„Warnungen der Gegner bewahrheiten sich – Bahn räumt weitere Kostensteigerung bei Stuttgart 21 ein“ – Leserbrief von Paul Michel aus Schwäbisch Hall

Die Kritiker von Stuttgart 21 hatten schon seit einiger Zeit darauf hingewiesen, die Deutsche Bahn hatte es hartnäckig geleugnet: Stuttgart 21 wird noch teuer als bisher von der Bahn angegeben. Jetzt räumte die Bahn selbst weitere Kostensteigerungen um 1,1 Milliarden Euro ein. Laut Bahn soll das Projekt Stuttgart 21 jetzt 7,6 Milliarden Euro kosten.

Leserbrief von Paul Michel, Schwäbisch Hall

Summe ist immer noch geschönt

Und wieder heißt es, damit sei endgültig das Ende der Fahnenstange erreicht. Dabei ist selbst diese Zahl (7,6 Milliarden Euro) wieder geschönt. Der Bundesrechnungshof hat bereits vor einem Jahr neun bis zehn Milliarden für das Projekt veranschlagt, das Planungsbüro Vieregg-Rössler ging bereits 2016 davon aus, dass S21 wohl mindestens 9,8 Milliarden Euro kosten wird.

Pofalla trickst

Wir dürfen davon ausgehen, dass diese Fakten dem verantwortlichen Bahnvorstand Roland Pofalla bekannt sind. Pofalla weiß genau, dass mit jeder zusätzlichen Milliarde an Kostensteigerungen die Akzeptanz von Stuttgart 21 sinkt. Deshalb tricksen er und seine Vorstandskollegen weiter und bringen (nicht zum ersten Mal) Falschmeldungen in Umlauf.

Unrentabel

Bereits jetzt entspricht Stuttgart 21 nicht einmal mehr den bahninternen Rentabilitätsmaßstäben. Als die Bahn von 6,5 Milliarden für Stuttgart 21 ausging, sagte der damalige Bahnchef Rüdiger Grube: Das Projekt sei damit gerade noch rentabel, Wenn die Kosten weiter ansteigen, werde Stuttgart 21 unrentabel. Das heißt: Mit jetzt „offiziell“ 7,6 Milliaerden ist Stuttgart 21 unrentabel. Wenn die Bahn ihre eigenen Vorgaben ernst nähme, müsste sie Stuttgart 21 auf der Stelle stoppen.

Umstieg 21: Ausstieg ist billiger als Weiterbauen

Nun, da der Bahn die Argumente für Stuttgart 21 ausgehen, versucht sie mit gezielten Desinformationen den Weiterbau von Stuttgart 21 trotz Kostenexplosion und Zeitverzug ein weiteres Mal durchzubringen. Sie wirft plötzlich mit astronomischen Zahlen, die ein Ausstieg aus Stuttgart 21 kosten soll, um sich. Um die aufkommende Ausstiegsdiskussion zu stoppen, lancierte die DB am 30. November 2017, ein Ausstieg verursache aber Kosten von 7 Milliarden Euro. Diese Zahl ist völlig absurd und durch nichts belegt. Im Auftrag des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 hatte im Oktober 2016 das Verkehrplanungsbüro Vieregg-Rössler in München die Kosten eines Weiterbaus mit den Kosten eines Ausstiegs und Umstiegs im Sinne der Umnutzungsvorschläge des Konzepts www.umstieg-21.de verglichen. Ihr Ergebnis: 1,8 Milliarden Euro Ausstiegskosten und 1,2 Milliarden Euro für die Realisierung des Umstiegskonzepts. Auch mit den seit Oktober 2016 eingetretenen Baukostensteigerungen von 1,4 Milliarden Euro läge man aktuell noch 3,4 Milliarden unter den jetzt von der Bahn eingeräumten Stuttgart-21-Kosten, so Aktionsbündnis-Sprecher Werner Sauerborn.

Stuttgart 21 stoppen – Jetzt!

Entgegen den von den Betreibern verbreiteten Märchen, ist Stuttgart 21 keineswegs „alternativlos“. Stuttgart 21 ist im Vergleich zum bestehenden Kopfbahnhof weniger leistungsfähig und bedeutet letztendlich einen Rückbau der Schieneninfrastruktur. Statt Milliarden sinnlos zu verbuddeln, brauchen wir eine Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofs, um diesen noch leistungsfähiger zu machen. Aber seit vielen Jahren zählen bei Stuttgart 21 weder Argumente, noch Wirtschaftlichkeit oder gar Vernunft. Wir haben gewiss die besseren Argumente. Aber gute Argumente allein sind nicht genug. Nur wenn wir gegenüber dem Bahnvorstand und seinen politischen Steigbügelhaltern und mit massenhaften Protesten einen starken politischen Druck aufbauen, gibt es die Chance, dass die Vernunft siegt.

Weitere Informationen im Internet:

www.umstieg-21.de

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