„Nach Brand 2020 und aktueller Sanierung“ – Jugendzentrum Crailsheim soll im Sommer 2023 wieder eröffnen

Das Crailsheimer Juze war so gut besucht wie seit Jahren nicht mehr: Mitglieder von Gemeinderat und Jugendgemeinderat ließen sich vor Ort von der Stadtverwaltung und dem Verein Jugendzentrum Crailsheim über den Baufortschritt informieren. Die Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten standen nach einer Brandstiftung vor über zweieinhalb Jahren oft still. Die Gründe waren unterschiedlich und hingen meist mit dem Brand- oder Denkmalschutz zusammen. Jetzt läuft es wieder und das Juze soll im Sommer öffnen.

Informationen von der Stadtverwaltung Crailsheim

Zweiter Fluchtweg

Die meisten Räume im Jugendzentrum sind noch im Rohbau, Backsteine sind sichtbar, überall ist es staubig, Licht geben beim Vor-Ort-Termin am Dienstagabend nur Baustrahler. Schon von außen macht das Crailsheimer Juze seit Jahren nicht mehr viel her. Das Gebäude ist von Bauzäunen umgeben, einzig ein Treppengerüst ist seit geraumer Zeit von der Schönebürgstraße aus deutlich als „neu“ zu erkennen. Das sei der zweite Fluchtweg, der feuerpolizeilich vorgeschrieben ist, erklärte Götz Förg, stellvertretender Leiter des Ressorts Bauen & Verkehr, den anwesenden
Gemeinde- und Jugendgemeinderäten. „Dieser zweite bauliche Rettungsweg für jedes Stockwerk kostet uns deutlich mehr Geld“, ergänzte Sozial- und Baubürgermeister Jörg Steuler.

Juze-Gebäude wurde 1913 erbaut

Das Gebäude, in dem das Jugendzentrum untergebracht ist, wurde 1913 erbaut. Deshalb muss bei der Sanierung neben neuen Brandschutzvorschriften auch der Denkmalschutz beachtet werden – eine Mammutaufgabe, sind sich Bauplaner und Vereinsmitglieder einig. Deshalb mussten die Arbeiten immer wieder unterbrochen und teils sogar neu geplant werden. Dazu gehören vor allem Elektroarbeiten, die sich erweiterten, aber auch der Trockenbau und Brandschutztüren, beispielsweise zum Dachbodenraum.

Im Juni 2023 soll das Jugendzentrum wieder eröffnet werden

„Wir sind mit Hochdruck dabei, damit das Juze schnell wieder genutzt werden kann“, versicherte Götz Förg. Auf Nachfrage von Stadtrat Roland Klie (SPD), wann genau das sein könnte, wurde der kommende Juni 2023 genannt. „Es ist aber immer schwierig. Beim Bau gibt es immer Risiken und Termine können nicht immer gehalten werden“, gab Förg zu bedenken.

Stadt hat bisher mehr als 330.000 Euro bereitgestellt

Auch die Kosten waren bei der Besichtigung des im Augenblick überwiegend noch nackt dastehenden Juze-Inneren ein Thema. Nach diesen fragte unter anderem Gerhard Neidlein (CDU). Erst in der Sitzung vor Weihnachten hatte der Gemeinderat rund 11.000 Euro für zusätzliche Elektro-Arbeiten bewilligt. Somit beläuft sich die Summe inzwischen auf mehr als 330.000 Euro, die die Stadt für zusätzliche Arbeiten bereitgestellt hat. Das beinhaltet alles, was die Versicherung nach dem Brand nicht übernimmt, aber wegen Denkmal- und Brandschutz dringend getan werden
muss, damit das Juze wieder genutzt werden kann – so die Stadtverwaltung. Alleine neue Fenster, die teilweise getauscht werden mussten, kosteten pro Stück 2.500 bis 3.000 Euro. Deshalb wurden nur vom Feuer zerstörte Fenster ausgetauscht. „Im Konzertraum ist das nicht so schlimm, da sind wegen dem Lärm bei den Auftritten die Fensterläden meistens zu, damit die Nachbarn nicht gestört werden“, schmunzelte Johannes Stefan vom Juze-Verein.

Alle Räume neu geplant

Nicht nur dieser Raum wird durch die Sanierung neu geplant: Die Bar im Erdgeschoss wird kleiner, der Raum somit leichter zugänglich. Eine Küche ist geplant, wofür aber geklärt werden muss: Gaststättenbetrieb, es soll wieder viel gekocht werden mit den Jugendlichen oder geht es einfacher mit einer Sondernutzung? Wer übernähme da mögliche Zusatzkosten, wollte Stadtrat Klie wissen. „Die Stadt“, meinte Bürgermeister Steuler. Ein Podest für den zweiten Fluchtweg ist geplant, eine Sitzecke, dazu Glaskühlschränke für Getränke. Im Konzertraum gibt es eine neue Bühne, dazu ein Metallgestell für Scheinwerfer und Lautsprecher. Das bisherige DJ-Pult ist erhalten geblieben.
Auch die anderen Räume in den oberen Geschossen sind verplant: Der bisherige Tischtennisraum mit Billard- und Kicker-Tischen tauscht mit der Werkstatt. „So soll mehr Platz für eine offene Werkstatt, ein Repair-Café, geschaffen werden“, erklärte Vereinsmitglied Johannes Stefan.

3-D-Drucker, Kreissäge und Drechselbank sollen gekauft werden

Geplant ist, einen 3-D-Drucker, eine Kreissäge und eine Drechselbank anzuschaffen. „Wir müssen sehen, was wir da bekommen“, sagte Stefan. Dafür zahlt die Versicherung nicht. Die bisherige Werkstatt, der kleinere Raum nebenan, wird zur Chill-Out-Area, auch das Büro des Jugendzentrum-Vereins findet in dieser Etage Platz. Die vergangenen Jahre musste die Schreibarbeit in verschiedenen Räumen erledigt werden, die die Stadt zur Verfügung gestellt hatte. „Wir freuen uns darauf, dass wir das wieder im eigenen Büro zu machen“, sind sich anwesende Vereins-Mitglieder einig.

Tonstudio im obersten Stock

Auch das Stockwerk unter dem Dachgeschossraum wurde durch das Feuer, das am frühen Morgen des 27. Mai 2020 im Erdgeschoss ausgebrochen war, schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Sachschaden wurde auf rund 200.000 Euro geschätzt, als mutmaßliche Brandstifter ermittelte die Polizei zwei damals 17-Jährige. Dieser Anlass für die Sanierung des Juze war kurz Thema, dann widmeten sich alle wieder der neuen Gestaltung: Der bisherige Mehrzweckraum soll weiterhin als solcher genutzt werden, für Schulungen und Seminare beispielsweise. Außerdem ist in dem Stockwerk der Tonstudiobereich geplant, Radio Stöhrfunk zieht mit ein, es gibt Platz für Schlagzeug und Gitarren. Insgesamt ist der Raumbedarf im historischen Juze ausreichend, versichern die Vereins-Mitglieder. Auch das Kunstcafé kommt nebenan unter, an der Südseite mit viel Licht, Sofas, Arbeitstischen und einer kleinen Küchenzeile.

Generalsanierung steht noch an

CDU-Stadtrat Klaus-Jürgen Mümmler fragte, ob die ohnehin vorgesehene Generalsanierung nicht hätte vorgezogen werden können? „Das haben wir natürlich geprüft“, versicherte Baubürgermeister Jörg Steuler. Im Haushalt habe man das nicht finanzieren können. Die rund 330.000 Euro müssten jetzt sein, unter anderem wegen Brandschutzvorgaben, so Steuler. Bei der Generalsanierung könnten dann einige Fördertöpfe genutzt werden. „Wir beschränken uns bei den aktuellen Arbeiten auf das notwendige Minimum“, versicherte Götz Förg. Die derzeitige Feuertreppe würde dann vielleicht ersetzt, könnte aber problemlos anderweitig weitergenutzt werden.

Crailsheimer Juze seit fast 50 Jahren selbstverwaltet

Die Sanierungsarbeiten im Crailsheimer Jugendzentrum laufen und sowohl Stadtverwaltung als auch der Verein sind zuversichtlich, dass das Juze im Sommer wieder in vollem Umfang öffnen kann. Johannes Stefan fasste es
abschließend so zusammen: „Wir sind wirklich sehr froh, dass wieder viele Handwerkerautos vor der Tür stehen. Es läuft. Wir müssen jetzt durchhalten.“ Diese Einstellung lobten die Gemeinderäte. Die ehrenamtliche Arbeit des Vereins sei für die Crailsheimer Jugend sehr wichtig, betonte Stadtrat Mümmler. Und Magnus Krause (SPD) sagte: „Alle können sehr stolz darauf sein, dass wir hier das wohl älteste Juze in Baden-Württemberg haben, das in Eigenverantwortung seit fast 50 Jahren existiert.“

Info:

Der Jugendzentrum Crailsheim e.V. ist 1974 von Ehrenamtlichen gegründet worden, um als Dienstleister die städtische Jugendarbeit zu unterstützen. Seitdem ist es im Gebäude in der Schönebürgstraße 33 untergebracht. Finanziert wird die Arbeit durch Veranstaltungen, beispielsweise dem Volksfest, die Arbeit in der Landschaftspflege auf Streuobstwiesen, das Juze verkauft eigenen Apfelsaft, und durch Spenden aller Art. Im Jahr 2019 betrug der Umsatz nach Vereinsangaben rund 45.000 Euro. In den vergangenen drei Jahren beschränkte sich die Arbeit des Vereins vor allem auf die Planung der Sanierungsarbeiten. Trotzdem wurden verschiedene Veranstaltungen angeboten, wie der Mädchen-Treff, die Regenbogentage oder die Kinder- und Jugendkulturwoche. Zudem traf sich der Vorstand regelmäßig. Angeboten wurde alles in unterschiedlichen Räumen, die oft die Stadt zur Verfügung stellte.

Weitere Informationen und Kontakt:

https://www.crailsheim.de/site/Crailsheim/search/907885/quickSearchResult.html?query=Juze

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„Verbot antifaschistischen Gedenkens auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald rechtswidrig“ – Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar

Das Verwaltungsgericht Weimar hat entschieden: Das Verbot antifaschistischen Gedenkens auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald war rechtswidrig.“ Das schreibt die Rechtsanwaltskanzlei Meister & Partner aus Gelsenkirchen in ihrer Pressemitteilung vom 18. Januar 2023.

Informationen der Rechtsanwaltskanzlei Meister & Partner in Gelsenkirchen

Eilentscheidung von 2019 korrigiert

Im Januar 2023 gingen uns die schriftlich abgesetzten Urteile des Verwaltungsgerichts (VG) Weimar zu. (Aktenzeichen: 4 K 1570/19 We, 4 K 1578/19 We, 4 K 1569/19 We – siehe VG Weimar: Medieninformation 1.2023.pdf (thueringen.de) und Medieninformation 2.2023.pdf (thueringen.de). Sie stellen fest und begründen: Die von massivem Polizeiaufgebot begleiteten staatlichen Verbote der Gedenkversammlung am Glockenturm, der Kranzniederlegung an der Ernst Thälmann – Gedenktafel am Krematorium (hier wurde er am 18. August 1944 ermordet) und der Führungen des Internationalistischen Bündnisses und der MLPD anlässlich des 75. Jahrestags der Ermordung des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmanns auf dem Gelände des KZ Buchenwald waren rechtswidrig. Wegen grundsätzlicher Bedeutung wurde die Berufung zum Thüringer Oberverwaltungsgericht zugelassen. Das Gericht korrigierte damit seine 2019 ergangenen Entscheidungen in den damaligen Eilverfahren.

Vorsitzender des Stiftungsrates

Die Urteile sind wichtige Erfolge im Kampf gegen die geschichtsrevisionistische antikommunistische Umdeutung antifaschistischer Gedenkstätten, die für die internationale revolutionäre, antifaschistische und Arbeiterbewegung herausragende Bedeutung haben. (so waren in Buchenwald ja Häftlinge aus allen Ländern Europas inhaftiert; das Internationale Lagerkomitee organisierte beim Herannahen der US-Truppen die Selbstbefreiung) Eine unrühmliche undemokratische Rolle in den Verfahren hatte die öffentliche Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, die die Verbote maßgeblich betrieb. Sie untersteht dem Chef der Thüringer Staatskanzlei und Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Benjamin-Immanuel Hoff (Partei die Linke), der Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ist.

Unterstellungen und Verunglimpfungen

Die Verbannung der Gedenkversammlungen in die Innenstadt von Weimar war ein Verbot, so das VG: „Einer vollständigen Verlegung der Versammlungsfläche, die nach der versammlungsrechtlichen Rechtsprechung regelmäßig einem Verbot der Versammlung gleichsteht, hätte es von daher nicht bedurft.“ (S. 11 des Urteilabdrucks) Das Gericht wies die vielfältigen – auch öffentlich verbreiteten – Unterstellungen und Verunglimpfungen seitens der Stiftung und der Stadt Weimar zurück, denn: „Für … die Verlegung … lagen weder die tatbestandlichen Voraussetzungen des § 15 Abs. 1 VersG noch die Voraussetzungen des § 15 Abs. 2 VersG … vor. Beide Eingriffsnormen erfordern unter Berücksichtigung der herausragenden Bedeutung der Versammlungsfreiheit nach Art. 8 GG, Art. 10 Thüringer Verfassung (und Art. 12 Absatz 1 i.V.m. Art. 51, 52 Absatz 1 Europäische Grundrechte-Charta im Hinblick auf (auch) auswärtige Teilnehmer aus dem benachbarten Ausland) eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, … die durch konkrete Tatsachen und Anhaltspunkte nachvollziehbar belegt ist und nicht nur auf Vermutungen oder Spekulationen beruht. …

Kein Interesse an Störung der Totenruhe

Allein eine missliebige Gesinnung eines Veranstalters oder Anmelders genügt insoweit nicht. (Die Kläger) haben nachvollziehbar ausgeführt, dass weder … die MLPD noch das Internationalistische Bündnis ein Interesse daran haben, solche Störungen (der Totenruhe) vorzunehmen oder derartige Beeinträchtigungen zu dulden oder darauf hinzuwirken.“ (Urteilsabdruck, S. 9/10, Hervorhebungen, auch weitere RA Meister)

Infame Gleichsetzung von Tätern und Opfern

Die Urteile widersprechen der Behauptung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald, wonach § 15 Absatz 2 Versammlungsgesetz auch die „Würde“ der im sogenannten Speziallager 2 nach Ende der Hitlerdiktatur inhaftierten faschistischen Täter und Kriegsverbrecher schütze. Die Stiftung forderte ein Verbot, da deren „Würde“ durch die antifaschistische Gedenkversammlung von Internationalistischem Bündnis und MLPD am Glockenturm verletzt werden würde. Eine infame Gleichsetzung von Tätern und Opfern. Es war erforderlich, diesen unglaublichen Relativierungen, der die Bestrafung faschistischer Mörder und Folterknechte mit den Verbrechen an Millionen kommunistischer, sozialdemokratischer, jüdischer, Roma und weiterer KZ-Gefangener auf eine Stufe stellt, entschieden entgegenzutreten.

Das Gericht griff jedoch in den Urteilen die Argumentation der Vertreter des Internationalistischen Bündnis und der MLPD auf und führte aus:

„… kann dahingestellt bleiben, ob – wie der Kläger in der mündlichen Verhandlung im Einzelnen durchaus nachvollziehbar dargelegt hat – der Regelungsgehalt des § 15 Abs. 2 VersG nach Sinn und Zweck des Gesetzes und nach dem Willen des Bundesgesetzgebers nicht ohnehin nur auf rechtsextreme Gruppierungen zugeschnitten sein könnte; dazu dürften weder der Kläger noch die MLPD und das Internationalistische Bündnis zu rechnen sein.“ (Urteilsabdruck, S. 10/11)

Ehemaliges Konzentrationslager als Ort der Begegnung

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald verbot auch selbstorganisierte unentgeltliche Führungen (u.a. durch einen Kläger, der Sohn eines kommunistischen Buchenwaldhäftlings ist). Das Gericht stellte fest, dass auch dies rechtswidrig war, da die Gedenkstätte Buchenwald nicht nur Ort der Trauer und Erinnerung ist, sondern auch eine Verpflichtung besteht, das ehemalige Konzentrationslager als Ort der Begegnung zugänglich zu machen.

Das Verfahren legte in diesem Zusammenhang offen, dass die Leitung der Stiftung weder eine ordnungsgemäße Aktenführung vorlegen konnte, die von ihr erlassene Besucherordnung als rechtswidrig anzusehen ist und das willkürliche Verbot auch nicht begründet wurde.

So heißt es im Urteil:

„Weder in einer den Klägern übermittelten schriftlichen Entscheidung oder Antwort noch im Rahmen des vorliegenden gerichtlichen Verfahrens hat die Beklagte ihre Ablehnung nachvollziehbar begründet, geschweige denn dokumentiert.“ (S. 18 des Urteilabdrucks)

Mehr als drei Jahre protestiert

Mit den Urteilen wurde nach mehr als drei Jahren des Protests den reaktionären antikommunistischen Entgleisungen ein gewisser Riegel vorgeschoben und erfolgreich ein Kampf um Verteidigung und Erweiterung demokratischer Rechte und Freiheiten geführt. Dies ist eine Ermutigung für alle ehrlichen Antifaschist*innen und ein Erfolg der Bewegung

„Gib Faschismus, Rassismus, Antikommunismus und Antisemitismus keine Chance!“

Weitere Informationen und Kontakt:

Anwaltskanzlei Meister & Partner, Industriestraße 31, 45899 Gelsenkirchen

Telefon: 0209 / 3597670

Fax: 0209 / 3597679

Internet:

http://www.anwaelte-meister.de/

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„… verlegt in eine andere Anstalt“ – Die NS-„Euthanasie“-Aktion am Haller Diak und im Altkreis Crailsheim“ – Vortrag in den Sozialtherapeutische Gemeinschaften Weckelweiler

„… verlegt in eine andere Anstalt“ – Die NS-„Euthanasie“-Aktion am Haller Diak und im Altkreis Crailsheim“ lautet der Titel des Vortrags am Freitag, 27. Januar 2023, um 15 Uhr im Saal der Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler in Kirchberg/Jagst-Weckelweiler, Heimstraße 15. Es referiert Folker Förtsch, Stadtarchivar in Crailsheim und Mitglied des Gedenkstättenvereins KZ-Gedenkstätte Hessental.

Von den Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler

Opfer waren Menschen mit Behinderung

Am 27. Januar wird jährlich in Deutschland an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Zu den Opfern gehörten damals auch Menschen mit Behinderung. Aus diesem Anlass und auf Wunsch aus dem Kreise ihres Trägervereins laden die Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler zu diesem Vortrag ein.

Mindestens 75 Frauen, Männer und Kinder aus dem Altkreis Crailsheim ermordet

Nach dem aktuellen Stand der Forschung fielen der „Euthanasie“-Aktion der Nationalsozialisten in den Jahren 1940 und 1941 mindestens 75 Frauen, Männer und Kinder aus dem Altkreis Crailsheim zum Opfer. Der Vortrag beleuchtet die lokalen Auswirkungen der NS-Tötungsaktionen gegen Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung. Er behandelt zunächst die konkrete Durchführung der Ermordung am Beispiel der Behindertenabteilung in der Schwäbisch Haller Diakonissenanstalt. In einem zweiten Teil untersucht er einige Einzelfälle von „Euthanasie“-Opfern aus Crailsheim und den umliegenden Gemeinden. Mit den berüchtigten grauen Bussen wurden die Betroffenen in eine „andere“ Anstalt verlegt.

Weitere Informationen und Kontakt:

Interessierte an dem kostenfreien Vortrag werden gebeten eine FFP2-Maske zu tragen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Kontakt: Telefon 07954/970-0, E-Mail butz@weckelweiler.de

Internet:

weckelweiler.de

weckelweiler-shop.de

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„Über „Hohenlohe“ und woher dieser Name eigentlich stammt“ – Vortrag in Crailsheim

In einem Vortrag von Thomas Kreutzer im Forum in den Arkaden in Crailsheim am Donnerstag, 2. Februar 2023, geht es ab 19 Uhr um die Bezeichnung „Hohenlohe“ und darum, woher dieser Name eigentlich stammt.

Von der Stadtverwaltung Crailsheim

Herrschaft der Hohenlohe reichte zeitweise bis nach Crailsheim

Hohenloher Land, Hohenloher Ebene, Hohenlohekreis – diese Bezeichnungen sind jedem geläufig, der dieses schöne Fleckchen Erde im Nordosten Baden-Württembergs kennt. Doch woher kommt der Name „Hohenlohe“ eigentlich? Hier kommt das Fürstenhaus Hohenlohe ins Spiel, dessen Stammburg einst im Taubergau stand und das noch immer in mehreren Linien blüht. Die Herrschaft der Hohenlohe reichte zeitweise bis nach Crailsheim, das seine Stadtwerdung diesem Hochadelsgeschlecht verdankt.

Die Herren von „Hohenloch“

In seinem Vortrag wird der Kreisarchivar des Hohenlohekreises, Dr. Thomas Kreutzer, den Weg nachzeichnen, wie der Familienname auf das von dieser Dynastie beherrschte Land an Kocher, Jagst und Tauber übertragen wurde. Der Bogen reicht dabei von den frühmittelalterlichen Grundlagen und den Anfängen der Herren von „Hohenloch“ im 11. Jahrhundert bis zur Mediatisierung der hohenlohischen Fürstentümer 1806. Dabei geht der Referent auch auf die Rolle der Stadt Crailsheim in der Herrschaft Hohenlohe. Der Vortrag wird vom Stadtarchiv und dem Crailsheimer Historischen Verein veranstaltet.

Kurzinfo:

Wie die Region Hohenlohe zu ihrem Namen kam, darüber spricht der Kreisarchivar des Hohenlohekreises, Dr. Thomas Kreutzer, in seinem Vortrag am Donnerstag, 2. Februar 2023, um 19 Uhr im Forum in den Arkaden des Rathauses Crailsheim.

Weitere Informationen im Internet und Kontakt:

https://www.stadtarchiv-crailsheim.de/

https://crailsheimer-historischer-verein.de/

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„Wenn Journalisten die Kriegstrommeln schlagen und Generäle den Frieden fordern, läuft irgendwas komplett falsch“ – Link zum Artikel auf den „NachDenkSeiten“

Wir leben in verrückten Zeiten. Während die angeblich „linksliberale“ Presse im Gleichschritt mit einer übergroßen Mehrheit im Bundestag tagein, tagaus den Krieg in der Ukraine durch Waffenlieferungen weiter eskalieren und verlängern will, mahnen Generäle zur Zurückhaltung und fordern Friedensverhandlungen, um dem Sterben ein Ende zu setzen und eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur mit Russland aufzubauen, die die Gefahr eines Dritten Weltkrieges minimiert.

Von Jens Berger, NachDenkSeiten vom 16. Januar 2023

Erich Bad musste auf Zeitschrift „Emma“ ausweichen

Dies fordert unter anderem General a.D. Erich Vad, der von 2006 bis 2013 militärpolitischer Berater von Angela Merkel war. Und da wir in verrückten Zeiten leben, bekam Vad nicht die Gelegenheit, seine Forderungen im SPIEGEL, der ZEIT, der WELT oder einem Format der Öffentlich-Rechtlichen zu äußern, sondern „musste“ auf die nicht eben als sicherheitspolitisches Fachblatt bekannte Zeitschrift „Emma“ ausweichen. Dafür muss man der Emma und Vad dankbar sein.

„Burgfriedenspolitik“

Wie konnte es eigentlich so weit kommen, dass die öffentliche Debatte zu allen Fragen rund um den Ukraine-Krieg eine derartige Schlagseite bekommen hat? Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine scheint es in den großen Medien nur noch eine erlaubte Position zu geben und das geht von der konservativen FAZ bis zur als links geltenden taz. Aus dem August 1914 ist von Kaiser Wilhelm II das Zitat, „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!“, überliefert. Historiker sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Burgfriedenspolitik“. Einen solchen Burgfrieden gibt es heute offenbar auch. Medien und große Teile der Politik befinden sich mental im Krieg und ordnen diesem „höheren Zweck“ alles andere unter. Nur alternative Medien wie die NachDenkSeiten und erstaunlicherweise die Emma, als einziges eher „klassisches“ Medium, spielen dieses Spiel nicht mit. (…)

Link zum ganzen Artikel auf den „NachDenkSeiten:

https://www.nachdenkseiten.de/?p=92557

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„Pädagogische Fachkräfte fehlen“ – didacta-Bildungsmesse in Stuttgart

Personalmangel, Überstunden, schlechte Bezahlung, dazu Herausforderungen wie Corona-Pandemie, Ganztagsausbau oder die Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher: Das Bildungssystem und sein Personal stoßen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Von den Organisatoren der didacta-Bildungsmesse Stuttgart

Fachkräfte müssen auf die Bedürfnisse von Kindern eingehen können

Manchmal beginnt Qualität schlicht mit den richtigen Zahlen: Gruppengrößen von maximal 15 Kindern und einen Personalschlüssel von 1:3 bei Krippenkindern und 1:7,5 bei Kindern ab drei Jahren – das sind für Kindheitspädagogin Rahel Dreyer Voraussetzungen dafür, dass in der Kita „Fachkräfte auf die Bedürfnisse von Kindern eingehen können […]“. Mit der Realität hat das jedoch wenig zu tun, kaum ein Bundesland wird dieser Anforderung gerecht. Und das obwohl in Kitas die Weichen für den späteren Bildungserfolg gestellt werden. „Mehrere Studien belegen, dass sich Kinder sprachlich, kognitiv und sozial ungünstig entwickeln, wenn diese Standards unterlaufen werden“, so Dreyer im „Spiegel+“-Interview. Die Wissenschaftlerin kritisiert in diesem Kontext, dass der Bund beim „Gute-Kita-Gesetz“ die Nutzung der Gelder den Ländern überlassen habe. Statt in die Qualität zu investieren, entlasteten einige Länder lieber die Eltern bei den Kita-Beiträgen.

Fachkräftemangel trifft die Schwächeren besonders hart

Drastische Auswirkungen hat der Personalmangel im Umgang mit Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien, denn sie benötigen in der Schule viel Unterstützung. Eine Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ergab, dass 72 Prozent der Beschäftigten, die in Kitas in sozial schwachen Milieus arbeiten, diesem Unterstützungsbedarf wegen des zu niedrigen Personalschlüssels „überhaupt nicht oder eher nicht“ gerecht werden können. Ein Problem, das auch viele Brennpunktschulen kennen. Wie Hamburg, Sachsen oder NRW plant nun Baden-Württemberg für die gezielte Förderung dieser Schulen die Einführung eines Sozialindex. Hamburger Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen bekommen so beispielsweise bis zu 50 Prozent mehr Personal. 

Zuwendung und Vertrauen

„Jugendliche aus schwierigen Situationen brauchen beides, Zuwendung und Vertrauen in Lehrkräfte“, meint auch Prof. Dr. Riecke-Baulecke. Der Leiter des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg betont zudem in der Zeitschrift des Philologenverbands Baden-Württemberg: „Lehrerinnen und Lehrer sind Führungskräfte und üben einen der wichtigsten Berufe in unserer Gesellschaft aus. Sie ermöglichen Bildung und Demokratiefähigkeit der nachwachsenden Generation.“ Doch obwohl sie so wichtig sind, fehlen sie vielerorts – auch an den Beruflichen Schulen. Viele Lehrkräftestellen bleiben dort jedes Jahr unbesetzt, tausende Unterrichtsstunden fallen aus, speziell in den MINT-Fächern. Die Zahl der Lehrkräfte, die altersbedingt ausscheiden, ist dabei laut Pankraz Männlein, Vorsitzender des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V. (BvLB), „weitaus höher als die Zahl der Lehramtsstudierenden, die nachrücken“.

Mehr Nachwuchs ausbilden

Fachkräfte müssen also nicht nur angeworben, sondern vor allem in höherer Zahl ausgebildet werden. Dass beispielsweise die Zahl der Abbrecherinnen und Abbrecher in manchen Lehramtsstudiengängen bei fast 50 Prozent liege, ist für die Gewerkschaft GEW ein deutliches Zeichen für „erhebliche Mängel in den Studiengängen“. Vorsitzende Maike Finnern fordert, die Studienbedingungen zu verbessern, die Ausbildungskapazitäten in Studium und Referendariat zu erhöhen und den Numerus clausus (NC) für alle Lehramtsausbildungen abzuschaffen. Es sei höchste Zeit, Bund und Länder zu verpflichten, ihr „Versprechen einzulösen, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung und Forschung zu investieren“.

Weg aus dem Hamsterrad „Fachkräftemangel“ finden

„Mit mehr Personal verbessern sich die Arbeitsbedingungen für alle. Damit steigen die Chancen, dass sich mehr Menschen für die Arbeit in einer Kita oder Schule entscheiden und zugleich die vorhandenen Fachkräfte im Beruf bleiben“, bilanziert Anette Stein von der Bertelsmann Stiftung. Allerdings: Der Weg ist noch weit, und nur durch ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen kann ein Weg aus dem Hamsterrad namens „Fachkräftemangel“ gefunden werden.

Über die didacta – die Bildungsmesse in Stuttgart

Vom 7. bis 11. März 2023 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Stuttgart zusammen.

Einige Veranstaltungen:

Forum Bildungsperspektiven
Diskussion: Berufsorientierung in Zeiten des Fachkräftemangels
08.03.2023
15:30 Uhr bis 16:15 Uhr

Forum Bildungsperspektiven
Diskussion: Keinen Bock auf Schule!? Strategien gegen den Lehrkräftemangel
Jürgen Böhm, Helmut Hochschild, Petra Ferrari, N. N.
09.03.2023
14:00 Uhr bis 14:45 Uhr

Forum Berufliche Bildung
Diskussion: Fachkräftelücke schließen, Future Skills vermitteln. Was soll Berufsorientierung heute leisten?
Christoph Dahl, Stefan Küpper und Dr. Susanne Koch, N. N.
10.03.2023
12:00 Uhr bis 12:45 Uhr

Forum Schulpraxis
Exzellenz für Baden-Württemberg. Neue Fortbildungsangebote für Schulleitungen
Prof. Dr. Thomas Riecke-Baulecke
08.03.2023
11:00 Uhr bis 11:30 Uhr

Forum Schulpraxis
Diskussion: „Wir können (nicht) mehr!“ – Praxisprojekte in Zeiten multipler Krisen und von Bildungsungerechtigkeit
Balu und Du e.V. und Gäste
11.03.2023
12:00 Uhr bis 13:00 Uhr

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2023 gibt es im Internet auf folgender Seite:

www.didacta-messe.de

Weitere Artikel und Interviews zur didacta – die Bildungsmesse 2023 gibt es im Dossier auf der Internetseite

www.bildungsklick.de

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„Weckelweiler Gemeinschaften bei einem Rundgang kennenlernen“ – Anmeldung per E-Mail oder telefonisch


Die Weckelweiler Gemeinschaften als anthroposophisch orientiertes Sozialunternehmen der Behindertenhilfe in Kirchberg/Jagst-Weckelweiler laden am Freitag, 27. Januar 2023 zu einem geführten Rundgang durch ihre Werkstätten ein.

Von den Weckelweiler Gemeinschaften

20 unterschiedliche Werkstätten

Insgesamt betreiben die Gemeinschaften 20 unterschiedliche Werkstätten. Der Rundgang beginnt um 13.30 Uhr. Treffpunkt ist an der Litfaßsäule vor dem SoBio in der Heimstraße 16 in Weckelweiler. Am Rundgang Interessierte müssen bereit sein, in den Werkstätten eine FFP2-Maske zu tragen.

Anmeldungen: Telefon 07954 970-0 oder per E-Mail piller@weckelweiler.de

Weitere Informationen und Kontakt:

https://weckelweiler.de/

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„Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsorganisationen wurden attackiert“ – CDU-Kreisvorstand Schwäbisch Hall verurteilt Angriffe auf Hilfsorganisationen

Der CDU-Kreisvorstand Schwäbisch Hall verurteilt Angriffe auf Hilfsorganisationen. Dies hat der im Dezember neu gewählte Vorstand des CDU-Kreisverbands bei der konstituierenden Sitzung am Montag, 9. Januar 2023 beschlossen.

Vom CDU-Kreisvorstand Schwäbisch Hall

145 Personen mit 18 verschiedenen Nationalitäten festgenommen

Mit frischem Wind und wichtigen Themen für das Jahr 2023 nahm der Kreisvorstand die Arbeit auf. In der politischen Diskussion standen auch die Ereignisse der Silvesternacht im Fokus. Aus Berlin und anderen Städten wurde über schockierende Angriffe auf Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsorganisationen berichtet. Die Mitteilung der Berliner Polizei, dass zur Silvesternacht 145 Personen mit 18 verschiedenen Nationalitäten wegen verschiedener Delikte festgenommen wurden, hatte eine bundesweite Debatte losgetreten.

In Heilbronn Silvesterrandalierer zu neun Monaten Haft verurteilt

Einzelne Angriffe gegen Einsatzkräfte hat es in der Vergangenheit auch im Landkreis Schwäbisch Hall gegeben. Einigkeit herrscht im CDU-Vorstand darüber, dass tätliche Angriffe auf Rettungs- und Einsatzkräfte strafrechtlich konsequent verfolgt und rasch aufgearbeitet werden müssen. Anerkennend wird auf den Fall in Heilbronn verwiesen, wo nur wenige Tage nach dem Angriff auf Polizeibeamte ein Silvesterrandalierer zu neun Monaten Haft verurteilt wurde.

Respekt vor Mitmenschen durch verpflichtenden Gesellschaftsdienst fördern

Der CDU-Kreisvorstand verurteilt jegliche Angriffe auf Hilfsorganisationen und staatliche Institutionen aufs Schärfste, unabhängig von Herkunft und Gruppenzugehörigkeit. Solche Taten müssen ein gesellschaftliches Tabu bleiben. „Wir sind uns einig: Dem Dienst in staatlichen Einrichtungen und dem Ehrenamt in Vorsorge- und Rettungsaufgaben gebührt unser Respekt. Wir sind dankbar für jeden Einzelnen, der sich in Polizei, Feuerwehr und als Rettungskraft für unsere Gemeinschaft einsetzt“, fasst Kreisvorsitzender Tim Breitkreuz zusammen. Geht es nach dem CDU-Kreisvorstand, sollen jetzt Debatten über einen verpflichtenden Gesellschaftsdienst unter verstärkter Einbeziehung der Feuerwehren, Rettungsorganisationen und der Polizei begonnen werden. „Es geht hier auch um den Respekt vor unseren Mitmenschen und den gemeinsamen Werten, die ein friedliches Miteinander in unserem Land sicherstellen“ so Tim Breitkreuz. Neben der vollen rechtsstaatlichen Strafverfolgung bedarf es eines versöhnlichen gesellschaftlichen Ansatzes, der ausgegrenzte und enttäuschte Menschen in die Gesellschaft zurückholt. Zusammenhalt und ein offenes Eintreten für Demokratie sind hier entscheidend. Hierfür setzt sich der CDU-Kreisverband Schwäbisch Hall ein.

Weitere Informationen und Kontakt:

https://www.cdu-sha.de/index.php?id=3&no_cache=1

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„Wenn der „Sturmvogel“ singt“ – Rechtsextreme Propaganda beim Winterlager im Jugendheim Hohenlohe in Kirchberg/Jagst-Herboldshausen

Vom 27. Dezember 2022 bis 1. Januar 2023 führte der rechtsextreme „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ ein geheimes Winterlager in Kirchberg/Jagst-Herboldshausen (Baden-Württemberg) durch. Kinder und Jugendliche trugen Fackeln, Fahnen und Uniformen mit schwarz-weiß-roten Abzeichen.

Von Timo Büchner| 6. Januar 2023

Odal-Rune

„Odalrune auf blutrotem Tuche | Weh voran uns zum härtesten Streit | Odalrune, Dir Zeichen aller Freien | Sei der Kampf unseres Lebens geweiht“ – so lautete eine Strophe aus dem Liederbuch der „Wiking-Jugend“ (WJ). Die WJ, 1952 gegründet, war eine neonazistische Kinder- und Jugendorganisation. Ihre Fahne war schwarz-weiß-rot und zeigte eine Odal-Rune. Im Nationalsozialismus wurde die Rune von der Hitler-Jugend und vom Rasse- und Siedlungshauptamt der SS verwendet.

Antisemitisch und rassistisch

Mehr als 40 Jahre konnte die WJ Neonazi-Ideologie unter Kindern und Jugendlichen verbreiten. Die Organisation konnte paramilitärische Lager durchführen und „Rassenkunde“ lehren. 1994 war Schluss: Das Bundesinnenministerium verbot die WJ. Nach einer Klage bestätigt vom Bundesverwaltungsgericht. Das Gericht urteilte, die WJ sei antisemitisch und rassistisch. Und: „Ferner verunglimpft sie die Bundesrepublik Deutschland und will die parlamentarische Demokratie durch einen Führerstaat nationalsozialistischer Prägung ersetzen.“

Der „Sturmvogel“ ist bis heute aktiv

1987, einige Jahre vor dem Verbot der WJ, wurde der „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ als Abspaltung gegründet. Seine Fahne ist, wie einst die Fahne der WJ, schwarz-weiß-rot und zeigt einen Vogel. Im Gegensatz zur WJ ist der „Sturmvogel“ bis heute aktiv. Im Sommer 2022 führte die rechtsextreme Kinder- und Jugendorganisation ein Zeltlager auf dem Immenhof durch. Der Immenhof, von Hecken und Wald verdeckt, liegt in Bispingen-Hützel (Niedersachsen).

„Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)“

Ein großes Schild zeigte das Lagermotto in Frakturschrift: „Der Fröhlichkeit die Türen auf“. Damals leitete Wolfhard F. aus dem Raum Uelzen das Lager. F., Mitte 20, stammt aus einer völkischen „Sippe“ und hat Kontakt zum rechtsextremen Ludendorff-Netzwerk. Das Netzwerk pflegt die antisemitische und rassistische Ideologie Mathilde Ludendorffs (1877-1966). Der einflussreichste und wichtigste Verein des Netzwerks ist der „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)“.

„Jugendheim Hohenlohe“

Der „Bund für Gotterkenntnis“ besitzt seit Anfang der 1970er-Jahre ein altes, mehrstöckiges Bauernhaus im Südwesten Deutschlands. Das Haus trägt den Namen „Jugendheim Hohenlohe“ und liegt in Kirchberg/Jagst-Herboldshausen (Baden-Württemberg). Vom 27. Dezember 2022 bis 1. Januar 2023, knapp fünf Monate nach dem Zeltlager in der Lüneburger Heide, führte der „Sturmvogel“ ein Lager im „Jugendheim“ durch. Erneut leitete Wolfhard F. das Lager. Knapp 50 Personen, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche, nahmen teil. Jungs mit Scheitel, Mädchen mit geflochtenen Zöpfen. Erwachsene und Kinder trugen Uniformen. Die Teilnehmer in dunkelgrünen Hemden und schwarzen Zimmermannshosen. Die Teilnehmerinnen in dunkelgrünen Blusen und schwarzen Röcken. Am Ärmel ein rot-weißes Abzeichen mit schwarzem Vogel. Einzelne Teilnehmer*innen trugen Braunhemden ohne Abzeichen.

Fackeln, Fahnen, Uniform

Die Autos vor dem „Jugendheim“ kamen hauptsächlich aus Norddeutschland, Kennzeichen aus Ludwigslust und Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) sowie aus Lüneburg und Uelzen (Niedersachsen) waren zu sehen. In Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen verfügt die völkische Szene seit Jahrzehnten über gefestigte Strukturen. Hin und wieder wurden Kennzeichen mehrerer Autos abmontiert. Offensichtlich sollte die Anwesenheit einiger Teilnehmer*innen verheimlicht werden.

Rechtsextreme „Identitäre Bewegung“.

So wurden die Kennzeichen eines weißen Mercedes aus Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) und eines silbernen Mercedes aus Meißen (Sachsen) abgehängt. Letzteres fuhr David S. aus den Reihen der rechtsextremen „Identitären Bewegung“. Die Kennzeichen täuschen über die Tatsache hinweg, dass die Teilnehmer:innen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. Kurzzeitig stattete Dr. Hartmut Klink aus Ingelfingen-Lipfersberg (Baden-Württemberg) dem völkischen Lager einen Besuch ab. Der Augenarzt mit einer Praxis in Künzelsau ist mit Gudrun Klink verheiratet. Sie ist die Bundesvorsitzende des „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)“.

Kein lockerer Frühsport, sondern eher Drill

Am 30. Dezember 2022, am Morgen eines Lagertages, ging um 7 Uhr das Licht im „Jugendheim Hohenlohe“ an. Um 7:15 Uhr strömten zahlreiche Kinder und Jugendliche aus dem Haus, darunter 8- und 9-Jährige. Viele trugen Shirts und kurze Hosen. Die Temperatur lag knapp oberhalb des Gefrierpunkts. Plötzlich joggten drei Personen in Richtung Kirchberg, drei weitere Personen in Richtung Wald. Sie bildeten offenbar die Vorhut und sollten schauen, ob Beobachtung oder eine Gefahr droht. Erschöpft kamen die Kinder und Jugendlichen nach einer Runde in der Dunkelheit zurück und machten den Eindruck: weniger lockerer Frühsport, sondern eher Drill.

Alle in Uniform

Pünktlich um 8 Uhr begann auf einer Wiese der Morgenappell mit Fackeln, einem Dutzend Fahnen und Liedern statt. Neben Kindern und Jugendlichen nahmen einige Erwachsene teil, alle in Uniform. Die Szene auf der Wiese hat viele Parallelen zur verbotenen WJ, aber auch zum Bund Deutscher Mädel und der Hitler-Jugend aus dem Nationalsozialismus.

Das Überleben des Stärkeren

Derartige Lager haben das Ziel, das „deutsche Volkstum“ zu bewahren und das „arische“ Erbe weiterzutragen. Eine wichtige Rolle spielt Sport und insbesondere: der harte Wettkampf im Sport. Einmal fuhren die Teilnehmer:innen ins Schwimmbad, an einem anderen Tag zum Fußballspielen. Einmal soll im Wald ein Survivaltraining stattgefunden haben. Das Motto lautet: „survival of the fittest“ (deutsch: das Überleben des Stärkeren).

Aufschrift „Offizieranwärter-Bataillon 2 Hammelburg“

Ein Jugendlicher trug ein Shirt der Rechtsrock-Band „Kategorie C“, darauf zu sehen: ein Schwert mit der Parole „Widerstand“. Ein anderer trug eine rote Trainingsjacke mit der Aufschrift „Offizieranwärter-Bataillon 2 Hammelburg“. Der Bundeswehr-Verband, stationiert im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen (Bayern), wurde im Frühjahr 2021 aufgelöst. Womöglich genoss der junge Mann eine Ausbildung im Militär.

„Von der Maas bis an die Memel“

Das Lager gipfelte in der Neujahrsnacht. Der „Sturmvogel“ stellte in dieser Nacht seine Nähe zum Deutschen Reich zur Schau. Die Teilnehmer*innen entzündeten ein großes Feuer, bildeten einen Kreis und sangen das Deutschlandlied. Nicht nur die dritte, sondern auch die erste und zweite Strophe. In der ersten heißt es: „Deutschland, Deutschland über alles / Über alles in der Welt / Wenn es stets zu Schutz und Trutze / Brüderlich zusammenhält / Von der Maas bis an die Memel / Von der Etsch bis an den Belt“. Die vier Flüsse liegen außerhalb des Territoriums der Bundesrepublik Deutschland. So fließt die Memel durch Belarus und Litauen, die Etsch durch Südtirol (Italien). Im Nationalsozialismus wurde lediglich die erste Strophe gesungen und unterstrich damit die Großmachtpläne des Deutschen Reiches. Mit Blick auf die Shoah und den Zweiten Weltkrieg entschied die Bundesrepublik Deutschland, bloß die dritte Strophe zur Nationalhymne zu machen. Am nächsten Morgen war das Feuer erloschen. Es blieben Asche und letzte Spuren der Glut. Das Lager war beendet.

Link zum Artikel auf der Internetseite Belltower News:

Rechtsextreme Propaganda – Wenn der „Sturmvogel“ singt

https://www.belltower.news/rechtsextreme-propaganda-wenn-der-sturmvogel-singt-145095/

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