„Erhalt von Acument-Arbeitsplätzen hat Priorität“ – Werk in Schrozberg betroffen

Der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze muss oberste Priorität haben. Dies fordern die Bürgermeister der fünf deutschen Standorte der Firma Acument Global Technologies GmbH&Co. OHG, Beckingen, Dürbheim, Neuss, Neuwied und Schrozberg (Clemens Izsak) in einer gemeinsamen „Neuwieder Erklärung“. Neuwieds Oberbürgermeister Nikolaus Roth hatte seine Kollegen zu einem Gespräch über die Lage in dem Unternehmen eingeladen, das allein in Neuwied fast 500 Menschen beschäftigt.

Vom Pressebüro der Stadt Neuwied

Undurchsichtiges Firmenhandeln

Ebenfalls bei dem Treffen dabei waren Vertreter der Betriebsräte, des Gesamtbetriebsrates und der IG Metall. In ihrer Erklärung äußern die Unterzeichner Verständnis für die schwierige Situation angesichts der Krise in der Automobilindustrie. Allerdings empfinden sie es als befremdlich, dass die Muttergesellschaft Platinum Equity noch zu Jahresbeginn versucht habe, die fünf deutschen Acument-Standorte zu verkaufen, und nun vom Management ein selbstverwaltetes Plan-Insolvenzverfahren angestrebt werde.

Alle Standorte erhalten

Daher wird an die Verantwortlichen appelliert, die Möglichkeit zu einem durch einen unabhängigen Insolvenzverwalter betriebenen Insolvenzverfahren einzuräumen. Auf diese Weise, so die Hoffnung, könne gegebenenfalls auch ein strategischer Investor für die deutschen Standorte gefunden werden. In dem Zusammenhang begrüßen die kommunalen Vertreter die aktuelle Aussage des vorläufigen Insolvenzverwalters, wonach angestrebt wird, alle Standorte zu erhalten.

Bürgermeister Clemens Izsak (Schrozberg) ist einer der Unterzeichner

Zu dem Gespräch in Neuwied waren in Vertretung des Bürgermeisters der Stadt Neuss der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, Frank Wolters, Bürgermeister Erhard Seger (Beckingen), Bürgermeister Alfred Pradel (Dürbheim) und Bürgermeister Clemens Izsak (Schrozberg) gekommen. Gemeinsam mit Neuwieds Oberbürgermeister Roth waren sie sich einig, Acument im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei den Bemühungen zum Erhalt von Arbeitsplätzen zu unterstützen.

Die Neuwieder Erklärung vom 29. September 2009 hat folgenden Wortlaut:

Die Unterzeichnenden haben sich aus ihrer kommunalen Verantwortung und der
Sorge um die Unternehmensstandorte der Firma Acument Global Technologies
GmbH & Co. OHG Werk Beckingen, Werk Dürbheim, Werk Neuss, Werk Neuwied,
Werk Schrozberg und Logistikzentrum Köln sowie der dort Beschäftigten und ihrer
Familien und Angehörigen auf folgende „Neuwieder Erklärung“ verständigt:

Die Repräsentanten der Unternehmensstandorte bekunden ihr Verständnis für die
schwierige Lage, in die auch die Firma Acument Global Technologies GmbH & Co.
OHG als Automobilzulieferer infolge der globalen Wirtschaftskrise und ihrer
besonderen Ausprägungen im Bereich der Automobilindustrie geraten ist. Es wird zur
Kenntnis genommen, dass ein Auftragseinbruch von zirka 40 Prozent innerhalb einer
Jahresfrist nicht ohne Reaktionen im Unternehmensbereich bleiben kann.

Die Bundesregierung hat mit ihrem Konjunkturpaket und der Flexibilisierung der
Kurzarbeitsregelung grundlegende und wirksame Instrumentarien zur Verfügung
gestellt, um den kurzfristigen Auswirkungen der Krise zu begegnen und die
Unternehmen für einen angemessenen Zeitraum trotz gravierender Umsatzeinbußen
zu sichern. Auch die Landesregierungen der für die Unternehmensstandorte von
Acument Global Technologies GmbH & Co. OHG maßgeblichen Bundesländer
haben Sofortprogramme aufgelegt, die insbesondere Liquiditätsengpässe zu
überwinden helfen sollen.

Vor diesem Hintergrund bekunden die Repräsentanten der Unternehmensstandorte
ein Befremden über den Umstand der im August beantragten Insolvenz für die
deutschen Acument-Betriebsteile. Befremdlich ist in diesem Zusammenhang
insbesondere der Umstand, dass die Muttergesellschaft Platinum Equity noch zu
Jahresbeginn versucht war, die deutschen Acument-Standorte im Verbund bzw. auch
einzelne Betriebe zu veräußern. Das darin zum Ausdruck gekommene Interesse an
einer Abgabe der deutschen Acument-Unternehmensteile scheint in einem
Widerspruch zu stehen zu dem vom Management der Acument Global Technologies
GmbH & Co. OHG verfolgten Ziel eines selbstverwalteten Planinsolvenzverfahrens.

Eine solche aus betriebswirtschaftlicher Sicht sicherlich nachvollziehbare, aber
möglicherweise mit den Interessen der Beschäftigten, ihrer Familien und
Angehörigen und letztlich der Unternehmensstandorte im Widerspruch stehende
Strategie veranlasst die Unterzeichnenden, an die Verantwortlichen zu appellieren,
auch einem durch einen unabhängigen Insolvenzverwalter betriebenen
Insolvenzverfahren die Möglichkeit einzuräumen. Diese Bitte ist verbunden mit der
Hoffnung, im Verlaufe eines solchen Insolvenzverfahrens gegebenenfalls auch einen
strategischen Investor für die deutschen Acument-Standorte zu finden, der die
Unternehmenssteuerung in der Krisenzeit weniger renditeorientiert, denn
produktionssichernd leisten kann.

Darüber hinaus erklären die Unterzeichnenden ihre Solidarität mit den Forderungen
der Beschäftigtenvertreter nach fairen und ausgewogenen Konsolidierungs-
maßnahmen. Auch aus der Sicht der betroffenen Städte und Gemeinden muss das
Ziel der Erhaltung der höchstmöglichen Zahl an Arbeitsplätzen im Vordergrund
stehen. Nur so wird der sozialen Verantwortung für die Beschäftigten, ihren Familien
und Angehörigen Rechnung getragen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten unbedingt
alle derzeitigen Förderprogramme und Konjunkturmaßnahmen ergriffen werden, die
dem Unternehmen wirtschaftlich über die Umsatzeinbrüche hinwegzuhelfen geeignet
sind.

Acument Global Technologies GmbH & Co. OHG hat in Zeiten der Krise die Chance
sozialverantwortlich handelnd, betriebs- und volkswirtschaftlich vernünftig denkend,
dem hohen Anspruch unserer Verfassung in Artikel 14 Abs. 2 Grundgesetz
Rechnung tragend zu zeigen, dass man das Eigentum als verpflichtend betrachtet
und seinen Gebrauch auch zum Wohle der Allgemeinheit ausrichtet.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sichern die Unterzeichnenden den Verantwortlichen
des Unternehmens und den Beschäftigen jedwede Unterstützung zu.

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Ein Gedanke zu „„Erhalt von Acument-Arbeitsplätzen hat Priorität“ – Werk in Schrozberg betroffen

  1. Es ist sehr löblich, daß sich hier einmal die öffentliche Verwaltung vehement für die Erhaltung der wichtigen Arbeitsplätze einsetzt. Sie hat sich zusammengesetzt mit den Betreibsräten und der IG-Metall. Wo aber waren die Betriebsleitungen, das Management und der Insolvenzverwalter? Denke sie sollten alle zusammenkommen um sich für die Arbeitnehmer und den vollen Erhalt der Betriebe einzusetzen.

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