„Gelochte Augenblicke“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden sechster Teil

„Gelochte Augenblicke“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden sechster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

VI Spiel

… Wenn jetzt jemand die Straße entlanggehen und ihn derart merkwürdig am Boden sitzend sehen würde, wäre ihm dann wohl noch zu helfen? Oder müsste er doch so unbemerkt wie der Vorderschein von aller Welt unbemerkt dahinsiechen? Carl Eugen seufzte, das Blut rann weiterhin zwar in mickriger Menge, aber unaufhörlich aus seinem Oberschenkel. Er wandte sich wieder seiner Innenschau zu. Das Telefon läutete nicht mehr und Carl Eugen fragte sich, was Paul künftig ohne ihn tun würde. Die getroffene Verabredung zum Telefonat würde er nun jedenfalls nicht mehr einhalten können.

Transsexuelle

Schade, denn Carl wollte seinem Freund Paul unbedingt noch mitteilen, was Findus bei seinen Nachforschungen für ihn in Erfahrung gebracht hatte. Die einmal hier und da lebende Tochter von Paul war dem Detektiv bei Ermittlungen zum verschwundenen Testament von Paula Engels Onkel, in der Schweiz, zufällig begegnet. Gislène Malibo war nach dem Bericht von Findus nicht bloß mit Frauen, sondern mit ziemlich erfolgreichen Sportlern aus aller Herren Länder liiert. Lediglich die geschlechtliche Identität der Herren war nicht ganz klar. Spitzensportler halten sich ja für gewöhnlich gern im Nahbereich glamourösesten Glitzers auf. So trafen sich nun in den schweizerischen Seenszenen genau die Transsexuellen, die sich bereits erfolgreich mit ganz legalen Hormonbehandlungen und gelungenen Operationen die Siegertreppchen hinaufmedikamentiert hatten.

Engdenker

Findus legte ihm auf umweltfreundlich getrimmte Broschüren vor, in denen Gislène neben diversen Damen und Herren, beim koketten Schaulaufen für einschlägige Pharmafirmen unterwegs war. Nachdem seine eigene humanistische Bildung aus dem Bubengymnasium keinerlei Erklärung für dieses neuzeitliche, so genannte Gendern hergab, hatte Carl sich das Phänomen von Findus erklären lassen müssen. Es handle sich demnach also keinesfalls um Eunuchen, die wie in orientalischen Märchen, zur Bewachung von gefangenen Frauen einfach durch das Entfernen der äußeren
Geschlechtsmerkmale entmannt worden waren. Diese Menschenwesen waren auch keinesfalls Hermaphroditen, bei denen sowohl beiderlei innere Geschlechtsorgane, als auch beide äußeren Geschlechtsmerkmale im Genitalbereich vorhanden sein können. Nein, es waren mit ihrem, bei ihrer Geburt festgestellten eindeutigen Geschlecht zutiefst unglückliche Männer. Diese begehrten, oft schon von Kindheit an, nichts mehr als einfach nur Frauen zu sein. Sie nahmen zum Erreichen dieses innigen Wunsches schier unglaubliche Strapazen auf sich. Dazu würden sie eine Suppression über sich ergehen lassen müssen, erklärte ihm Findus. Östrogene regen dabei die Ausbildung weiblicher Geschlechtsmerkmale an, und Testosteronblocker unterdrücken die männlichen Attribute, wie den des vermehrten Haarwuchses. Und schlussendlich würden sie dann auch noch oft von verständnislosen Engdenkern verhöhnt.

Schamesröte

Carl Eugen Friedner seufzte und fragte sich sorgenschwer, ob er seinem Freund Paul diese Neuigkeiten über seine Tochter Gislène überhaupt zumuten könnte? Würde ihn der Schlag treffen, wenn er zur Kenntnis nehmen müsste, dass die gerade volljährig gewordene, nicht nur mit gewöhnlichen Leistungssportlerinnen befreundet war und womöglich intime Beziehungen zu diesen pflegte. Wie sollte er seinem Freund erst beibringen, dass seine Jüngste in einem Umfeld von transgendernden Männern herumturnte? Oder unterschätzte er den weitgereisten Freund? Paul Malibo berichtete erstaunlich oft von sexuellen Begegnungen, was ihm, mit protestantischer Prüderie ausgestattetem, glatt eine tiefe Schamesröte ins Gesicht trieb.

Hinmodelliert

Neben den klar mit X und Y ausgestatteten männlichen Identitäten gibt es auch noch die unklar dazwischen liegenden. Dort wo die Neugeborenen unter Umständen sogar mit zwei sichtbaren Geschlechtsmerkmalen zur Welt kommen, also Penis und Scheide haben, können die Chromosomensätze zwei X und ein Y beinhalten. Aus geschürter Panik oder weil die Eltern sofort eine von den Ärzten angeratene Klarheit schaffen wollen, werden die so Geborenen im zarten Säuglingsalter einfach zu einer scheinbar deutlich sichtbaren Identität hinmodelliert. Das zeigt später fatale Folgen; denn die Heranwachsenden haben, ähnlich wie transsexuelle Frauen und Männer, den Eindruck, nicht zu wissen wer sie sind und wo sie geschlechtlich hingehören. „Warum kann man denn die Menschen nicht in Ruhe lassen?“, fragte sich Carl abermals. Wenn Kinder derart ausgestattet geboren werden, kann man doch warten bis sie entscheiden wo sie hinwollen. Und womöglich fühlen sie sich einfach so, wie Gott sie erschaffen hat, wohl und leben ihr Leben glücklicher und zufriedener als manch ein genetisch ganzer Mann oder eine ebensolche richtige Frau.

Als Frauen unschlagbar

Die angehenden Frauen mit denen Gislène in den Sportlerkreisen verkehren würde, waren felsenfest dazu entschlossen, ihre alte Identität als Mann hinter sich zu lassen. Sie hatten bereits die unzähligen aufwendigen Eingriffe hinter sich gebracht, wobei die äußeren Geschlechtsmerkmale operativ abgeändert werden. Männer bleiben jedoch vom Körperbau her Männer – das ändern weder Hormonbehandlungen noch die teuren haufenweise durchgeführten geschlechtsumwandlerischen Eingriffe. Was auch im Spitzensport umstritten ist: Unterdrückende Hormonbehandlungen bewirken nämlich keinen Muskelschwund oder gar Kraftverlust. Carl Eugen sah dies, obwohl ihn Sport sonst wenig interessierte, als ziemlich unfair an. Aus seiner Sicht würden hier lediglich Identitäten und nicht der Körperbau gewandelt, was Wettkampfbedingungen stark verzerrt. Diese einst männlichen und mit beachtlichen leistungsfähigen Muskeln bepackten Sportler, waren in den Männerabteilungen ja bereits ziemlich erfolgreich. Männer verfügen per Wuchs über weitaus größere Lungenvolumina und wesentlich längere Gliedmaßen als Frauen. Nun als Frauen aufgemacht, waren sie damit jedoch gerade von Frauen selber unschlagbar.

Dritte Abteilung einführen

Wozu sollte das gut sein? Carl suchte nach Gründen für derartige Sonderbarkeiten. Würden Männer im Frauensport diesen nicht automatisch beenden? War das etwa auch so einer der transhumanistischen Tricks der scheinheiligen selbsternannten Menschenliebhaber, um mit diesem Humbug zu noch mehr Geld zu kommen? Oder sollte nach Kunst und Kultur auch der Sport durch eine gelungene Spaltung am Boden liegen? Wollte man Menschen mit dieser Spielart in Geschlechterfragen der Identität berauben? Wie kam es überhaupt dazu, dass immer mehr junge Menschen ihre Identität hinterfragen wollten – hatte man ihnen in ihrer Kindheit Substanzen gespritzt, damit sie nachher als Heranwachsende und junge Erwachsene irre an sich werden? Warum traf man keinerlei Einschränkungen für solchen Unsinn in den Abteilungen? Es wäre ja ein leichtes, dort das dritte und mittlerweile übliche, diverse Geschlecht als Abteilung einzuführen. Damit würde man Fairness schaffen. Und wer scherte sich eigentlich um die Transen, welche als Frauen Männer werden wollen? Vielleicht könnten zweierlei diverse Abteilungen Abhilfe schaffen?

Gehirnakrobatik und Spitzfindigkeiten

Carl bedauerte es nun, dass er bald sterben würde. Körperlicher Sport und Spiel waren in seinem Leben viel zu kurz gekommen – seine Spielereien bestanden schon seit er denken konnte aus Gehirnakrobatik und Spitzfindigkeiten …

Fortsetzung folgt.

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