„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden elfter Teil

„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden elfter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XI Immobilien

… tröstlich und beruhigend empfand Carl Paulas Nähe, wenn er sich auch nie sicher sein konnte, dass nicht irgendetwas geschah, das die Ruhe urplötzlich in ein chaotisches Geschehen verwandelte. Genauso hatte sie sich damals in seinem Büro niedergelassen, als er
sie bat, Platz zu nehmen. Ein wenig elegisch anmutend, aber doch wohlgefällig saß Paula ihm
gegenüber auf dem kleinen altmodischen roten Sofa, streifte die Schuhe von den Füssen und
legte wie selbstverständlich ihre Beine hoch.

Kühler Luftzug

Carl mochte ihre schlichte charmante Art, und noch nie hatte er eine Frau gesehen, die sich
so natürlich, so anmutig bewegte wie Paula. Im Lauf der Zeit musste Carl Eugen Friedner aber erkennen, dass sowohl sein alter Freund Schneider und dessen Kollege Landolin Dreist, an den er später seine Aufgabe beim Kreditinstitut abgeben sollte, als auch andere aus den alten Verbindungen sich recht seltsam aufführten, sobald Paula Engel ins Spiel kam. Allein bei der Erwähnung ihres Namens verflog die sonst so übliche Sachlichkeit, und man glaubte plötzlich einen kühlen Luftzug zu spüren. Schneider wurde verschlossen und ihm gegenüber ziemlich wortkarg. Und wenn er dann doch den Mund aufmachte, wurden seine Bemerkungen zunehmend bissiger.

Immobiliengeschäfte

Carl dachte am Anfang, dass es wohl am Fortschreiten der Krankheit des Freundes lag. Und
auch sonst fehlte ihm eine plausible Erklärung dafür, warum zum Beispiel Dreist immer einen roten Kopf bekam, sobald im Zusammenhang mit Paula die Rede auf bestimmte Anwesen in der Kernstadt kam. Wenn nach Versammlungen der städtischen Liberalen das Gespräch in trauter Runde auf Immobiliengeschäfte kam, fragten sich viele, wie man die äußerlich heruntergekommenen Anwesen in der Innenstadt wieder aufmöbeln, beziehungsweise wie man günstig in deren Besitz gelangen könne. Für Carl waren das weniger wichtige Gesprächsthemen, er hatte genug materielle Güter und daheim ein Anwesen für dessen Sanierung er schon lange konkrete Pläne hegte.

Rührige Familie

Damals in seinem Büro, trübte jedenfalls noch kein unangenehmer Vorfall seine neue berufliche Existenz. Paula kam nun öfter in sein Büro. Die Sache, in welcher Carl sie vertreten sollte, war mit aufwendigen Recherchen verbunden und er musste sie oft zu ihren
verwandtschaftlichen Verhältnissen befragen. Um, sobald er etwas in Erfahrung gebracht
hatte, mit ihr die weiteren Schritte abzustimmen. Alles was er vorher schon über Paula, ihre Familie und ihre finanziellen Verhältnisse in Erfahrung gebracht hatte, wurde nun durch die Bearbeitung des Falles untermauert. Sie stammte väterlicherseits aus einer weit verzweigten und ziemlich rührigen Familie und kümmerte sich seit geraumer Zeit um ihre betagte Großtante aus dieser Linie.

Vermögensverhältnisse klären

Hilda Wagner hatte sich entschlossen, mit der tatkräftigen Unterstützung ihrer Großnichte, das alte und ehrwürdige Haus mitten in der Stadt nun endlich aus dem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf zu erwecken. Frau Wagner wollte sich bei allem völlig zurückhalten und daher oblag es der Großnichte Paula zuerst die Vermögensverhältnisse zu klären. Denn es galt, herauszufinden, welche finanziellen Mittel genau zur Verfügung standen, bevor man den Umfang der Sanierung dann näher bestimmen konnte.

Umfangreiches Anliegen

Es freute ihn damals sehr, dass sie zu ihm gekommen war, nicht nur weil es eine längerfristige Mandantschaft werden würde, sondern auch weil ihm die kreative Künstlerin ja schon lange aufgefallen war. Carl hätte sich nie vorstellen können, dass sie jemals mit einem so umfangreichen Anliegen zu ihm kommen würde. In seinen kühnsten Träumen hatte er nicht daran gedacht, dass es auf einmal so einfach sein würde, sich in ihrer Nähe aufzuhalten. Er war glücklich über diese Wendung und nahm sich vor, alles für Paula Engel zu tun, für ihre Anliegen würde er nur das Beste erreichen wollen.

Haken an der Sache?

Warum musste Carl gerade jetzt so viel an das längst Vergangene denken?  Das hatte doch alles nichts mit dem guten persönlichen Verhältnis, das sich zu ihr entwickelt hatte zu tun, oder doch? Ihm war, als wäre irgendwo ein Haken an der Sache und nur er allein wusste nicht wo?  Auch darüber müsste er unbedingt mit Anton reden. Vielleicht leuchteten ihm dann die Zusammenhänge ein, die ihm bisher verborgen geblieben waren. Mit Frauen kannte sich Anton eindeutig besser aus als er, der noch nicht ein einziges Mal verheiratet gewesen war.

Städtische Gartenanlage

Ein tiefer Seufzer entwich seiner Brust, wenn es doch schon Freitag wäre. Carl hatte nicht bemerkt, dass es bereits anfing, dunkel zu werden und er immer noch auf der Sitzbank in der
städtischen Gartenanlage saß. Jetzt blickte er sich um, zog fröstelnd die Schultern hoch, seinen Mantel hatte er im Wagen gelassen, es war nachmittags noch sommerlich warm gewesen. Er stand auf und wandte sich den steinernen Staffeln zu, um zu seinem Auto zu gelangen und seinen Heimweg fortzusetzen…. Fortsetzung folgt.

Kontaktaufnahme zur Autorin:

E-Mail: b.haebich@web.de

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