„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden siebenundzwanzigster Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden siebenundzwanzigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XXVII Demokratie

… „Komm, wir machen einen Spaziergang in der klaren Luft, heute ist das Wetter gut, die Sonne scheint, auf dem Rückweg holen wir beim Türken unser Mittagessen ab,“ schlug Carl vor. „Und danach können wir gemütlich losfahren.“ „Ja, aber nur einen kurzen Spaziergang und avanti, ich habe Hunger,“ schränkte Paul Carls Vorschlag ein und drängte den Freund mit deutlichen Handzeichen dazu, sich zügig frisch zu machen. Nachdem Carl sich eine Katzenwäsche verpasst hatte und vollständig angezogen war, machten die beiden Freunde sich auf den Weg. „Es ist schön dass Du da bist“, Carl zeigte Paul seine Freude durch ein breites Grinsen, und die beiden legten eine flotte Gangart an den Tag. „Jetzt wo fast alle am Durchdrehen sind, und bald keiner mehr offen mit einem redet, tust du mir gut.“ Paul schwieg eine Weile und setzte dann zu einer langen Rede an: „Carl, ich beobachte die schlimmen Veränderungen, die hier stattfinden, ja aus einem anderen Blickwinkel als du. Mir sind solche erheblichen Einschränkungen, die staatlicherseits veranstaltet werden, aus meinen früheren Beratungsreisen durch Afrika wohlbekannt. Nur wäre mir niemals in den Sinn gekommen, dass gerade hier in Deutschland, wo es eine funktionierende freiheitlich demokratische Grundordnung gab, Daumenschrauben an der Bevölkerung anlegt werden. Und wenn ich sehe wie diese Folterwerkzeuge, beim Anziehen, auch noch völlig widerspruchslos geduldet werden, nimmt mir diese neue Realität manchmal schier den Atem.“

Wo ist die offene Gesellschaft hingekommen?

Paul machte eine Gedankenpause und Carl schwieg vorläufig weiter. „Wo sind eure guten deutschen Begriffe wie >Der mündige Bürger< hingekommen?“, fragte Paul nun laut und deutlich. Carl gab keine Antwort. Er kannte den Freund und wusste, dass demnächst weitere Ausführungen folgen würden. „Was ist mit der >Offenen Gesellschaft<, wo ist die gepriesene >Meinungsvielfalt<, ja überhaupt die Vielfalt des Lebens und die der Gastfreundschaft und der Gemütlichkeit hingekommen?“, bohrte Paul nun weiter. Carl hörte im bitteren Tonfall des Freundes seine große Enttäuschung mitschwingen. „Auch von den hübschen Begriffen >Mulitkulti< oder >Wohlstand für alle< ist überhaupt keine Rede mehr. Die nationalen Regierungen in Europa haben sämtliche Lichtschalter ausgeknipst und die sonst so weltoffenen Deutschen, mausern sich erstaunlich zügig zu hörigen und willfährigen Untertanen. Als ob ihr nichts mehr von den verheerenden Folgen der vergangenen Gleichschaltung wissen würdet. „Carl, wo sind die Früchte des Humanismus, und wo ist die tolle Vorbildfunktion eurer Demokratie hingekommen?“

Mächtige Oligarchen und Monopolisten

Durch ihren forschen Schritt waren sie unversehens wieder von ihrem Spaziergang zurück; mit zwei vollen Essenstüten versorgt, ließen sie sich in Carls Küche nieder und aßen mit schweigendem Genuss ihre Dönerportionen und die bunt angerichteten Salate auf. Dann antwortete Carl Eugen Friedner mit einer Bissigkeit, welche Paul vorher noch nie an dem sonst so bedächtig wirkenden Freund wahrgenommen hatte: „Im Namen von >Karina< wurde der mündige Bürger zum verdächtigen Schuldiger zurechtgestutzt – mächtige Oligarchen und Monopolisten verschlingen die Früchte unserer Demokratie, wie eine tückische Hydra.“ Und er ergänzte mit Bedauern: „Zu meiner Schulzeit im Bubengymnasium in der Kreisstadt, war längst nicht alles bekannt, was wir hätten wissen müssen, um anständige und aufrechte Staatsbürger in einer Demokratie zu werden; und es werden auch heute immer noch, wichtige Schriftstücke aus mehreren Jahrzehnten in staatlichen und privaten Archiven und in verschiedenen politischen Stiftungen verschlossen. Egal, ob es sich nun um Papiere aus der Hitlerdiktatur oder um wichtige Dokumente aus den Zeiten danach, also aus der Zeit der Gründung der westlichen Bundesrepublik Deutschland, handelt.

Staatliche Geheimniskrämerei

Nach einem tiefen Atemzug setzte Carl seine Rede fort: „Ohne eigene Vergangenheit, weiß man gar nichts – wer nicht weiß wo er oder sie herkommt, die oder der weiß auch nicht warum es jetzt so ist wie es ist, und schon gleich gar nicht, wohin es gehen soll. Wir werden seit Jahrzehnten dumm gehalten. Das Kanzlerinnenamt in Berlin, zum Beispiel, legt Akten die historisch, rechtlich und politisch von Belang sind, einfach nicht vor. Daher weiß man weder was sie eigentlich vor uns verstecken noch warum. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für diese staatliche Geheimniskrämerei. Wer Geheimnisse derart hüten muss, hat Dreck am Stecken und misstraut dem eigenen Volk, dem eigentlichen Souverän* des demokratischen Staates, zutiefst.“

Gentechnisch orientierte Pharmaindustrie

Nachdem sie den angefallenen Müll sortiert hatten, mahnte Carl unmissverständlich zum Aufbruch. Als ihre Sachen im Auto verstaut waren, machten sie sich auf den Weg. Erst als ihre Fahrt in Richtung Schwarzwald mit weniger Konzentration auf den Verkehrsfluss verbunden war, setzte Paul mit einer erneuten Frage an: „Carl, was meinst du eigentlich zum letzten grünen Parteitag wo man jetzt die Haltung der Partei zur Gentechnik weichgespült hat?“ „Die GRÜNEN“, holte Carl jetzt weit aus, „sind nicht nur in diesem grundsätzlichen und sehr wichtigen Punkt recht wankelmütig geworden sind – sie argumentieren und handeln auch bei anderen ökologisch brisanten Themen letztlich nicht mehr eindeutig. Die politischen Akteure verstecken sich neuerdings hinter der Meinungsvielfalt in der Partei. Das sieht vordergründig zwar gut aus und mutet recht liberal an, aber wird wohl darauf hinauslaufen, dass die gentechnisch orientierte Pharmaindustrie und die Interessen der Chemiegiganten gestützt werden. Der Heiner setzt zwar wegen seiner Überzeugung in der Energiepolitik, immer noch auf die Grünen im Ländle, aber die grüne Partei, steht nicht eindeutig für das europäisch verordnete Recht auf die Demokratisierung der Stromversorgung. Die GRÜNEN, die ich einst wegen ihrem basisdemokratischen Ansatz bewundert und gewählt habe, gibt es nicht mehr. In der >Ökopartei< herrscht geflissentliches Schweigen zu den wegweisenden Vorgaben in den EU-Richtlinien >dezentrale Einheiten in der Stromerzeugung demokratisch zu behandeln und damit auch in der Gesellschaft zu verankern<. Vorreiter wie den Heiner oder den Bioenergetiker Jochimsen* schlägt man en passent* aus dem Feld.“

Dezentrale Energieerzeugung in Bürgerhand

Als das Schild mit der Autobahnabfahrt nach Hoheitshausen auftauchte, bemerkte er abschließend: „Ich bin dafür, jetzt zuerst dem Heiner seine Strategie anzuhören und dann in Ruhe darüber nachzudenken, wie wir ihn weiterhin bei seiner guten Sache der >dezentralen Energieerzeugung in Bürgerhand< unterstützen können. „Ach, und Paul, wie war es eigentlich in Nürnberg bei deinem großen Sohn? Und wo steckt jetzt deine Tochter Gisléne? … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Avanti: Redewendung, die zur Eile antreibt.

*Gleichschaltung: Bewährtes Mittel um diktatorische Ziele durchzusetzen, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichschaltung

*Hydra: Mehrköpfige Schlange, deren Köpfe sich beim Abschlagen vervielfachen.

*Verschlossene Archive: https://www.youtube.com/watch?v=rCq7F0wQPAA und https://weltnetz.tv/video/2408-ewig-geheim

*Souverän: Inhaber der Staatsgewalt, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Souver%C3%A4n

*Grüner Parteitag:
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruenen-parteitag-keine-komplettabsage- fuer-gentechnik-a-8e7cd253-09c5-4b86-a66c-951afe9ee89a

*Ökopartei: Früher wurden die GRÜNEN Ökopartei genannt, Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Oekopartei

*En passant: Redewendung aus dem Schach, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/En_passant

*Ulrich Jochimsen: https://www.jochimsen-dezentral.de/

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