„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden vierunddreißigster Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden vierunddreißigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XXXIV Wasser

… Am Eingang des Waldes steht eine Schautafel des Wasserkraftlehrpfades. Dieser Wald gehört Hubertus, neben dem Gutleutehof, bewirtschaftet er den umfangreichen Baumbestand mit Pferden. Bei dieser schonenden Art der Waldwirtschaft bleibt der Boden locker. Die ziemlich breiten Schneisen der Verwüstung gibt es nur beim rücksichtslosen Einschlag mit so genannten Erntemaschinen; diese hinterlassen eine mehrere Meter tiefe Bodenverdichtung als Folgeschaden. Da wächst kein Baum mehr. Dort wo aber der Boden beim Fällen locker bleibt, wo ein hoher Baum Licht für andere macht, da kann wieder erfolgreich angepflanzt werden. Oder man überlässt es der Natur, welcher Schössling sich dann dort zum Himmel recken wird.

Goethes >Wasser Welle<

Während die drei Freunde schweigend und gemächlich die Schlangenlinien bergauf nahmen, freuten sie sich an der Stille. Die Luft schmeckte nach erdigem Wald und die schmalen Serpentinen waren weich und bequem zu begehen. Als der Pfad sich, etwa auf Höhe des Krafthauses, zu einem breiteren Weg weitete, war rechterhand im Tal die Linach zu erspähen. Von der Anhöhe, auf der linken Seite her, gurgelte und plätscherte es gänzlich verborgen und leise unter den Moosen. Ab und zu sprang dann ein kleines glitzerndes Rinnsal hervor. Nach Regenfällen und Schneeschmelzen wurden diese Rinnsale zu regelrechten Bächen, und das Wasser suchte sich seinen eigenwilligen Weg, um ins Tal zu gelangen.

Von diesem Schauspiel der Natur inspiriert fing Carl Eugen unvermittelt an Goethes >Wasser Welle< zu zitieren:

Vom Himmel kommt es, Zum Himmel steigt es, Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen, Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen, Wallt er verschleiernd, Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen, Schäumt er unmutig

Stufenweise Zum Abgrund.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin, Und in dem glatten See Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus Schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser! Schicksal des Menschen, Wie gleichst du dem Wind!

Lokale Notstromversorgung

Heiner und Paul lauschten andächtig Carls Worten. Während sie weiter ihres Weges gingen, hielten sie ab und zu an, um die Informationstafeln zu studieren. Es gab da allerlei zur Natur des Schwarzwalds und zum gesamten Wasserkraftwerk an der Linach zu erkunden. „Sag mal Heiner, könnte sich eigentlich auch heute noch die Gemarkung mit dem erzeugten Strom aus der Talsperre unabhängig von außen mit Strom versorgen?“, fragte Carl dann neugierig. Heiner Grün setzte zu einer längeren Erklärung an: „Ja und nein. Also alleine vom Wasserkraftwerk nur, wenn man keinen Strom für das produzierende Gewerbe hier in der Gegend entnehmen würde. Und nur, wenn die privaten Haushalte mit der allergrößten Sparsamkeit auskommen würden. Ja, dann könnte man mit dem Wasserkraftwerk eine Art lokale Notstromversorgung sichern, sofern das Gebiet dafür ausgestattet ist.“ „Aha!“, meinte Carl und bohrte weiter: „Aber auf Dauer, wie könnte man auf Dauer, ganz konkret, das hiesige Stadtgebiet mit den ganzen Dörfern drum herum und allen den Betrieben auf der Gemarkung als Stromverbraucher versorgen?“

Energiequellen Sonne, Wasser und Wind

„Dazu müsste man vor allem das vorhandene Windkraftpotential mit einbeziehen, und mit genügend Photovoltaikanlagen ergänzen. Eine der Energiequellen Sonne, Wasser und Wind steht immer zur Verfügung. Jede der drei kann auch abwechselnd genützt werden – gleich zur direkten Versorgung, oder um die sowieso notwendigen Batteriespeicher zu füllen.“, erklärte Heiner Grün. „Mhm“, meinte Carl nachdenklich und mit zusammengezogenen Augenbrauen – dann fragte er erneut: „Aber das geht doch auch nur, wenn man sich zu einer solidarischen Gemeinschaft auf örtlicher Ebene zusammenschließt, oder? Also die Herstellung und den Verbrauch von Strom regional organisiert, und nach Möglichkeit in einem Gebiet lokal ausgleicht.“ „Ja, das ist es ja, worauf ich bereits seit vierzig Jahren hinarbeite. Und jetzt endlich wäre die lokale bürgerschaftliche Energieversorgung auch möglich. Die EU hat dazu Freiräume geschaffen, die ja nur noch per Gesetz von der Bundesregierung beschlossen werden müssen. Solange von der Regierungskoalition aber nichts als Hinhaltetaktiken kommen, verbauen sie für die Bürger einfach weiterhin die selbstbestimmte Form der ökologisch orientierten Zukunft.“ Paul, der seither mit keiner Silbe zum Gespräch beigetragen und geschwiegen hatte, meinte aus seiner Sicht ganz lapidar: „Manche erkennen eben die Zeichen der Offenbarungen immer noch nicht.“

Erbprinzenweg

Als der Pfad dann eng am Hang entlang führte, konzentrierte sich jeder auf den Weg. Dann bogen sie nach links ab, um auf der jetzt steil ansteigenden Furt zum Fürstlich Fürstenbergischen Erbprinzenweg zu gelangen. Dabei gingen die Freunde jeweils ihren eigenen Gedanken nach.
Carl Eugen dachte über die verwandtschaftlichen Beziehungen Paulas nach. Paulas Tante Renate Teufel verkuppelte ihren älteren Sohn Wilhelm, aus Angst dass er sonst keine mehr abkriegen würde, irgendwann mit einer Tochter von guten Bekannten. Aus dieser ersten Ehe, gingen zwei Söhne hervor. Die zweite und jetzige Frau Wilhelms, war Lehrerin und Psychotherapeutin. Im Bericht seines Informanten Findus war vermerkt, dass Helmut, der erstgeborene Sohn Wilhelms eigenständig leben würde, während der andere, Lucian, sich nie ganz aus den bestehenden familiären Abhängigkeiten gelöst hätte. Als Volkswirtschaftler tätig, lebe er nun im Haus der Oma seiner Frau, in einer kleinen Gemeinde im Mainhardter Wald.

Lucian Teufel

Carl Eugen Friedner durchfuhr ein kalter Schauer – der Vetter von Paula, Wilhelm, und sein Sohn Lucian Teufel waren im Spätsommer 2016 oft in der Nähe von Paulas Atelier gesehen worden. Paulas Großcousin Lucian war wohl immer wieder in der Kreisstadt unterwegs. Findus wies in seinem Bericht daraufhin, dass Lucian Teufel sich aber stets bedeckt hielt. Dieser wurde dann im Herbst nur hin und wieder nachts in der Innenstadt gesehen. Während sein Vater selbst tagsüber offen durch die Kreisstadt spazierte und bei Paula im Laden aus- und einging … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Schonende Waldwirtschaft: https://www.br.de/mediathek/video/holzruecken-mit-pferden-schonende- waldbewirtschaftung-av:58b03be4a633ba001118c764

*Lyrisches und mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesang_der_Geister_%C3%BCber_den_Wassern https://www.projekt-gutenberg.org/trakl/gedichte/gedichte.html

*Erneuerbare Energie in Bürgerhand: https://www.youtube.com/watch?v=wxJD4x6vHz0&feature=youtu.be

*Offenbarungen:
https://www.youtube.com/watch?v=MwbdirHG7qI https://punkt-preradovic.com/gerichte-vor-entscheidung-mit-dr-reiner-fuellmich/

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