„Du sollst dich nie vor einem lebenden Menschen bücken“ – Rede des DGB-Kreisvorsitzenden Jochen Dürr am 1. Mai 2022 in Schwäbisch Hall

Der DGB-Kreisvorsitzende Jochen Dürr hat am 1. Mai 2022 in Schwäbisch Hall eine Rede gehalten. Hohenlohe-ungefiltert veröffentlicht die Rede des Schwäbisch Haller DGB-Kreisvorsitzenden in voller Länge.

Von Jochen Dürr, DGB-Kreisvorsitzender Schwäbisch Hall

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
was sind das für spooky Zeiten, in denen wir heute zu unserem Tag der Arbeit am 1. Mai 2022 auf der Straße zusammen kommen. Seid herzlich willkommen! Ich begrüße Euch alle als Kolleginnen und Kollegen aus den Einzelgewerkschaften unseres Deutschen Gewerkschaftsbundes – der IG Metall, Ver.di, GEW, NGG, IG BAU, IG BCE, EVG, IG BCE, GdP! Ich begrüße ganz besonders unsere Hauptrednerin, unsere Kollegin Irene Gölz aus Stuttgart – Irene ist Landesfachbereichsleiterin Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft – ich freue mich ganz
persönlich, dass Du heute da bist , weil wir seit Jahren sehr intensiv im Landesfachbereichsvorstand zusammenarbeiten und schon viele gemeinsamen Aktionen auf der Straße gerockt haben – schön, das Du da
bist.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
viele von Euch sind mit einer Selbstverständlichkeit Mitglied in einer DGB Gewerkschaft und aktiv im Betrieb und in Gremien Eurer Gewerkschaft. Das ist super. Aber wir müssen noch mehr werden! Viele von Euch sind gewählte Vertrauensmänner und Frauen Eurer Gewerkschaft im Betrieb / Vorsitzende der Vertrauensleutekörper – ihr
seid das Gesicht in den Betrieben! Viele von Euch sind in einen Personalrat einer Verwaltung / Behörde / Krankenkasse oder Mitarbeiterinnenvertretung in einer diakonischen Einrichtung gewählt worden Viele von Euch wurden in den letzten Wochen als Betriebsrätinnen wiedergewählt oder ihr wurdet als neue Mitglieder in einen Betriebsrat Eures Arbeitgebers gewählt. Dazu gratuliere ich Euch ganz herzlich – eure Gewerkschaften im DGB brauchen starke und mutige Persönlichkeiten, die mit uns aktiv zusammenarbeiten und uns noch stärker machen.

Betriebsräte von ebm papst und Würth

Besonders begrüße ich zwei Kollegen unter – der Kollege Michael Stieglitz, frisch gewählter Betriebsratsvorsitzender bei ebm Papst, Mulfingen und der Kollege Jürgen Daffner, Betriebsrat beim Würth in Künzelsau. Beide werden nach der Rede von Irene in zwei kurzen Beiträgen ihre betriebliche Situation uns berichten. Seid Ihr und Eure Kolleginnen aus Euren Betrieben heute ganz besonders willkommen Liebe Kolleginnen, seid uns ganz herzlich willkommen … Ich begrüße in unserer Mitte als Vertreterinnen zahlreicher Verbände und befreundeter Organisationen stellvertretend …. für den VdK Herrn Walter Frank / für die AOK Heilbronn – Franken, Herr Thomas Kruck. Ich begrüße aus dem Bereich der Politik zahlreiche Vertreterinnen der SPD / Bündnis – Die Grünen und der Linken, stellvertretend hierfür für die SPD Kevin Leiser, für Bündnis 90/Die Grünen Jutta Niemann, für die Linke Ellena Schumacher-Koelsch.

Für die Forderungen einsetzen

Viele von Euch / Ihnen sind als Zuhörerinnen und Teilnehmerinnen auf unserer DGB Demo und Kundgebung – Ihr und Sie werden heute mit klaren Botschaften in Eure / Ihre Parteien zurückkehren und wir erwarten als Deutscher Gewerkschaftsbund, dass Ihr / Sie sich aktiv für unsere Forderungen und Haltungen in ihren Mandaten einsetzen.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
als neugewählter Kreisvorsitzender des DGB in Schwäbisch Hall ist es mir zu Beginn unserer Abschlusskundgebung hier auf dem Unterwöhrd in Schwäbisch Hall wichtig, vor der Hauptrede von Irene Gölz ein paar Botschaften an Euch loszuwerden.

  1. Der Krieg gegen die Ukraine ist ein Angriffskrieg des Autokraten Wladimir Putin und wird von uns als DGB eindeutig verurteilt. Es muss ein sofortiger Waffenstillstand von Russland hergestellt werden – die Waffen müssen schweigen, sonst kann hier kein dauerhafter Frieden hergestellt werden. Ein Aufrüstungsprogramm von 100 Milliarden Euro und die Festschreibung von zwei Prozent Rüstungsausgaben ins Grundgesetz durch Deutschland ist nicht nur als DGB kritisch zu sehen, sondern ich sage ganz persönlich: es ist abzulehnen. Waffenlieferungen und Aufrüstung sorgen in der ganzen Welt für Krieg, Leid und Zerstörung und führen dazu, dass viele Menschen zu uns nach Europa als Flüchtlinge kommen. Es darf hier keine Unterscheidung geben, wenn Menschen vor Kriegen, Elend zu uns kommen – sie verdienen alle eine dezentrale Unterkunft, eine schnelle Klärung ihres Aufenthaltsstatus und ihrer Arbeitsgenehmigung. Wir liefern aus Deutschland Waffen und wundern uns, dass Menschen aus ihren Ländern ohne ihre Familienangehörige zu uns kommen. Deswegen arbeitet der DGB Kreisverband im neu gegründeten Schwäbisch Haller Friedensnetzwerk mit.
  2. Die Corona-Pandemie hat nicht nur seit über zwei Jahren uns als Gewerkschaften schwer belastet, sondern vor allem uns als Beschäftigte noch einmal einen erhöhten Arbeitsdruck verschafft. Es ärgert mich sehr, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen, dass für VerkäuferInnen, Erzieherinnen, Pfleger*innen und andere besonders hart getroffenen Berufsgruppen in Schaufenster-Reden Beifall gezollt wurden. Davon kann sich aber niemand erhöhte Mieten, Energie- und Lebensmittelpreise leisten, sondern wir brauchen andere Arbeitsbedingungen und eine Aufwertung dieser Arbeit, die auch den Namen dazu verdient. Dazu wird Irene nachher ausführlich reden.
  3. Wir Gewerkschafterinnen fordern für die Beschäftigten im Einzelhandel, der Pflege und Betreuung, der öffentlichen Daseinsvorsorge in den Ämtern der Landkreise eine Aufwertung Ihrer Arbeit durch eine bessere tarifliche Aufwertung. In vielen Betrieben im Organisationsbereich der IG Metall flüchten Arbeitgeber aus der Tarifbindung – das muss aufhören. Viele Beschäftigte im Bereich der NGG wie die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft in Schwäbisch Hall wenden keinen Tarifvertrag an und haben keinen Betriebsrat in ihren Einrichtungen. Hier sind oft Beschäftigte aus Osteuropa unter schlechtesten Tarifbedingungen beschäftigt. Wer vorgibt, hochwertige Lebensmittel zu produzieren, muss auch ordentliche Tarifverträge anwenden. Gemeinsam mit unseren Kolleginnen dernNGG werden wir hier nicht locker lassen – das verspreche ich Euch! Werkverträge und Leiharbeit sind Sklavenarbeit und muss als Beschäftigungsgrundlage verschwinden – das war und bleibt die klare Haltung des DGB Kreisverbands Schwäbisch Hall, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
  4. Hier wende ich mich an Euch / Sie anwesenden Stadträtinnen / Kreisrätinnen besonders: Für die Kommunen und Landkreise heißt das: Wenn öffentliche Aufträge in ihren Gremien vergeben werden, dann genügen uns als DGB Kreisverband Schwäbisch Hall nicht die Bedingungen des Landestariftreuegesetzes in Baden-Württemberg. Hier sind zum Beispiel soziale Anbieterinnen ausgenommen. Zwei Grundbedingungen sind hier zu erfüllen: es muss ein Tarifvertrag einer DGB-Gewerkschaft angewandt werden und die Anbieterinnen müssen einen Betriebsrat haben. Nehmen sie / nehmt das als klare Botschaft in die Gremien mit! Ladet uns / laden sie uns ein – wir kommen gerne!
  5. Ich möchte zum Schluss kommen. Um unsere Solidargemeinschaft der Gewerkschaften zu stärken, brauchen wir noch mehr Mitglieder in unseren Einzelgewerkschaften des DGB – werbt in Euren Bekannten- und Familienkreisen für eine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Mischt Euch in Euren Betrieben, Einrichtungen und Verwaltungen ein – wir brauchen Euch alle! Es sind die Gewerkschaften, die immer wieder und gerade heute eine solidarische Gesellschaft einfordern, und dies selbstbewusst und im Wissen unserer Geschichte mit der Forderung NIE WIEDER KRIEG / NIE WIEDER RASSISMUS verbinden. Will Bleicher, der ehemalige Buchenwaldhäftling und langjährige Bezirksleiter in Baden Württemberg drückte dies mit wenigen Worten aus:
    Du sollst dich nie vor einem lebenden Menschen bücken! Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!

Link zur Rede von Irene Gölz am 1. Mai 2022 in Schwäbisch Hall:

„Wir streiten weiter für Frieden, gute Löhne, gute Arbeit und soziale Sicherheit“

https://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=29398

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