„Rosa Luxemburg wurde den Mächtigen gefährlich“ – Veranstaltung der LINKEN zum Frauentag in Schwäbisch Hall

Der Kreisverband DIE LINKE Hohenlohe-Schwäbisch Hall lädt am Dienstag, 9. März 2010, ab 19 Uhr, zum Referat und Gespräch über Rosa Luxemburg ein.

Pressemitteilung von Silke Ofori, Kreisverband DIE LINKE Hohenlohe-Schwäbisch Hall

Eine temperamentvolle Kriegsgegnerin

Anlass ist der internationale Frauentag, der aber bereits einen Tag vorher (8. März 2010) weltweit gefeiert wird. Anne Rieger, ehemals Landessprecherin der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der AntifaschistInnen) in Baden Württemberg setzt sich bei der Veranstaltung im Alten Schlachthaus in Schwäbisch Hall (Haalstraße) mit der Person Rosa Luxemburg auseinander.

Was hat diese Frau bewirkt? Wofür arbeitete sie? Was hat sie geprägt? Welche Visionen hatte sie? Was konnte sie bewirken, was nicht? Welche Spuren hat sie hinterlassen? Anne Rieger wird diesen Fragen in ihrem Referat nachgehen und zur Diskussion stellen. „Ich habe die Absicht und Lust, positiv zu schieben, nicht Personen, sondern die Bewegung in ihrer Gesamtheit“, schrieb die 28-jährige Rosa Luxemburg am 1. Mai 1899. Sie war Antreiberin der sozialistischen Bewegung. Und sie war als aktive, temperamentvolle Kriegsgegnerin den Mächtigen gefährlich. Deshalb war sie im Gefängnis. Deshalb wurde sie 1919 ermordet.

Termin: Anne Rieger spricht über Rosa Luxemburg am Dienstag, 9. März 2010, um 19 Uhr in Schwäbisch Hall, im Schlachtsaal des Alten Schlachthauses in der Haalstraße.

Aktuelle Diskussionen in der Partei DIE LINKE (Eigene Darstellung der Partei):

In der aktuellen frauenpolitischen Diskussion in der Linken spielt die Vier-in-einem-Perspektive, entwickelt von Frigga Haug, eine wichtige Rolle. Unter anderem hat Frigga Haug auch zu Rosa Luxemburg geforscht und ein Buch über sie geschrieben. Heute stellen wir die Hauptideen der von Frigga Haug in den letzten Jahren entwickelten Vision dar. Eine Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist Gedanken zum Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive – Politik von Frauen für eine neue Linke“,  von Professorin Frigga Haug. Was ist notwendig, damit Menschen ihr Zusammenleben optimal und damit zukunftsfähig und herrschaftsfrei gestalten können?

Alle Menschen müssen die Möglichkeit haben, im Produktionsprozess mitzuwirken

Die  „Vier-in-Einem-Perspektive“, sie nimmt, wie der Name schon sagt, vier Bereiche unter die Lupe und führt sie zusammen. Erstens den Bereich der Erwerbsarbeit. Die Zukunftsperspektive ist, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, im Produktionsprozess mitzuwirken. Der Stand der Produktivkräfte macht bereits heute keinen Acht-, noch nicht einmal mehr einen Sechs-Stunden-Tag nötig, damit die zum Überleben erforderlichen Mittel hergestellt werden können. Klar ist, dass unter kapitalistischen Bedingungen eine bedürfnisorientierte und sinnvolle Produktion mit Beteiligung möglichst vieler nicht denkbar ist. Weshalb die Produktionsbedingungen grundsätzlich andere werden müssen.

Die Möglichkeit haben, für FreundInnen und Verwandte zu sorgen

Zweitens der Bereich der Reproduktion oder Sorgearbeit. Dazu gehören Liebe, Sorge, Gesundheit, Kinder, Pflege und das Miteinander von Generationen, Freundinnen und Freunden, Familie. Jeder Mensch sollte in seinem Leben die Möglichkeit und die Aufgabe haben für Kinder, Nachbarn, Verwandte, Freundinnen und Freunde, Partner oder Partnerin da zu sein. Unter den heutigen Bedingungen, also ins Private abgeschoben und ideologisch verzerrt, lässt sich aber auch in diesem Bereich nicht wirklich leben – ihn müssen wir also auch verändern.

Die Einen machen Bildungsreisen rund um den Globus, Andere können nicht lesen und nicht schreiben

Drittens der Bereich der individuellen Entwicklung. Das Lernen also, Bildung und Selbstentfaltung sind lebenswichtig für jeden Menschen. Auch hier herrscht zur Zeit vor allem eine verheerende Schieflage. Während die einen auf Bildungsreisen um die Welt fliegen, können andere nicht lesen und schreiben. Bildung für alle ist eine aus heutiger Sicht utopische, unabdingbare Grundvoraussetzung für eine andere Gesellschaft.

Zukunftsweisende Politik muss basisdemokratisch sein

Viertens der Bereich Gesellschaft, Politik, Gemeinwesen. Jedermann und jedefrau soll die politische Führung übernehmen. Sprich das Gemeinwesen gestalten, im eigenen Umfeld und global. Diese Gestaltungsmöglichkeit muss Bestandteil eines jeden individuellen Lebens sein. Wie ist es heute: Berufspolitiker entscheiden über die Zukunft der Welt, während die Mehrheit der Menschen keinerlei Einflussmöglichkeit darauf hat, wie ihre Lebensgrundlagen verbessert werden können. Statt dessen werden die Lebensgrundlagen immer weiter zerstört. Eine zukunftsweisende Politik muss ganz anders sein, nämlich basisdemokratisch. In ihr müssen Forderungen nach guter, nützlicher und sinnvoller Arbeit in der Produktion verknüpft sein mit der Forderung nach einem abgesicherten, menschenwürdigen und liebevollen Leben für Kinder, Eltern, Alte und überhaupt  jeden Menschen nach seinen Bedürfnissen

Menschliche Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen

Wie kann eine Utopie aussehen, in der menschliche Bedürfnisse und Möglichkeiten im Mittelpunkt stehen? Malen wir uns einen 16-Stunden-Tag aus (8 Stunden Schlaf sind berücksichtigt):

– Vier Stunden für Erwerbsarbeit (natürlich bei einem Einkommen von dem ein Mensch auch gut leben kann)
– Vier Stunden für Kinder, Kochen, Beziehungsarbeit, Freundinnen und Freunde
– Vier Stunden für Lesen, Trommeln, Kino, Weiterbildung
– Vier Stunden, um mit anderen über die Gestaltung der Kommune, des Landes und der Welt zu streiten, sprich für Partizipation, für Politik.

Es versteht sich von selbst, dass solch eine Gesellschaft auf ihrem Weg zur Emanzipation Herrschaft in jeder Form überwinden muss und dass jede und jeder an dieser Arbeit beteiligt sein wird. Wir sind von diesem Gesellschaftsentwurf heute unendlich weit entfernt, gleichzeitig können wir jedoch eine Ahnung von einer besseren, gleichberechtigten Welt bekommen. Es ist wichtig heute politische Schritte in die Richtung einer umfassenden Veränderung zu tun, auch in die Veränderung von uns selbst, damit wir etwas besser sind als die Verhältnisse in denen wir leben. Die Debatte zu dieser Vier-in-einem-Perspektive hat bereits begonnen.

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