„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden siebenunddreißigster Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden siebenunddreißigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XXXVII Linach

… Eher unscheinbar, einige Meter hinter dem Venturihaus, tritt auf der anderen Seite der Linachtalstraße, plötzlich die Hangrohrleitung oberirdisch in Erscheinung. Sie besteht aus zusammengeschraubten Rohrstücken, die in regelmäßigen Abständen auf Lagern ruhen. In den, etwas mehr wie einen Meter Durchmesser starken Rohren, wird das Wasser über mehrere Kilometer zum Ort des eigentlichen Geschehens, in Richtung des Krafthauses geleitet. Der Wasserkraftlehrpfad jedoch, führt erst dort zur oberirdisch verlaufenden Hangrohrleitung, wo der Feldweg im Tal ganz automatisch in die Linachtalstraße mündet. An dieser Einmündung überquerten die drei Freunde die Straße, um ein kurzes Stück und quasi rückwärtsgewandt auf der Stadtwaldseite wieder bergauf zu gehen. Nachdem die Steigung in dieser engen Rechtskurve genommen war, gingen sie dann den Weg kontinuierlich parallel entlang an der leicht ansteigenden Hangrohrleitung.

Wasserschloss

Rechterhand konnten sie jetzt auf die gegenüberliegende Waldseite blicken, durch welche sie vorhin in Richtung Talsperre gegangen waren. Dieses besonders helle und lichte Wegstück ist recht lustig zu begehen und führt nach einer Weile ebenerdig in Richtung Wasserschloss. Bei klarem Wetter und im Sonnenschein, kann frau in aller Stille und Beschaulichkeit auf diesem Weg wandernd, sämtliche Sorgen der Welt vergessen. Die Wanderung der drei Freunde ging daher nun zügig bis zum Ende der Hangrohrleitung, zum sogenannten Schieberhaus. An dieser Stelle befindet sich ein wichtiger Abzweigpunkt. Dort wird zum einen das ankommende Wasser in die Fallrohrleitung umgeleitet und oberhalb des Schieberhauses, am Hang, befindet sich das Wasserschloss. Das Wasserschloss ist nichts für Romantiker – sondern eine wichtige technische Sicherheitseinrichtung.
Im Turm des Wasserschlosses steigt der Wasserstand nämlich auf dieselbe Höhe an, wie der derzeitige Wasserspiegel im Stausee. Dieses Phänomen ergibt sich durch den Effekt der kommunizierenden Röhren, das ist wie bei einer Schlauchwasserwaage. Für die kommunizierenden Röhren ist es dabei gleichgültig, in welcher Geschwindigkeit das Wasser durch den Granitstollen und durch die Hangrohrleitung hindurch über die Fallrohrleitung hinunter ins Krafthaus schießt, wo mit der Kraft des Wassers, mit Hilfe von drei Turbinen, Strom erzeugt wird. Die Freunde bewunderten die clever durchdachte Anlage.

Unnachgiebigkeit der Landschaft

Dann machten sie sich auf den wiederum ansteigenden Weg des Wasserkraftlehrpfades. Dieser führt nach etwa zwei Drittel der Steigung, rechts zwischen Granitblöcken hindurch hinunter in Richtung Breg.
Die Eisenbacher Granitblöcke ragen in diesem Stück des Waldes derart schroff in die Gegend, dass an ihnen die ganze eigentümliche Unnachgiebigkeit der Landschaft des Hochschwarzwaldes abzulesen ist. Nachdem die schmalen Wege zwischen den Gesteinsbrocken hindurch genommen waren, traten die drei Freunde hintereinander herlaufend, wiederum einen Gänsemarsch an, um die steil hinab führenden Serpentinen mit der gebotenen Vorsicht zu begehen. Diese Schlangenlinien führen an zwei Aussichtsplätzen vorbei, die mit rustikalen Holzsitzbänken ausgestattet sind. Gemütlich ausruhen wollten sie sich aber erst im Gutleutehof, bei gebratenen Forellen mit Kartoffeln und einem Glas Bier.

Krafthaus

Auf der Linachtalstraße angekommen, steuerten die Drei daher auf den Weg zum Gutleutehof zu. Heiners Erläuterungen zur Stromerzeugung im Innern des Krafthauses waren für den anderen Tag geplant.
Beim Essen fragte Heiner: „Paul, vielleicht möchte deine Violetta morgen auch bei der Besichtigung vom Krafthaus dabei sein? Mit dem Carl seiner Paula zusammen wären wir zwar noch nicht in matriarchalen Verhältnissen angelangt, aber immerhin auf einem guten Weg zu einer paritätischen Besetzung. Paul blieb sehr zurückhaltend, sagte aber zu, Violetta einzuladen. Dann verabschiedeten sich die drei Freunde und Carl machte sich auf den Weg ins Brigachtal. Dort holte Carl seine Paula am Bahnhof ab, um mit ihr gemeinsam durch das Fürstlich Fürstenbergische Donaustädtchen zu flanieren. Wie verabredet, trafen sie sich vor dem Bahnhof und brachten dann Paulas Gepäck ins Auto. Bei dem beschaulichen Spaziergang lichtete Paula hier und da prächtige Bauten ab. Im Schlosspark fotografierte sie Skulpturen und so manche weitere Eigentümlichkeit. Carl suchte zu den Motiven die jeweiligen Passagen in den Informationsbroschüren, um Paula daraus vorzulesen. Ihr Kunstinteresse fügte sich dabei ganz so harmonisch wie früher zusammen. Daher fanden Paula und Carl trotz der erheblichen >karinösen< Einschränkungen Möglichkeiten, sich wenigstens im Freien an den offen zugänglichen Kunst- und Kulturschätzen zu erfreuen.

Bespitzeln?

„Du Paula, sag mal?“ fragte Carl irgendwann, „Wie wurde eigentlich damals, als der Onkel Ewaldso plötzlich verstarb, die Besitzübergabe des Hauses konkret geregelt?“ Paula schaute Carl misstrauisch an und meinte spitz: „Was interessiert dich das jetzt? Das kann dir doch völlig egal sein.“ Carl schnaufte hörbar und setzte dann zu einer Erklärung an: „Zuerst muss ich dir der Offenheit halber sagen, dass ich einen findigen Zuträger auf die Angelegenheit angesetzt habe.“ Paula lachte: „Hast du mich etwa bespitzeln lassen? Dir ist schon klar, dass Frauen nachzustellen strafbar ist.“ „Paula bitte, mach doch keine Witze, es ist mir ernst.“ Am Klang seiner Stimme erkannte Paula, dass es besser war zu schweigen. Also setzte Carl erneut an: „Nur wenn wir zwei unser Wissen zusammenlegen, kommen wir zügig weiter. Und was mich betrifft, ich möchte meinen Beitrag dazu, nicht nur als Wiedergutmachung für meine eigene Schandtat an dir, leisten. Ich will die ganzen kriminellen Umtriebe da drum herum endlich aufdecken. Wärst du dazu bereit Paula?“, fragte Carl direkt. „Du warst damals in jeder Hinsicht die Leidtragende. Falls du jetzt aber gar nichts mehr davon wissen willst, wäre das mehr wie verständlich.“

Selbsterkenntnis

Paula schwieg und Carl wartete nicht lang auf ihre Antwort: „Ich weiß vom Überfall auf dich und finde gerade deswegen, muss man denen möglichst bald und gründlich das Handwerk legen.“ Nachdem Paula weiterhin schwieg, fragt Carl vorsichtig: „Aber nur wenn du dazu bereit bist?“ Unerwartet klar, willigte Paula nach einer Gedankenpause in Carls Vorschlag ein „Gut, ja ich bin bereit dazu. Ich habe sehr lange über die ganze Geschichte nachgedacht und in mir nachgespürt, was da genau passiert ist, und bin zu dem Schluss gekommen, dass auch ich Fehler gemacht habe. Wenn ich mich vor mehr wie zwanzig Jahren schon anders verhalten hätte, wäre manches nicht in der Form passiert, wie es geschehen ist.“ Carl war erstaunt über Paulas Selbsterkenntnis und wartete, was sie weiterhin dazu sagen würde. „Die Machenschaften die in deinen alten Verbindungen gelaufen sind, hätte ich damit nicht verhindern können. Aber unsere Freundschaft Carl, die hätten wir anders gestalten müssen.

Rettender Anker

Und das werde ich für meinen Teil in Zukunft auch tun.“ „Hm, wegen mir Paula, aber was meinst du konkret damit?“, fragte Carl nach.
„Du warst damals der rettende Anker für mich!“, gab Paula unumwunden zu. „Und weil du die für mich unangenehmen Dinge so bereitwillig geregelt hast, habe ich mich hinter dir versteckt, anstatt selber klar und deutlich Farbe zu bekennen. Zum Beispiel den verkommenen Brüdern aus deinen alten Verbindungen selber die Stirn zu bieten, wäre die bessere Möglichkeit gewesen.“, ergänzte Paula. „Aber Paula, ich war doch dein Anwalt und Steuerberater. Es war meine ureigenste Aufgabe dich zu vertreten“, widersprach Carl vehement. „Aufgabe, ja, nur nicht in dem überzogenen und unguten Maß, wie ich dir das alles überlassen habe.“ Carl lauschte Paulas Ausführungen und widersprach ihr nicht mehr. „Ich habe mich benommen wie ein kleines Mädchen, das einen großen und starken Vater braucht. Meine seelische Unselbständigkeit war mir selber jahrelang gar nicht bewusst. Sie hätte auch nicht zur meiner ansonsten so gern gezeigten und gelebten Unabhängigkeit gepasst. Als die Dinge sich nicht mehr in dem von mir gedachten Sinn entwickelten, habe ich dich für deine Unfähigkeit verachtet.“

Kindisches Spiel und Bubikomplex

Langsam dämmerte es Carl, was für ein absolut kindisches Spiel Paula und er damals miteinander getrieben hatten. Er war mit seinem ungelösten >Bubikomplex< ganz genau dort hängen geblieben, wo Paula ihm das gab, was er insgeheim von Frauen erwartete. Zum Glück hatte er sich bei seiner Kur in Hoheitshausen mit seinem verdrehten Inneren beschäftigt. Dabei lernte er konstruktive Umgangsformen und Therapien kennen, die ihm seither in seiner Entwicklung entscheidend weiterhalfen. Klar erkannt und offen ausgesprochen wurde dieses unreife Spiel zwischen ihm und Paula damals jedoch nur von Paulas Onkel Ewald. Er griff dann kurzerhandein, um zu retten was noch zu retten war … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

Recht und Ordnung: https://www.netzwerkkritischerichterundstaatsanwälte.de/

Befreiungslied: https://www.youtube.com/watch?v=DirL4RI1448

Druckausgleich: https://de.wikipedia.org/wiki/Hydrostatisches_Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserturm

Stromerzeugung durch gestaute Wasserkraft: https://www.stiegele-stromerzeuger.de/project/113/

Matriarchat:
https://de.wikipedia.org/wiki/Khasi

Diese Filme sind nur bis 4. April 2021 abrufbar: https://www.arte.tv/de/videos/084691-003-A/im-reich-der-frauen/

Lösung komplexer Systemprobleme: https://de.wikipedia.org/wiki/Systemische_Therapie

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