„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden dreizehnter Teil

„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden dreizehnter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XIII Steg

…draußen sangen die Vögel, es wurde Frühling, Carl war gestern wieder viel zu spät ins Bett gekommen, und so hatte er vorhin den piepsenden Wecker komplett ausgeschaltet, anstatt sich die mit dem daneben liegenden Knopf mögliche Verlängerung von fünf Minuten zu genehmigen.  Er war spät dran und musste sich nun beeilen. Heute hatte Carl Eugen Friedner einen Gerichtstermin in eigener Sache. Sein Magen meldete sich und er zwang sich zur Ruhe, noch drei Tage, dann würde er endlich seinen Ausflug ins Remstal machen können. Und wieder waren seine Gedanken bei ihr, Carl vermisste Paula. Sie erzählte ihm damals in seinem Büro auch von ihrer Großtante und deren Geschichte.

Malerbetrieb übernehmen

Hilda Wagner wuchs zusammen mit ihrem Bruder Roman zwischen den beiden großen Weltkriegen auf. Ihr Vater war nicht nur ein solider Handwerksmeister, sondern auch ein vorausblickender Geschäftsmann, der das Haus in der Innenstadt während der Inflation abbezahlen konnte. Damit meinte er die Voraussetzung geschaffen zu haben, dass sein Sohn Roman den gut gehenden Malerbetrieb übernehmen könnte.

Entzückend

Roman war ein äußerst geschickter junger Mann mit vielen Begabungen. Er erlernte den Beruf des Vaters gerne, zeichnete und malte überdies häufig zusammen mit seiner Schwester Hilda, auch auf Papier und Leinwänden. Wenn Kunden einen besonderen Wunsch hatten, entwarf er ihnen die schönsten Verzierungen für die Fassade ihrer Häuser oder entzückend dekorative Schmuckbänder für die Innenräume. Sein farbliches Erinnerungsvermögen war so stark, dass er bei Reparaturen niemals ein Muster anfertigen musste. Er mischte den Ton und traf die Nuance auf das Genaueste.

Geliebter Bruder

Hilda und Roman verband eine innige Zuneigung und Hilda stellte sich vor, dass der Mann, den sie einmal erhören würde, mindestens einen so edlen Charakter haben musste wie ihr geliebter Bruder. Die Beiden verbrachten viel Zeit miteinander und fanden auch an anderen kreativen Tätigkeiten gemeinsam Spaß. Sie erfanden kurze Geschichten, reimten kleine Gedichte und in der großen Küche kochten sie neu erfundene aber fein schmeckende Gerichte und buken herrlich duftende Kuchen. Wäre der grausame Krieg nicht gewesen, wäre aus ihm sicherlich ein angesehener Bürger und gefragter Malermeister geworden.

Vermisster Sohn

Aber das Schicksal wollte es damals anders, Roman musste in den Krieg nach Russland ziehen. Sein Vater stand noch jahrelang nach dem Krieg täglich am Fenster, blickte hinaus und wartete, ob sein vermisster Sohn nicht vielleicht heute mit dem Zug angekommen wäre und demnächst über den Steg auf das Haus zukommen würde. Aber er wartete vergebens, Roman kam, wie viele andere junge Männer, in die eine hoffnungsvolle Zukunft gesetzte worden war, nie mehr zurück. Türen und Fensterläden des Zimmers, welches Roman vor dem Krieg bewohnt hatte, blieben von nun an verschlossen. Niemand wagte es je, darin eine andere Ordnung herzustellen, das Bett zu berühren, die Möbel auszutauschen oder gar seine Kleider aus dem Schrank zu nehmen.

Gelegenheit verstrich

Hilda trauerte lange um ihren geliebten Bruder, und die Jahre vergingen, ohne dass es je eine Nachricht über seinen Tod oder sein Überleben gab. Irgendwann machte ein gewisser Gottfried Haußler Hilda den Hof, er verehrte sie sehr und spendete ihr in ihrer Trauer um den verlorenen Bruder viel Trost. Hilda fand Gefallen an dem hübschen und rechtschaffenen Mann, aber Gottfried wollte nach Amerika auswandern. Der Krieg hatte ihm alle Familienmitglieder und den gesamten Besitz genommen, die Manufakturweberei war zerstört.  Ein guter Freund von ihm war nach Amerika ausgewandert und schrieb, dass er ihn zur Unterstützung beim Aufbau einer Hosenfabrikation brauchen würde. Die Chance, sich in Übersee eine neue Existenz aufbauen zu können, wollte Gottfried sich nicht entgehen lassen. Hilda jedoch brachte es nicht über sich, ihn sofort zu begleiten und wollte auch mit dem Heiraten noch warten. Gottfried ging nach Amerika und schickte ihr bald die Schiffspassage, damit sie ihm folgen könnte. Doch Hilda ließ die Gelegenheit, ihrem Herzen und dem Mann, den sie liebte, zu folgen, ungenützt verstreichen.

Eine Chance

Carl fragte sich, ob Paula Engel wohl genauso wie ihre Großtante wäre und dieses Haus auch einfach nicht verlassen konnte? Carl erschrak, denn dann hätte auch er niemals eine Chance Paulas Herz ganz für sich zu gewinnen.… Fortsetzung folgt.

Kontaktaufnahme zur Autorin:

E-Mail: b.haebich@web.de

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