„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden zehnter Teil

„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden zehnter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

X Praktikum

… die Stunden vergingen wie im Schneckentempo, in ein paar Tagen würde er seinen Ausflug zu Anton machen. Carl freute sich auf die Abwechslung und war sich sicher, dass er auf Verständnis treffen würde. Was Anton wohl zu seiner Idee mit der Einladung sagen würde?

Erhebliche Widerstände

Carl Eugen Friedner hatte jetzt mehr Zeit zum Nachdenken. Sein Arzt hatte ihn nochmals eindringlich gewarnt, seinem seitherigen Lebensstil weiterhin zu folgen. Er müsse dringend zur Ruhe kommen und die schönen Dinge des Lebens genießen, sonst könne er sich bald ein Pflegebett im nächstgelegen Sanatorium reservieren lassen. Das waren harte Worte, aber sein Arzt kannte ihn, Carl Eugen würde ohne diese Vehemenz kaum ein Einsehen zeigen. Und von der Einsicht hin zu klugen Handlungen zu kommen, war für seinen regen Geist eigentlich ein Leichtes, aber wenn es um ihn selber ging, schienen sich plötzlich erhebliche Widerstände aufzutürmen.

Wenige Stunden im Büro

Daher ging Carl seit Kurzem nur noch an zwei Tagen ins Büro, verbrachte dort dann auch nur wenige Stunden und setzte sich eben länger als üblich in eines der vielen Straßencafés der Kreisstadt. Las gemütlich mehrere Zeitungen oder hing – wie jetzt gerade – bei einer heißen Schokolade, seinen Gedanken nach.

Feilschen

Hier in der Stadt gab es viele gut gehende Rechtsanwaltskanzleien und Steuerberatungsbüros. Der Bedarf war nicht verwunderlich, trug doch die ständig komplizierter werdende Gesetzgebung zu einer großen Unklarheit und das wachsende Rechtsbewusstsein jedes Einzelnen zum Anwachsen von unvermeidlichen Streitfällen bei. Seiner Meinung nach könnte man die mittlerweile völlig undurchschaubaren Steuererklärungspflichten abschaffen und nur für diejenigen, welche um jeden Cent feilschen wollten, eine freiwillige Möglichkeit der Erklärung einführen. Eine pauschale Besteuerung grundsätzlich für alle Einkommensarten und fertig.

Zusammenhänge

Seine Berufsstände würden dadurch weder aussterben noch ärmer werden. Aber die Lobbyisten sorgten schon dafür, dass in diesen Geschäftszweigen der reichhaltige Geldsegen nicht ausblieb und die Verwaltungen auch weiterhin sehr beschäftigt waren. Seine Zeiten im Ministerium und in den verschiedenen Ämtern wollte Carl nicht missen, in diesen wurden ihm wichtige Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Politik klar.

Potemkinsche Dörfer

Und Carl stellte dabei fest, dass manche Vernetzungen, die weit über den Rand der Legalität hinausreichten, oft mit seinen sogenannten Freunden aus den Zeiten der alten Verbindung und der liberalen Politik zu tun hatten. Dort wollte man ihn auch eine Zeitlang unbedingt für einen Posten haben, aber er lehnte ab. Genauso wie er kein Interesse an dem Angebot zeigte, sich als ideologischer Kopf zu betätigen, um endlich ein fundiertes und zukunftsweisendes Programm für eine Partei zu entwickeln. Er runzelte die Stirn und zog die Augenbrauen zusammen, hinter der scheinbar solide gezimmerten Fassade seiner Abfassung würden dann aber doch nur potemkinsche Dörfer zum Vorschein kommen. Und für solche Possen wollte Carl Eugen Friedner seine achtbaren Gedanken nicht verschwenden. Seine losen Verbindungen zu diesen Parteigängern waren im Laufe der letzten Jahre dann auch nur noch dünne Fäden gewesen und letztlich versiegt.

Possentheater

Zu dem hielt Carl die Beschäftigung mit zukunftsweisenden Visionen für sinnvoller. Es gefiel ihm, was die Grünen in Baden-Württemberg umtrieb, und diese konnten zudem noch durch echte Persönlichkeiten in ihren Reihen glänzen. Doch jetzt hatte er sowieso ganz andere Sorgen, als gerade das Possentheater der politischen Bühne zu bewerten.

Vornehmer Fundus

Trotzdem ließ Carl Eugen Friedner die beachtliche Anzahl an Kanzleien und Büros, in
denen er kurzweilige Praktika abgelegt hatte, noch einmal kurz Revue passieren. Ein richtiges Schatzkästchen hatte sich da vor ihm aufgetan, und aus diesem vornehmen Fundus der erkannten Zusammenhänge konnte Carl noch lange schöpfen. Und er wäre im Fall der Fälle gerüstet um mit diesem reichhaltigen Wissen, das er natürlich verschwiegen zu hüten hatte, eventuelle Angriffe auf seine Person mit Leichtigkeit abzuwehren. Das kam ihm nun als tätiger Freiberufler für sich und für seine Mandanten zugute.

Einen Brief schreiben?

Ob er eher einen Brief schreiben sollte oder ob es besser wäre, eine vorformulierte Karte zu kaufen, um seine Einladung an Paula vorzubringen? Aber auch damit würde er bis in der kommenden Woche warten. Zuerst musste er in Ruhe mit Anton reden. Carl bezahlte seine Schokolade und machte sich auf den Heimweg. Ob er wohl noch bei ihr am Geschäft vorbeigehen sollte? Ach, wenn es doch noch so wie früher wäre, dann könnte er einfach die Ladentüre öffnen und sich eine Weile gemütlich bei Paula niederlassen… Fortsetzung folgt.

Kontaktaufnahme zur Autorin:

E-Mail: b.haebich@web.de

   Sende Artikel als PDF   

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.