„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden fünfundzwanzigster Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden fünfundzwanzigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XXV Besinnung

… „Zuerst das Recht auf solare Eigenversorgung zu verfolgen wäre ein pragmatischer Schritt“, erwiderte Heiner Carls zustimmende Ausführungen, „Aber was ist mit der Windenergie? Da geht es nicht ohne das öffentliche Netz. Warum also nicht gleich auch die Nutzung der Energie aus einer Gemeinschaftsanlage miteinbeziehen? Zumal die Basis für die Argumentation die gleiche EU-Richtlinie ist.“ Carl Eugen schwieg, er war skeptisch, galt es dabei doch äußerst vielschichtige Bedenken zu übergeordneten Lösungswegen zusammenzubringen. Nach einer Gedankenpause fasste er den Dialog, aus seiner Sicht zusammen: „Die Pragmatiker kämpfen sich ja immer ganz brav, Schritt für Schritt voran. Visionäre* hingegen und die EU-Kommission mit ihrer Vision*, benötigen Pragmatiker die aus den einzelnen Sparten stammen und sich darüber hinaus konstruktiv zusammenfinden.“

Überaltertes Geschlechterrollenverständnis

„So ist das Leben: Wenn etwas Sinnvolles und Gescheites offen und ehrlich zum Wohle aller diskutiert, gewollt und angestrebt wird, dann finden sich auch passende Mitstreiter und Umsetzer“, kommentierte Heiner. „Und denk an die Mitstreiterinnen und auch an die Umsetzerinnen, um nicht wieder etwas grundlegend Wichtiges zu vergessen“, setzte Carl witzelnd nach, der gedanklich noch bei seinem überalterten Geschlechterrollenverständnis war. „Heute Abend finden wir keine >Innen mehr<“ und machte vor seiner letzten Frage eine Pause. „Was ist mit Paul? Und wann seid ihr im Schwarzwald?“ „Der Paul kommt morgen zu mir; wir haben vor, gemeinsam nach Hoheitshausen zu fahren. Ansonsten wird er mir Bescheid geben, dann plane ich meine Übernachtungen für mich alleine. Ich lasse dich so oder so den konkreten Abfahrtstermin wissen, Heiner.“ „Also dann eine gute Nacht“, wünschte Heiner und als Carl den Gruß erwidert hatte, war das erfrischende Gespräch beendet.

Das Innere

Carl Eugen Friedner freute sich über die geknüpften Männerfreundschaften zu Heiner und Paul. Da waren ja nicht nur die kontroversen und anregenden Diskussionen über brisante politische Themen – sie tauschten sich auch über ganz persönliche Probleme aus. Vertrauten sich gegenseitig ihre Niederlagen an und schämten sich nicht, sich gegenseitig tiefe Verletzungen zu offenbaren. Carl fand es mehr als beruhigend, zu wissen, dass er sich endlich jemandem anvertrauen konnte, einem zugehört und nicht geurteilt, sondern Einsicht und Verständnis gezeigt wird. Die Freundschaften zu Paul und Heiner als Dreiergespann, und im Einzelnen, hatten ihn gelehrt, auf Dauer aufmerksamer zu sich und seinen Gefühlen zu sein. Auf sein reiches Innenleben zu achten war ihm als Bub und Heranwachsendem nicht beigebracht worden. In seiner monetären Arbeitswelt galt es dann überdies, der ausgeprägten Zahlendominanz und augenscheinlicher Paragraphenvorherrschaft Genüge zu tun. Der Anruf des Freundes hatte ihm gut getan und Carl wandte sich wieder seinem noch nicht ganz ins Reine gebrachte Inneren zu.

Distanziertheit

Bereits damals im Bubengymnasium, als sich bei manchen seiner Kameraden ein deutliches Interesse am weiblichen Geschlecht ausformte, nahm er eine tiefe Kluft zwischen sich und Frauen wahr. Darum hielt Carl die dauernd herrschende Distanz zu den Frauen mit denen er zu tun hatte, für völlig normal und für nichts Besonderes. Unter der Distanziertheit zwischen sich und Paula litt er aber irgendwann schmerzlich – für sie empfand er eine tiefe Liebe und sehnte sich nach ihrer Nähe – und trotzdem nahm Carl Eugen den Abgrund, der zwischen ihm und Paula gähnte, fast wie einen gottgegebenen Zustand hin. Heute konnte er nur noch den Kopf über sich schütteln. Wenn er damals schon gewusst hätte, wie er die zwei Stimmen in seiner Brust zu einem klaren Standpunkt für sich hätte zusammenführen können, hätte er damals den betrügerischen Vorhaben der alten Verbindungen mutig standgehalten und seiner Paula beistehen können. Carl seufzte aus tiefstem Herzen und fragte sich, ob Paula ihm seine Verdrehtheit wohl jemals nachsehen würde?

Scheinheilige Vorwände

Er hatte den beteiligten Brüdern aus den alten Verbindungen, mit dem ganz und gar auf Vorderschein zugeschnittenen Vertrag, einen Freibrief ausgestellt. Durch den Vertragsschluss, den er Paula dann als notwendig einredete, war jede Möglichkeit, die Beteiligten aus den alten Verbindungen zur Rechenschaft zu ziehen, vertan. In welcher Form er seine geliebte Paula damals, mit scheinheiligen Vorwänden geschmückt, zur Unterschrift unter dieses Dokument überredete, nahm Carl noch heute fast den Atem. Sobald er sich seinen bewusst gemachten Fehler klar vor Augen führte, war er immer noch fassungslos über sein niederträchtiges Verhalten. Paula hatte ihm vertraut und er hatte ihr Vertrauen schamlos missbraucht.

Weg der Veränderung

Nächste Woche, wenn Paula mit ihm zusammen im schönen Schwarzwald und damit in einer anderen Umgebung wäre, dann würde er ihr die wahren Beweggründe seiner einstigen Schandtat gestehen. Carl erhoffte sich mit dem Geständnis das verlorene Vertrauen seiner geliebten Paula wiederzuerlangen. Vielleicht würde sie wütend werden? Aber wenn er ihr in aller Ruhe erklären könnte, zu welchen Taten ihn sein innerer Widerspruch damals gebracht hatte und in was für einer Art und Weise er erst später zur Besinnung gekommen sei, und er sich nun auf dem Weg der Veränderung befinden würde, müsste sie ihn doch wenigstens verstehen. Zudem hatte er vor, seiner aufrichtigen Reue auch konkrete Taten folgen zu lassen. Carl Eugen wünschte sich nichts sehnlicher, als das verfahrene Verhältnis mit Paula wieder ins Lot zu bringen. Falls Paula ihn ebenfalls noch gern hatte und liebevolle Gefühle für ihn hegte, dann wäre ja vielleicht und unter Umständen an eine gemeinsame Zukunft zu denken?

Ohne Schweinefleisch

Carl lächelte, besser spät als nie. Dabei fiel ihm ein, dass er nun dringend seinen Koffer für den Ausflug in die wohltuende Höhenluft packen sollte. Paul hatte ihm vorhin kurz in einer E-Mail mitgeteilt, dass er morgen mit ihm zusammen nach Hoheitshausen fahren wolle. Also galt es auch noch zu überlegen was sie zu Mittag essen könnten. Der Freund war nicht sonderlich anspruchsvoll, außer der Bitte, kein Schweinefleisch vorgesetzt zu bekommen, und so las Carl sich das Angebot des örtlichen Kebabhauses* durch. Als er sich über das vielfältige Angebot an Speisen ohne Schweinefleisch kundig gemacht hatte, war er hochzufrieden; ja, mit diesem Angebot konnte er für Paul und sich ein einfaches Mahl zusammenstellen. So war genug Zeit auch morgen noch zu packen.
Mit einem Glas von dem vollmundigen Trollinger*, welcher ihm ein Mandant aus Heilbronn mitgebracht hatte, beschloss er den aufregenden Tag. Der Schlaftrunk tat ihm gut und ließ Carl Eugen Friedner in süßen Träumen versinken … Fortsetzung folgt.

*Visionär / Vision: (Link bitte nötigenfalls kopieren und in eigenen Browser einsetzen) https://www.dieter-schaefer.eu/zzz—zweifellos-zentralstes-zitat
https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_2009/28/EG_(Erneuerbare-Energien- Richtlinie)

*Kebap: Türkische Spezialität: https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%B6ner_Kebab

*Trollinger: https://de.wikipedia.org/wiki/Trollinger_%28Rebsorte%29 https://www.schaefer-heinrich.de/

Nachtrag zur 24. Episode:
Verzeihung! Der angegebene Link hat nicht funktioniert, bitte diesen verwenden um die Podcasts zur „Energieoffenen Mobilität“, dort auswählen und anhören zu können: https://soundcloud.com/user-564290903

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