„Bundeswehrflieger üben Kriegseinsätze auf dem Würth-Airport in Hessental“ – Rede von Siegfried Hubele beim Anti-Kriegstag in Schwäbisch Hall

Zum Thema Frieden hat Siegfried Hubele beim Anti-Kriegstag in Schwäbisch Hall am 2. September 2016 gesprochen. Hohenlohe-ungefiltert veröffentlicht die Rede Hubeles in voller Länge.

Von Siegfried Hubele, DGB-Kreisvorsitzender Schwäbisch Hall

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Unterstützer des Antikriegstages 2016 in Schwäbisch Hall,

ich grüße euch im Namen der DGB-Kreisverbände Schwäbisch Hall und Hohenlohe zu unserer Kundgebung und Demonstration anlässlich des Antikriegstages. Mit dem Antikriegstag erinnern Gewerkschaften und Menschen aus der Friedensbewegung an den Überfall auf Polen und den Beginn des 2. Weltkrieges am 1. September 1939, mit seinen 60 Millionen Toten. Wir erinnern an Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und politisch Andersdenkende, die wegen einer menschenverachtenden und faschistischen Ideologie verfolgt und ermordet wurden.

Waffenexporte stoppen

Aus vielen Teilen der Welt fliehen Menschen vor Krieg und Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Sie suchen Schutz in anderen Regionen ihres Heimatlandes, in Nachbarländern oder auch in den westlichen Industrieländern. Ihnen Schutz zu gewähren und Perspektiven zu eröffnen, ist unsere Verpflichtung. Das verstehen Gewerkschaften unter Internationalismus und Solidarität. Der Anteil deutscher Politik an den Ursachen der weltweiten Fluchtbewegungen ist erheblich. Deshalb steht der Antikriegstag 2016 unter dem Motto: Fluchtursachen bekämpfen – Kriegseinsätze der Bundeswehr und des „Kommando Spezialkräfte“ beenden. Runter mit dem Rüstungshaushalt. Waffenexporte stoppen.

Die Nato – ein kriegstreibendes Militärbündnis

Deutsche Rüstungsexporte befeuern weltweit Kriege! Militärische Interventionen der Bundeswehr und politische Destabilisierungen treiben Millionen von Menschen in die Flucht vor den Kriegsfolgen. Die NATO ist immer mehr ein aggressives und kriegstreibendes Militärbündnis, das von deutschen Boden aus mörderische Drohnenangriffe kommandiert.

Start ins Kriegsinferno von Hall aus 

Liebe Kundgebungsteilnehmer, wir haben den Ort für unsere Auftaktkundgebung nicht ohne Hintergrund gewählt. Dieser Marktplatz war schon zweimal in der jüngeren Vergangenheit Aufmarschgelände des deutschen Militarismus. Am 11. August 1914 begingen auf diesem Marktplatz 1032 Soldaten des „Reserve-Infanterie-Regiments 121“ einen so genannten „Feldgottesdienst“, bevor sie unter der Fahne mit der Aufschrift „Hall – Paris“ in das Inferno des 1. Weltkrieges geschickt wurden. Schon am 19. August 1914 waren 28 Soldaten aus Hall nicht mehr am Leben.

Auch 90 Hessentaler Soldaten bombardierten Guernica

17 Mio. Tote starben weltweit während des so genannten 1. Weltkriegs. 1936 erklärten auf diesem Marktplatz Nazimilitärs und die politische Obrigkeit – Schwäbisch Hall zur „Soldatenstadt“. Es war der offizielle Einzug der Wehrmachtsflieger auf dem Fliegerhorst in Hessental. Dieser Fliegerhorst steht als Synonym für Krieg, Vernichtung und Sklaverei. Das KZ-Außenlager Hessental wurde wegen des Fliegerhorstes eingerichtet und zirka 90 Angehörige der Hessentaler Flieger waren an der Legion Condor beteiligt, die das spanische Städtchen Guernica am 26. April 1937 dem Erdboden gleichgemacht haben.

Viele Hubschrauberübungen auf dem Würth-Airport

Heute wird der ehemalige Fliegerhorst als Würth-Airport genutzt. Aber nicht nur für die reichen hohenloher Geschäftsleute (viele ihrer Firmen sind ohne Tarifvertrag) – sondern wieder für militärische Zwecke. Bis zu 80 Transall-Militärmaschinen der Bundeswehr üben jährlich auf dem Würth-Airport Kriegseinsätze. Im November 2016 sollen 100 so genannte Elitesoldaten – manche sagen Killerkommandos – des „Kommandos Spezialkräfte“ im Landkreis Fallschirmabsprünge für weitere Kriegseinsätze üben. Mittlerweile treibt sich die halbe NATO mit Hubschrauberübungen auf dem Würth-Airport rum.

„Kein Werben fürs Sterben“

Von hier aus protestieren wir: Wir wollen keinen neuen „Fliegerhorst“ in Hessental. Wir werden unseren Protest nun organisieren gegen diese zivilmilitärische Zusammenarbeit. Thomas Haschke ist Vertreter der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen und aktiv in der Kampagne gegen die immer dreisteren Werbefeldzüge der Bundeswehr: Er spricht nun zu uns – sicherlich auch zur Kampagne „Kein Werben fürs Sterben“.

Weitere Informationen im Internet:

„Bei 16 Kriegs- und Auslandseinsätzen weltweit ist die Bundeswehr aktuell mit dabei – Rede von Thomas Haschke bei der Anti-Kriegsdemonstration in Schwäbisch Hall“

http://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=21098

Link zur Internetseite „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“:

https://www.dfg-vk.de/

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