“ verfilmt.

Zuflucht in Michelbach/Heide

Als Volksfrontmann erlebte Roßmann den Untergang seiner Heimatstadt Berlin, während seine Frau Hildegard mit den gemeinsamen Kindern als Reichsdeutsche in Tirol ausgewiesen wurde. Die junge Familie fand in Michelbach an der Heide Zuflucht und wartete dort bis August 1945 auf die Rückkehr des Familienvaters aus russischer Kriegsgefangenschaft.

Neue Heimat in der Stadt Crailsheim

Im Juli 1952 zog die Familie nach Crailsheim in die Friedenstraße 17. Von nun an versuchte Roßmann seinen Lebensunterhalt mit Hilfe seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu bestreiten. Er schrieb unermüdlich an Theaterstücken und Hörspielen. Er produzierte neue Filme und hielt in Gaststätten und an Volkshochschulen Vorträge über seine vergangenen Reisen. 1952 verfasste Roßmann auch sein wohl wichtigstes Stück: „Fünf Mann – Ein Brot“. Das Kriegsgefangenen-Drama wurde auf zahlreichen deutschen Bühnen von Karlsruhe bis Hamburg gespielt und feierte 1958 seine Premiere in Paris.
Doch die literarischen Erfolge reichten nicht aus, um die Familie zu ernähren. Daher beschloss Roßmann 1959 wieder in den heimischen Familienbetrieb zurückzukehren und die Leitung einer Holzfaserfabrik in Wörgl (Tirol) zu betreuen.

Das Werk Roßmanns im Stadtarchiv

Hermann Roßmann starb am 3. März 1985 in Wörgl. Sein Werk spiegelt den historischen Medienwandel von der Weimarer Republik bis in die frühe Bundesrepublik wider und erlaubt einen medienhistorischen Einblick in das Leben eines Menschen, der sich stets zwischen institutionalisierter Professionalität und laienhafter Leidenschaft bewegte.

Roßmann und sein Werk werden in den kommenden Monaten im Rahmen mehrerer Veranstaltungen des Stadtarchivs vorgestellt.

Weitere Informationen und Kontakt:

https://www.stadtarchiv-crailsheim.de/

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„Stadthallen-Studie“ – Crailsheimer Gemeinderat-Sondersitzung wird live ins Autokino übertragen

Ob Vereine, Kulturschaffende und die Bundesliga-Basketballer der HAKRO Merlins Crailsheim eine neue Heimat in einer potentiellen Stadthalle finden können, soll eine Studie klären, die am Freitag, 29. Mai 2020, ab 15 Uhr im Gemeinderat vorgestellt wird. Die Sitzung wird für alle Bürgerinnen und Bürger kostenlos in das Autokino auf dem Volksfestplatz übertragen.

Von der Stadtverwaltung Crailsheim

„Epochale Entscheidung“

Kaum ein Thema polarisiert in Crailsheim so sehr, wie die Frage des Baus einer möglichen Stadthalle. Sozial- und Baubürgermeister Jörg Steuler sprach in diesem Zusammenhang kürzlich von einer „epochalen Entscheidung“, die im Sommer dieses Jahres getroffen werden muss. Schon seit mehreren Jahrzehnten diskutiert der Gemeinderat über die Umsetzbarkeit einer Veranstaltungsstätte im Herzen der Stadt. Eine von der Verwaltung in Auftrag gegebene Nutzungs- und Entwicklungsstudie soll nun endgültig klären, ob und in welcher Größe eine Stadthalle auf dem Volksfestplatz realisiert werden soll.

Soll es eine Kultur- und Sporthalle werden?

Je nach Umsetzung könnte sie dann nicht nur eine neue Heimat für viele Vereine und Kulturschaffende aus Crailsheim bieten. Auch die Bundesliga- Basketballer der HAKRO Merlins Crailsheim sind auf der Suche nach einer bundesligatauglichen Spielstätte und könnten einen Platz darin finden. Daher wurde ebenso dieser Aspekt in der Studie auf Realisierbarkeit geprüft.
Die Ergebnisse werden nun dem Gemeinderat in einer Sondersitzung am Freitag, 29. Mai 2020, in Ingersheim um 15 Uhr von den beauftragten Fachleuten des Beratungsunternehmens Bevenue GmbH vorgestellt.

Einmalige Aktion

Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, die Präsentation sowie die anschließende Diskussion der Stadträte in einem einmaligen Umfeld im Autokino zu verfolgen. Die Fläche ist ab 14.30 Uhr geöffnet. Die Zu- und Abfahrten auf das Gelände sind jederzeit möglich. Der Kiosk auf dem Gelände hat geöffnet.

Bürgerbeteiligung nur online

Eine Bürgerinformationsveranstaltung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund der Corona-Pandemie nicht vorgesehen. Somit bleibt die Präsentation im Rat die einzige Möglichkeit, Erklärungen zur Studie und den potentiellen Umsetzungsvarianten zu erhalten. In den kommenden Wochen ist geplant, auf der Internetseite der Stadt Auszüge der Studie zu veröffentlichen und den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, auf digitalem Weg Fragen zu stellen.

Weitere Informationen und Kontakt:

https://www.crailsheim.de/

https://www.crailsheim.de/stadtleben/crailsheim-mitgestalten/buergerstiftung-crailsheim/

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„Unterstützt das Abraxa“ – Dorfwirtschaft in Heroldhausen öffnet wieder – Es gibt auch Mittagessen zum Mitnehmen

Da haben die beiden schon mehrere wirtschaftliche Standbeine. Dennoch brechen die Einnahmen durch Corona einfach mal komplett weg. Aufgeben kommt für Ursel Ruoff und Antje Kunz jedoch nicht in Frage. Langsam lassen sie wieder Leben ins Heroldhausener Abraxa einkehren. In der urigen Dorfwirtschaft gibt es jetzt sonntags Mittagsgerichte zum Mitnehmen. Und auch der kleine Biergarten ist am Wochenende wieder geöffnet.

Von Michaela Butz aus Crailsheim

Ideal für Biker und Ausflügler

Die Straßen werden schmaler und schmaler, wenn man von Kirchberg/Jagst über Weckelweiler oder aber über Gerabronn nach Heroldhausen fährt. Ohne Abraxa würde mich wohl nichts nach Heroldhausen locken. Ein kleiner Weiler mit etwas mehr als 50 Einwohnerinnen und Einwohner. Darunter viele junge und kinderreiche Familien, die sich in ehemaligen Hofstellen niedergelassen haben. Hier können Kinder noch draußen spielen. Der Sternenhimmel lässt sich nachts sicherlich gut betrachten. Alle, die es ruhig mögen, sind hier vollkommen richtig. Und: Heroldhausen – oder vielmehr das Abraxa – sind ein ideales Ausflugsziel für Biker und Ausflügler aus allen Himmelsrichtungen.

Frauenteam am Start

Seit 1996 betreiben Ursel Ruoff und Antje Kunz das Abraxa. Eigentlich heißt der Rabe in Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ ja Abraxas. Das fehlende „s“ soll sämtlichen Markenrechtstreitigkeiten vorbeugen. Ausschlaggebend bei der Namensgebung ist, dass das Kinderbuch mit seiner vorwitzigen Heldin 1957 erscheint, dem Geburtsjahr von Wirtshauschefin Ursel.

Durch Corona bricht alles weg

Auch ohne Corona ist das Abraxa unter der Woche nicht geöffnet. Ursel sorgt dann im Crailsheimer „Biotop“ für einen vegetarischen Mittagstisch. Antje ist als Autorin und Bloggerin für „LandKult“, als Touristenführerin oder als PR-Managerin für die „Stuttgarter Saloniker“ unterwegs. In ihrer umgebauten Scheune haben die beiden zudem ein kleines Ferienhaus eingerichtet, das sie über eine Agentur an Gäste aus dem In- und Ausland vermieten. Gastronomie, Tourismus, Kultur – derart viele wirtschaftliche Standbeine sollten eigentlich tragen. Doch das Virus lässt überraschend schnell sämtliche Einnahmen wegbrechen.

Mittagsgerichte to go

Entmutigen lassen sich die beiden jedoch nicht. Obwohl die geografische Lage des Abraxa nicht gerade danach schreit, bieten sie weiterhin sonntags verschiedene Gerichte und Salate zur Abholung an. Die Tageskarte wird immer mittwochs auf Facebook veröffentlicht und kann telefonisch abgefragt werden. Ab dann kann auf Facebook (als Kommentar) oder telefonisch vorbestellt werden. Die Abholung ist so organisiert, dass keine Warteschlangen entstehen.

Alles aus Hohenlohe

„Wir sind zwar nicht zertifiziert und streben das auch nicht an, aber die meisten Produkte, die in den Kochtopf kommen sind bio, alle aber kommen aus der Region“, erklärt Antje. Gemüse bezieht das Abraxa von den Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler. Das Fleisch vom Limpurger Weiderind kommt direkt von Erzeuger Harald Glasbrenner aus Tüngental, Wild aus heimischem Streitwald und Putenfleisch vom Selbstvermarkter Werdecker Hof. Das Speiseeis wird von „MooBio“ aus Kirchberg bezogen.

Biergarten wieder geöffnet

Seit dem 23. Mai 2020 ist auch der kleine Biergarten im Selbstbedienungsmodus wieder am Wochenende geöffnet. An sieben liebevoll und unterschiedlich gestalteten Tischen stehen im Hof des Abraxa 25 Sitzplätze zur Verfügung. Ob sich der Biergartenbetrieb am Samstagabend lohnt, werden die kommenden Wochen zeigen. Am Sonntag wird bei gutem Wetter auf jeden Fall ab 12 Uhr zum Mittagstisch (weiterhin auch „to go“!) und ab 14 Uhr zu Kaffee und selbst gebackenem Kuchen geladen. Das Mittagstisch-Angebot wechselt wöchentlich und es stehen ein vegetarisches und ein Fleisch-Gericht zur Auswahl. Zu empfehlen sind zudem die verschiedenen Salatvariationen. Um besser planen zu können und Frustration zu vermeiden, ist an beiden Tagen eine Vorbestellung oder Tischreservierung erwünscht.

Unterstützt die Region

Das Abraxa ist eines der vielen Lokale, die in diesen Zeiten auf die Unterstützung aus der Region angewiesen sind. Warum also nicht am Wochenende einen (Rad-)Ausflug nach Heroldhausen planen? Zumal durch das Abraxa auch verschiedene Nahrungsmittelproduzenten aus Hohenlohe profitieren.

Adresse, Links und Öffnungszeiten:

Abraxa Dorfwirtschaft & Ferienhaus
Heroldhausen 12
74595 Rot am See
Telefon 07954 8618
www.abraxa-hero.de
www.facebook.com/Heroldhausen

Öffnungszeiten:
Samstag, 18.00 bis 21.00 Uhr
Sonntag, 12.00 bis 17.00 Uhr

Bestellungen und Reservierungen auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich

Und hier noch der Link zu einer SWR-Reportage über Hohenlohe, ab Minute 15 wird über das Abraxa berichtet:

https://www.ardmediathek.de/swr/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExNjg4ODg/hohenlohe-von-wegen-provinz

Link zum Artikel auf der Internetseite von Michaela Butz:

https://michaelabutz.com/abraxa/

Weitere Informationen und Kontakt zum Abraxa in Heroldhausen:

https://www.abraxa-hero.de/

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„Land, Leben, Liebe – Dorfgeschichten aus Hohenlohe“ – Roman von Gerd Friedrich (Igersheim) über die „Stunde Null“ 1945

Mai 1945. Stunde Null. Der Bauer Karl Balbach muss Bürgermeister werden. Die Amerikaner wollen es so. Und schon hat er viele Probleme am Hals.

Informationen von Gerd Friederich aus Igersheim

Liebeserklärung an das Landleben

Flüchtlinge und Heimatvertriebene zwangsweise einquartieren. Wohnungsnot lindern. Lebensmittelmarken verwalten. Streit zwischen Einheimischen und Zugezogenen schlichten. Schule wiedereröffnen. Schulspeisung organisieren. Währungsreform durchführen. Für moderne Landtechnik werben. Flurbereinigung durchsetzen. Landflucht bekämpfen, und vieles mehr. Wie schlägt er sich? Und wie geht es den Dorfbewohnern? Dies alles ist nachzulesen in dem neuen Buch „Land Leben Liebe – Dorfgeschichten“. Sie sind eine Liebeserklärung an das Leben auf dem Land.

Wertschätzung für andere

„Stil ist Weglassen des Unwesentlichen“, schrieb Anselm Feuerbach. Fünfzigmal und mehr forme ich jeden einzelnen Satz um, achte auf treffende Wortwahl, Wortvokale, klare Satzstruktur und Satzmelodie, meide Schachtelsätze, Silbenschleppzüge, Mode- und Füllwörter. Darum brauche ich allein fürs Schreiben eines Romans mindestens ein Jahr. Identität und Angst beschäftigen mich seit meinem philosophisch-psychologischen Studium. Vom identitätsstiftenden Gefühl für das Zuhause bis hin zu identitätsvernichtenden Sinnkrisen. Der gegenwärtigen Überforderung vieler Menschen aufgrund angstmachender und identitäts- und wertevernichtender Rastlosigkeit, die schon Kindern den Atem nimmt, spüre ich nach und stelle Respekt vor anderen und Wertschätzung für andere dagegen.

Über den Autor Gerd Friederich:

Aufgewachsen im hohenlohischen Langenburg und schwäbischen Bietigheim an der Enz, unterrichtete ich nach Erststudium in Würzburg in nahezu allen Schularten. Berufsbegleitend absolvierte ich Studien in Tübingen (Pädagogik, Philosophie, Landeskunde, Psychologie) und Nürnberg (Malerei). Ich arbeitete als Lehrer, Heimerzieher, Personalchef, Schulrat und Lehrerausbilder. Jetzt lebe ich im schönen Taubertal, schreibe historische Romane und male Landschaften und Porträts.

„Menschen sind selten oder nie aus einem Guss. Aus der Form der Nase, aus dem Blick, der Kontur des Mundes zieht man deshalb meist falsche Schlüsse. Was Menschen im Wechselspiel zwischen Unmoral-Unsinn und Anstand-Verstand wirklich sind, das will ich dem Leser auf unterhaltsame Weise zeigen.“

Bevor ich 2006 mit dem Schreiben historischer Romane begann, habe ich vorwiegend Bücher, Aufsätze und Rezensionen zu pädagogischen, geschichtlichen und landeskundlichen Themen verfasst.

Die drei letzten Sachbücher:

2005: Leiten, lenken, führen.
Modernes Schulleitungsmanagement.

2006: Die betrogenen Schüler.
Woran krankt unser Schulsystem?

2015: Magda Krapp – Gerd Friederich
Schulleitung kompakt – Schule leiten und gestalten

Weitere Informationen und Kontakt:

Dr. Gerd Friederich, Frankenstraße 3, 97990 Igersheim

Internet: www.gerd-friederich.de/

Weitere Informationen über das Buch „Land Leben Liebe“:

„Land Leben Liebe“ von Gerd Friederich, Book on Demand, 2020, ISBN 9783750495821

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„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden neunter Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden neunter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

IX Ächtung*

… Auf dem letzten Stück der Fahrt, als der Kappelberg endlich hinter ihnen lag, brach der neue Tag an. Herrlicher Sonnenschein begrüßte die Heimreisenden. Heiner Grün und Carl Eugen Friedner gingen still jeder seinen eigenen Gedanken nach. Heiner sinnierte über den Stromausfall am Stuttgarter Hauptbahnhof und Carl rang mit sich selbst. Ob Paula mit ihm reden würde, wenn sein Anruf so unvermittelt käme, oder ob er ihr nicht vorher doch schreiben sollte, fragte sich Carl immer wieder. Letztlich durchbrach er das Hamsterrad seiner Gedanken und musste bekennen, dass es seine eigene Feigheit war, die ihn von einem offenen Schritt abhielt.

Betrug

Über diesen Schwachpunkt in seinem Charakter war er in der unlösbaren Verbindung mit Paula öfters gestolpert. Bis heute hatte er es nicht geschafft, diesen Persönlichkeitszug an sich derart in den Griff zu bekommen, dass er den damals geschehenen Betrug aufklärte und endlich das nötige Rückgrat zeigte. Als Paula vor ein paar Jahren sein Angebot, sie zu heiraten, nicht gleich annahm, sondern dann ihrerseits schwieg, war er eigentlich ganz froh darüber. Hätte doch jede weitere Begegnung bedeutet, dass das unleidige Thema des Betrugs, den er immer noch deckte, ständig und weiterhin zwischen ihnen stand. Auf das erweiterte Angebot, sein Vermögen mit ihr zu teilen, ging sie dabei nämlich auch nicht ein. Und plötzlich erkannte Carl Paulas Beweggründe klar und deutlich: Sie wollte nicht nur mit Fug und Recht ihr Erbe zurückbekommen, Paula Engel wollte Gerechtigkeit.

Autoritäre Maßnahmen

„Wenn man Seuchen nicht als Auslöser politischer oder sozialer Krisen versteht“, drang erneut Heiners Stimme an Carls rechtes Ohr, „sondern sie als ihr Verstärker oder Katalysator ansieht, wie es Paul uns vorhin ausführlich an Beispielen in Afrika dargelegt hat, ergeben staatstragende, autoritäre Maßnahmen plötzlich einen ganz anderen Sinn.“ Und sein Freund setzte seinen Gedankengang nach einer kleinen Atempause mit einer Frage fort: „Würde das denn bedeuten, dass im Namen der Fürsorge, die lang abgelehnten und mit Widerstand belegten Themen der Überwachung und Kontrolle auf eigentümliche Art und Weise zu richtigen und wichtigen Mitteln, und damit auf einmal bei breiten Teilen der Bevölkerung hoffähig werden?“

„AIDS-Hysterie“

Carl erinnerte sich an die vor knapp vierzig Jahren aufgekommene „AIDS-Hysterie“. Damals stritt sich die Wissenschaft weltweit, hart aber unergiebig, um Herkunft und Ausbreitung des lange nicht einmal isolierten Virus. Die vermeintliche Schuld an der Verbreitung der Lustseuche wurde lapidar den angeblich promiskuitiven* Schwulen in die Schuhe geschoben. Man torpedierte auch die sich treu und gleichgeschlechtlich Liebenden solange, bis viele ihre Symptome verbargen. Aus heutiger Sicht kann man sich fragen, wozu es dienen sollte, Kranke zu stigmatisieren*. Damals war einer der Effekte, dass man die massenhaften Hungertoten in Afrika nicht mehr der Armut und dem Mangel an sauberem Wasser zuordnete, sondern die Statistiken einen immensen Anstieg an Aids-Toten verzeichneten. Irgendwann wurde das Thema dann stillschweigend unter den Tisch fallen gelassen – HIV-Positive starben letztlich an Krebs und einen Impfstoff gibt es bis heute nicht.

Einer von der Risikogruppe

Carl Eugen Friedner kamen die Bemerkungen seiner Kollegen aus der neuen Bürogemeinschaft in den Sinn. Bevor er zu dem kleinen Ausflug in den Schwarzwald aufbrach, wurde er mit den Worten verabschiedet: „Also, gell, Carl, wenn Du Dich nicht mehr in der Lage siehst, ins Büro zu kommen – Du gehörst ja schließlich auch einer der Risikogruppen an – dann kannst Du gern daheim bleiben. Wir haben da volles Verständnis.“ Und auf einmal fühlte Carl nicht mehr die Fürsorge seiner Kollegen, sondern es überkam ihn bei der Erinnerung an diese Sätze blankes Entsetzen: Man würde ihn mit dieser Fürsorge auf ganz sanfte Weise ausmustern. Und nicht nur ihn würde man in eine Art selbstgewählten Hausarrest schicken, sondern alle Berufserfahrenen, die gerade jetzt mit ihrem prallen Kenntnisschatz, den unglaublich vielen fachlichen Kenntnissen und der reifen Gelassenheit der Nachkriegsgeneration dem konstruktiven Fortkommen in Wirtschaft und Politik dienen konnten und wollten.

Eiskalt berechnete Ergebnisse

Den Bürodienst ausschließlich per Telefon und E-Mail-Verkehr in Verbindung mit technisch aufwendigen und nicht immer funktionierenden Videokonferenzen auszuüben, war für Carl Eugen unvorstellbar. Die persönlichen Kontakte zu den Menschen waren es ja gerade, die ihn seine Berufsausübung lieben ließen. Dazu musste er die Mandanten zwar nicht ganz dicht vor sich haben; aber im selben Raum wollte er sie erleben, ihre Vorträge anhören, die Nuancen, das leichte Zittern in der Stimme bei Nennung schwieriger Sachverhalte, wollte er unbedingt wahrnehmen. Man wusste ja bei der Nutzung der modernen Techniken nie, mit was die Menschen am anderen Ende beschäftigt waren, konnte ihre Mimik und Gestik, den wesentlichen Bestandteil der persönlichen Kommunikation, ja gar nicht mehr mit in Gespräche einbeziehen. Es würde alles erheblich komplizierter und vor allem unverständlicher werden. Man würde nicht mehr die verständnisvolle Menschlichkeit in den Vordergrund von Begegnungen und Einigungen rücken, sondern eiskalt berechnete und rigoros durchgesetzte Ergebnisse abhandeln.

Überfall verhinderte Aufklärung

Seine moralischen Überlegungen ließen Carl Eugen wieder zum Bericht von Florian Findus zurückkehren, den er mit Nachforschungen beauftragt hatte. Paula Engel sei vor mehr als drei Jahren in ihrem Atelier überfallen und niedergeschlagen worden und habe dabei einen Schädelbruch erlitten, berichtete ihm sein Informant. Carl Eugen Friedner bekam beim Gedanken an diese Tat noch immer einen heftigen Stich ins Herz. Eine Kundin Paulas hätte die Verletzte dann gefunden und sofort ins Kreiskrankhaus gebracht. Paula war im Dezember des Jahres 2016 anscheinend kurz davor, den an ihr geschehenen Betrug mit Hilfe eines Schweizer Anwalts und Notars aufklären zu können. Dieser Überfall jedoch vereitelte die Wahrnehmung des anstehenden Termins, bei dem man die Beweislage zur Aufklärung des Betrugs erörtern wollte.

Oft beim Vater

Carls Informant Findus berichtete unter anderem von einem Vetter* Paulas, Wilhelm Teufel und dessen jüngstem Sohn Lucian. Dieser Sohn des Cousins sei sonst nur äußerst selten bei seinem Vater zu Besuch gewesen, aber damals einige Wochen vor dem Überfall auf Paula, sei Lucian ungewöhnlich oft in der Zweitwohnung bei seinem Vater in der Kreisstadt ein- und ausgegangen. Um Unauffälligkeit bemüht, erkannte man den ganz jungen Teufel trotzdem immer wieder als den Großcousin von Paula Engel …
Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Ächtung: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84chtung

*Stromausfall am Stuttgarter Hauptbahnhof: https://www.dieter-schaefer.eu/newpage9b3e2c4f

*promiskuitiv, Promiskuität: Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden PartnerInnen.

*AIDS bzw. Maßnahmen in der HIV-Pandemie:
Interview in der taz am 18./19.April 2020 von Sabine am Orde mit Malte Thießen: https://taz.de/Historiker-Malte-Thiessen/!5676907/

*Vetter: Vetter oder Base sind blutsverwandte, Vetter ist ein anderer Ausdruck für den Cousin; Base, Baas oder Bäsle für die Cousine.

Kontaktaufnahme zur Autorin ist möglich unter der folgenden E-Mail-Adresse:

b.haebich@web.de

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„Narben der Erinnerung – Sechs unschuldige Menschen wurden erschossen“ – Dokumentarfilm über das Kriegsende in Kirchberg/Jagst jetzt kostenlos im Internet

Über das Kriegsende 1945 in Kirchberg/Jagst hat der Journalist Ralf Garmatter zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen geführt. Einige dieser Interviews wurden in dem Dokumentarfilm „Narben der Erinnerung“ verwendet. Der 40 Minuten lange Film ist seit einigen Tagen auf der Youtube-Internetseite veröffentlicht. Er kann dort kostenlos angeschaut werden.

Informationen von Hohenlohe-ungefiltert

Bisher im Kino und in Schulen gezeigt

Entstanden ist der Film in den Jahren zwischen 1999 und 2004. Bisher wurde die Dokumentation „Narben der Erinnerung“ nur im Kino und in Schulen der Region Hohenlohe gezeigt. Erstmals wird der Film jetzt einer breiten Öffentlichkeit im Internet vorgestellt.

Link zum Film „Narben der Erinnerung“ von Ralf Garmatter:

Film über das Kriegsende 1945 in Kirchberg an der Jagst

Zum Inhalt des Films:

Der Zweite Weltkrieg war am 14. April 1945, militärisch gesehen, schon verloren. Die Menschen sehnten den Frieden herbei. Angehörige deutscher Militärtruppen richteten aber am 14. April 1945 im heutigen Stadtgebiet von Kirchberg/Jagst sechs Menschen hin. Sechs Menschen, die sich beim ersten Einmarsch der Amerikaner, wenige Tage zuvor, über das bevorstehende Kriegsende gefreut hatten. Den Frieden erlebten sie nicht mehr.

Ohne Gerichtsverfahren

Wegen der schweren Kämpfe um Crailsheim mussten die Amerikaner noch einmal aus Kirchberg abziehen. Zusammengewürfelte Einheiten, bestehend aus SS, Feldgendarmerie und Wehrmachtssoldaten rückten in Kirchberg ein.
Ohne vorheriges Gerichtsverfahren erschossen sie am 14. April 1945 den französischen Kriegsgefangenen Ernest Bonne, die Zwangsarbeiter Michael Kubicky (Polen), Josef Hepak, Wasyl Petryczka (beide Ukraine) sowie die einheimischen Bewohner Angela Galczinski (Kirchberg) und Johann Heigl (Eichenau).

Mahnmal auf dem Frankenplatz

Auf dem heutigen Frankenplatz erinnert seit dem Jahr 2003 ein Mahnmal an die sechs Erschießungsopfer. Die Täter der Erschießungen wurden bisher, trotz kriminalpolizeilicher Ermittlungen 1946/1947 sowie Ende der 1990er Jahre nicht mehr ermittelt. Die Angehörigen der Opfer haben vom deutschen Staat bisher keine Entschädigung erhalten.

Einige Gräber bestehen noch

Die Gräber der Erschießungsopfer Wasyl Petryczka, Josef Hepak und Michael Kubicky befinden sich auf dem Ehrenfriedhof in Crailsheim. Der Leichnam von Ernest Bonne wurde kurz nach dem Krieg nach Frankreich übergeführt. Das Grab von Angela Galczinski besteht noch auf dem alten Friedhof in Kirchberg. Johann Heigls Grab auf dem Friedhof in Lendsiedel wurde bereits vor Jahren abgeräumt.

Link zum Film „Narben der Erinnerung“ von Ralf Garmatter:

https://www.youtube.com/watch?v=m0x94139h1s&t=544s

Weitere Informationen im Internet zum Thema „Nationalsozialismus in Kirchberg an der Jagst“:

http://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=22109

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„Demokratinnen und Demokraten für das Grundgesetz“ – Erklärung des Landesnetzwerks Politische Bildung Baden-Württemberg

Eine Erklärung mit dem Titel „Demokratinnen und Demokraten für das Grundgesetz“ hat das Landesnetzwerk Politische Bildung Baden-Württemberg zum 23. Mai 2020 veröffentlicht – zum 71. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes.

Vom Landesnetzwerk Politische Bildung Baden-Württemberg

Damals vor 71 Jahren…

begründeten die Väter und Mütter des Grundgesetzes unsere demokratische Ordnung. Ihr Verfassungswerk markiert die Abkehr von der nationalsozialistischen Herrschaft, einer Herrschaft der Willkür, des Terrors und der Gewalt. An seinen Anfang setzten sie daher die Verpflichtung zum Schutz der Menschenwürde.

Seit 1949…

legt das Grundgesetz mit seinen Grundrechten und anderen Normen eine stabile Basis für unser demokratisches Zusammenleben. Es schützt die Freiheiten der Einzelnen und begründet staatliche Pflichten. Alle Eingriffe in Rechte sind parlamentarischer und gerichtlicher Kontrolle unterworfen.

Heute, 71 Jahre später…

erleben wir in Corona-Zeiten schwierige Monate einer in der Geschichte der Bundesrepublik einmaligen Einschränkung von Grundrechten. Wir wissen, wie kompliziert und doch wichtig es ist, diese Freiheiten in verantwortungsbewusster und wissenschaftlich fundierter Auseinander- setzung mit der Pandemie Stück für Stück sicherzustellen.

Weiterhin gilt,…

dass das Grundgesetz unser aller Freiheit verbrieft. Aber es setzt die Freiheit des Einzelnen nicht absolut. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo sie in die Freiheit und Unversehrtheit anderer eingreift. Dieser Freiheitsbegriff fordert zu ständiger Abwägung auf; führt zu parlamentarisch legitimierten Vereinbarungen und Regeln; baut auf Verantwortung und darauf, dass sich alle unter Wahrung der Minderheitenrechte an Mehrheitsentscheidungen halten. Dies ist ein Grundprinzip unserer Demokratie.

Auch jetzt gilt:

Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind durch Grundrechte auf die Würde des Menschen verpflichtet. Deshalb gilt auch während der Pandemie die im Grundgesetz garantierte Versammlungsfreiheit und der Rechtsweg zur gerichtlichen Prüfung der derzeitigen Einschränkung von Freiheitsrechten. Es ist aber nicht akzeptabel, dass die vermeintliche Verteidigung der Verfassung mit Lüge und Hass ausgetragen wird. Ebenso wenig kann hingenommen werden, dass bei Demonstrationen für das Grundgesetz das Grundgesetz durch Worte und Handlungen mit Füßen getreten wird.
Wer mit extremistischen Kräften Seite an Seite demonstriert, vertieft die Spaltung der Gesellschaft. Wer die Regeln zum Schutz der Gesundheit nicht einhält, gefährdet andere und verhöhnt den Rechtsstaat. Wer Verschwörungsmythen verbreitet, Ressentiments schürt und andere zu Sündenböcken erklärt, hat nicht verstanden, welche Botschaft uns das Grundgesetz vermittelt.

Das Grundgesetz ist eine Botschaft der Menschenwürde, der Freiheit und Toleranz!

Es vertraut auf die Vernunft und Verantwortung von Bürgerinnen und Bürgern, diese Botschaft mit Leben zu füllen!

Bewahren wir den Geist unserer Verfassung!

Weitere Informationen und Kontakt:

Aktuelle Online-Dossiers zum Grundgesetz

Auf der Homepage der LpB finden Sie umfangreiche Informationen rund um Entstehung, Inhalt und Bedeutung des Grundgesetzes. Hier bieten wir Ihnen auch ein Dossier zum Thema „Das Grundgesetz und die Corona-Pandemie“.

https://www.lpb-bw.de/verfassungstag-23mai

https://www.lpb-bw.de/grundrechte-und-corona

Landesnetzwerk politische Bildung zum 71. Jahrestag des Grundgesetzes

Das Landesnetzwerk politische Bildung Baden-Württemberg hat zum diesjährigen Grundgesetzgeburtstag eine Erklärung veröffentlicht. In dem Bündnis engagieren sich zahlreiche politische, gesellschaftliche und kirchliche Einrichtungen der politischen Bildung in Baden-Württemberg.

https://www.lpb-bw.de/demokraten-gg

WERTSACHEN – Gesprächsreihe der Landtagspräsidentin

Die jährliche Veranstaltung der Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, Muhterem Aras, (MdL), zum Grundgesetzgeburtstag kann dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Anbei finden Sie ein Schreiben der Landtagspräsidentin zum 23. Mai und einen Hinweis auf den nächsten Termin in der Gesprächsreihe WERTSACHEN am 1. Oktober 2020.

https://www.landtag-bw.de/home/aktuelles/wertsachen/tag-des-grundgesetzes-am-23-mai.html

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB), Lautenschlagerstraße 20, 70173 Stuttgart:

Internet: www.lpb-bw.de

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„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden achter Teil

Lang beschattete Täler – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden achter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

VIII Kultur

… Ja, Carl Eugen Friedner schmunzelte süßsauer, eindringliches Warnen vor vermeintlichen Gefahren war in seiner Berufspraxis ebenfalls ein alt bewährtes Werkzeug, um begründete Bedenken gründlich wegzuwischen. Angst zu schüren ist eine praktikable Methode politischen Handelns. Die geschürte Angst dann beständig am Köcheln zu halten, eine Kunst, die man wohl dosiert anwenden muss, um jemanden in Schach zu halten. Angstverbreitung verwendet man nicht nur bei Bevölkerungsmassen als zuverlässige Taktik, um das hintergründige politische Ziel zu erreichen. Seine geliebte Paula war damals ebenfalls, als es um den drohenden Verlust ihres geerbten Baudenkmals ging, bereits mit wenigen Dosen solcher einfachen Mittel schnell einzuschüchtern gewesen.

Umsatzeinbußen

Dieser bedrohliche Virus war ja nun mehr wie perfekt, um die langsam deutlich sichtbare wirtschaftliche Erlahmung kaschieren zu können, ohne seine Existenz hätte man ihn erfinden müssen. Die maßgeblichen Industrien sahen den nötigen Umbau bereits auf sich zukommen, und es hätte vermutlich niemand eingesehen, Wirtschaftszweigen, die satt im Geschäft waren, die Ausschüttung von Boni und Dividenden mit Hilfe des Staates zu ermöglichen. Carl wusste ja aus seiner neuen Bürogemeinschaft, wer sofort und ohne große Not die möglichen Hilfen, zum Beispiel Kurzarbeitergeld, beantragt und kassiert hatte. Wie anders erging es jedoch den kleinen Betrieben, den Gastronomen, den Künstlern. Trotz der in Baden- Württemberg möglichen Soforthilfe*, empfand Carl Eugen Friedner es bereits jetzt als beklemmend, was sich über die Monate hinweg für Umsatzeinbußen summierten, welche Kreditsummen da auflaufen würden. Die Maßgabe, dass Betriebe von steuerfinanzierten Gaben leben sollten, wo diese Steuern doch noch nicht einmal erwirtschaftet waren, war auf lange Sicht nicht umzusetzen. Er betrachtete es mit großer Sorge, dass kleine und findige Einzelunternehmer, wie seine Paula, nicht nur kein oder kaum mehr ein Einkommen hatten, sondern auch als Teil der bunten und lebhaften Kulturlandschaft im Ländle einfach kurzerhand unter den Tisch fielen.

Unsinnige Auflagen

Carl fragte sich, wie lange die unternehmungslustige und vergnügungsfreudige Bürgerschaft auf diese angenehmen Genüsse noch verzichten wollte? Wo sollte man denn nach einer ausgiebigen Wanderung eine Erfrischung in einer abseits gelegenen Wirtschaft finden? Wer würde einem beim Einkehren umgehend, und vor allem strahlend lächelnd, ein kühles Bier auf den Tisch stellen und wer würde einen fragen, was man zum Vespern möchte? Wie wollte man die vielen komplizierten Einschränkungen aufrechterhalten? Die Menschen in Baden-Württemberg waren Freizügigkeit gewohnt und lebten gern in einer offenen, vielfältigen und multikulturellen Gesellschaft. Wollte man als nächstes die Teile der Menschen, welche unsinnige Auflagen in Frage stellten oder sich dagegen wehrten, versuchen zu kriminalisieren?

Komplizierte Zusammenhänge

Bei diesem Gedankengang kamen ihm die mahnenden Worte seines Freundes wieder ins Bewusstsein. Carl Eugen fragte sich, was er jetzt tun sollte, der Heiner hatte ja recht. Er musste diesen Missstand, aktiv an einem Betrug beteiligt gewesen zu sein, aus der Welt schaffen – und zwar so schnell wie möglich. Je länger er warten würde, umso schwieriger und unmöglicher würde es sonst werden, die komplizierten Zusammenhänge zu entwirren, und er würde seiner Paula indirekt weiterhin Schaden zufügen, den gerade er vermeiden könnte. Und dann bräuchte er auch nicht weiter über die Einschränkung demokratischer Rechte zu schwadronieren, sondern könnte ganz simpel seine eigenen Handlungen tatkräftig auf Gerechtigkeit ausrichten.

Katalysator

Als ob der Freund seine Gedanken geahnt hätte, meldete Heiner sich unvermittelt aus dem Fond des Wagens zu Wort: „So ein Katalysator wie einst Fukushima, der einen schwäbisch schwätzenden, grünen Ministerpräsidenten* ans Rednerpult des Bundesrates beförderte, war weit mehr, als die Grünen über Jahre hinweg mit ihren realpolitischen Debatten erreichen konnten.“ Und setzte mit der Feststellung nach „Aber jetzt fallen sie wegen der „Karinakrise“ in alte und völlig überkommene, ja geradezu einfältige Verhaltensmuster zurück. Vielleicht ist ihnen auch die Macht derart zu Kopf gestiegen, dass gar kein Beschleuniger mehr hilft? Wo sie jetzt den streitbaren Tübinger Oberbürgermeister*, der ausgewogen und in längeren Sätzen, den Zusammenhang zwischen dem Tod von Kindern durch Armut und Hunger in Afrika und unseren Umgangsformen in der „Karinakrise“ darstellt, mit Fleiß lediglich fragmentarisch zitieren, um ihn dann, mit einem Parteiausschlussverfahren in die Pfanne zu hauen, was bedeutet, ihn aus der Partei ausschließen und in Folge als hervorragenden Oberbürgermeister abschießen zu wollen. Kann man sagen, dass sich diese Partei zu einer in sich geschlossenen Gesellschaft entwickelt hat?“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr Heiner fort: „Carl, was meinst Du zu dieser These: Diese „Karinakrise“ könnte doch auch dazu dienen, eine Ausweitung demokratischer Denkweisen und Diskussionen* in Gang zu setzen, also auch solche Denkprozesse, welche die Demokratisierung der Energiewende* innehaben?

Überfall

Carl manövrierte das Auto durch das tiefer gelegte Straßensystem zur Stuttgarter Innenstadt und hatte daher keine Muse, dem Freund eine angemessene Antwort auf seine Energiewendefrage zu geben – seine Gedanken kreisten um den Schläger, der seine Paula angegriffen hatte. Carl Eugen Friedner hatte begriffen, dass er jetzt handeln musste; er musste jetzt endlich alles in Bewegung setzen, den geschehenen Betrug und den wahren Grund für den Überfall auf Paula Engel aufzuklären. Morgen würde er sofort seiner geliebten Paula anläuten, das zumindest war er ihr schuldig … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Soforthilfen in Baden Württemberg: https://wm.baden-wuerttemberg.de/de/service/foerderprogramme-und-aufrufe/liste- foerderprogramme/soforthilfe-corona/

*Winfried Kretschmann: https://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Kretschmann *Stellungnahme des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer: https://cdn.website- editor.net/f2e4bd5c50274b788f195797ce845591/files/uploaded/QzO-2b- Gew%25C3%25A4hrleistung%2520der%2520Stabilit%25C3%25A4t-ACER- Beitrag.pdf

*Demokratische Diskussionen: https://www.swr.de/swr1/bw/swr1leute/julian-nida-ruemelin-102.html

*Demokratisierung in der Energiewende: https://www.dieter-schaefer.eu/demokratie-aktion https://edna-bundesverband.de/news/edna-zum-bdew-5-punkte-programm-rolle- der-kleinen-und-mittleren-versorger-staerken/?unapproved=9&moderation- hash=c3a962945370630536e41cd3f9e4a156#comment-9

Kontaktaufnahme zur Autorin ist möglich unter folgender E-Mail-Adresse:

b.haebich@web.de

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„Corona-Regierungskritik ist keine Verschwörung“ – Leserbrief von Hans A. Graef aus Schwäbisch Hall

Von Hans A. Graef, Schwäbisch Hall

„Totschlagargument: Verschwörungstheorie“

Keine Frage: Die an vielen Widersprüchen und Ungereimtheiten ertappten Politiker, Wissenschaftler und Medien schlagen zurück mit dem Totschlagargument: Verschwörungstheorie! Dadurch wird seit langem die sachlich fundierte Kritik an den Statistiken, Maßnahmen und der Covid19-Panikmache diffamiert, die die Epidemie, Politikeliten und Mainstreammedien verursachen. Analog zum rhetorischen Totschlag Anti-Amerikanismus: so wurde jegliche Kritik an der aggressiven Militärpolitik der USA/Nato bedacht, die seit Vietnam bis Irak oder Libyen völkerrechtswidrig Länder überfallen hat. Der US-Globalmilitarismus ist 1000-fach mit Daten belegt und die Strategie der neuen Weltordnung (Brzezsinski, American Primacy and Its Geostrategic Imperatives) existiert seit 1997. „Der gesamte (eurasische) Kontinent ist von amerikanischen Vasallen und tributpflichtigen Staaten übersät“ (S. 41) Durch manipulative Strategien im Kontext Atlantikbrücke – Bilderbergkonferenz (Spahn war 2017 dort) und privatkapitalistische Medien wird wieder Kritik diffamiert.

„Einseitige Daten und Kontexte“

Dass abstruse Verschwörungstheoretiker und Rechtsextremisten das ausnutzen, entwertet nicht die berechtigte Kritik an einseitigen Daten und Kontexten. Zuletzt haben fünf Wissenschaftler der Uni Bremen um Professor Püschel ein faktenreiches Thesenpapier mit dem Titel „Die Pandemie Covid19“ vorgelegt, dessen Inhalt alle auch Mediziner in Schwäbisch Hall lesen sollten. Im Folgenden verweise ich auf nachprüfbare Daten und Wissenschaftler, deren Kritik so gut belegt ist, dass man sie persönlich attackiert. So wie es mit den Aufklärern Assange, Snowden oder dem Swiss Propaganda Research passierte, das mediale Machtverknüpfungen detailliert belegt, ist es jetzt mit Kritikern wie Dr. Schiffmann oder Professor Bhakti.

Gewaltiger Einfluss der Pharmaindustrie

Eine Frontal21-Recherche von 2014 bewies den gewaltigen Einfluss der Pharmaindustrie auf die Forschung an Universitäten, die sie zu 94 Prozent finanziert. Am Beispiel Schweinegrippe sieht man Fehler des RKI mit Folgekosten von 18 Milliarden Euro. Die finanziellen Verzweigungen der Johns-Hopkins-Uni zeigen eine enge Verflechtung dieser privatkapitalistischen Hochschule mit Kapitalgebern wie Rockefeller-Stiftung oder Gates usw. – diese Fakten sind keine Verschwörung! Es geht um Einfluss und Interessen. Wie und weshalb kam es zu dem Planspiel Event201 am 19.10.2019, wo es diese Ausgangslage gab: Ein von Tier auf Mensch übertragenes, neues und SARS-ähnliches aggressives Corona-Virus gelangt durch Flugreisende nach Portugal, in die USA und nach China und in die ganze Welt“: 65 Millionen Tote nach 18 Monaten. Entweder ein Impfstoff oder 90 Prozent der Bevölkerung werden exponiert. Am Horror-Szenario nahmen unter der Leitung von Direktor Inglesby des Center for Health Security, teil: Gates-Stiftung, Weltbank, Pharma- und Medizingeräte-Konzerne Johnson&Johnson und US Medical Group Henry Schein, Hotelkette Marriott, Logistikkonzern UPS, Lufthansa Group Airlines, auf Politikbeziehungen und Risikoanalyse spezialisierte US-PR-Agentur Edelman, Medienkonzern NBC Universal Media, zentrale US-Gesundheitsbehörde CDC, ein Ex-Direktor der CIA und Ex-US-Sicherheitsberater.

Nicht demokratisch legitimierte Eliten

Persönliche Angriffe und „Verschwörer“, so diskriminierten Regierung und Medien den Whistleblower im Bundesinnenministerium (BMI), der das von zehn Experten getragene Gutachten machte. „Die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Erkrankung Covid-19 verläuft für viele Menschen der bekannten Risikogruppen schwerwiegend. Wie für jede schwere Infektionserkrankung gilt es, für die Patienten die beste Behandlung zu finden und Infektionswege zu unterbinden. Aber therapeutische und präventive Maßnahmen dürfen niemals schädlicher sein als die Erkrankung selbst. Ziel muss es sein, die Risikogruppen zu schützen, ohne die medizinische Versorgung und die Gesundheit der Gesamtbevölkerung zu gefährden, so wie es gerade leider geschieht. Wir in Wissenschaft und Praxis sowie sehr viele Kolleginnen und Kollegen erleben täglich die Folgeschäden der Corona-Schutzmaßnahmen an unseren Patienten.“ Was soll daran falsch sein?“ Alles sind nachprüfbare Zusammenhänge, die keine Verschwörung begründen, aber einen Kontext zeigen von Machtinteressen und Herrschaftsmechanismen der nicht demokratisch legitimierten Eliten. Deren Kontakte und Konferenzen sind auch keine Verschwörung.

Weitere Informationen im Internet:

www.centerforhealthsecurity.org/event201/scenario.html

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„Infektionsherd Fleischindustrie: Corona und das Ausbeutungssystem Leiharbeit“ – Interview mit dem Gewerkschafter Elwis Capece (NGG)

Johannes König führte ein Interview mit dem Gewerkschafter Elwis Capece (NGG) zu den Corona-Erkrankungen von Arbeitern bei Müller Fleisch in Birkenfeld in der Nähe von Pforzheim. Das Interview ist erschienen in der Online-Zeitung Marx21.de.

Interview von Johannes König für die Online-Zeitung Marx21.de

Über 300 Corona-Infizierte bei Müller Fleisch

In den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass in mehreren Unternehmen der Fleischindustrie in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen viele Corona-Infektionen nachgewiesen wurden. Über 300 Corona-Infizierte zählt der Betrieb von Müller Fleisch in Pforzheim, doch die Produktion läuft weiter. Was der Corona-Ausbruch mit dem Ausbeutungssystem Leiharbeit in der Fleischindustrie zu tun hat, erklärt der zuständige Gewerkschafter gegenüber Marx21. Elwis Capece ist Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Mittelbaden-Nordschwarzwald und Mannheim-Heidelberg.

Müller Fleisch in Pforzheim ist aktuell wegen eines Corona-Ausbruchs bundesweit in der Presse. Du bist der zuständige Gewerkschafter der NGG. Kannst du uns berichten, was dort passiert ist?

Elwis Capece: Man muss vorausschicken, dass Müller Fleisch kein kleines regionales Fleischwerk im Südwesten ist, sondern einer der größten deutschen Fleischkonzerne mit einem Jahresumsatz von einer knappen Milliarde Euro. Um Ostern herum hat es die ersten Fälle von Corona gegeben, unterdessen sind wir bei knapp 330 Infizierten. Die anderen (noch nicht infizierten) Beschäftigten sind nun verpflichtet, sich nur daheim, am Arbeitsplatz oder auf der Wegstrecke dazwischen aufzuhalten.

Es gab keinen Produktionsstopp?

Das örtlich zuständige Gesundheitsamt hat entschieden, dass Müller Fleisch trotz der hohen Zahl an Infektionen seine Tätigkeit unverändert fortsetzen kann. Rechtlich ist das durchaus zulässig, wir als NGG haben jedoch große Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung des zuständigen Landkreises. Mittlerweile gibt es einen ähnlichen Fall eines Corona-Infektionsherds beim Vion-Schlachthof in Bad Bramstedt. Dieser hat im Gegensatz zu Müller Fleisch seine rund 260-köpfige Belegschaft in außerplanmäßige Betriebsferien geschickt.

Warum breitet sich das Corona-Virus ausgerechnet in der Fleischindustrie so rasant aus?

Es wurde schnell klar, dass der Infektionsherd im privaten Umfeld der Beschäftigten entstanden ist. Das hat mit der Wohnsituation der Leute zu tun, die aus Osteuropa kommen. Es ist bundesweit das gängige System in den großen Fleischfabriken, dass Werksvertragsnehmer und Beschäftigte von Leiharbeitsfirmen für mehrere Monate kommen, dort arbeiten und dann meist nach drei bis sechs Monaten wieder die Heimreise antreten.

Leiharbeit ist in der Branche üblich?

Ja, so kann sich die Fleischindustrie vernünftigen tariflichen Bedingungen weitestgehend entziehen. Es gibt zwar Tarifverträge in den einzelnen Bundesländern, aber nach diesen wird nur ein Teil der Belegschaft bezahlt. Der andere Teil – meistens für Schlachtung und Zerlegung zuständig – wird über das System von Werkverträgen und Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmern rekrutiert. In diesem Bereich arbeiten vor allem osteuropäische Menschen, manchmal kommen Beschäftigte sogar aus Asien.

Die Inhaber von Müller Fleisch erklärten kürzlich, sie seien »von der Dynamik der Verbreitung aus dem privaten Bereich überrollt« worden.

Corona-Infektionsherde sind überall dort aufgetaucht, wo viele Menschen zusammenkommen. Die Wohnverhältnisse vieler ausländischer Beschäftigter bei Müller Fleisch sind extrem beengt. Ein erheblicher Teil von ihnen lebt in diesen Massenunterkünften. Diese entsprechen nicht dem Standard, den wir »normales Wohnen« nennen würden. Die Wohnungen sind viel zu klein, die Menschen müssen gemeinschaftlich sanitäre Einrichtungen benutzen. Oft mangelt es an Aufenthaltsräumen. Diese Unterkünfte sind nicht vergleichbar mit Studenten-WGs, wie es die Unternehmensseite frech behauptet. Ausufernde Viruserkrankungen bei Bewohnerinnen und Bewohnern derartiger Unterkünfte haben wir schon früher erlebt. Im vergangenen Jahr war es etwa eine Hepatitis-Infektion im Emsland. Dass sich das Corona-Virus unter solchen Bedingungen ebenfalls ungehemmt ausbreiten kann, kann niemanden ernsthaft überraschen.

Die Unternehmensseite sieht laut Presseberichten keine Möglichkeit, Einfluss auf die Unterbringung der Menschen zu nehmen. Laut dem Geschäftsführer Stefan Müller sei dies »atmosphärisch eine Einmischung in ein deutlich geselligeres Miteinander als inzwischen in Deutschland üblich«.

Das ist eine unverschämte, zynische Äußerung – und auch latent rassistisch. Natürlich kommen die Leute aus Rumänien oder anderen osteuropäischen Ländern aus bescheidenen Verhältnissen. Das kann jedoch keine Rechtfertigung dafür sein, sie so zu kasernieren. Wenn das Kapital schon glaubt, mit solchen Arbeitsverhältnissen das System stabilisieren zu wollen, dann haben sie sich darum zu kümmern, dass es menschenwürdige Zustände sind, die die Leute hier vorfinden. Nicht nach dem Motto: Was für Deutsche unwürdig wäre, ist für Rumänen geradezu Luxus.

Was fordert ihr als Gewerkschaft?

Wir erwarten, dass für Menschen, die hier arbeiten, auch wenn es nur für wenige Monate ist, die Wohn- und Lebensverhältnisse den Standards entsprechen, die wir uns auch für »Normalbeschäftigte« vorstellen. Da dürfen sich die Arbeitgeber nicht aus der Verantwortung stehlen – auch nicht, indem sie die Verantwortung allein auf die Subunternehmer schieben. Die Einstellung der Unternehmensführung von Müller Fleisch ist schlichtweg skandalös.

Stefan Müller hält es »nach deutschem Recht« für »unvorstellbar«, als Arbeitgeber auf das private und häusliche Umfeld der Beschäftigen Einfluss zu nehmen.

Tatsächlich ist es gesetzlich nicht ausreichend geregelt, wie die Wohnverhältnisse von Menschen sein müssen, die saisonal zum Arbeiten nach Deutschland kommen. Die Behörden kontrollieren nur die Zustände am Arbeitsplatz. Die Wohnverhältnisse bleiben fast immer außen vor. Das muss sich ändern. Wir sagen als Gewerkschaft: Wir wollen solche Wohnverhältnisse nicht. Allerdings gehören diese zum Gesamtsystem »Billigstarbeitskräfte« dazu, das wir insgesamt ablehnen. Wir brauchen klar definierte Standards, wie es sie etwa in Niedersachsen bereits gibt. Arbeitgeber müssen verpflichtet werden, dafür zu sorgen, den Menschen, die zum Arbeiten kommen, Zugang zu ordentlichen und bezahlbaren Wohnungen zu schaffen. Das könnte man etwa mit Pensionen oder kleinen Hotels regeln oder sogar in Form der guten alten »Werkswohnung«. Das ist völlig unabhängig von der Infektionsgefahr absolut notwendig.

Für die Grillsaison sollen nun neue Arbeiterinnen und Arbeiter aus Osteuropa nachkommen. Wie werden diese untergebracht?

Die neuen Arbeitskräfte sind schon angekommen und werden aktuell bereits eingesetzt. Ob Müller Fleisch es zulässt, dass sie in vergleichbaren Wohnverhältnissen unterkommen, ist aktuell nicht bekannt. Wobei die Wohnungen ja nicht über Müller Fleisch laufen, sondern über die Leiharbeitsfirmen und deren Kooperationspartner – ich nenne sie mal ganz allgemein »Miethaie« – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Dieses bestehende System kritisieren wir generell, nicht erst seit dem Ausbruch von Corona bei Müller Fleisch.

Angeblich sind die Infektionsschutzmaßnahmen bei Müller Fleisch strenger als in der Branche üblich.

Das ist erstmal eine Behauptung zum Zweck des Marketings. Das hat den gleichen Wert, wie wenn ich sagen würde: »Ich bin ein besserer Gewerkschaftssekretär als meine Kollegen«.

In der öffentlichen Debatte wird die Kritik an der industriellen Produktion von Billigfleisch vor allem mit dem Tierschutz verbunden. Die Masseninfektionen haben nun ein Licht auf die Arbeitsverhältnisse geworfen. Siehst du Chancen, dass sich nun etwas ändert?

In der Tat wird zu oft vergessen, dass nicht nur die Tiere, sondern auch Menschen unter dem Preisdumping der Fleischproduzenten leiden. In der Diskussion um das Tierwohl und artgerechte Haltung wird oft argumentiert, das Fleisch sei zu billig auf dem Markt und müsse teurer werden. Appelle an die Konsumentinnen und Konsumenten, für Fleisch mehr Geld auszugeben, sind zwar richtig, aber nicht ausreichend. Denn die Hauptverantwortung für diese unhaltbaren Bedingungen liegen bei den Produzenten. Es wird sich nur etwas ändern, wenn der Gesetzgeber tätig wird. Freiwillig wird nichts passieren. Als erstes muss mit dem Ausbeutungssystem Leiharbeit gebrochen werden, das keinen anderen Zweck hat, als auf dem Arbeitsmarkt die Löhne zu drücken.

Welche Perspektive haben Betroffene von Leiharbeit, für ihre Rechte zu kämpfen?

Hier haben wir als Gewerkschaft dicke Bretter zu bohren. Die sprachliche Barriere erschwert an vielen Stellen unsere gewerkschaftliche Arbeit. Deswegen gibt es auf der Ebene des DGB Spezialbüros, um muttersprachliche Kontakte zu Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern zu knüpfen, um über Arbeitsrechte aufklären zu können. Jedoch verhindert die hohe Fluktuation eine längerfristige betriebliche Organisierung, die Arbeitskämpfe ermöglichen würden. So findet im Leiharbeitssektor statt Arbeitskampf oftmals eine »Abstimmung mit den Füßen« statt.

Was meinst du damit?

Schon im nächsten Jahr kann ein Arbeitsplatz in Dänemark oder in den Niederlanden attraktiver sein als in Deutschland.

Wie ist die Situation der Stammbelegschaften?

Von der Spaltung der Belegschaft profitiert niemand außer den Arbeitgebern. Es sind die sogenannten niedrigen Lohngruppen, die insgesamt unter Druck geraten. Auch bei den Stammbelegschaften wird so eine gerechte Lohnentwicklung ausgebremst. Diskussionen über gerechte Arbeitszeiten, Arbeitsschutz oder die grundsätzliche Lohngestaltung finden so kaum statt. Wer wenig Geld bekommt, ist leider darauf angewiesen, Überstunden oder Zusatzschichten arbeiten zu können. Viele Arbeitgeber reizen bewusst die legalen Möglichkeiten wie Regelungslücken zur Ausbeutung der betroffenen Beschäftigten aus. Auch bewusste oder arbeitgeberseitig tolerierte Verstöße, etwa gegen das Arbeitszeitgesetz gibt es oft. Auch bei Müller Fleisch und seinen Subunternehmern werden wir uns noch mit vielen Aspekten rund um die bestehenden Arbeitsverhältnisse beschäftigen müssen.

Ich danke dir für das Gespräch.

Das Interview führte Johannes König.

Interview mit dem Gewerkschafter Elwis Capece (NGG) zu den Corona-Erkrankungen von Arbeitern bei Müller Fleisch in Birkenfeld in der Nähe von Pforzheim. Der Link zu dem Artikel im Internet:

https://www.marx21.de/infektionsherd-fleischindustrie-corona-mueller-fleisch-interview-ngg/

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