„Die Kunstsammlung Würth“ – Eine gesellschaftskritische Betrachtung von Adolf Maier aus Unterwössen

Die Familie Würth hat in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl (zirka 18.300) von Kunstwerken erworben und macht sie in ansehnlichen Kunstmuseen der Öffentlichkeit ohne Eintrittskosten frei zugänglich. Dies bereichert die regionalen Kunstszenen. Auf der anderen Seite ist der kommerzielle, steuerliche und gesellschaftliche Kontext dieser beachtlichen privaten Kunstsammlung zu betrachten.

Von Dr. Adolf Maier, Unterwössen

Historische Reminiszenz

Fürstenhäuser wie die Hohenlohe hatten jahrhundertelang das Kulturleben in Deutschland mit ihren Hof-Theatern, -Orchestern, -Bibliotheken und -Kunstsammlungen beherrscht und mitunter das Kulturschaffen aktiv gefördert. Erwähnenswert ist die Epoche der Weimarer Klassik, die untrennbar mit der großherzoglichen Familie Sachsen-Weimar-Eisenach (Sachsen-Ernestinische Linie) verbunden ist.

„Hausgut“ und „Krongut“

Die demokratische Revolution 1918 ermöglichte die Überführung der im Besitz der ehemals regierenden Fürsten befindlichen Kulturgüter in das Eigentum der Länder – in die heutigen Landesmuseen. Die Trennung von Hausgut (Privatbesitz der Familien) und Krongut (Staatsbesitz) blieb dabei lange strittig und ungeklärt. Erst der Zwei-Plus-Vier Vertrag von 1990, in dem die Bundesrepublik die Enteignungen von Privateigentümern nach 1945 durch die sowjetischen Besatzungsbehörden anerkannte, und das Ausgleichsleistungsgesetz von 1994 brachten eine endgültige rechtliche Klärung, der allerdings langwierige Entschädigungsverhandlungen mit den enteigneten Privatpersonen über deren einstigen Kunstobjekten folgten – der Streit mit den preußischen Hohenzollern über kulturhistorisch bedeutsame Gegenstände dauert noch an (2020). Eine weitere demokratische Errungenschaft ist der in den Landesverfassungen verankerte Auftrag der Länder die Kunst zu fördern (Grundsatz der Kulturstaatlichkeit).

Public Relations, Kommerzialisierung

In gleicher Weise wie der feudale Kunstbesitz der Repräsentation und Machtdemonstration diente, wird die Kunstsammlung Würth zur gesellschaftlichen und medialen Selbstdarstellung des Unternehmers Würth eingesetzt, Kunst wird ein Statussymbol (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. Februar 2018, Seite 15 „Jeder Milliardär braucht seine Kunst“). Er pflegt sein Image als Kunstsammler und Kunstmäzen (siehe letztjährige Interviewkampagnen in Tageszeitungen und Magazinen). Damit einher geht die Kapitalisierung von Kunst. Überschüssige Unternehmensgewinne werden in prestigebringende Anlageobjekte investiert: neben Kunstwerken in Immobilien wie Schlosshotel Friedrichsruhe, Villa Preuschen in Salzburg und die Repräsentanz im legendären Schwanen Werder (‚Collection of trophy assets‘).

Kunst wird neben Beißzangen feilgeboten

Parallel wird die Kunstsammlung für Werbe- und Marketingzwecke der Würth Unternehmen genutzt. Überall klebt das Würth Firmenlogo (‚invasive labelling and branding‘). Selbst in der Salzburger Domkrypta ist es plakativ reklamehaft auf der Hinweistafel zur Kunstinstallation „Vanitas“ von Christian Boltanski (Leihgabe der Würth Gruppe) angebracht. Das Domkapitel ist entweder nicht bibelfest oder -untreu (Joh.2, 13-23) und Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth hat ein kunst-tolles Eigentor geschossen – Vanitas vanitatutum et omnia vanitas. Ähnlich Skurriles bewirkt die Total-Verlinkung der Würth Websites. Geht man als Kulturinteressierter über Google zu den Homepages der Würth Kultureinrichtungen (Museen Würth, Carmen Würth Forum, Kulturstiftung) wird man gleich auf den Würth Online Shop mitverwiesen – Kunst wird neben Beißzangen feilgeboten. Jeder Museumsticket-Besteller wird dazu noch direkt auf die Websites der Würth Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe geleitet.

Bestandteil der Geschäftsaktivitäten

Diese Karikierungen zeigen die kommerzielle Funktionsbestimmung der Kunstsammlung Würth. Die Kunstsammlung wird zum Bestandteil der Geschäftsaktivitäten der Würth Unternehmen gemacht, auch wenn Kunst überhaupt keinen Bezug zu deren Gegenstand hat. Ihre organisatorische und geschäftliche Einbindung in das Handels- und Industrieunternehmen der Montage- und Befestigungstechnik wird im Geschäftsbericht 2019 der Würth Gruppe dementsprechend dargestellt. Dies bringt auch der homepage-footer der Museen zum Ausdruck:“ Alle Aktivitäten der Würth Museen sind Projekte der Adolf Würth GmbH & Co KG“.

Steuerliche Intransparenz

Die – gekünstelt wirkende – gewerbliche Widmung der Kunstsammlung scheint steuerlich motiviert zu sein. Der veröffentlichte Jahresabschluss der Würth Gruppe 2019 gibt allerdings keinen Aufschluss über die Eigentumsverhältnisse, Kosten-Zuordnung zu Rechtsträgern und konkrete Bilanzierung der Kunstgegenstände. Angenommen die Kunstsammlung gehört nicht den Würth-Familienstiftungen, sondern der oben genannten Firma, könnte der in der konsolidierten Gruppen-Bilanz ausgewiesene Aktivposten „Property, plant and equipment“ sowie die Position „other equipment, furniture and fixtures“ (ca. 2,06 Milliarden Euro) auch Kunstgegenstände umfassen. Der von der Würth Gruppe angewandte Bilanzierungsstandard IFRS enthält jedoch keine ausdrückliche Bilanzierungsregel für Kunstgegenstände, sondern lässt Raum für eine eigene Bilanzierungspolitik hinsichtlich „first-class artwork“. Mangels weiterer öffentlich zugänglicher Informationen und wegen des auch für die Würth Gruppe zu respektierenden Steuergeheimnisses lassen sich daher über die tatsächliche bilanzielle und steuerliche Behandlung der Kunstsammlung nur vage Vermutungen anstellen. Denkbar ist – vereinfachend zusammengefasst – eine mögliche steueroptimierte Gestaltung, die steuerlich korrekt Teilwertabschreibungen auf die Kunstgegenstände vornimmt und sämtliche mit der Kunstsammlung im Zusammenhang stehenden Kosten ertragssteuermindernd als Betriebsausgaben verbucht. Äußerst unwahrscheinlich ist dagegen das Szenario des einfachen Steuerbürgers, der sich über seine IKEA-Gemälde oder seine Kunstrepliken gar keine steuerlichen Gedanken macht.

Erbschaftssteuer

Mutmaßungen sind auch nur im Hinblick auf etwaige Erbschaftsteuern für die Kunstsammlung möglich. Hier gibt es jedoch klare steuergesetzliche Bestimmungen. Danach sind Kunstwerke zu sechzig Prozent (60 Prozent) von der Erbschaftssteuer befreit, wenn ihre Erhaltung „wegen ihrer Bedeutung für Kunst, Geschichte oder Wissenschaft im öffentlichen Interesse liegt, ihre jährlichen Kosten die erzielten Einnahmen übersteigen und die Gegenstände der Volksbildung nutzbar gemacht sind oder werden“. Dies könnte wegen des eintrittsfreien Zugangs zu den Würth Museen gegeben sein.

Steuerprivilegien für private Kunstsammler

In vollem Umfang sind Kunstwerke erbschaftssteuerbefreit, wenn der Steuerpflichtige darüber hinaus bereit ist, sie den geltenden Bestimmungen der Denkmalspflege zu unterstellen und sie sich seit mindestens 20 Jahren im Besitz der Familie befinden. Eine private Kunstsammlung kann daher zu erheblichen Ersparnissen von Erbschaftssteuern führen. Beispiel: Eine Nichte erbt von ihrer Tante eine Eigentumswohnung im Wert von 200.000 Euro, sie zahlt 36.000 Euro Erbschaftssteuer. Erbt sie Kunstwerke im Wert von 200 Millionen Euro, zahlt sie bei Vorliegen der genannten (engen) gesetzlichen Voraussetzungen keine Erbschaftssteuer. Die Steuerprivilegien für private Kunstsammler werden schon lange kritisiert (FAZ vom 29. September 2018, S.15 „Die Kunst der Steueroptimierung“; FAZ vom 6. Juni 2020), der Gesetzgeber tut aber nichts.

Kritisches Resümee

Der Nur-Kunstinteressierte kann die Kunstmuseen Würth und deren Bestände nicht kritisieren, auch wenn ein exzessives Zusammenkaufen sichtbar wird. Trotz des Konglomerat-Charakters ist alles vom Feinsten und ein Besuch empfehlenswert. Über die Firmen-Emblems kann man hinwegsehen. Mittelfristig sind Risiken absehbar: Der Fortbestand der Museen hängt maßgeblich vom wirtschaftlichen Erfolg der Würth Unternehmen ab. Der Betrieb der umfänglichen Museen als Teil der Unternehmen ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Das Unternehmen tritt außerdem beim Erwerb von (wertvollen) Kunstwerken in Wettbewerb zu öffentlichen und gemeinnützigen Kultureinrichtungen, wie vor Jahren beim Erwerb der Schutzmantelmadonna (Holbein der Jüngere) von Prinz zu Hessen in Konkurrenz zum Städel Kunstmuseum Frankfurt.

Finanziert der Steuerzahler mit?

Die steuerliche Behandlung der Kunstsammlung Würth als Teil des Unternehmens ist völlig intransparent; offen bleibt, inwieweit der Steuerzahler die Kunstsammlung mitfinanziert. Wie die Erfahrung lehrt werden große private Kunstsammlungen früher oder später aufgelöst, Kunstwerke werden auf internationalen Kunstauktionen versteigert, Kunstwerkensembles oder ganze Kunstmuseen müssen von der öffentlichen Hand übernommen werden.

Gesellschaftspolitisch bedenklich

Gesellschaftspolitisch sind große private Kunstsammlungen, gleich ob steuerlich subventioniert oder nicht, bedenklich. Sie berühren jedenfalls den eingangs erwähnten verfassungsmäßigen Kulturauftrag des Staates, seinen demokratischen Bildungsauftrag. Im demokratisch verfassten Gemeinwesen gehört Kultur (einschließlich Kunstmuseen und Kunstbildung) zu den Kernaufgaben des Staates, er soll die Kulturhoheit ausüben. Kultur ist Allgemeingut. Die geistige und kulturelle Unabhängigkeit der Bürger, ihr Recht auf Kunst soll nicht vom Wohlwollen oder Mäzenatentum privater Kunstsammler abhängen. Mündige Staatsbürger sollen nicht auf neofeudalen Kunstbesitz und private Bildungs- und Kulturangebote angewiesen sein, insbesondere wenn dadurch Mehrfach-Abhängigkeiten entstehen wie im Falle eines regional bedeutenden Arbeitgebers.

Eigennützige Zwecke

Kunstmuseen betreibende Privatpersonen und Familienstiftungen verfolgen eigennützige Zwecke. Im Gegensatz zu gemeinnützigen oder öffentlichen Rechtsträger sind sie nicht an das Gemeinwohl gebunden und verfügen nicht über transparente und demokratisch kontrollierbare Strukturen und Verfahren. Die Verfügungsgewalt über Kunstgegenstände liegt beim privaten, gewinnorientierten Eigentümer. Dies führt trotz kompetent besetzter Gremien zur oben aufgezeigten Vermischung von Kunst mit kommerziellen Interessen.

Vorbildlich: Kunststiftung Emden

Aufgabe des Fiskus ist, die notwendigen Finanzmittel für die der Allgemeinheit gehörenden Kultureinrichtungen und die Anschaffung von Kunstwerken zur Verfügung zu stellen. Nicht betriebsnotwendiges privates Kapital, das in Kunstwerken und Kunstmuseen investiert ist, kann dazu mit einer angemessenen Vermögenssteuer oder -abgabe herangezogen werden; wirtschaftliche oder die Unternehmensentwicklung beeinträchtigende Gründe dagegen bestehen nicht. Eine Unternehmung bedarf keiner Kunstsammlung. Zivilgesellschaftlich alternativ kann eine private Kunstsammlung in eine gemeinnützige Stiftung (bürgerlichen Rechts) eingebracht werden, dies sichert ihren Fortbestand und die Verfolgung rein kunstbezogener Zwecke sowie Steuerfreiheit. In dieser Rechtsform lässt sich das bürgergesellschaftliche Engagement eines privaten Stifters langfristig im Einklang mit den Interessen der Allgemeinheit verwirklichen. Vorbildlich zu nennen ist die Kunsthalle Emden, die auf eine Stiftung von Henri und Eske Nannen 1986 zurückgeht und mittlerweile von zahlreichen Förderern unterstützt wird.

Weitere Informationen im Internet – Link zu einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 2. Oktober 2018 „Die Kunst der Steueroptimierung:

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/staatlich-gewaehrte-forderungen-machen-kunst-zu-einem-attraktiven-anlageobjekt-15811500.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

„Weniger Steuern auf Kunst: Schwierige Zeiten erfordern einfache Lösungen“

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/weniger-steuern-auf-kunst-schwierige-zeiten-erfordern-einfache-loesungen-16871888.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Die Vorzüge des Privatmuseums: Wer jetzt keins hat, baut sich eins

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/die-vorzuege-des-privatmuseums-in-deutschland-14300486.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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„“Alles, was sie schon immer vom Präse über die Merlins wissen wollten“ – CDU-Landtagskandidatin Isabell Rathgeb diskutiert mit Merlins-Geschäftsführer Martin Romig

CDU-Landtagskandidatin Isabell Rathgeb unterhält sich am Mittwoch, 30. Dezember 2020, von 20 bis 21 Uhr mit dem Merlins-Geschäftsführer Martin Romig über die „unglaubliche Erfolgsgeschichte der Crailsheimer Basketballer, über Crailsheim, den Begriff Heimat, die Region und vor allem über den mitreißenden Mut, den das Merlins-Team immer wieder unter Beweis stellt.

Von Isabell Rathgeb, CDU-Landtagskandidatin im Wahlkreis Schwäbisch Hall

Live im Internet dabei sein

Das Gespräch wird live auf Facebook und im Internet auf der Seite www.isabell-rathgeb.de übertragen. Unter dem Motto „Alles, was ich vom Präse über die Merlins wissen wollte“ können Fragen bereits vorab über kontakt@isabell-rathgeb.de eingereicht werden.

Weitere Informationen und Kontakt:

Isabell Rathgeb, CDU-Landtagskandidatin im Wahlkreis Schwäbisch Hall, Mühlstraße 31 / 74597 Stimpfach

Was bewegt Sie?

Auf Ihren Kontakt freue ich mich:

Telefon: 01520-7420930

E-Mail: kontakt@isabell-rathgeb.de

Internet: www.isabell-rathgeb.de

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„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden achtundzwanzigster Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden achtundzwanzigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XXVIII Licht

… Mit einem kurzen Seitenblick bemerkte Carl wie Paul die Fassung verlor. Er parkte bei der nächsten Möglichkeit das Auto in einem Waldstück und stellte den Motor ab. „Paul, was ist?“, fragte er den heulenden Freund und holte seine Wasserflasche aus der Seitentüre, um Paul davon in einen Becher einzuschenken. „Hier Paul, trink einen Schluck.“ Carl verstaute die Flasche wieder in der Seitentüre, klappte dann das kleine vordere Handschuhfach auf und angelte nach Papiertaschentüchern. „Da, nimm das Päckle mit – wir machen jetzt einen Spaziergang“, mit dieser knappen Anordnung öffnete Carl seine Türe, stieg aus und freute sich an der guten Schwarzwaldluft. Ohne den Freund in seinem Leid zu vergessen, atmete er ein paarmal tief ein und wieder aus. Dann schloss Carl seine Autotür und ging ein paar Schritte voraus, um dem Freund die Schmach zu ersparen, sich vor seinen Augen von den restlichen Tränen und der laufenden Nase zu befreien.

Oberste Autorität

Paul holte auf, und so gingen die beiden Freunde eine Weile still nebeneinander her. Carl schwieg, er wusste genau wie ungern Paul auf innerfamiliäre Probleme einging. Sich zu Unstimmigkeiten mit Familienmitgliedern vor jemandem außerhalb zu äußern, war schier unmöglich. Ganz zu schweigen davon, dass Paul jemals, von sich aus, mit seinen Freunden ein Gespräch über konstruktive Umgangsformen zu anstehenden Aufgabenlösungen suchen würde. Paul trug nicht nur seinen großen Stolz wie einen gutgehenden Bauchladen vor sich her, sondern er verabscheute jede Streiterei und vermied tiefergehende persönlich werdende Gespräche aller Art. Daher waren Situationen in denen er nicht, wie in seiner Stammesfamilie üblich, als ältester Sohn, ganz automatisch als oberste Autorität galt, für ihn inakzeptabel. Und für das Spiel, das seine Tochter, als nun heranwachsende Frau mit ihm trieb, hatte er weder als promovierter Pädagoge die richtigen Worte, noch als Vater genug Erfahrung um ihr die nötigen Grenzen zu setzen.

Deutsche Staatsangehörigkeit

„Sie erpresst mich mit meinem Aufenthaltsstatus“, fing Paul dann doch zögerlich zu sprechen an. „Gislène besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit und ich kann als ihr erziehungsberechtigter Vater nur solange im Schengenraum bleiben, wie Gislène noch minderjährig ist. Sie will aber schon jetzt die Freiheit, völlig uneingeschränkt zu kommen und zu gehen wann es ihr passt. Und sie will Geld.“ „Wozu?“, fragte Carl nun ungeduldig dazwischen, der sich überhaupt nicht vorstellen konnte, für welche Art Ausgaben ein junges Mädchen monetär ausgestattet sein sollte. Paul Malibo jedoch, gab ihm keine Antwort mehr. Carl erkannte sofort, dass bereits diese einfache Fragestellung den Freund verstummen ließ. Und obwohl er gerne noch etwas über Pauls Söhne erfahren hätte, stellte er keine weiteren Fragen mehr.
Das lang anhaltende Schweigen nützte Carl dazu, sich Gedanken über das anstehende Treffen mit Heiner zu machen. Um die bedrückende Stimmung wieder deutlich zu erhellen, wechselte er dann gezielt das Thema: „Sag mal Paul, die beschlossenen Änderungen in dem neuen EEG* reichen doch bei Weitem nicht aus. Und das ist auch nicht das, wofür sich der Heiner jetzt schon seit Jahrzehnten einsetzt. Das war doch nur eine minimale Aufhübschung, aber keine ernstzunehmende Weiterentwicklung wie sie von der EU gefordert ist – hast du vielleicht eine Idee wie man diese Dauerlähmung in der jetzigen Energiepolitik beenden kann?“

Aussitzen

Paul hatte sich wieder gefasst und umriss, zu Carls Erstaunen, dann recht präzise das bestehende Problem: „Es ist derzeit und auch auf lange Sicht unmöglich, überhaupt etwas Gutes wie zum Beispiel >dezentrale Energieerzeugung in Bürgerhand< voranzutreiben. Mit dieser Bundesregierung, deren unzulänglichen Beratern und der untertänigen Gefolgschaft der Länderregierungen, wird auf keinem einzigen Gebiet irgendetwas Zukunftsweisendes in Deutschland entstehen. Weder dem Heiner Grün seine, noch andere wegweisende Ideen und Utopien sind auf dem politischen Parkett gefragt. Es wird alles, in alter Manier, lediglich ausgesessen – nicht einmal >Greta< brachte, mit ihrem eindringlichen Ruf aus der Zukunft, Licht ins Dunkel. Man hat den Leuten einen riesengroßen Schrecken eingejagt und hält das >System des Angsteinjagens< mit der Androhung von Strafen aufrecht.

Grundrechte eingeschränkt

Alle Beteiligten der wirtschaftlich und sozial sehr gut entwickelten Bundesrepublik werden im Namen der >Karinakrise< davon abgehalten jede nötige Diskussion über drängende Probleme zu führen oder sich zu engagieren. Es wird allseits lieber ein Gebot des Abstandhaltens gepredigt, als dass man innovative Lösungen sucht und findet. Die Bundesregierung hat die Grundrechte, die Freiheit und die Demokratie erheblich und auf eine sehr fragwürdige Art und Weise eingeschränkt, ihre Bürger für unmündig erklärt und dann eingesperrt. Man hat den Menschen ihren Atem genommen und ihnen ihre Gesichter gestohlen, indem man ihnen – ebenfalls im Namen von >Karina< – eine dämliche Maulkorbtragepflicht auferlegt hat. Unsere Kinder und Jugendlichen erhalten keine Bildung mehr; sie bekommen keine Ahnung von Kunst und Kultur vermittelt, und sie dürfen weder Sportstätten besuchen, wo Kameradschaft gepflegt wird, noch sich selbstbestimmt in Vereinen und Kirchen zusammentun wo sie ihren Neigungen nachgehen und entwickeln können, oder sich mit ihren Freunden und Freundinnen zu Vergnügungen treffen.“

Wenn keiner zu den Impfungen geht?

Es entstand eine lange Pause. Aber bevor Carl seine Antwort vortragen konnte, fragte ihn Paul: „Carl, was erwartest Du eigentlich von der völlig verängstigten Bevölkerung? Man hält sie in andauernder Panikstimmung und versucht gleichzeitig hinterrücks einen genmanipulierten und vielleicht für die Gesundheit der Menschen gefährlichen, ja vielleicht sogar tödlichen Impfstoff einzusetzen und überzieht dazu das Land erneut mit Gesetzen und Verordnungen. Da kann doch kein Mensch mehr einen vernünftigen Gedanken fassen.“ „Da hast du allerdings recht, Paul.“ Carl stimmte dem Freund zu und setzte nun zu völlig neuen Überlegungen an: „Stell dir mal vor Paul, es ginge einfach keiner zu den Impfungen, was wäre dann? Was wäre wenn >Karina< der Vergangenheit angehören würde und man erhellenden Leitideen folgen würde? Und stell Dir weiterhin vor, es gäbe bereits sehr viele Leute, die zwar vordergründig still halten, sich aber schon seit längerem gezielt und ganz konkrete Gedanken dazu machen, in welcher Besetzung man eine neue Bundesregierung stellen kann. Und stell dir mal weiterhin vor, dass über gut vorbereitete Gerichtsverfahren und eine ganz neue Art der offenen und ehrlichen Verständigung demnächst manche der dubiosen Machenschaften im Namen von >Karina< ans Tageslicht kommen und richtig gestellt würden. Es wäre doch mehr als erhebend, wenn wir wieder in Frieden und künftig mit einer verantwortungsvoll gestalteten Demokratie in Freiheit zusammenleben.“

Zukunft selbst in die Hand nehmen

Als Paul weiterhin schwieg, fragte Carl Eugen Friedner den Freund nochmals: „Was wäre denn, wenn wir alle aufstehen würden, und uns aufmachen und unsere Zukunft eigenverantwortlich und tatkräftig in die Hand nehmen würden?“ … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Beschluss und Stellungnahmen zum Erneuerbare-Energien-Gesetz: https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare-Energien-Gesetz
https://www.energiezukunft.eu/politik/bundestag-beschliesst-eeg-2021-mit-vielen- aenderungen/
https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/erneuerbare- energien-novelle-vom-bundestag-beschlossen-nach-dem-eeg-ist-vor-dem-eeg-im- fruehjahr-muss-nachgebessert-werden/

*Artikel von William Toel: https://de.williamtoel.de/copy-of-trump-phenomenon-en

*Video: Uta Ogilvie interviewt William Toel (mit deutschen Untertiteln): https://www.youtube.com/watch?v=hUUczmirdcM

*Video „Rückblick aus später“: https://www.bitchute.com/video/bc5kszC4WoKu/

*Video zu Diskussionen um Manipulationen und politische Fehlentscheidungen, sowie aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten:
https://www.youtube.com/watch?v=BJDECWSPxUM&ab_channel=OVALmediaAusschu ss

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„Zusammenstehen und machen“ – Kommentar von Heribert Lohr zur erfolglosen Bewerbung Crailsheims für eine Landesgartenschau

Crailsheim ging bei der Vergabe der Landesgartenschau 2034 leer aus. Eine Fachkommission hat Bad Mergentheim den Zuschlag gegeben. Die Enttäuschung in Crailsheim ist groß. Heribert Lohr, Vorsitzender von Stadtmarketing Crailsheim, ruft zu gemeinsamem Handeln zum Wohle Crailsheims auf.

Kommentar von Heribert Lohr, Vorsitzender Stadtmarketing Crailsheim

Liebe Crailsheimerinnen, liebe Mitgliederinnen,
die Bewerbung für die Landesgartenschau war leider nicht von Erfolg gekrönt. Auch wenn beim einen oder anderen die Enttäuschung darüber doch groß ist, müssen wir als Stadt, als Gemeinwesen nicht hadern. Die Konkurrenz war hart und auch die Wettbewerber – gerade auch Bad Mergentheim – hatten sehr gute Konzepte präsentiert.
Natürlich hätte ein positiver Bescheid, die Umsetzung der grundsätzlichen Planungen für die weitere Entwicklung unserer Heimstadt erleichtert, gerade auch mit Blick auf die finanziellen Spielräume, die eine Vergabe einer Landesgartenschau eröffnet hätte. Eine Unterstützung in Höhe von 15 Millionen Euro ist kein Pappenstiel.

Bemerkenswerte Vorplanung

Und doch: Im Rahmen der Bewerbung haben wir alle zusammen eine bemerkenswerte Vorplanung angeschoben – diese umzusetzen, ist nun durchaus eine besondere Herausforderung.
Die Neuausrichtung der östlichen Innenstadt, die Öffnung der Jagstauen, der Übergang zum Stadtteil Türkei und dessen Neustrukturierung, die Anbindung und der Übergang in den Stadtteil Altenmünster – um nur einiges zu nennen – wird uns einiges abverlangen. Doch auch eine Landesgartengartenschau wäre erst 2036 gewesen. In 16 Jahren lässt sich vieles schaffen!

Vorhaben anpacken

Es gilt nun dran zu bleiben, die einzelnen Teilschritte zu überdenken, aber dann auch konsequent fortzuschreiben, die Vorhaben auch anzupacken. Es wird andere Förderungen von Land und Bund geben, die wir als Stadt für unsere Neugestaltung nutzen können, vielleicht werden wir mit dem einen oder anderen Vorhaben auch etwas länger brauchen, weil wir es in kleineren Schritten bewältigen müssen oder können – doch solange wir zielstrebig auf unsere Vorstellungen zuarbeiten, werden wir auch vorankommen.

Gemeinsam Crailsheim attraktiver gestalten

Eine Landesgartenschau hätte zudem auch Mittel gebunden. Schließlich gilt es so ein Ereignis zu bewerben, vorzubereiten, konzeptionell zu durchdenken. Auch wenn die Spielräume der öffentlichen Hand nicht zuletzt wegen den Folgen der Corona-Pandemie in den nächsten Jahren wohl etwas enger sind, hält uns niemand davon ab, uns zu überlegen, wie wir unsere Stadt auch mit kleinen Maßnahmen zusehends attraktiver gestalten. Ob Fassadengestaltung, Beleuchtung, Ausschmückungen, Platzgestaltung: es gibt vieles, was wir – auch als Privatleute – tun können, um Crailsheim als Wohn- und Arbeitsort voranzubringen.

„Erstaunliches und Sehenswertes geschaffen“

Halten wir uns vor Augen: In 75 Jahren nach ihrer fast völligen Zerstörung haben wir in Crailsheim – teilweise unter erbärmlichen Bedingungen – Erstaunliches und auch Sehenswertes geschaffen. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum uns dies in den nächsten 15 Jahren nicht auch gelingen sollte.
Wir Crailsheimer müssen nur eines tun: Zusammenstehen und machen.

Weitere Informationen des Südwestrundfunks (SWR) zur Landesgartenschau-Entscheidung:

(…) Acht Städte haben sich um die drei zu vergebenden Landesgartenschauen beworben, neun Kommunen im Land um die Ausrichtung einer kleineren Gartenschau von 2031 bis 2036. Neben Bad Mergentheim richten auch noch Offenburg (2032) und Rastatt (2036) eine Landesgartenschau aus. Bretten, Benningen/Marbach und Riedlingen bekamen den Zuschlag für eine Gartenschau. (…)

Link zum ganzen SWR-Beitrag im Internet:

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/entscheidung-landesgartenschau-crailsheim-mergentheim-100.html

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Gudrun Mangold gründet Verlag „Der Palmengarten“ – Tochter von „Remstal-Rebell“ Helmut Palmer bringt ihre Bestseller neu heraus

Der Verlag „Der Palmengarten“ ist der brandneue Verlag der Autorin Gudrun Mangold, die ab sofort alle ihre Bücher selbst auf den Markt bringt – ihr Anspruch ist nach eigenen Angaben mit einem einzigen Begriff vollumfänglich umfasst: Qualität!

Informationen von Gudrun Mangold, Autorin

„Der originale Palmer-Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“

Im Verlag der Palmengarten lustwandelt man zwischen Themen, die mit Kulinarik und insbesondere mit Genuss zu tun haben, ebenso mit erfolgreicher Garten-Praxis, mit naturverträglichen Reisen in europäische Regionen – und selbstverständlich auch mit herzhafter Politik und Philosophie. Der Name des Verlags ergibt sich aus den Themen der Autorin und spielt zudem mit dem Namen ‚Palmer‘ – Helmut Palmer, bekannt als „Remstal-Rebell“ ist der Vater von Gudrun Mangold.
Zusammen mit ihm hat sie das Buch „Der originale Palmer-Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“ geschrieben, das soeben als großzügig bebilderte Neuausgabe erscheint und zu den ersten Veröffentlichungen der neuen Edition gehört.

„Hunger ist der beste Koch – karge Zeiten auf der rauen Alb…“

Gleichzeitig bringt Gudrun Mangold jetzt auch ihren persönlichen Bestseller „Hunger ist der beste Koch – karge Zeiten auf der rauen Alb – Rezepte und Geschichten“ völlig neu gestaltet wieder auf den Markt. Last not least legte sie bereits Mitte Oktober 2020 ihr Büchlein „’s Christkendle uff dr Alb – eine kleine Weihnachtsgeschichte – mit Originalrezepten“, das sie von Anfang an selbst ediert hat, zum achten Mal auf.

Rechte an den Büchern zurückgeholt

Sowohl der Stuttgarter Franckh-Kosmos- wie auch der Tübinger Silberburg-Verlag, in denen Gudrun Mangold bislang publiziert hatte, sind an größere Münchner Verlagshäuser gegangen. Gudrun Mangold hat deshalb die Rechte an ihren Büchern zurückgeholt.

Layout der Bücher völlig neu gestaltet

Die Layouts vom „Palmer-Schnitt“ und „Hunger“ mussten somit völlig neu gestaltet werden, was Gudrun Mangold nur als tolle Chance betrachtet: „Ich denke, insgesamt sind jetzt beide Bücher klarer aufgebaut. Das Obstbau-Buch habe ich zudem mit großen Fotos beträchtlich erweitert.“
„Sehr wichtig war mir auch die Art der Herstellung. Ich wollte unbedingt weg von den angeblich „unverzichtbaren“ Plastik-Kaschierungen der Cover. Wenn ich z.B. Ratgeber-Bücher sehe, die einen lehren wollen, wie man öko und bio und plastikfrei einkaufen könne, und diese Ratgeber selbst dann wie selbstverständlich mit diesem blöden Plastik-Umschlag daherkommen, dann frage ich mich, wieso ich diesen Leuten inhaltlich irgendetwas abnehmen soll.
Jedenfalls hat die von mir beauftragte Druckerei in Oberndorf am Neckar (ich wollte keine langen Transportwege, Kosmos hatte in Tschechien drucken lassen) auf mein Drängen solange gesucht, bis eine plastikfreie, aus Holz hergestellte Folie gefunden war. Und die ist übrigens auch noch viel schöner und angenehmer anzufassen als jedes Plastik.

Kein Plastik

Und der in Fellbach ansässige Verlags-Versand hat sich ebenfalls auf die Suche gemacht – ich will auch kein Plastik-Füllmaterial in den Bücher-Kartons haben, übrigens auch kein angeblich kompostierbares, was mir angeboten wurde. Sowas ist meines Erachtens green-washing – ich selbst wollte das Zeug jedenfalls nicht auf meinem Kompost haben.
Dass es auch anders geht, weiß ich aus Erfahrung. Bislang hat mir ein Onkel mit dem Vertrieb geholfen, zusammengeknüllte alte Zeitungen waren ein hervorragendes Füllmaterial – kein einziges Buch wurde je auf dem Transportweg beschädigt. Dazu braucht es auch keine Maschine, das geht auch einfach per Hand.

„’s Christkendle uff dr Alb“

Ich habe nun vor – neben neuen Büchern – auch alle meine bislang in anderen Verlagen erschienenen Titel peu a peu selbst neu zu edieren, und eben auch als Verlegerin, und sei es mit großer Wahrscheinlichkeit als die kleinste des Landes, neue Wege zu gehen. Als einer der ersten hat mir der Tübinger Verleger Hubert Klöpfer eine umwerfende Gratulations-Mail geschrieben – so etwas ist erste Sahne.
Meine 2006 mit „’s Christkendle uff dr Alb“ gegründete Edition Gudrun Mangold geht in den Verlag der Palmengarten über und bleibt bestehen.
Zudem arbeite ich an einer Edition La Palmeraie, die Titel aus dem Verlag Der Palmengarten auf Französisch edieren und auf den französischen Buchmarkt bringen wird.

Und nun das Wichtigste – die Bücher selbst:

„Der originale Palmer-Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“ heißt jetzt also das neue, deutlich umfangreicher gewordene Lehrbuch für den Obstbau, das selbstverständlich auch die Politik kurz streift. „Die Oberen stutzen, damit die unteren Licht bekommen“ – diese Devise taugte meinem Vater gleich gut für den einen wie für den anderen Bereich.
Mein Anspruch ist wie immer journalistisch – das profunde pomologische Wissen meines Vaters versuche ich in klaren Worten und mit aussagekräftigen Bildern zu erklären. Wo Franckh-Kosmos aus Kostengründen nur Fotos in Briefmarkengröße abbildete, was so ziemlich für die Katz war, kann man jetzt die zu schneidenden Äste und Zweige genau erkennen. Ebenso welche Auswirkung etwa das für den Palmerschnitt zentral wichtige Umkehraugverfahren auf den Wuchs eines Zweiges hat.
Das ganze Buch hindurch finden sich signifikante Vorher/Nachher- Darstellungen, also zum Beispiel: vor dem Schnitt, nach dem Schnitt; voriges Jahr, dieses Jahr; vor dem Veredeln, nach dem Veredeln, etc.
Das Buch ist für Fachleute wie Amateure gleichermaßen – beide werden fündig. Die einen können ihr Wissen verfeinern, die anderen die Pflege von Obstbäumen von Anfang an lernen. „Jeder sein eigener Baumwart!“ lautete die Palmersche These Nummer Eins.

„Hunger ist der beste Koch – karge Zeiten auf der rauen Alb – Rezepte und Geschichten“ erschien 2002 zum ersten Mal und pünktlich zur Frankfurter Buchmesse. Binnen weniger Wochen war die erste Auflage ausverkauft, weitere folgten, das Buch wurde zum erfolgreichen Longselller. Doch dann wurde 2017 der Tübinger Silberburg Verlag, der es bis dahin aufgelegt hatte, an einen Münchner Großkonzern verkauft. „Hunger ist der beste Koch“ verschwand vom Buchmarkt.
Jetzt ist das Buch wieder da! Publiziert erstmals in der Edition der Autorin. Der Text blieb unverändert. Gudrun Mangold: „Nur die Gestalt, quasi das ‚Häs‘ ist neu und hoffentlich schöner und besser als je zuvor!“
„Hunger ist der beste Koch“ ist sicher das einzige überregional so weit verbreitete Sachbuch, in dem die karge Kuppenalb zentral thematisiert wird. Geschildert wird die Geschichte der Region von der ersten Besiedlung bis heute – bis weit ins vorige Jahrhundert ein ständiger Überlebenskampf. Immer wieder streut Gudrun Mangold in ihre Erzählungen authentische alte und uralte Rezepte ein, Das ist der Clou des Buches: man soll sich die Geschichte auf der Zunge zergehen lassen können!

Der „Schwarze Brei“

Den „Schwarzen Brei“ zum Beispiel, der in früheren Jahrhunderten auf der Alb bei den ärmsten Familien am häufigsten auf den Tisch kam, und zwar als Hauptmahlzeit. Wer sich jedoch heute auf die alten Rezepte einlässt, kann nicht nur schmecken, wie es früher war. Man kommt auch zu ganz unerwarteten kulinarischen Genüssen. So hat der Stuttgarter Starkoch Vincent Klink, in dessen Fernseh-Sendung „Kochkunst“ Gudrun Mangold mit ihren Büchern mehrmals eingeladen war, den Schwarzen Brei als Beilage zu einem Edelfisch serviert. Gudrun Mangold: „Das toppt zum Beispiel Couscous oder Polenta locker, weil der Schwarze Brei würziger und damit interessanter schmeckt.“
Das Buch hat noch einen zweiten Kunstgriff; Gudrun Mangold fällt immer wieder in den Älbler Dialekt. Weil der für Reigschmeckte und sogar auch für viele Schwaben oft wie eine Fremdsprache klingt, liefert die Autorin auf jeder Doppelseite immer gleich ein kleines Glossar dazu. So muss man im Zweifelsfall nicht lange nachschlagen.

Im Kapitel „Mr hant ’s Bacha“ finden sich zum Beispiel so typische Bezeichnungen wie „Scherr“, „Gruck“, „Eiloibschissl“ oder „Bischelesdruggr“, und es wird erklärt, dass der Zwiebel und der Schoglaad im Dialekt eben maskulin sind. Vor allem aber eignet sich das Kapitel als genaue Anleitung, wie man im Backhaus auch heutzutage noch Schwarzbrot, Weißbrot, Zuckerkranz und ein Blatz oder Hutzlabrot backen kann.

„Weben und Überleben in Laichingen von 1650 – 1900“

Gudrun Mangold nimmt in ihrem Buch auch Bezug auf die 1996 von Hans Medick vorgelegte Habilitationsschrift „Weben und Überleben in Laichingen von 1650 – 1900“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte damals geschrieben, Medick erhebe mit seiner Arbeit Laichingen zum „neuen Fixstern am Historikerhimmel“. Was dem Historiker auf wissenschaftliche Weise so hervorragend gelungen ist, stellt Gudrun Mangold allgemeinverständlich dar – mit den Rezepten sogar auch für den Geschmacksinn.

„’s Christkendle uff dr Alb – eine kleine Weihnachtsgeschichte – mit Originalrezepten“

Quasi das Weihnachtskapitel zu „Hunger ist der beste Koch“ ist Gudrun Mangolds Büchlein „’s Christkendle uff dr Alb – eine kleine Weihnachtsgeschichte – mit Originalrezepten“. Von Anfang an hat sie diesen Titel selbst verlegt.
Wie hat man früher auf der rauen Alb Weihnachten gefeiert? Wie war es, als die Leute kaum etwas hatten, das sie unter den Christbaum legen konnten? Womit hat man den Bredlesteller gefüllt, wenn schon Zutaten wie Eier, zumal im Winter, Mangelware waren? Auch hier bestückt Gudrun Mangold ihre Erzählung mit alten Rezepten. Bei der Weihnachtsbäckerei musste man auf der Alb oft mit nur wenigen Zutaten auskommen. Aber das tat dem Geschmack keinen Abbruch – im Gegenteil, es war und ist der reine Hochgenuss!

Neuausgaben

  • „Der originale Palmer Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“, geb. 150 S., 198 Fotos, VK 25.- €, Edition Gudrun Mangold, Heidelberg 2020 ISBN 978-3- 9822441-0-5
  • „Hunger ist der beste Koch – Karge Zeiten auf der rauen Alb – Rezepte und Geschichten“, geb., 160 S. zahlr. s/w-Fotos, Edition Gudrun Mangold, Heidelberg 2020, VK 22,90 €, ISBN 978-3-9822441-1-2
  • Backlist:
  • 8, unveränd. Neuauflage 2020 von „’s Christkendle uff dr Alb – eine kleine Weihnachtsgeschichte – mit Originalrezepten“, 96. S., zahlr, s/w-Fotos, Edition Gudrun Mangold, Heidelberg 2006, VK 12,95 €, ISBN 3-00-020252-8
  • „Trollinger & Co – Württemberger Weinkultur“. Geb., Bildband 160 S., ca: 140 meist großformatige Farbfotos und hist. s/w-Repros, Edition Gudrun Mangold, Heidelberg, 2007, 22, 90 €, ISBN 978-3-00-023433-0

Weitere Informationen im Internet und Kontakt:

www.gudrunmangold.de

Lebenslauf von Gudrun Mangold

Gudrun Mangold wuchs in Laichingen, Baden-Württemberg, auf. Am Tübinger Stift studierte sie Theologie. Heute arbeitet sie als Journalistin, Autorin und Filmemacherin. Sie arbeitet unter anderem für Sender wie ZDF, WDR und SWR und für diverse Tageszeitungen von der FAZ bis zur taz. Außerdem ist sie Leiterin von Seminaren an der Université du Vin im südlichen Rhônetal. Mangolds Bücher, Filme und Reportagen handeln zum größten Zeil von der Kulturhistorie europäischer Regionen. Besonders konzentriert sie sich dabei auf die Provence, die zu ihrer zweiten Heimat geworden ist.

https://www.lovelybooks.de/autor/Gudrun-Mangold/

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„Harter Lockdown belastet viele Betriebe stark“ – Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Kirchberg/Jagst warnt

Sie tun es wieder. Der befürchtete harte Lockdown wird 2020 zum zweiten Mal Realität. Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Bundesländer schließen die Läden mitten im Weihnachtsgeschäft. Ab 16. Dezember 2020 bleiben die meisten Ladentüren geschlossen. Sogar eine Ausgangssperre gibt es. Die Schließung ist ein harter Schlag für die ohnehin gebeutelten Ladeninhaber.

Vom Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Kirchberg/Jagst

Stationärer Handel braucht treue Kunden

Der Lockdown geht vielen Betrieben an die Substanz. Die inhabergeführten Läden, Gaststätten, Dienstleister, Handwerksbetriebe und Mittelständler brauchen mehr denn je die Unterstützung der Kundinnen und Kunden vor Ort. Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien, Tankstellen, Apotheken, Arztpraxen, Optiker und Gaststätten, die Essen zum Mitnehmen anbieten, bleiben geöffnet. Auch die Handwerksbetriebe, das produzierende Gewerbe und viele Dienstleister arbeiten weiter. Gastronomen und Geschäfte bieten auch Geschenkgutscheine an. Essen zum Mitnehmen funktioniert auch in Kirchberg ganz einfach: Anrufen, bestellen, dann abholen oder liefern lassen.

Firmen machen lebendige Stadt aus

Der Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Kirchberg/Jagst appelliert an die Kundinnen und Kunden, an die Kirchbergerinnen und Kirchberger: Helfen Sie den Firmen im Gemeindegebiet Kirchberg in dieser schwierigen Zeit. Durch Ihre Treue, durch Ihren positiven Zuspruch und durch Ihre Einkäufe und Aufträge helfen Sie den kleinen, mittleren und großen Unternehmen in unserer Gemeinde. Wir brauchen diese Vielfalt an Firmen, Dienstleistern und Einrichtungen für unsere täglichen Besorgungen, für unsere Freizeitaktivitäten. Wir brauchen die Firmen als Arbeitgeber. Wir brauchen sie, um eine lebendige Stadt zu sein.

Firmen und Kommunalpolitiker sind gefordert

Gewerbetreibende, Gemeinderatsmitglieder aller Fraktionen und Vertreter der Stadtverwaltung sollten sich so bald wie möglich an einen Tisch setzen und sich Gedanken darüber machen wie den Firmen vor Ort während der Corona-Krise und nach der Corona-Krise wirkungsvoll geholfen werden kann. Wirtschaftsförderung und Arbeitsplatzsicherung sind von der Papierform her auch wichtige Punkte des Projekts „Zukunftkonzept Kirchberg/Jagst 2030“. Dort wird als Daueraufgabe gesehen, dass „Innenentwicklungspotentiale aktiviert werden müssen.“ Das muss jetzt mit Leben gefüllt werden, damit es nach der Corona-Krise kein böses Erwachen gibt.

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„Wissen ist das beste Mittel gegen Krisen“ – Investigative Recherchen 2020 der Journalistenorganisation CORRECTIV

Von ausgebeuteten Pflegekräften, Sexismus in der Kommunalpolitik, geheimen Absprachen der Klimawandelleugner, bis hin zu Rechten, die in der Mitte rekrutieren – 2020 war ein spannendes Recherche-Jahr.

Von Luise Lange und das Team der Journalistenorganisation CORRECTIV

„Wir decken Ungerechtigkeiten auf“

Nicht erst seit Ausbruch der Pandemie ist es unsere Überzeugung, dass Wissen das beste Mittel gegen Krisen ist. Wir sehen, dass die intensive Arbeit wirkt. Unsere investigativen Recherchen haben gezeigt, dass Journalismus ein Sprachrohr sein kann. Für die, die nicht gehört werden. Und das, was manch einer nicht hören will. Seit sechs Jahren decken wir Ungerechtigkeiten auf. Auch dieses außergewöhnliche Jahr hat gezeigt, wie wichtig dieses Versprechen nach wie vor ist. Das alles ist ohne Ihre Unterstützung nicht möglich. Ihre Wertschätzung ist unser Antrieb für investigative Arbeit im Jahr 2021. Blicken wir mit Hoffnung nach vorne.

„Wem gehört die Stadt?“

Kurz vor dem Lockdown im März 2020 feierten wir noch die Premiere eines Theaterstückes, das aus unserer „Wem gehört die Stadt“-Recherche entstanden ist. Ein paar Tage später saßen wir zusammen, um unseren Alltag neu zu organisieren, um Pläne umzuwerfen und zu überlegen, wie wir über die Corona-Krise recherchieren konnten. Die Welt war eine andere geworden.

Faktenchecks zu Corona und mehr

Wir gingen auf weltweite Spurensuche zu dem politischen Umgang mit der Krise, wir riefen Bürgerinnen und Bürger auf, uns ihre Erfahrungen zu schreiben und wir konzentrierten uns bei den Faktenchecks voll auf Corona. So viel Falsches und Krudes zu einem Thema gab es noch nie. Aber wir setzten auch Recherchen in anderen Themenfeldern fort, die uns wichtig waren, und die auch direkte Wirkung erzielten. Blicken wir gemeinsam zurück und vor allem mit Hoffnung nach vorn.

Online-Jahresrückblick von CORRECTIV:

Internet: https://correctiv.org/in-eigener-sache/2020/12/11/jahresrueckblick-2020/

Weitere Informationen und Kontakt:

https://correctiv.org/recherchen/

E-Mail: luise.lange@correctiv.org

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„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden siebenundzwanzigster Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden siebenundzwanzigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XXVII Demokratie

… „Komm, wir machen einen Spaziergang in der klaren Luft, heute ist das Wetter gut, die Sonne scheint, auf dem Rückweg holen wir beim Türken unser Mittagessen ab,“ schlug Carl vor. „Und danach können wir gemütlich losfahren.“ „Ja, aber nur einen kurzen Spaziergang und avanti, ich habe Hunger,“ schränkte Paul Carls Vorschlag ein und drängte den Freund mit deutlichen Handzeichen dazu, sich zügig frisch zu machen. Nachdem Carl sich eine Katzenwäsche verpasst hatte und vollständig angezogen war, machten die beiden Freunde sich auf den Weg. „Es ist schön dass Du da bist“, Carl zeigte Paul seine Freude durch ein breites Grinsen, und die beiden legten eine flotte Gangart an den Tag. „Jetzt wo fast alle am Durchdrehen sind, und bald keiner mehr offen mit einem redet, tust du mir gut.“ Paul schwieg eine Weile und setzte dann zu einer langen Rede an: „Carl, ich beobachte die schlimmen Veränderungen, die hier stattfinden, ja aus einem anderen Blickwinkel als du. Mir sind solche erheblichen Einschränkungen, die staatlicherseits veranstaltet werden, aus meinen früheren Beratungsreisen durch Afrika wohlbekannt. Nur wäre mir niemals in den Sinn gekommen, dass gerade hier in Deutschland, wo es eine funktionierende freiheitlich demokratische Grundordnung gab, Daumenschrauben an der Bevölkerung anlegt werden. Und wenn ich sehe wie diese Folterwerkzeuge, beim Anziehen, auch noch völlig widerspruchslos geduldet werden, nimmt mir diese neue Realität manchmal schier den Atem.“

Wo ist die offene Gesellschaft hingekommen?

Paul machte eine Gedankenpause und Carl schwieg vorläufig weiter. „Wo sind eure guten deutschen Begriffe wie >Der mündige Bürger< hingekommen?“, fragte Paul nun laut und deutlich. Carl gab keine Antwort. Er kannte den Freund und wusste, dass demnächst weitere Ausführungen folgen würden. „Was ist mit der >Offenen Gesellschaft<, wo ist die gepriesene >Meinungsvielfalt<, ja überhaupt die Vielfalt des Lebens und die der Gastfreundschaft und der Gemütlichkeit hingekommen?“, bohrte Paul nun weiter. Carl hörte im bitteren Tonfall des Freundes seine große Enttäuschung mitschwingen. „Auch von den hübschen Begriffen >Mulitkulti< oder >Wohlstand für alle< ist überhaupt keine Rede mehr. Die nationalen Regierungen in Europa haben sämtliche Lichtschalter ausgeknipst und die sonst so weltoffenen Deutschen, mausern sich erstaunlich zügig zu hörigen und willfährigen Untertanen. Als ob ihr nichts mehr von den verheerenden Folgen der vergangenen Gleichschaltung wissen würdet. „Carl, wo sind die Früchte des Humanismus, und wo ist die tolle Vorbildfunktion eurer Demokratie hingekommen?“

Mächtige Oligarchen und Monopolisten

Durch ihren forschen Schritt waren sie unversehens wieder von ihrem Spaziergang zurück; mit zwei vollen Essenstüten versorgt, ließen sie sich in Carls Küche nieder und aßen mit schweigendem Genuss ihre Dönerportionen und die bunt angerichteten Salate auf. Dann antwortete Carl Eugen Friedner mit einer Bissigkeit, welche Paul vorher noch nie an dem sonst so bedächtig wirkenden Freund wahrgenommen hatte: „Im Namen von >Karina< wurde der mündige Bürger zum verdächtigen Schuldiger zurechtgestutzt – mächtige Oligarchen und Monopolisten verschlingen die Früchte unserer Demokratie, wie eine tückische Hydra.“ Und er ergänzte mit Bedauern: „Zu meiner Schulzeit im Bubengymnasium in der Kreisstadt, war längst nicht alles bekannt, was wir hätten wissen müssen, um anständige und aufrechte Staatsbürger in einer Demokratie zu werden; und es werden auch heute immer noch, wichtige Schriftstücke aus mehreren Jahrzehnten in staatlichen und privaten Archiven und in verschiedenen politischen Stiftungen verschlossen. Egal, ob es sich nun um Papiere aus der Hitlerdiktatur oder um wichtige Dokumente aus den Zeiten danach, also aus der Zeit der Gründung der westlichen Bundesrepublik Deutschland, handelt.

Staatliche Geheimniskrämerei

Nach einem tiefen Atemzug setzte Carl seine Rede fort: „Ohne eigene Vergangenheit, weiß man gar nichts – wer nicht weiß wo er oder sie herkommt, die oder der weiß auch nicht warum es jetzt so ist wie es ist, und schon gleich gar nicht, wohin es gehen soll. Wir werden seit Jahrzehnten dumm gehalten. Das Kanzlerinnenamt in Berlin, zum Beispiel, legt Akten die historisch, rechtlich und politisch von Belang sind, einfach nicht vor. Daher weiß man weder was sie eigentlich vor uns verstecken noch warum. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für diese staatliche Geheimniskrämerei. Wer Geheimnisse derart hüten muss, hat Dreck am Stecken und misstraut dem eigenen Volk, dem eigentlichen Souverän* des demokratischen Staates, zutiefst.“

Gentechnisch orientierte Pharmaindustrie

Nachdem sie den angefallenen Müll sortiert hatten, mahnte Carl unmissverständlich zum Aufbruch. Als ihre Sachen im Auto verstaut waren, machten sie sich auf den Weg. Erst als ihre Fahrt in Richtung Schwarzwald mit weniger Konzentration auf den Verkehrsfluss verbunden war, setzte Paul mit einer erneuten Frage an: „Carl, was meinst du eigentlich zum letzten grünen Parteitag wo man jetzt die Haltung der Partei zur Gentechnik weichgespült hat?“ „Die GRÜNEN“, holte Carl jetzt weit aus, „sind nicht nur in diesem grundsätzlichen und sehr wichtigen Punkt recht wankelmütig geworden sind – sie argumentieren und handeln auch bei anderen ökologisch brisanten Themen letztlich nicht mehr eindeutig. Die politischen Akteure verstecken sich neuerdings hinter der Meinungsvielfalt in der Partei. Das sieht vordergründig zwar gut aus und mutet recht liberal an, aber wird wohl darauf hinauslaufen, dass die gentechnisch orientierte Pharmaindustrie und die Interessen der Chemiegiganten gestützt werden. Der Heiner setzt zwar wegen seiner Überzeugung in der Energiepolitik, immer noch auf die Grünen im Ländle, aber die grüne Partei, steht nicht eindeutig für das europäisch verordnete Recht auf die Demokratisierung der Stromversorgung. Die GRÜNEN, die ich einst wegen ihrem basisdemokratischen Ansatz bewundert und gewählt habe, gibt es nicht mehr. In der >Ökopartei< herrscht geflissentliches Schweigen zu den wegweisenden Vorgaben in den EU-Richtlinien >dezentrale Einheiten in der Stromerzeugung demokratisch zu behandeln und damit auch in der Gesellschaft zu verankern<. Vorreiter wie den Heiner oder den Bioenergetiker Jochimsen* schlägt man en passent* aus dem Feld.“

Dezentrale Energieerzeugung in Bürgerhand

Als das Schild mit der Autobahnabfahrt nach Hoheitshausen auftauchte, bemerkte er abschließend: „Ich bin dafür, jetzt zuerst dem Heiner seine Strategie anzuhören und dann in Ruhe darüber nachzudenken, wie wir ihn weiterhin bei seiner guten Sache der >dezentralen Energieerzeugung in Bürgerhand< unterstützen können. „Ach, und Paul, wie war es eigentlich in Nürnberg bei deinem großen Sohn? Und wo steckt jetzt deine Tochter Gisléne? … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Avanti: Redewendung, die zur Eile antreibt.

*Gleichschaltung: Bewährtes Mittel um diktatorische Ziele durchzusetzen, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichschaltung

*Hydra: Mehrköpfige Schlange, deren Köpfe sich beim Abschlagen vervielfachen.

*Verschlossene Archive: https://www.youtube.com/watch?v=rCq7F0wQPAA und https://weltnetz.tv/video/2408-ewig-geheim

*Souverän: Inhaber der Staatsgewalt, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Souver%C3%A4n

*Grüner Parteitag:
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruenen-parteitag-keine-komplettabsage- fuer-gentechnik-a-8e7cd253-09c5-4b86-a66c-951afe9ee89a

*Ökopartei: Früher wurden die GRÜNEN Ökopartei genannt, Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Oekopartei

*En passant: Redewendung aus dem Schach, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/En_passant

*Ulrich Jochimsen: https://www.jochimsen-dezentral.de/

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„Erpresserbrief des Daimler-Vorstands: Eskalation in Untertürkheim“ – Kommentar von Paul Michel aus Schwäbisch Hall

Bei Daimler spitzt sich der Streit um den drohenden Personalabbau im Powertrain-Werk Untertürkheim weiter zu. In einem Schreiben an die Beschäftigten drohte die Konzernführung den Beschäftigten mit einem Aus für das geplante »Kompetenzzentrum Elektromobilität« im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim für den Fall, dass die Betriebsräte weiter auf ihren Forderungen beharrten.

Kommentar von Paul Michel, Schwäbisch Hall

4000 der rund 19.000 Stellen sollen wegfallen

Im Werk Untertürkheim entwickelt und fertigt Mercedes-Benz Motoren, Getriebe und Achsen. Anfang Februar gab das Management bekannt, dass 4000 der rund 19.000 Stellen bis 2025 wegfallen sollen. Daimler will in Untertürkheim einen »Campus Mercedes-Benz Drive Systems« errichten und Batterien und elektrische Antriebe entwickeln. Der Betriebsrat will das auch, besteht aber darauf, dass für wegfallende Arbeit im Zuge des Umstiegs eine Kompensation in Form anderer Produktionsaufträge geschaffen wird – so wie es einst vom Betriebsrat mit dem Management vereinbart worden war. Michael Clauss, Betriebsrat der IG Metall Im Werk Untertürkeim, sagt dazu: „Wir haben Flächen für konventionelle Technik freigegeben, um den Platz für neue Technik zu nutzen. Wenn 100 Stellen rausgehen, müssen wieder 100 Stellen dazu kommen. Damit waren wir auch relativ erfolgreich.“

Vorstand will Freifahrtschein für Personalabbau

Das hat dem Vorstand wohl noch nie gefallen. Jetzt, in Zeiten von Corona, sieht er offenbar die Chance, im häufig aufmüpfigen Werk Untertürkheim, das Kräfteverhältnis entscheidend zu seinen Gunsten zu verändern. Er will vom Betriebsrat einen Freifahrtschein für Personalabbau und Verlagerung bestehender Arbeitsplätz an „Low-Cost“-Standorte. In ihrem Brief schreiben die Vorstände Markus Schäfer und Jörg Burzer: Zwar seien die Verträge aus damaliger Sicht sinnvoll und richtig gewesen, doch die Lage habe sich grundlegend verändert. „Festhalten am Status quo ist daher keine Option“, Jetzt wollen sie ihr Kostensenkungsprogramm ganz nach Gutsherrenart durchsetzen.

Mit Verlagerung nach Polen wird gedroht

Für den Fall, dass Gewerkschaft und Betriebsräte in Untertürkheim sich nicht fügen, drohen die Vorstände mit einem Aus für das geplante Kompetenzzentrum Elektromobilität im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim. Wider besseres Wissen behaupten sie, es müssten weitere Tätigkeiten nach Polen verlagert werden, weil es im Werk Untertürkheim ansonsten keinen Platz für das „Kompetenzzentrum Mobilität gebe. Betriebsrat Michael Clauss dazu: „Wir können ihnen bei Bedarf ganz konkret zeigen: Da oder dort gibt es die Möglichkeit, die benötigten Flächen frei zu machen. Aber da schalten sie momentan auf Durchzug oder finden eine Ausrede, warum das nicht gehe.“

Vor allem in Europa Kosten senken

Eine Unternehmenssprecherin formuliert in diplomatischen Worten, worum es dem Management geht. Es werde »spürbare Veränderungen« in den Werken geben. Man müsse einerseits die Kosten senken, vor allem in Europa, und andererseits die technologische Transformation schaffen. Die Konzernführung suche den Dialog mit den Arbeitnehmervertretern, um gemeinsam die besten Lösungen zu finden. »Aber eines wollen wir Ihnen ganz offen sagen: Wir können nur Maßnahmen ergreifen, die wirtschaftlich sind«, schreibt das Management. Daher müsse man sich darauf einstellen, dass in einigen Bereichen Beschäftigung wegfallen werde. In Alltagsdeutsch übersetzt heißt das: Wir werden hier andere Saiten aufziehen und Ihr Betriebsräte tut gut daran, Euch unserem Diktat nicht zu widersetzen.

Möchtegern-Kahlschläger in den Vorstandetagen

Der Brief der beiden Vorstandsmitglieder ist eine Kriegserklärung an die Beschäftigten im Werk Untertürkheim. IG Metall und Betriebsräte stehen in der Verantwortung, den Provokationen des Managements eine angemessene Antwort zu erteilen. Die Beschäftigten in Untertürkheim scheinen bereit zu sein. Auch in anderen Teilen des Konzerns scheint die Stimmung aufgeheizt zu sein. In der Trucksparte stehen tausende Stellen zur Disposition. „Kahlschlag droht, wenn wir uns nicht wehren!“, hatten die Betriebsräte mehrerer Standorte kürzlich an die Beschäftigten geschrieben.“ Mit einer Postkartenaktion an den Vorstand, wie jetzt von IG Metall und Betriebsratsspitzen lanciert, wird es wohl nicht getan sein. Es bedarf einer geschlossenen Gegenwehr der Beschäftigten aller Konzernteile gegen die Möchtegern-Kahlschläger in den Vorstandetagen.

Einst in Sindelfingen: Welle von Streikaktionen

Es bedarf wohl einer betrieblichen Gegenwehr in dem Ausmaß wie 2009, als der damalige Vorstandsvorsitzende Zetsche ankündigte, die Produktion der C-Klasse aus dem Sindelfinger Werk abzuziehen und in andere Werke zu verlagern. Die Manager rieben sich verwundert die Augen als ausgerechnet die bis dahin als brav und gefügig eingeschätzte Belegschaft des Werks Sindelfingen mit einer vorher nicht für möglich gehaltenen Welle von Streikaktionen das Werk lahmlegte. Selbst der unternehmenshörige Gesamtbetriebsrat hatte den Zugriff auf die Streikenden verloren. Um schließlich wieder Ruhe in den Kessel zu bekommen, musste die Unternehmensführung 2009, mitten in der Weltwirtschafskrise, versprechen, dass es zehn Jahre lang, bis 2020, keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.

„Blaues Wunder“ ist nötig

Damals bedurfte es des „blauen Wunders“, um die Herren in der Führungsetage von ihren renditegetriebenen Allmachtstreben abzubringen. Vieles spricht dafür, dass es auch diesmal wieder ein solches „blaues Wunder“ braucht.

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