„Bei existenziellen Themen wie der Umweltpolitik hat Parteiengezänk nichts verloren“ – Interview mit Walter Leyh (SPD) aus Schrozberg

Walter Leyh aus Schrozberg wurde in den Umweltbeirat des SPD-Landesvorstands berufen.

Walter Leyh aus Schrozberg wurde vor kurzem in den Umweltbeirat des SPD-Landesvorstands berufen.

Vor einigen Tagen hat die SPD Baden-Württemberg den Schrozberger Walter Leyh in den Umweltbeirat des SPD-Landesvorstands berufen. Über die Umweltpolitik in Hohenlohe hat Hohenlohe-ungefiltert ein Interview mit dem frisch gebackenen Umweltbeirat geführt.

Die Fragen stellte Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Welche Funktionen bekleiden Sie in der SPD?

WALTER LEYH: Ich bin Mitglied des Ortsvereinsvorstandes Schrozberg, Pressesprecher des Kreisvorstands Schwäbisch Hall, dort auch Mitglied im Arbeitskreis Pädagogik, Mitglied des Umweltbeirats des Landesvorstandes, Delegierter des Kreisverbandes Schwäbsich Hall bei ordentlichen Landesparteitagen.

Welche dieser Funktionen erfordert den höchsten Zeitaufwand?

Seit einiger Zeit die Aufgabe des Pressesprechers des Kreisvorstands Schwäbisch Hall. Hier haben sich sehr viel organisatorische und protokollarische Tätigkeiten gerade in den vergangenen drei Jahren entwickelt,  beziehugnsweise konnten in enger Kooperation mit dem Gremium weiterentwickelt werden.

Welche dieser Funktionen sind Ihnen am wichtigsten?

Eine gewisse Scharnierfunktion hat sicher die Position im Kreisvorstand. Ich sehe meine Aufgaben aber in einem vernetzten System und betrachte sie alle als wichtig und entsprechend bedeutsam.

Wie kam es dazu, dass Sie als „Nicht-Landwirt“ und als „Nicht-Umweltschützer“ eines Naturschutzverbands oder dergleichen in den Umweltbeirat des SPD-Landesvorstands berufen wurden?

Auch wenn heute prozentual gesehen nur noch wenige in der Landwirtschaft tätig sind, ist sie doch die wichtigste Grundlage für unsere Ernährung und die gesamte Gesellschaft. Ich selbst stamme aus einem landwirtschaftlichen Betrieb  im Nebenerwerb und habe zahlreiche Angehörige und Freunde, die landwirtschaftliche Betriebe mit verschiedenen Produktionsschwerpunkten und Philosophien betreiben. Seit Jahren pflege ich – insbesondere hier vor Ort – einen offenen und kritischen Austausch. Auch als „Nicht-Landwirt“ sind mir deren Anliegen einleuchtend und wichtig. Im Beirat möchte ich diese noch deutlicher in die Politik tragen. Der Umweltschutz ist Verantwortung und Auftrag an jeden einzelnen Bürger. Ich komme nun eher aus einer politischen Partei und weniger als Funktionär eines Naturschutzverbandes. Wichtig ist, dass gemeinsame Interessen formuliert und verfolgt werden. Denn der Erhalt und die Schonung der Umwelt geht uns alle an. Schließlich waren und sind es herausragende Menschen in der SPD, beispielsweise Erhard Eppler und Ernst-Ulrich von Weizsäcker, die sich seit langem dieser existentiellen Themenfelder annehmen.

Kam diese Berufung für Sie selbst überraschend – oder haben Sie damit gerechnet? Welche persönlichen Verbindungen und vorherigen Aktivitäten führten zu dieser Ernennung?

Der Vorsitzenden des Beirats, Elvira Drobinsky-Weiß, war bekannt, dass ich bereit bin, mich weiter einzubringen. Der Zeitpunkt mag überraschend gewesen sein, nicht aber die Fortsetzung meines Engagements an sich. So hat es mich gefreut, dass Drobinsky-Weiß kurz nach Beendigung der gemeinsamen Arbeit in der Projektgruppe Bildung, in Sachen Umweltbeirat auf mich zu kam. Meine Aktivität in diesem Bereich begann bereits in den 1980er Jahren, damals noch außerparteilich unter anderem  in Sachen Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf  und Teststrecke Boxberg. Es ergab sich dann, bedingt durch meinen früheren Wohnort im Enzkreis schon ab1997, ein guter Kontakt zum Landtagsabgeordneten Thomas Knapp. Er ist heute energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion und Vorsitzender des Arbeitskreises Umwelt.

Welche genauen Aufgaben hat der SPD-Umweltbeirat? Wie oft tagt der Umweltbeirat, wo und zu welchen Anlässen?

Wir beobachten kontinuierlich und jeder an seinem Ort in diesem Themenbereich. Es geht ganz grundsätzlich um die Verbindung von Sozialem, Ökologie und Ökonomie. So geht es um Projekte nachhaltiger Mobilität und erneuerbarer Energie vor Ort. Der Umweltbeirat tagt in der Regel vier mal jährlich zentral in Stuttgart. Dazwischen organisieren die Mitglieder dezentral Veranstaltungen zu aktuellen Themen und Anlässen des Tätigkeitsbereichs und sind untereinander im Austausch.

Welche Personen gehören diesem Umweltbeirat sonst noch an (wie groß ist dieses Gremium)?

Die Specherinnen des Gremiums sind Elvira Drobinsky-Weiß, Rita Schwarzelühr-Sutter und Jana Zirra. Die weiteren Mitglieder kommen aus den vier Regierungsbezirken. Ich selbst bin Vertreter Nordwürttembergs.

Wie steht es um die Umweltpolitik in der Region Hohenlohe? Wo ist Hohenlohe Vorreiter, wo galoppiert Hohenlohe noch hinterher?

Viele meinen die Welt sei hier noch in Ordnung. Dem mag im Vergleich zu anderen Regionen und Ländern auch so sein. Es ist darauf zu achten, dass es so bleibt, dass wir das Ganze im Blick behalten. Es tut sich hier viel in der Wind- und Solarenergie sowie der Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen. Es gibt innovative Unternehmen hier in der Region. Allerdings besteht auch die Gefahr, dass durch zu viele Biogasanlagen in einer Region Monokulturen entstehen und sich Nutzflächen massiv verteuern. Ich freue mich, dass sich gerade hier in der Region viele Landwirte auch als Energiewirte weiterbilden und betätigen.

Worin sehen Sie „enge Verknüpfungen zwischen Energie- und Umweltpolitik und der Landwirtschaft und dem Naturschutz“ – wie es in einer SPD-Pressemitteilung zu Ihrer Ernennung in den Umweltbeirat dargestellt wurde?

Der Landwirt ist Landschaftspfleger, Naturschützer und eben oft auch Energiewirt, er ist ein Allrounder. Ich kenne keinen anderen Beruf, der so viele Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert und ich stelle immer wieder bei Besuchen und Gesprächen fest: sie haben es drauf, sind innovativ und engagiert.

Worin unterscheidet sich die Umweltpolitik der SPD 1. in der Region Hohenlohe, 2. in Baden-Württemberg, 3. in Deutschland von der Umweltpolitik der Grünen und der Linken?

Ich will hier nicht die Unterschiede herausheben. Es geht mir um die Sache, um Zukunft und Fortbestand. Parteigezänk erscheint mir in existentiellen Fragen wie diesen nicht sinnvoll. Wir müssen an einen Tisch kommen und gemeinsame Lösungen finden, die Zeit drängt.

Wollen Sie bei der Umweltpolitik mit anderen Parteien zusammenarbeiten, um Ihre gesteckten Ziele zu erreichen? Wenn ja: Wie soll diese Zusammenarbeit vor Ort konkret aussehen?

Ja, grundsätzlich mit allen, denen der Erhalt der Umwelt ein dringliches Anliegen ist, durchaus in globaler Sichtweise. Hier vor Ort sollten Projekte gemeinsam geprüft und im positiven Fall umgesetzt werden können. Die Anliegen sollten im Vordergrund stehen nicht parteipolitische Interessen und Eitelkeiten.

Was haben Sie in der Region Hohenlohe in Ihrer neuen Funktion konkret vor?

Nun, ich will fortsetzen, was ich schon vor der Aufnahme in den Beirat begonnen habe: die Bestandsaufnahme dessen, was da ist und Kontakte pflegen, beziehungsweise herstellen zwischen Unternehmen, Handwerkern, Landwirten und Politik, wo immer dies gefragt ist. Es überrascht mich immer wieder selbst sehr positiv, welche Leistungen hier schon erbracht werden von Landwirten und Handwerksbetrieben bis hin zu Großproduzenten.

Welche Verbände, Gruppen und Initiativen sehen Sie in Sachen Umweltpolitik und Landwirtschaft als wichtige Anprechpartner und Kooperationspartner in der Region Hohenlohe?

Grundsätzlich alle, denen die Umwelt im weitesten Sinne am Herzen liegt und insbesondere die, die beruflich damit zu tun haben.

Wie können diese Einzelinteressen gebündelt und sinnvoll zum Wohle für die Bürgerinnen und Bürger umgesetzt werden?

Es können gruppen- und parteiübergreifend Konzepte und Ziele formuliert und nach außen kommuniziert werden. Wichtigste Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten in einen offenen Dialog eintreten.

Welche politischen Ziele verfolgen Sie in Zukunft, wie sehen Ihre weiteren politischen Ambitionen konkret aus?

Politik macht mir Spaß und ich kann was. Meine (politische) Vita zeigt, dass ich mich in verschiedene Themengebiete einarbeiten kann und bereit bin, mich breit und intensiv zu engagieren. Wer was tut, kann was bewegen – wer sich nicht bewegt hat schon verloren! Momentan liegt mein Hauptinteresse auf den Gebieten Sozial-, Bildungs- und eben Umweltpolitik. Für die Zukunft hoffe ich weiter, so offen und aktiv bleiben zu können wie bisher. Was sich dann noch weiter ergibt beziehungsweise an mich herangetragen werden könnte, bleibt abzuwarten. Sicher würde ich mich weiteren und neuen Aufgaben nicht verschließen und könnte noch mehr Potential in den Dienst der Politik stellen.

Persönliche Daten:

Walter F. Leyh, 44 Jahre alt, Wohnort Schrozberg

Erlernter Beruf:
Dipl. Pädagoge (univ.); Sonderschullehrer; Erzieher

Funktionen innerhalb der SPD:
Mitglied des Ortsvereinsvorstandes Schrozberg, Pressesprecher des Kreisvorstands Schwäbisch Hall, dort auch Mitglied im Arbeitskreis Pädagogik, Mitglied des Umweltbeirats des Landesvorstandes, Delegierter des Kreisverbands Schwäbsich Hall bei ordentlichen Landesparteitagen

Weitere ehrenamtliche Funktionen:
Sozialverband VdK, Vorstand für Presse- und Kreiskontakte der Ortsgruppe Schrozberg, Landessprecher des „Netzwerk Selbstaktiv“

Kontaktmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger:
Telefon: 07935/722458
mobil: 0172/8416401
E-Mail: walter.leyh@web.de

Anmerkung von Hohenlohe-ungefiltert:

Walter F. Leyh hat auch schon Artikel in Hohenlohe-ungefiltert geschrieben.

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