„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden siebzehnter Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden siebzehnter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XVII Jagst

… Als er gerade die letzten Zeilen der Transformationsforscherin gelesen hatte und mit sich und der Welt zufrieden das Buch schloss, läutete es. Das müsste jetzt Paul sein, dachte sich Carl und ging an die Haustür, um dem Freund die Tür zu öffnen. Paul Malibo lächelte ihn freudig an und Carl breitete seine Arme aus, um den Freund fest an sich zu drücken. Paul erwiderte die freundschaftliche Umarmung herzlich, und noch bevor sie in der Küche angekommen waren, diskutierten sie bereits heftig die politischen Neuigkeiten und die derzeitige wirtschaftliche Lage – Paul war als weit Gereister stets über alles im Bild was sich in Deutschland, in Europa und auf der Weltbühne tat. Den intellektuell anregenden Austausch mit Paul als ebenbürtigem Diskussionspartner genoss Carl in vollen Zügen. In Hoheitshausen beschränkten sich die gewöhnlichen Wortwechsel mit seiner Schwiegermutter auf alltägliche Rituale, und seit Gisléne nicht mehr da war, brachte ihn niemand mehr mit erfrischenden Wortgewittern zum Lachen, geschweige denn auf andere Gedanken.

Weggelaufene Tochter

Carl Eugen machte seine obligatorische Kanne Melissentee und stellte die feinen skandinavischen Süßigkeiten auf einem Teller zusammen. Als sie dann zusammen das Geschirr, den Tee und den großen beladenen Teller auf dem Gartentisch platziert hatten und sich gemütlich zurücklehnten, ging ihr reger Gedankenaustausch zu persönlichen Dingen über. „Und, Paul, wo ist Deine Gisléne?“, fragte Carl irgendwann, als Paul nicht von sich aus die Rede auf seine weggelaufene Tochter brachte. Abrupt veränderte sich Pauls offener Gesichtsausdruck. Sein Blick erstarrte zu einer unbeweglichen Maske und seine Stimme war rau und hart, als er antwortete: „Morgen fahre ich zum Ältesten meiner Söhne nach Nürnberg.“ Carl fiel auf, dass Paul noch immer seinen Erstgeborenen in der Rangfolge seiner ihm nachfolgenden männlichen Linie benannte, und nach alter Sitte nicht seinen Namen, sondern seine Funktion in der Familie benannte. „Dort gibt es einen Familienrat. Yann wird auch dabei sein, seine Schwester bereitet unserer Familie Schande.“ Als keine weiteren Erklärungen folgten und Paul seine steinerne Haltung beibehielt, insistierte Carl weiter: „Hat Gisléne sich bei Dir gemeldet?“ „Nein“, erwiderte Paul, „Yann hat angerufen.“ Auf weitere Fragen Carls antwortet Paul nicht mehr und blickte nur noch mit kalten Augen und stumm vor sich hin.

Traditionelle Haltung

Diesen Wesenszug kannte Carl bei Paul nur zu gut. Über familiäre Themen war nicht mit ihm zu reden. Pauls Verhalten in Bezug auf seine traditionelle Haltung stand im krassen Gegensatz zu seinen sonstigen liberalen Ansichten, welche er freudig und mit einer schier unglaublich heiteren Sanftmut predigte. Carl würde warten müssen, bis Paul sich ihm wieder von alleine zuwenden und sich mit ihm unterhalten würde. Also räumte er den Tisch ab, spülte das Kaffeegeschirr und brachte die Küche in Ordnung. Als Carl nach einer Stunde mit zwei Gläsern und einer Kanne Wasser wieder zu Paul an den Tisch trat, sah er, dass das Gesicht des Freundes sich etwas erhellt hatte.

Unvermittelte Frechheit

Mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung setzte er sich zu Paul an den Tisch. Sie klärten kurz ab, wann sie morgen früh aufstehen und wie Paul zum Bahnhof kommen würde, und verbrachten noch ein paar Minuten bei belanglosem Geplauder über das Wetter. Paul verabschiedete sich bald, um früh ins Bett zu gehen, er wollte morgen früh ausgeruht sein.
Und so nützte Carl die Gelegenheit, um noch bei Paula anzuläuten, unter anderem wollte er auch das geplante Treffen am Wochenende konkretisieren. Sicherlich saß die nachtaktive Frau noch an ihrem Computer bei einer Bildbearbeitung; und tatsächlich erreichte er Paula Engel, wie erwartet, zu dieser späten Stunde bei bester Laune. „Engel?“, tönte ihre Stimme fragend an Carls Ohr und er lächelte: „Friedner, wenn es erlaubt ist?“ „Ah Carl, du bist es. Treibt dich dein schlechtes Gewissen um und kannst Du nicht einschlafen?“ Diese unvermittelte Frechheit ließ Carl Eugen verstummen, er hatte nicht damit gerechnet, dass Paula ihm als allererstes sein einstiges Versagen vorhalten würde – er hätte es angemessen gefunden, wenn sie sich in liebevollem Tonfall nach seinem Befinden erkundigt hätte.

Unselige Gerichtsverhandlungen

Wie, so fragte er sich, sollte er dieser Frau nur begegnen? Ständig änderte sie ihre Art mit ihm umzugehen und jetzt so eine entmutigende Frage; Carl wollte ihr eigentlich ein Gedicht vorlesen. Er hatte sich so viel Mühe gegeben, Verse in Mundart zu finden, welche nicht nur seinen aufrichtigen Liebesgefühlen ihr gegenüber, sondern auch ihrer beider treuer Heimatverbundenheit Ausdruck verlieh. Enttäuscht und unfähig etwas zu antworten, kamen ihm auch noch unvermittelt die unseligen Gerichtsverhandlungen in Heilbronn in den Sinn und er schloss die Augen.
„Carl? schallte es nun wesentlich sanfter aus dem Hörer, „Carl, bist du noch da?“, erkundigte sich Paula Engel nochmals vorsichtig. Carl Eugen Friedner atmete noch ein paar Mal deutlich hörbar ein und aus – diese Atemtechnik hatte er sich einst in der Herzklinik in Hoheitshausen angewöhnt, um in belastenden Situationen besser zu bestehen. Zwar konnten sehr aufmerksame Menschen – zu denen auch Paula gehörte – seine gefühlsmäßige Betroffenheit erahnen, aber Carl nahm dies eben billigend in Kauf; ersparte ihm diese Umgangsform doch, den Unmut in sich hinein zu fressen. Er wollte weder einen Herzinfarkt noch ein Magengeschwür riskieren.

Ein Gedicht

„Carl, was ist?“, Paulas Stimme klang jetzt derart besorgt, dass Carl sich aufraffte, ihr eine gescheite Antwort zu geben: „Ja Paula, ich war irritiert über deine Frage. Eigentlich wollte ich Dir etwas sagen“, und er schwieg abermals. „Was wolltest du mir denn sagen, Carl? fragte sie nach einer weiteren Pause erneut. Er beschloss ihr zu vertrauen und hub an, ohne weitere Erklärung, Paula das romantische Gedicht vorzutragen:

D ́Jogscht

„Was for de Schwob dr Necker isch, fors deitsche Reich dr Rhei,
des is for uns halt unser Jogscht: sou ischs un sou muß ́s sei!
A so e sauwers Flüßle geits
Sunscht nerchends uf dr Welt,
un wenn erscht d ́Sunne einischeint no glänzts wie Silwergeld.
Die schene Renkli guck d`r ou, die Schlößli uf dr Höh,
die sauwre Höft im grüne Dool, mei Liewer, des muscht seh!

Der Kocher schlupfet gar zu gern noch näher zure nou; er denkt: Zu soner schiene Fraa ghört aa en schiener Mou.
Am Summer pfuddle dBouwe drin Mit dene Gensch um dWett,
die Kerli schlooche Borzelbeem wie klaane Borsch im Bett.
Un Schwälwli fliecha driwer her, un unde schnalzet dFisch; des geit e Bild, soe friedlich schee, daßs net zom Sooche isch.
Drum hörsch du bei uns iwerool, wud gehsch und schtehsch un hockschd, s schönst Flüßle uf der ganze Welt isch unscher liewe Jogschd!*

… Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

* Gedicht von N. Landwehr 1932,
Seite 160 in „Die Jagst von der Quelle bis zur Mündung“ von Bernhard H. Lott erschienen im Swiridoff Verlag

https://de.wikipedia.org/wiki/Jagst#Die_Urspr%C3%BCnge_der_Jagst

Kontaktaufnahme zur Autorin ist möglich unter der E-Mail-Adresse:

b.haebich@web.de

   Sende Artikel als PDF   

„Bei Zwangssterilisierung gestorben“ – Frida Grüb aus Obersteinach wurde 1935 im Haller Diakonissen-Krankenhaus umgebracht

Schon bald nach der Machtübergabe 1933 haben die Nationalsozialisten damit begonnen, Kranke, Behinderte, Nicht-Angepasste, Fürsorge-Empfänger, Alkoholiker und andere Menschen zu diskriminieren. Ein wichtiges Ziel: Diese Menschen sollten keine Kinder bekommen. Auch in der Region Hohenlohe wurden viele von ihnen „unfruchtbar gemacht“. Im heutigen Landkreis Schwäbisch Hall geschah dieser ärztliche Eingriff im Krankenhaus Crailsheim, in der Diakonissen-Anstalt Schwäbisch Hall oder im Krankenhaus in Gaildorf.

Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Eltern sollten Kosten bezahlen

Ein Beispiel von vielen – aber auch ein ganz besonderes – gibt es aus Obersteinach bei Ilshofen: Frida Grüb starb am 17. Januar 1935 bei dem ärztlichen Eingriff im Diakonissen-Krankenhaus Schwäbisch Hall. Sie war zum Zeitpunkt ihres Todes 26 Jahre alt. Frida Grüb war Tochter des Zimmermanns Georg Grüb und seiner Frau Magdalena Grüb, geborene Vogel. Frida Grüb wurde auf Anordnung des Mergentheimer Oberamtsarztes Dr. Friedrich Förstner „zwecks Unfruchtbarmachung in die Diakonissenanstalt Hall eingewiesen“, steht im Protokoll der Gemeinderatssitzung Obersteinach vom 31. Januar 1935. „Infolge der Operation“ ist die junge Frau im Krankenhaus gestorben. Die Diakonissenanstalt wollte die Kosten für die „Einsargung und Überführung der Verstorbenen nach Obersteinach“ von den Angehörigen bezahlen lassen. Die Kosten sind „bei Abholung der Leiche zu bezahlen“, steht im Sitzungsprotokoll des Obersteinacher Gemeinderats. Der Vater von Frida Grüb erklärte dem Bürgermeisteramt Obersteinach, dass er „zur Zeit nicht in der Lage sei, diese Kosten aufzubringen“. Er bat die Gemeinde, ob die Kosten vorläufig von der Gemeindekasse übernommen werden könnten. Die Gemeinderatsmitglieder erkannten die „Vermögenslosigkeit der Eltern der Frida Grüb“ an und beschlossen, die Kosten in Höhe von 58 Reichsmark (RM) vorläufig durch die Ortsfürsorgebehörde (Gesamtgemeindepflege) zu übernehmen. „Gegebenenfalls zu geeignetem Zeitpunkt“ sollten die Kosten aber von der Familie Grüb ersetzt werden.

DIAK machte weitere Kosten geltend

Doch damit nicht genug. Das Diakonissenkrankenhaus in Hall machte weitere Kosten geltend. Damit befasste sich der Obersteinacher Gemeinderat in seiner Sitzung vom 4. April 1935. Es seien „außer den Kosten für die Einsargung und Überführung der an der Unfruchtbarmachung verstorbenen Frida Grüb auch 32,25 RM Verpflegungskosten in Hall und 54,82 RM Arztkosten für die Unfruchtbarmachung, zusammen also 87,07 RM entstanden.“ Weiter ist im Sitzungsprotokoll zu lesen: „Die Verstorbene war in keiner Krankenkasse, hat keinerlei verwertbaren Nachlass hinterlassen und die unterhaltspflichtigen Angehörigen selbst sind auch nicht in der Lage diese Kosten zu bezahlen. Nach dem Reichsgesetz über die Unfruchtbarmachung hat in solchen Fällen der zuständige Fürsorgeverband einzugreifen. Als solcher kommt nur der Ortsfürsorgeverband Obersteinach in Betracht.“ Die Gemeinderäte fassten deshalb den Beschluss „Die weiter durch die Unfruchtbarmachung der Frida Grüb entstandenen Kosten mit 87,07 RM auf den Ortsfürsorgeverband zu übernehmen.“

In Obersteinach beerdigt

In den Kirchenbüchern der Evangelischen Kirchengemeinde Obersteinach wird das Todesdatum von Frida Grüb mit 17. Januar 1935 angegeben. Todesursache: „Nach Sterilisierungsoperation“. In die Spalte „Ort und Zeit des Todes“ hat Pfarrer Gerhard Fritz geschrieben: „Sch.-Fall (Diakonissenanstalt)“. Was ein „Sch-Fall“ ist, kann nur vermutet werden. Frida Grüb wurde am 20. Januar 1935, um 13.30 Uhr in Obersteinach beerdigt. Pfarrer Fritz hat über Jesaja 42,2+3 und Matthäus 12, 19 +20 die Trauerpredigt gehalten. Das Grab von Frida Grüb existiert heute nicht mehr.

In Obersteinach geboren

Im Stadtarchiv Schwäbisch Hall gibt es andere Daten zur Verstorbenen. Dort ist die junge Frau ein Jahr älter und ihr Vorname wird auf der archivierten Sterbeurkunde mit „Frieda“ angegeben und nicht mit „Frida“ wie in den Gemeinderatsprotokollen von Obersteinach und den Einträgen in den Kirchenbüchern der örtlichen Kirchengemeinde. Schwäbisch Halls Stadtarchivar Andreas Maisch antwortete auf eine Anfrage: „Die Sterbeurkunde von Frieda Grüb, geb. 23. April 1907 in Obersteinach, gestorben am 17. Januar 1935 in der Diakonissenanstalt Schwäbisch Hall (StadtA Schwäb. Hall 74/303, Nr. 6) liegt hier vor. Die Anzeige des Todes erfolgte durch den Leichenbesorger Johann Roth. Weitere Angaben (etwa zur Todesursache) sind nicht enthalten.“
Die Angaben des Stadtarchivs Schwäbisch Hall decken sich mit den Dokumenten im Kreisarchiv Schwäbisch Hall. Das Kreisarchiv nennt als Quelle das „Sterbenebenregister 1935“.

In Obersteinach konfirmiert

Wer war Frida Grüb? Warum sollte sie sterilisiert werden? Darüber ist außer den genannten Dokumenten in Archiven und Kirchenbüchern nichts bekannt. Auch ortskundige Obersteinacher, mit denen der Autor seit Herbst 2019 gesprochen hat, wissen nichts über das Schicksal von Frida Grüb. Im Taufregister der Kirchengemeinde Obersteinach steht, dass sie am 23. April 1908 in Obersteinach geboren ist. Auf der Sterbeurkunde, die im Schwäbisch Haller Stadtarchiv vorliegt, heißt sie Frieda (mit e in der Mitte) Grüb und ist am 23. April 1907 in Obersteinach geboren. Laut Obersteinacher Kirchenbüchern wurde Frida Grüb am 23. April 1908 geboren, am 17. Mai 1908 getauft und 1922 in Obersteinach konfirmiert.
Die Familie Grüb hat in Obersteinach in einem so genannten Armenhaus gewohnt. Das Haus an der Orlacher Straße stand Anfang der 1960er Jahre noch, berichtet ein Zeitzeuge aus Obersteinach.

„Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“

Grundlage für die Zwangssterilisierungen von Männern und Frauen durch die Nazis war das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933. Es trat am 1. Januar 1934 in Kraft. Auf Grund des Gesetzes entstanden Erbgesundheitsgerichte, die den Amtsgerichten angegliedert wurden. „Dem Richter wurden ein beamteter Arzt und ein weiterer, mit der Erbgesundheitslehre besonders vertrauter Mediziner beigegeben“, schreibt der Schwäbisch Haller Stadtarchivar Andreas Maisch in dem Buch „Ausmerzen – Eugenik, Zwangssterilisierung und Krankenmord in Schwäbisch Hall 1933-1945“. Das Buch hat Maisch 2009 zusammen mit Heike Krause veröffentlicht.

Auch Alkoholabhängige waren in Gefahr

Dem Richter und die beiden Ärzte hatten die Vollmacht, Erbkrankheiten im Sinne der gesetzlichen Definitionen festzustellen. Zu den Erbkrankheiten rechnete der NS-Staat „angeborenen Schwachsinn, Schizophrenie, zirkuläres (manisch-depressives) Irresein, erbliche Fallsucht, erblichen Veitstanz (Huntingtonsche Chorea), erbliche Blindheit, erbliche Taubheit und schwere erbliche Missbildung“. Wer als erbkrank in diesem Sinne galt, konnte sterilisiert werden. Unfruchtbar gemacht werden konnten auch Personen, die an schwerem Alkoholismus litten. (…) Alle am Verfahren Beteiligten wurden zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Anträge auf Sterilisierung konnten die Betroffenen selbst stellen, ebenso ihre gesetzlichen Vertreter, die Amtsärzte und die Leiter von Kranken-, Heil- und Pflegeanstalten sowie von Strafanstalten für ihre Insassen. Vom Verfahren blieb die Öffentlichkeit ausgeschlossen, Zeugen konnten gehört werden (…). Überstiegen die Kosten eine Obergrenze mussten die Sterilisierten die Kosten selbst tragen.

Familien mit vielen Kindern lebten gefährlich

„Das Fürsorgeamt Schwäbisch Hall schlug relativ wahllos Personen mit vielen Kindern vor, die von ihm unterstützt werden mussten. Die ersten Listen datierten vom 14. September 1933“, berichtet Stadtarchivar Maisch. Darauf standen 63 Haller Familien, in denen Vater und/oder Mutter zwangsweise sterilisiert werden sollten. „Alkoholismus, Geschlechtskrankheiten, Bettelei, Gefahr bei Geburten, Taubheit, Sittlichkeitsvergehen, Lungenkrankheiten, Geisteskrankheiten, geistige Beschränktheit, Operationen wegen Stirnhöhlenvereiterung und körperliche Behinderung wurden als Gründe genannt.“ Andere schienen dem Fürsorgeamt einfach zu viele Kinder zu haben und sollten keinen weiteren Nachwuchs bekommen. „Bei vielen Menschen fehlte selbst dem NS-Amtsarzt jede gesetzliche Grundlage“, schreibt Maisch weiter.

360.000 Menschen sterilisiert

Im Gebiet des Deutschen Reiches wurden ungefähr 360.000 Menschen auf Grund des Gesetzes von 1933 zeugungsunfähig gemacht. Im Dezember 1934 wurden die Bürgermeisterämter aufgefordert, Verzeichnisse von Personen anzulegen, die auf Erbkankheiten hin untersucht worden waren. Im Bezirk des Gesundheitsamts Hall (Oberämter Hall und Gaildorf) zeigten Haller und Gaildorfer Ärzte und Anstalten zwischen 1935 und 1941 mehr als 2000 ihrer Patientinnen und Patienten an, weil sie glaubten, die betreffenden Personen fielen unter das Zwangssterilisierungsgesetz. Über 50 Prozent der Anzeigen stammte von den Amtsärzten selbst, etwa 20 Prozent von den Anstalten im Gebiet der beiden Kreise und 17 Prozent von den frei praktizierenden Ärzten. 303 Anträge – überwiegend von den Amtsärzten – wurden an das Erbgesundheitsgericht weitergeleitet. Zwei Drittel der Anträge wurden mit „angeborenem Schwachsinn“ (202) begründet, etwa 20 Prozent mit Schizophrenie (58), einige mit „erblicher Fallsucht“ (14), „zirkulärem Irresein / manisch-depressiv“ (8), „erblicher körperlicher Missbildung“ (7), „erblicher Taubheit“ (6), „schwerem Alkoholismus“ (5) und „erblicher Blindheit“ (3).
Nach dem Gesetz von 1933 zwangsweise im Bereich des Haller Gesundheitsamts bis 1941 sterilisiert wurden 205 Menschen, 109 Frauen und 96 Männer. „Elf Menschen mussten mit Zwangsmaßnahmen zur Sterilisierung geschleppt werden“, berichtet Maisch.

Chirurgischer Eingriff, später Röntgenstrahlen

In der Diakonissen-Anstalt Hall hatte der Chirurg Dr. Wilhelm Dürr am 6. April 1934 „die Ermächtigung erhalten, die unter das Gesetz fallenden Frauen und Männer zu sterilisieren. Unterstützung erhielt er seit November 1937 durch den neu im Diak angestellten Gynäkologen Dr. med. Hellmut Teichmann, der künftig für die Sterilisation von Frauen zuständig war, während Dr. Dürr nun ausschließlich Männer operierte.“ In den ersten Jahren wurden die Menschen im Diakonissen-Krankenhaus unfruchtbar gemacht, indem ihnen durch einen chirurgischen Eingriff die Ei-, beziehungsweise Samenleiter unterbunden wurden. Später wurden aus Kostengründen Röntgenstrahlen verwendet. Diak-Leiter Pfarrer Wilhelm Breuning sprach in einem Brief vom 4. Oktober 1937 an das Württembergische Innenministeriums bei dieser Methode der Unfruchtbarmachung von „Röntgentherapie“.

Noch einmal 141 Frauen unfruchtbar gemacht

Eine Gesetzesänderung wurde am 26. Juni 1935 beschlossen. Auf Grundlage dieses geänderten Gesetzes wurden im Bezirk des Haller Gesundheitsamts bis 1943 noch 141 Frauen unfruchtbar gemacht. Insgesamt waren es im Bereich des Haller Gesundheitsamts zirka 346 Menschen, die von den Nazis verstümmelt wurden.
Für den Altkreis Crailsheim wurde die „genaue Anzahl der betroffenen Männer und Frauen noch nicht erhoben“, berichtet Crailsheims Stadtarchivar Folker Förtsch auf Nachfrage. Im Krankenhaus Crailsheim habe es aber „definitiv Zwangssterilisationen nach dem `Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses´ gegeben. Nach Schätzungen, die sich aus den Quoten anderer Landkreise errechnen lassen, müsse von mindestens 200 bis 300 Personen im Altkreis Crailsheim ausgegangen werden, so Förtsch. „Namentlich bekannt sind bisher knapp 20 Personen aus einem einzigen heutigen Crailsheimer Stadtteil, in dem ein Teil der einschlägigen Akten erhalten geblieben ist.“ Die Kreise Hall und Gaildorf zählten 1938 zusammengenommen knapp 52000 Einwohner. Im Landkreis Crailsheim lebten bei der Volkszählung 1939 mit rund 51500 Menschen fast genausoviele.

0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung sterilisiert

Das Gesundheitsamt Mergentheim war zum Zeitpunkt des Todes von Frida Grüb für das Oberamt Gerabronn zuständig. Zum Oberamt Gerabronn gehörte auch die Gemeinde Obersteinach (Quelle: Staatshandbuch von 1936). Das verantwortliche Erbgesundheitsgericht müsste demnach dem Amtsgericht Langenburg angegliedert gewesen sein. Genaue Zahlen aus dem Zuständigkeitsbereich des Erbgesundheitsgerichts Langenburg liegen dem Autor nicht vor.
Im Bereich des Gesundheitsamts Hall wurden 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung sterilisiert, angezeigt wurden 4,5 Prozent. „Enorme Zahlen, die belegen, wie massiv die Rassenideologie in den Alltag der Bevölkerung eingriff“, fasst Halls Stadtarchivar Andreas Maisch zusammen. Eines der zahlreichen Opfer im heutigen Landkreis Schwäbisch Hall war Frida Grüb aus Obersteinach. Sie soll nicht vergessen werden.

Der Schreibtischtäter: Oberamtsarzt Dr. Friedrich Förstner

Der Oberamtsarzt Dr. Friedrich Förstner (geboren 1893 in Obergröningen), der die todbringende Sterilisierung von Frida Grüb angeordnet hatte, überlebte den Zweiten Weltkrieg. Von 1928 bis 1931 war Förstner Amtsarzt des Oberamts Gerabronn, von 1931 bis 1939 Amtsarzt und Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts in Bad Mergentheim, ab 1936 auch Verwaltungsstellenleiter des dortigen Amts für Volksgesundheit.
Der NSDAP gehörte Förstner von 1933 bis 1945 an, der SA ab 1933. Von 1939 bis 1945 war er Amtsarzt und Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Esslingen/Neckar und Kreisamtsleiter des Rassenpolitischen Amts.

Mitglied des evangelischen Kirchengemeinderats Mergentheim

In Mergentheim wurde Förstner Mitglied des evangelischen Kirchengemeinderats, 1934 als Abgeordneter zum Württembergischen Landeskirchentags berufen. Kurz darauf ist er aus der Evangelischen Landeskirche ausgetreten. 1935 Beitritt zur Glaubensbewegung Deutsche Christen (DC), die den Nationalsozialisten nahestand. Den DC gehörte Förstner nach eigener Darstellung in seinem Entnazifizierungsverfahren bis 1939 an. Zu den DC sei er übergetreten, weil er „in dieser Bewegung zunächst eine Erneuerung des christlichen Glaubens im Sinne größerer Weitherzigkeit erwartete. Als er erkannte, dass diese Richtung religiösen Unsinn brachte, trat er aus“, schrieb Förstners Rechtsanwalt in einem Brief an die Spruchkammer Esslingen.

In Berufungsverhandlung nur noch „Mitläufer“

In der Spruchkammerverhandlung am 19. Januar 1948 wurde Förstner als Minderbelasteter (Stufe 3 von 5 Stufen eingruppiert). Er sollte 500 Reichsmark in Sachwerten in den Wiedergutmachungsfonds bezahlen. In der Berufungsverhandlung vom 28. Juni 1948 wurde er nur noch als Mitläufer (Stufe 4 von 5 Stufen) eingruppiert und musste eine Geldstrafe von 100 DM bezahlen.

Arztpraxis 1948 eröffnet

Bereits im Herbst 1948 eröffnete Friedrich Förstner wieder eine Arztpraxis. Im August 1949 wohnte er in Esslingen-Mettingen. Frida Grüb, die er zwangsweise sterilisieren ließ, lag seit dem 20. Januar 1935 in einem Grab des Friedhofs in Obersteinach. Das Grab existiert heute nicht mehr.

   Sende Artikel als PDF   

„Starkregen: Keller liefen voll, Kanalisation überlastet, Autofahrt endet im Hochwasser“ – Feuerwehr Crailsheim innerhalb von sechs Stunden 119 Mal im Einsatz

Ein schweres Unwetter zog am Montagnachmittag (3. August 2020) über die Große Kreisstadt Crailsheim hinweg. Binnen kürzester Zeit gingen über 45 Liter Regen nieder. Die Feuerwehr war sechs Stunden lang im Einsatz – an 119 Einsatzstellen.

Von der Stadtverwaltung Crailsheim

Innerhalb einer halben Stunde fielen über 45 Liter Regen

Um kurz nach 14 Uhr bildete sich am Montag genau über der Stadt Crailsheim ein schweres Unwetter, das extreme Niederschläge mit sich führte. Problematisch hierbei war, dass die Gewitterzelle ortsfest verblieb und sich quasi über der Stadt abregnete. Innerhalb einer halben Stunde fielen dabei über 45 Liter Regen, was für die Kanalisation schlicht nicht mehr auffangbar war.

Einsatzschwerpunkt Altenmünster

Die Feuerwehr der Stadt Crailsheim arbeitete zwischen 14.15 und 20.00 Uhr insgesamt 119 Einsatzstellen im Stadtgebiet ab. Vor allem Keller liefen voll Wasser und Straßen waren durch verstopfte Gullideckel sowie eine der Überlastung der Kanalisation überflutet worden. Als Einsatzschwerpunkte bildeten sich der Stadtteil Altenmünster sowie die westliche Innenstadt heraus. Die Einsätze wurden durch die Führungsgruppe der Feuerwehr Crailsheim in der Feuerwache 1 in der Gartenstraße koordiniert.

Auto in Bahnunterführung steckengeblieben

Ein Auto war in der Bahnunterführung Gaildorfer Straße / Grabenstraße durch fehlerhafte Einschätzung der Wassertiefe durch den Fahrer in dem dort schnell zusammenlaufenden Regenwasser steckengeblieben. Da hier eine Gefährdung der Fahrzeuginsassen nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde dieser Einsatz alarmmäßig bedient. Bei Eintreffen der Feuerwehr hatte der Fahrer das Fahrzeug aber bereits verlassen. Die Person wurde vom Rettungsdienst betreut, nähere Einzelheiten zu deren Gesundheitszustand liegen nicht vor.

Zwei Mal Fehlalarm im Industriegebiet

Während der Einsatzmaßnahmen wurde die Feuerwehr Crailsheim zudem zu zwei Brandmeldealarmen im Industriegebiet Altenmünster alarmiert, die sich beide als Fehlalarm herausstellten. Im Weiteren ging die Meldung eines brennenden Fahrzeuges in der Nähe der Firma Procter & Gamble ein, die anfahrende Abteilung konnte aber nichts feststellen.

Corona-Reserve nicht im Einsatz

Insgesamt waren 72 Einsatzkräfte der Feuerwehr Crailsheim unter der Führung von Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck im Einsatz. Dies entspricht wochentags während der Urlaubszeit zirka 60 Prozent des verfügbaren Personals. Die verbleibenden, nicht eingesetzten 40 Prozent bildeten die notwendige Personalreserve für kritische mittelgroße Einsatzlagen sowie die seitens der Stadt Crailsheim für die umliegenden Gemeinden zu stellende Überlandhilfe. Derzeit besteht zudem die Notwendigkeit, bei allen Einsätzen eine nicht eingesetzte Personalreserve zurückzuhalten, um einen Komplettausfall der Feuerwehr durch notwendige Quarantänemaßnahmen im Coronavirus-Infektionsfall zu verhindern.

   Sende Artikel als PDF   

„Lang beschattete Täler“ –  Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden sechzehnter Teil

„Lang beschattete Täler“ –  Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden sechzehnter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XVI Visionär

… Es war ihm einfach nicht nachvollziehbar, zu vieles war widersprüchlich und verwirrend; die Stilblüten welche diese >Karinakrise< trieb, waren mehr als merkwürdig, und Carl Eugen Friedner fragte sich immer öfters, ob man versuchte, den Leuten Sand in die Augen zu streuen? Die allgemeine Angstmacherei ging ihm so langsam auf die Nerven. Da gab es doch wahrhaftig genug wichtigere Themen mit denen man sich unbedingt beschäftigen sollte. Aber jedes Problem wurde stets zuerst in ein >Karinabad< getaucht und dann nur noch mit diesem Überzug diskutiert.

Hochgiftige Substanzen

Zudem verstärkte sich sein Verdacht, dass man die ungute Situation auch gar nicht auflösen wollte. Sondern ein gewisses Chaos und viele Unsicherheiten aufrechterhielt, um hintenrum eine Impfpflicht einzuführen. Niedrige Zahlen zu Ansteckungen und Toten ließ man erst gar nicht gelten – war das nötig, um weiterhin Angst zu schüren? Carl hatte sich über verschiedene Modelle zur Immunisierung kundig gemacht. Seine persönliche Gesunderhaltung überdachte er ja seit dem Rehabilitationsaufenthalt in Hoheitshausen unentwegt und besann sich immer wieder auf einen entsprechenden Lebensstil. Er war erschüttert darüber, mit was für hochgiftigen Substanzen man so ein Impfserum anreicherte.

Isolation und Abstand

Und Carl Eugen fragte sich überdies, warum man gerade Spiel und Sport und Freude an Kunst und Kultur einschränkte, wo genau diese Spaß bereiteten, für einen Ausgleich an Leib, Geist und Seele sorgten und damit doch das menschliche Immunsystem stärkten. Weiterhin fiel ihm auf, dass im Namen der verpflichtend einzuhaltenden Distanz das gesamte Thema Bildung sich in eine gänzlich andere Richtung entwickelt hatte. Man sprach nur noch von Isolation und Abstand, nicht mehr von Gemeinschaft und sozialem Lernen. Die Kinder wurden mit Fernunterricht geradezu dressiert ausschließlich alleine und am Computer zu lernen. Vermutlich würden diejenigen, die keine Eltern hatten, welche sie von Unfug abhielten, stundenlang am Computer spielen. Und was lernten junge Menschen aus Haushalten in denen es weder einen Computer noch einen Klapprechner, geschweige denn eine funktionierende Verbindung zum Internet gab? Zu was würde sich der Nachwuchs entwickeln, wenn man ihm auf Dauer jede gemeinschaftliche Freude nahm?

„Querdenker-Demonstration“

Carl Eugen Friedner hatte beim letzten Telefonat mit Paula eine Internetadresse* bekommen, wo er sich nun laufend informierte. Paula wollte am Samstag zu so einer „Querdenker-Demonstration“ gehen, um eine Reportage zu machen. Eine clevere Idee der Veranstalter, einfach die Vorwahl der Stadt zum „Querdenken“ dazu nehmen und schon war man im Netz auf der Seite, wo man hinwollte. Dort konnte man sich zu den stattfindenden Demonstrationen in der nächstliegenden Stadt und weiter weg informieren, eine feine Sache! Gut, dass sich die Menschen nicht einschüchtern ließen, sondern samstags für die dem deutschen Volk zugesicherten Grundrechte eintraten.
In dem Buch, das ihm Heiner empfohlen hatte, fand Carl zudem recht gute und praktikable Ansätze zur Wahrnehmung und Ausübung demokratischer Rechte und Pflichten ausgeführt. Wenn er beim Lesen nicht gerade an seine eigenen gemachten Fehler erinnert wurde, mit denen er Paula damals erheblich geschadet hatte, konnte er die einleuchtenden Beschreibungen der Politökonomin Göpel nur befürworten. Paula und Carl hatten früher nur über die offensichtlichen Seiten des Unrechts bei anderen gesprochen, und über dies und das geschimpft. Aber sich konstruktive Gedanken zu machen, wo man selber, auf eigene Faust, Lösungsansätze anstreben könnte, ja sogar unbedingt welche finden musste, war ja viel besser. Es machte erstens wesentlich mehr Spaß, und brachte zweitens – auch für eine total verfahrene Sache – erstaunliche und ungeahnte Ansätze, Ungutes wieder ins Lot zu bringen.

Festgefahrene Auseinandersetzung

Carl Eugen Friedner war als Jurist völlig fasziniert von der Beschreibung, dass Menschen grundsätzlich über ein großes Gespür für Gerechtigkeit verfügen und intuitiv richtig empfinden, was gerecht und ungerecht ist. Vielleicht bargen diese Ideen auch einen Ausweg für die festgefahrene Auseinandersetzung mit Paula? Er würde es ihr vorschlagen. Womöglich würde sie ihm sogar zustimmen, und sie konnten unter die leidige Gerichtsverhandlung einen Schlussstrich ziehen und sich endlich auf eine gelingende gemeinsame Zukunft konzentrieren. Carl holte tief Luft. Ja, er wollte sich unbedingt wieder mit Paula Engel vertragen. Die beschämenden Gedanken an seine miserable Dienstleistung an Paula, und die Arbeit der nötigen Richtigstellung, welche noch bevorstand, waren mit diesem neuen Ansatz jedoch wesentlich leichter zu ertragen.

Visionärer Charakterzug

Heiner hatte ihm erzählt, dass seine Energiefirma vorhabe, die Wissenschaftlerin zu einer energiepolitischen Diskussion einzuladen. Er stellte sich vor, die nur schwerfällig vorwärtskommende, bürgerschaftliche Erneuerbare-Energien-Gemeinschaft mit den Gedankengängen der Politökonomin in Schwung zu bringen. Carl schmunzelte, er schätzte an Heiner Grün dessen nimmermüden visionären Charakterzug, sich immer und immer wieder, und in jedem Fall für seine Ideen der regenerativen Energien in Bürgerhand einzusetzen. Sobald Heiner auch nur den Hauch einer Chance dazu wahrnahm, formulierte er ein Papier und warb so für ein zukunftsweisendes Ziel.

Aktive lokale Lösungsgestaltung

Heiner dachte sich, dass Menschen durch die Erfahrung der Selbstwirksamkeit, in die Lage versetzt werden, nicht mehr ausweichend auf die Klimakrise zu reagieren, sondern sich der Erneuerbare-Energien-Gemeinschaft als annehmbare und auf Verständigung und Kooperation angelegte Lösung zuzuwenden. Also Gedanken weg von der Angst vor der globalen Krise, hin zur aktiven lokalen Lösungsgestaltung, zu lenken. Dabei würde man dann die einzelnen Sorgen zur Verteilungsgerechtigkeit mit einbeziehen. Frau Göpel erläuterte in ihrem Buch, dass Empfindungen zur Verteilungsgerechtigkeit – auch bei verschiedenen Menschen – sogar relativ nahe beieinander liegen würden. Carl hatte sich von Heiner schon vor einiger Zeit erklären lassen, dass man gerade bei Verteilungsgerechtigkeit die lokale Erneuerbare-Energien-Gemeinschaft nutzen könnte, um zum Beispiel zahlungsunfähige Kunden, solidarisch vor einem drohenden Stromentzug zu schützen.

Dezentrale Anlagen

Die jetzige, auf Gewinnmaximierung angelegte Stromversorgungsstruktur, könnte auf vielfältige Art und Weise eine Umkehrung erfahren. Es wären keine großen, sensiblen und zentral gesteuerten Großanlagen mehr nötig, sondern es würden kleine, wie Zellen oder Bienenwaben, angeordnete dezentrale Anlagen entstehen. Diese wären nicht nur weniger störanfällig, sondern würden mit einer zellularen und dadurch jeweils autonomen Struktur den diktatorischen Bestrebungen der Energiewirtschaft zuwider laufen. Und sie wären eine realistische Möglichkeit, nicht nur die angestrebten Klimaziele, sondern auch den Rufen aus der Zukunft der freitäglichen Demonstranten, gerecht zu werden.

Blut in den Adern gefriert

Carl konnte sich bei dieser Vorstellung wiederum ein Grinsen nicht verkneifen. Heiner Grün war einfach ein genialer, aber vor allem ein demokratischer Visionär, und vermutlich gefror den Herrschenden bei den Ausführungen von Frau Professor Göbel genauso das Blut in den Adern, wie bei der konkreten Vorstellung von autonomen, lokalen oder regionalen Energieversorgungseinheiten in Bürgerhand … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

Grundrechtedemonstrationen: https://querdenken-711.de/

Buchvorschlag: „Unsere Welt neu denken“ https://www.maja-goepel.de/ https://de.wikipedia.org/wiki/Maja_G%C3%B6pel

Pioniere erneuerbarer Energie:

Windenergie in Stuttgart: http://gruenerheiner.de/

Interview in Englisch: https://www.dieter-schaefer.eu/podcast
oder über S1 E9: Auctions and life after feed-in tariffs von AEE podcast in Apple Podcasts an. https://podcasts.apple.com/de/podcast/aee- podcast/id1514747597?i=1000485826387

Kritik zur Windkraft:
https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/lk-schwaebisch-hall/langenburg_-150- buerger-machen-gegenwind-swr-filmt-fuer-eine-sendung-18421289.html

https://www.swr.de/swr2/wissen/windraeder-laerm/- /id=661224/did=12024984/nid=661224/5pa1mg/index.html

Kontaktaufnahme zur Autorin ist möglich unter der E-Mail-Adresse:

b.haebich@web.de

   Sende Artikel als PDF   

Alassa Mfouapon gegen Alice Weidel (AfD): Klage auf Unterlassung der Behauptung er sei ein „Rädelsführer“ – Gerichtsverhandlung in Hamburg

Am 31. Juli 2020 wird ab 11.30 Uhr in mündlicher Verhandlung erneut die Klage von Alassa Mfouapon gegen Alice Weidel (AfD) in Hamburg vor Gericht verhandelt. Es gibt die Möglichkeit, den Prozess persönlich im Gerichtssaal zu verfolgen. Ort: Landgericht Hamburg, Sievekingplatz 1, Sitzungssaal B335.

Vom Freundeskreis Flüchtingssolidarität

Proteste gegen Polizeieinsatz in der LEA Ellwangen

Gegenstand ist seine Forderung auf Unterlassung ihrer Behauptung, er sei 2018 „Rädelsführer“ bei den Protesten im Zuge des Polizeieinsatzes in der Landeserstaufnahmestelle Ellwangen/Baden-Württemberg gewesen. „Rädelsführer“ – damit ist gemeint: Aufwiegler, Unruhestifter, ein eindeutig negativ besetzter Begriff, mit dem bewusster Rufmord zum Schaden von Alassa Mfouapon betrieben wurde. Tatsächlich hat er sich im Gegenteil große Sympathien und Anerkennung erworben durch seinen mutigen Einsatz für die Menschenrechte von Flüchtlingen, aber auch als Berater und Unterstützer, der Verzagten Mut zuspricht und Verzweifelte tröstet. 

Rufmord-Kampagne

Beim letzten Verhandlungstag im Januar 2020 wurde Alassa Mfouapon aufgefordert, dem Gericht bis zum nächsten Verhandlungstermin nachzuweisen, dass er sich nicht als „Rädelsführer“ betätigt habe. Dazu Adelheid Gruber, Sprecherin des „Freundeskreis Flüchtlingssolidarität“ (vormals „Freundeskreis Alassa“): „Diesen Nachweis hat Alassa vollständig erbracht! Demnach sollte seiner Klage nun endlich stattgegeben werden. Ein Sieg gegen die AfD-Spitzenfunktionärin Alice Weidel wäre ein wichtiges Signal gegen die Rufmord-Kampagne gegenüber Alassa Mfouapon als prominentem Vertreter der Flüchtlingsselbstorganisation und gegen rassistische Hetze als Stimmungsmache für weiteren Abbau der Rechte von Asylbewerbern. Wir wünschen Alassa Mfouapon viel Erfolg und hoffen, dass hier ein Zeichen gesetzt werden wird gegen die rassistische Hetze der AfD.“

Mündliche Verhandlung als Videokonferenz

Aufgrund der Coronaschutzverordnung findet die mündliche Verhandlung in Hamburg als Videokonferenz statt. Alassa Mfouapon und sein Anwalt werden daher nicht nach Hamburg reisen, sondern per Video an der Verhandlung teilnehmen. Es gibt aber die Möglichkeit, den Prozess persönlich im Gerichtssaal zu verfolgen (Landgericht Hamburg, Sitzungssaal B335, Landgericht Hamburg, Sievekingplatz 1).

Weitere Informationen und Spendenkonto:

Freundeskreis Flüchtlngssolidarität – change.org/alassa und change.org/evakuierung

Spenden über: „Solidarität International e.V.“, IBAN: DE86 5019 0000 6100 8005 84, Stichwort: „Alassa“ oder „Moria“

   Sende Artikel als PDF   

„Ungültiger Bußgeldkatalog“ – Stadtverwaltung Crailsheim prüft 3500 Blitzer-Bescheide

Nachdem der neue Bußgeldkatalog aufgrund eines Formfehlers des Bundesverkehrsministeriums ungültig wurde, muss die Stadt Crailsheim alle eingeleiteten Verfahren neu bewerten und gegebenenfalls korrigieren.

Von der Stadtverwaltung Crailsheim

Nach altem Strafenkatalog bewerten

Der seit dem 27. April 2020 gültige Bußgeldkatalog in seiner bisherigen Form ist ungültig – diese Nachricht sorgte in den vergangenen Wochen für große Aufregung. Was vor allem ertappte Autofahrer freut, bedeutet für die Behörden ein großes Maß an Mehrarbeit. Allein die Stadtverwaltung Crailsheim muss 3500 bereits zugestellte Bußgeldbescheide aus dem Zeitraum vom 28. April bis 13. Juli 2020 neu überprüfen und nach dem alten Strafenkatalog bewerten.

Überzahltes Bußgeld wird zurücküberwiesen

Verkehrsteilnehmer, die bereits ihr Bußgeld bezahlt haben, bekommen die Differenz in den kommenden Wochen zurücküberwiesen. Wer noch nicht bezahlt hat, erhält von der Stadt einen neuen Bescheid. „Wir müssen nun jeden der 3500 Vorgänge aufrufen und neue Verwarnungen versenden. Hiermit wird eine Mitarbeiterin von mir rund einen Monat beschäftigt sein“, kritisiert Raimund Horbas vom Ressort Sicherheit & Bürgerservice die unnötige Mehrbelastung, die durch Unachtsamkeiten im Bundesverkehrsministerium ausgelöst wurde.

Kein Nachlass mehr ab 14. Juli 2020

Wer ab dem 14. Juli 2020 geblitzt wurde, kann auf keinen Nachlass mehr hoffen. Ab diesem Datum hat die Stadt Crailsheim die Vergehen bereits wieder nach dem alten Bußgeldkatalog bestraft.

Weitere Informationen und Kontakt:

https://www.crailsheim.de/

Weitere Informationen im Internet über den Bußgeldkatalog:

https://www.tagesschau.de/interview-adac-strassenverkehrsordnung-101.html

https://www.tagesschau.de/inland/scheuer-bussgeld-101.html

   Sende Artikel als PDF   

„Narben der Erinnerung“ – Dokumentarfilm über das Kriegsende 1945 in Kirchberg/Jagst jetzt kostenlos im Internet zu sehen

Der Dokumentarfilm „Narben der Erinnerung“ – über das Kriegsende in Kirchberg/Jagst ist seit kurzem kostenlos im Internet zu sehen. Sechs Menschen wurden am 14. April 1945 von Angehörigen deutscher Truppen in Kirchberg/Jagst erschossen.

Von Hohenlohe-ungefiltert

Sechs unschuldige Menschen erschossen

Über das Kriegsende 1945 in Kirchberg/Jagst hat der Kirchberger Journalist Ralf Garmatter zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen geführt. Einige dieser Interviews wurden in dem Dokumentarfilm „Narben der Erinnerung“ verwendet. Der 40 Minuten lange Film ist seit einigen Wochen auf der Youtube-Internetseite veröffentlicht. Er kann dort kostenlos angeschaut werden. Entstanden ist der Film in den Jahren zwischen 1999 und 2004. Bisher wurde die Dokumentation „Narben der Erinnerung“ nur im Kino und in Schulen der Region Hohenlohe gezeigt. Erstmals wird der Film jetzt einer breiten Öffentlichkeit im Internet vorgestellt. Augenzeugen berichten auch über die Erschießungen von sechs unschuldigen Menschen am 14. April 1945.

Link zum Film „Narben der Erinnerung“ von Ralf Garmatter:

www.youtube.com/watch?v=m0x94139h1s&t=544s

Zum Inhalt des Films:

Der Zweite Weltkrieg war am 14. April 1945, militärisch gesehen, schon verloren. Die Menschen sehnten den Frieden herbei. Angehörige deutscher Militärtruppen richteten aber am 14. April 1945 im heutigen Stadtgebiet von Kirchberg/Jagst sechs Menschen hin. Sechs Menschen, die sich beim ersten Einmarsch der Amerikaner, wenige Tage zuvor, über das bevorstehende Kriegsende gefreut hatten. Den Frieden erlebten sie nicht mehr. Wegen der schweren Kämpfe um Crailsheim mussten die Amerikaner noch einmal aus Kirchberg abziehen. Zusammengewürfelte Einheiten, bestehend aus SS, Feldgendarmerie und Wehrmachtssoldaten rückten in Kirchberg ein. Ohne vorheriges Gerichtsverfahren erschossen sie am 14. April 1945 den französischen Kriegsgefangenen Ernest Bonne, die Zwangsarbeiter Michael Kubicky (Polen), Josef Hepak, Wasyl Petryczka (beide Ukraine) sowie die einheimischen Bewohner Angela Galczinski (Kirchberg) und Johann Heigl (Eichenau).

Mahnmal auf dem Frankenplatz

Auf dem heutigen Frankenplatz erinnert seit dem Jahr 2003 ein Mahnmal an die sechs Erschießungsopfer. Die Täter der Erschießungen wurden bisher, trotz kriminalpolizeilicher Ermittlungen 1946/1947 sowie Ende der 1990er Jahre nicht mehr ermittelt. Die Angehörigen der Opfer haben vom deutschen Staat bisher keine Entschädigung erhalten. Die Gräber der Erschießungsopfer Wasyl Petryczka, Josef Hepak und Michael Kubicky befinden sich auf dem Ehrenfriedhof in Crailsheim. Der Leichnam von Ernest Bonne wurde kurz nach dem Krieg nach Frankreich übergeführt. Das Grab von Angela Galczinski besteht noch auf dem alten Friedhof in Kirchberg. Johann Heigls Grab auf dem Friedhof in Lendsiedel wurde bereits vor Jahren abgeräumt.

Link zum Film „Narben der Erinnerung“ von Ralf Garmatter:

www.youtube.com/watch?v=m0x94139h1s&t=544s

   Sende Artikel als PDF   

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden fünfzehnter Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden fünfzehnter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XV Solidarität

… Carl Eugen Friedner verscheuchte seine dunklen Gedanken an Paulas Leid mit einem tiefen Seufzer – er würde morgen mit seinem Freund Paul darüber reden. Er musste sich nämlich jetzt schleunigst um die Mandanten kümmern, die wegen der anhaltenden >Karinakrise< in existenzielle Schwierigkeiten geraten waren. Unter diesen Mandanten waren ebenfalls freiberufliche Künstler, kleine Gastronomen und verschiedene Freiberufler, die seit März, vermutlich genauso wie Paula Engel, erheblich weniger Aufträge bekamen und damit auch wesentlich weniger Einkommen verbuchen konnten, als vor dem Lahmlegen der Wirtschaft und des kompletten öffentlichen Lebens. Carl wusste nicht, wie er diesen fleißigen Menschen einfühlsam erklären sollte, dass er keinerlei Chance sah, wie sie ihre Solobetriebe unter den derzeitigen Umständen aufrechterhalten könnten.

Sicherer Hungertod

Im April und Mai gab es noch einen limitierten Zuschuss für drei Monate, dieser war auch relativ einfach zu beantragen. Aber wenn diese Soforthilfe des Landes Baden-Württemberg aufgevespert sein würde, konnte kein weiterer Zuschuss mehr beantragt werden. Wie er aus zuverlässigen Quellen aus dem Wirtschaftsministerium in Stuttgart erfahren hatte, würde sich das Land Baden-Württemberg lediglich an das Darlehensprogramm des Bundes* anhängen und kein weiteres eigenes Zuschussprogramm mehr auflegen. Und die mittlerweile ziemlich komplizierten Antragsverfahren zu diesen Krediten sollten auch nur noch von Steuerberatern beantragt werden können und dann durch die L-Bank abgewickelt werden. Man machte betroffene Betriebe und Unternehmer dadurch zu Bittstellern in einer ungewollten Kreditangelegenheit, und ließ sie mit den Belastungen – welche sie unverschuldet zu verantworten haben würden – einfach im Regen stehen. Sie würden leidlich vom so genannten Arbeitslosengeld II leben müssen. Ihre Arbeit würde keine Früchte mehr tragen, sondern ihre oft über Jahre hinweg mühevoll aufgebauten kleinen Betriebe würden den sicheren Hungertod erleiden.

Absurder Kreislauf

Alleine schon bei der Überlegung, wie man aufgenommene Schulden von wenig oder keinem Umsatz zurückbezahlen sollte, musste Carl Eugen angesichts der Ausweglosigkeit seine Augen schließen. Es war ein absurder Kreislauf, in den man viele Betriebe und Freiberufler durch den staatlich angeordneten Stillstand, und dann in Folge durch das entstandene Vorgabenchaos und die neue und immer wieder modifizierte Hygieneverordnung, gebracht hatte. Dass kaum nennenswerte oder keine Umsätze nicht nur kein Einkommen bedeuten würden, sondern auch keine Steuern mehr bezahlt werden könnten, wagte er nicht zu Ende zu denken. Letztlich würde dieses staatlicherseits verordnete Drucken von Geld* nämlich gar nicht helfen, sondern nur die Schuldenberge zu Lasten der ehrlichen Steuerzahler erhöhen und die Reichen immer reicher werden lassen. Carl erinnerte sich an die letzten Erhebungen; danach befinden sich derzeit sechshundert Milliarden Euro Vermögen von deutschen Staatsbürgern in so genannten Steueroasen*. Vermögende, die sich in dieser Art unsolidarisch verhalten, tragen das Geld, welches sie mit der hiesigen Infrastruktur erwirtschafteten, ohne mit der Wimper zu zucken, weiterhin auf Kosten derer, die man zum Tragen der Lasten verpflichtet, zum Land hinaus. Wo, so fragte sich Carl Eugen Friedner, war nun die Solidarität, an die man in der >Karinakrise< so heftig appelliert hatte?

Skandinavien

Da fiel ihm ein, dass er Paul morgen zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatte, und so machte er sich zügig auf, um im Skandinavium – dem urgemütlich eingerichteten kleinen Café mitten in seinem Heimatstädtle – ein paar feine Stücke Kuchen zu kaufen. Carl Eugen Friedner setzte sich früher noch manchmal zum Zeitung lesen in das skandinavische Café, aber seit es sich herumgesprochen hatte, dass es da wunderbar frischgebackene Kuchen gab, war das Café stets sehr gut besucht. Nur noch selten fand er da einen ruhigen Platz für sich, und so holte er die edlen Feingebäcke stücklesweise ab und machte es sich daheim gemütlich. Bei einer Mischung aus Käse- und Obstkuchen wäre sicherlich etwas Passendes für Paul dabei. Zur Sicherheit ließ Carl sich aber noch eine Tüte von den hausgemachten Keksen zusammenstellen. In dieser Art war er nun auf den morgigen Besuch von Paul für erste gut ausgestattet. Zu Hause angekommen, verstaute er die Kuchenstücke im Kühlschrank und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch, um sich mit den Unterlagen seiner Mandanten zu beschäftigen. Zudem wollte er ein von Heiner empfohlenes Buch zum „Neuen denken“ lesen.

Versagt

Paula Engel und das anstehende Wiedersehen mit ihr beherrschte jedoch nach wie vor seine Gedanken – und er fragte sich abermals, warum er sie damals so feige verraten hatte. Was hatte ihn in der immens wichtigen Gerichtsverhandlung gegen den selbsternannten Bauhistoriker geritten, um als ihr Rechtsbeistand derart zu versagen? Ihr genau dort in den Rücken zu fallen, wo er sich für Paula und den Erhalt ihres Vermögens hätte einsetzen müssen! Carl konnte sich selber keine schlüssige Antwort auf diese Frage geben; diese Ratlosigkeit quälte ihn. Überdies würde Paula jetzt beim erneuten Zusammentreffen dieses Thema sicherlich nicht aussparen. Ansonsten hatte Carl ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und wollte ihr auch in diesem Punkt endlich offen gegenübertreten. Daher versuchte er sich jetzt intensiv in Paula hineinzuversetzen und ließ die damalige Situation nochmals aus ihrer Sicht Revue passieren, um dem Grund seines Verhaltens näherzukommen – er hatte mit seinen eingesetzten Worten nicht nur die Gerichtsverhandlung in Heilbronn gezielt zum Scheitern gebracht und ihr Erbe verspielt, sondern er hatte Paula Engel damit schlussendlich in eine völlig aussichtslose Situation hineinmanövriert.

Zeitenwende in der Energiepolitik

Vielleicht würde ihm morgen sein Freund Paul bei dieser wichtigen Erkenntnisfindung weiterhelfen. In der kommenden Woche wollten sich Paul Malibo und er in der Dreierrunde von Heiner Grün die Linachtalsperre* zeigen lassen. Carl freute sich auf diesen Ausflug in den Hochschwarzwald. Auf vielen ihrer Spaziergänge in und um Hoheitshausen hatten sie damals bereits die energiepolitischen Ziele Heiners ausgiebig diskutiert. Regenerative, umweltschonende Stromerzeugung und deren Verteilung war ja nicht nur der grüne Schlüssel einer zukunftsorientierten Wirtschaft, sondern der Strom sollte ja gerade auch lokal hergestellt und demokratisch verwaltetet und verteilt werden. Da war die Linachtalsperre, sowohl in ihrer Entstehung, als auch in der Reaktivierung, geradezu ein Paradebeispiel. Und jetzt, da Heiner den Zeitpunkt zur Umsetzung der Europäischen Energierichtlinie als gekommen ansah, wollten er und Paul sich die Zusammenhänge vor Ort erklären lassen, um die neue Wertvorstellung der Zeitenwende in der Energiepolitik* nicht zu versäumen … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Geldflüsse:
https://wm.baden-wuerttemberg.de/de/service/foerderprogramme-und-aufrufe/liste- foerderprogramme/ueberbrueckungshilfe-corona/

https://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung

http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/21.vermoegensuhr.html

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/angeblich-600-mrd-dm-auf-der- flucht/45172.html

http://kuenstlersoforthilfe-stuttgart.de/

*Linachtalsperre:
https://de.wikipedia.org/wiki/Linachtalsperre

http://www.voehrenbach.de/linachtalsperre/gedealinachkg/index.html

*Energieversorgung und *Zeitenwende:
https://cdn.website- editor.net/f2e4bd5c50274b788f195797ce845591/files/uploaded/QzO-2b- Gew%25C3%25A4hrleistung%2520der%2520Stabilit%25C3%25A4t-ACER- Beitrag.pdf

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/maja-goepels- neues-buch-unsere-welt-neu-denken-16724788.html

Kontaktaufnahme zur Autorin ist möglich unter folgender E-Mail-Adresse:

b.haebich@web.de

   Sende Artikel als PDF   

„Opfer des Nationalsozialismus: Zwangsarbeiter in Bretzfeld ermordet“ – Filmbeitrag im SWR-Fernsehen

In der Fernsehsendung „Landesschau mobil“ des Südwestrundfunks (SWR) kommt auch Czeslaw Trzcinski vor, ein polnischer Kriegsgefangener der am 11. November 1942 von der Geheimen Staatspolizei im heutigen Bretzfelder Ortsteil Rappach gehenkt wurde. Dabei wird auch das vorgeschlagene Gedenken an das Mordopfer Czeslaw Trzcinski erwähnt.

Von Udo Grausam, Tübingen

Link zur SWR-Sendung vom 26. Juni 2020:

https://www.swrfernsehen.de/landesschau-bw/mobil/opfer-des-nationalsozialismus-zwangsarbeiter-in-bretzfeld-100.html

Kein dauerhaftes Gedenken geplant

Bretzfelds Bürgermeister Martin Piott Brief fasst die Entscheidung zum Trzcinski-Gedenken durch den Gemeinderat von Bretzfeld zusammen und lässt erkennen, was man in Zukunft dazu vor hat. Offenbar soll nach der öffentlichen Erwähnung des Namens Trzcinski in Ansprachen zum Volkstrauertag 2015 kein weiteres und besonders kein materiell dauerhaftes Gedenken mehr eingerichtet werden.

80. Jahrestag 2022

Im Jahr 2022 jährt sich am 11. November, dem polnischen Nationalfeiertag, die Ermordung des Czeslaw Trzcinski zum 80. Mal. Dann jährt sich auch unser öffentliches Eintreten für ein Gedenkzeichen zum 20. Mal, denn wir waren am 11. November 2002 zum ersten Mal damit öffentlich aktiv. Selbstverständlich werde ich bis 2022 weiter für ein Gedenken werben, denn so kennen Sie mich und so kennt ihr mich. Dazu wird es bis dahin hoffentlich mindestens eine Veröffentlichung geben; nämlich im Herbst 2021 eine Broschüre von „Erinnerungsorten“ in Hohenlohe, wo während des Nationalsozialismus Unrecht geschehen ist. Herausgeber ist das Kreisarchiv des Hohenlohekreises. Dazu sind auch Vorträge und andere Veranstaltungen in Vereinen, Arbeitskreisen oder in anderem Zusammenhang möglich.

Namensliste von Opfern

Außerdem habe ich mich entschlossen, bis 2022 eine Namensliste mit allen Opfern des Nationalsozialismus aus dem Mittleren Brettachtal zu erstellen; also vom Gebiet der heutigen Gemeinde Bretzfeld. Dies soll dem Vorhalt begegnen, dass ein materielles Gedenken an den Trzcinski ungerecht sei gegenüber allen anderen NS-Opfern aus dem Brettachtal, weil an sie bisher nicht erinnert wird – was immerhin ein Gerechtigkeits-Argument darstellt, das zu respektieren ist. Fünf Namen außer Trzcinski habe ich schon recherchiert, zum Beispiel Sofie Schneck aus Dimbach und Klara Winter aus Schwabbach. Für alle Hinweise auf weitere persönliche Schicksale bin ich herzlich dankbar.

Die Kontaktdaten von Udo Grausam:

Udo Grausam, M. A., Mathildenstraße 19, 72072 Tübingen

Telefon: 07071 9798117

E-Mail: ugrama1972072tue@unity-mail.de

Kontakt zu Bürgermeister Martin Piott aus Bretzfeld aufgenommen

Bretzfelds Bürgermeister Martin Piott hat auf einen Brief von Freunden von Udo Grausam geantwortet, den sie nach der Ausstrahlung des SWR-Fernsehbeitrags „Opfer des Nationalsozialismus: Zwangsarbeiter in Bretzfeld“ vom 26. und 27. Juni 2020, an Bürgermeister Piott geschickt hatten. In der Sendung kommt auch Czeslaw Trzcinski vor, ein polnischer Kriegsgefangener der am 11. November 1942 von der Geheimen Staatspolizei in Rappach gehenkt wurde, und es wird das vorgeschlagene Gedenken an ihn erwähnt.

E-Mail von Bürgermeister Martin Piott aus Bretzfeld:

Sehr geehrte(r) Dr. Avshalom und Hollister Mathis-Masury,

Ihr Schreiben mit Datum vom 3. Juli 2020 haben wir heute erhalten.

Hierzu möchte ich Ihnen mitteilen, dass es in der Gemeinde Bretzfeld und auch im Gemeinderat ein gutes und ehrendes Bewusstsein für die Opfer von Krieg und Gewaltverbrechen gibt. Man hat sich in der Vergangenheit aber bewusst dafür entschieden, den Schicksalen aller zu gedenken und das ehrende Erinnern und auch die Mahnung für die kommenden Generationen dadurch insgesamt aufrecht zu erhalten. Umgekehrt hat man nach Beratung im Gemeinderat davon Abstand genommen einen einzelnen Fall, auch wenn dieser tragisch und belegbar ist, durch eine Visualisierung hervorzuheben.

Das Gedenken und die Erinnerung an den verstorbenen polnischen Zwangsarbeiter Trzcinski und das ihm erlittene grausame Unrecht war zum Beispiel explizit Gegenstand der Ansprachen zum Volkstrauertag im Jahr 2015 in unseren Ortsteilen. So war auch dieses Schicksal in der Gemeinde bekannt und bewusst. Weitere diesbezügliche Maßnahmen sind derzeit von uns nicht angedacht. Ich darf Ihnen aber versichern, dass wir gerne bereit sind die Mahnung wozu ideologische Motivation führen kann aktiv in die kommenden Generationen zu tragen.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Rathaus Bretzfeld

Martin Piott

Bürgermeister Gemeinde Bretzfeld, Adolzfurter Straße 12, 74626 Bretzfeld

Telefon 07946/77112

Fax 07946/77114

E-Mail: martin.piott@bretzfeld.de

Link zur SWR-Sendung vom 26. Juni 2020:

https://www.swrfernsehen.de/landesschau-bw/mobil/opfer-des-nationalsozialismus-zwangsarbeiter-in-bretzfeld-100.html

   Sende Artikel als PDF