Regionale Medienkritik / 24. Juni 2009: Hohenloher Tagblatt-Redakteur Harald Zigan bezeichnet 15-jährigen Tatverdächtigen schon als jungen Mann und präsentiert ihn vorverurteilend als Täter

Keine Ahnung von passenden Begriffen für junge Menschen hat der Hohenloher Tagblatt-Redakteur Harald Zigan (Journalistisches Kürzel „haz“) in der heutigen Ausgabe (Mittwoch, 24. Juni 2009/Seite 17 Crailsheim und Region) der Crailsheimer Lokalzeitung bewiesen. In dem einspaltigen Artikel >Dauerstreit im Heim löste die Bluttat aus< bezeichnete der HT-Redakteur einen 15-jährigen Tatverdächtigen als „junger Mann“. Dieser falsche Begriff kann bei einem oberflächlichen Leser den Eindruck einer erhöhten Schuldfähigkeit des Jugendlichen erwecken. Wer 15-Jährige nicht nur vom Hörensagen oder aus Polizeipressemitteilungen kennt, weiß, dass bei nahezu keinem 15-Jährigen in punkto Reife von einem jungen Mann gesprochen werden kann. Rechtlich ist ein 15-Jähriger in Deutschland gerade einmal ein Jahr dem Kindesalter entwachsen. Journalistisch unsauber ist auch, dass Zigan in seinem 20 Zeilen langen Kurzbericht bei dem 15-Jährigen bereits vom Täter spricht. Der über 50 Jahre alte HT-Redakteur sollte nach rund 30 Jahren Berufserfahrung wissen, dass ein Journalist einen Menschen erst nach dessen gerichtlicher Verurteilung als Täter bezeichnen soll (Pressekodex des Deutschen Presserats, Ziffer 13). In Ziffer 13 des Pressekodex (Fassung vom 8. Dezember 2008) heißt es wörtlich: „Unschuldsvermutung – Die Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt auch für die Presse.“

Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Zu beachten sind dazu auch die Richtlinien 13.1 bis 13.3 des Deutschen Presserats.

Richtlinie 13.1 – Vorverurteilung
Die Berichterstattung über Ermittlungs- und Gerichtsverfahren dient der sorgfältigen Unterrichtung der Öffentlichkeit über Straftaten und andere Rechtsverletzungen, deren Verfolgung und richterliche Bewertung. Sie darf dabei nicht vorverurteilen. Die Presse darf eine Person als Täter bezeichnen, wenn sie ein Geständnis abgelegt hat und zudem Beweise gegen sie vorliegen oder wenn sie die Tat unter den Augen der Öffentlichkeit begangen hat. In der Sprache der Berichterstattung ist die Presse nicht an juristische Begrifflichkeiten gebunden, die für den Leser unerheblich sind. Ziel der Berichterstattung darf in einem Rechtsstaat nicht eine soziale Zusatzbestrafung Verurteilter mit Hilfe eines „Medien-Prangers“ sein. Zwischen Verdacht und erwiesener Schuld ist in der Sprache der Berichterstattung deutlich zu unterscheiden.

Richtlinie 13.2 – Folgeberichterstattung
Hat die Presse über eine noch nicht rechtskräftige Verurteilung eines Betroffenen berichtet, soll sie auch über einen rechtskräftig abschließenden Freispruch bzw. über eine deutliche Minderung des Strafvorwurfs berichten, sofern berechtigte Interessen des Betroffenen dem nicht entgegenstehen. Diese Empfehlung gilt sinngemäß auch für die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens.

Richtlinie 13.3 – Straftaten Jugendlicher
Bei der Berichterstattung über Ermittlungs- und Strafverfahren gegen Jugendliche sowie über ihr Auftreten vor Gericht soll die Presse mit Rücksicht auf die Zukunft der Betroffenen besondere Zurückhaltung üben.

In einer älteren Fassung heißt es unter Ziffer 13 des Pressekodex (Publizististische Grundsätze) wörtlich: „Die Berichterstattung über schwebende Ermittlungs- und Gerichtsverfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Die Presse vermeidet deshalb vor Beginn und während der Dauer eines solchen Verfahrens in Darstellung und Überschrift jede präjudizierende (vorverurteilende) Stellungnahme. Ein Verdächtiger darf vor einem gerichtlichen Urteil nicht als Schuldiger hingestellt werden. Über Entscheidungen von Gerichten soll nicht ohne schwerwiegende Rechtfertigungsgründe vor deren Bekanntgabe berichtet werden.“

Weitere Anmerkung von Hohenlohe-ungefiltert zum Zigan-Artikel:

Harald Zigan hat in seinem Artikel weder ein Geständnis des 15-Jährigen erwähnt, noch, dass zu diesem Geständnis auch noch Beweise gegen den Jugendlichen vorliegen. Schon gar nicht hat sich der HT-Redakteur an Richtlinie 13.3 des Deutschen Presserats gehalten. Dieser besagt: „Bei der Berichterstattung über Ermittlungs- und Strafverfahren gegen Jugendliche sowie über ihr Auftreten vor Gericht soll die Presse mit Rücksicht auf die Zukunft der Betroffenen besondere Zurückhaltung üben.“ Vorschnell bezeichnete Harald Zigan den Jugendlichen als Täter und verhöhnte ihn auch noch als „jungen Mann“. Nicht einmal die Quelle, von der Zigan sein Wissen bezogen hat, nannte der Lokalzeitungsredakteur den Leserinnen und Lesern des HT. Nirgendwo steht in der 20-Zeilen-Meldung, ob Zigan die Informationen von der Polizei, von der Staatsanwaltschaft, vom Haftrichter erhalten hat, oder ob der Inhalt dieses kurzen Artikels allein seiner Phantasie entsprungen ist.

Einige rechtliche Definitionen des Begriffs Jugendlicher (Quelle: Deutsches Sozialgesetzbuch VIII und Internetlexikon Wikipedia):

Nach deutschem Recht ist Jugendlicher, wer vierzehn (außer im Jugendarbeitsschutzgesetz, dort ab fünfzehn), aber noch nicht achtzehn Jahre alt ist. Im Kontext des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII), ist in Deutschland Jugendlicher, „wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist“ (§ 7 Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII). Ein Jugendlicher gehört zu den im SGB VIII definierten jungen Menschen, zu denen ebenfalls die jüngere Personengruppe der Kinder gehört (mit Ausnahmen, „wer noch nicht 14 Jahre alt ist“) und die ältere Personengruppe der jungen Volljährigen („wer 18, aber noch nicht 27 Jahre alt ist“). Heranwachsender ist nach dem Jugendgerichtsgesetz jede Person, die das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hat.

UN spricht erst bei 20- bis 24-Jährigen von „jungen Erwachsenen“

Die UN-Generalversammlung definiert Personen, die älter als 15 Jahre und jünger als 25 Jahre alt sind, als Jugendliche. In dieser Kategorie soll aber zwischen den Teenagern (13 bis 19) und den jungen Erwachsenen (20-24) unterschieden werden, da die Probleme auf soziologischer, psychologischer und gesundheitlicher Ebene stark differieren. Diese Definition wurde für das Internationale Jahr der Jugend gemacht, das 1985 abgehalten wurde. Alle Statistiken der UNO über Jugendliche basieren auf dieser Definition. Laut aktuellen Schätzungen waren 1995 rund 18 Prozent (oder eine Milliarde) der Weltbevölkerung Jugendliche, wovon 85 Prozent in Entwicklungsländern leben.
Dessen ungeachtet gilt die UN-Konvention für die Rechte der Kinder ungeachtet des Wortes ‚Kind‘ auch für Jugendliche: „Im Sinne dieses Übereinkommens ist ein Kind jeder Mensch, der das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendende Recht nicht früher eintritt.“ (Art. 1 )
Jugendsoziologie: In der 14. „Shell-Jugendstudie“ („Jugend 2002“) gingen die beteiligten Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen von der Personengruppe (den Kohorten) der 12- bis 25-jährigen aus.

Lesen Sie weitere „Regionale Medienkritiken“ in unserer Chronologie 2009: www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=304

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Vierter Erfahrungsaustausch über die neue Regiowährung „Hohenloher Franken“ am Donnerstag, 25. Juni 2009, um 20 Uhr im „Dorle“ in Schwäbisch Hall

Nach knapp einem halben Jahr Erfahrung mit dem Hohenloher Franken findet am Donnerstag, 25. Juni, 20 Uhr, in der  Gaststätte „Dorle“, Blockgasse 14, (Nähe Haalplatz)  in Schwäbisch Hall der vierte Erfahrungsaustausch statt. Dazu sind alle Aktiven und Interessierte einladen.

Von den Veranstaltern

Die drei Ebenen des Geldes: Kauf-, Kredit-, Spekulationsgeld und der Ursprung der Zinsproblematik

Neben Gesprächen über den Stand des Projekts „Hohenloher Franken“, Ideen, Vorstellungen und weiteren Zielen stehen zwei Vorträge auf dem Programm: Elisabeth Buser: „Zur Verortung und dem Stellenwert des Regiogelds in der modernen arbeitsteiligen Wirtschaft“ und Jörg Kunze: „Die drei Ebenen des Geldes – Kauf-, Kredit-, Spekulationsgeld und der Ursprung der Zinsproblematik“.

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Regionale Medienkritik / 22. Juni 2009: wie man uns für dumm verkauft (Riester) und dumm hält (EU-Agrarhilfe)

In dieser Rubrik befassen wir uns regelmäßig mit Veröffentlichungen in den lokalen Hohenloher Medien. Wir wollen in dieser Rubrik journalistische Fehler aufzeigen, Kritik an Veröffentlichungen üben, aber auch Hintergründe benennen, wie bestimmte Berichte anderer Medien einzuordnen sind.

Von Axel Wiczorke, Hohenlohe-ungefiltert

Da schlägt das Hohenloher Tagblatt zweimal am gleichen Tag zu. Zuerst kommt die Riester-Rente zum Zug. Da darf die Versicherungsbranche (in diesem Fall die Experten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft) also mal wieder ungehemmt Werbung im Hohenloher Tagblatt machen. Diesmal unter dem Deckmantel einer Telefonaktion. Verkauft wird das Ganze dann natürlich als Bürgerservice: Wenn wir das Hohenloher Tagblatt nicht hätten!

„Sicher fürs Alter sorgen. Große Resonanz auf Telefonaktion – Vor allem Eltern sollten Riester-Förderung nutzen“ so die Schlagzeile und unten drunter vier lächelnde Krawattenträgerträger. (Weiß auch nicht, warum ich da an die Bankenbranche denken muss …)

Da gibt dann auch einen kleinen Block mit der Überschrift Die wichtigsten Experten-Antworten in Kürze. Da können wir dann (unter anderem) erstaunt lesen: „Riester-Verträge bieten Garantie für alle Einzahlungen.“

Aber hoppla! Ich zahle also sagen wir mal 25 Jahre ein und bekomme dann am Ende garantiert mein eingezahltes Geld wieder raus! Spitze – das hat sich mal gelohnt!

Wir haben erst kürzlich auf die Volksverdummung in puncto Riesterrente hingewiesen (http://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=1413), genauer auf einen Beitrag auf den NachDenkSeiten. (http://www.nachdenkseiten.de/?p=3875#more-3875)

Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich auch einmal den Monitor-Beitrag vom letzten Jahr anschauen.

Jetzt zum zweiten Punkt: den EU-Agrarhilfen. Erst im dritten Anlauf schafft es das Hohenloher Tagblatt ein wenig konkreter zu den EU-Agarsubventionen zu werden.
Beim ersten Versuch vor über einer Woche fehlte der Verweis auf die Internetseite, auf der man sich schlau machen kann. Beim zweiten ein paar Tage später, war er da, aber falsch. Im dritten Anlauf dann der richtige (http://www.agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche)
Und jetzt also ein kleiner Kommentar – „Beim Geld geht’s um die Wurst“ (Autor: Peter Heinrichmann). Natürlich wieder ohne Link. Mutig nimmt man sich Beispiele aus den anderen Bundesländern zur Brust. Wer aber hier vor Ort, in den umliegenden Landkreisen am meisten davon profitiert, und warum, das können wir nirgends lesen. Werden wir mit Sicherheit auch nicht!

Bei uns aber schon: http://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=2468

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