„Jetzt reden wir“ – Flüchtlingsproteste auch 2020 hochaktuell

Zwei Jahre ist es her, dass der selbstbewusste Ruf „Jetzt reden wir!“ der Flüchtlinge aus der Landeserstaufnahmestelle (LEA) Ellwangen durch die Republik hallte: Anlass war die am 9. Mai 2018 von Flüchtlingen selbstorganisierte Demonstration „Wir sind Flüchtlinge, keine Kriminellen.“

Nächtlicher Polizeiangriff

Sie richtete sich gegen eine bundesweite Diffamierungskampagne sowie den brutalen nächtlichen Polizeiangriff auf traumatisierte Menschen, die zuvor friedlich versucht hatten, die Abschiebung eines togolesischen Kollegen zu verhindern.

Alassa Mfouapon, einer der damaligen Verantwortlichen, sieht auch heute die dringende Notwendigkeit einer Protestwelle „Jetzt reden wir“

„Heute gibt es viele wichtige Gründe, erneut unter dieser Leitlinie zu demonstrieren: Die Klage gegen das Land Baden-Württemberg wegen des damaligen brutalen Polizeieinsatzes ist bis heute nicht behandelt.

Unschuldig im Gefängnis

– Viele Flüchtlinge haben bis heute keinen richtigen Aufenthaltstitel. Manche waren unschuldig im Gefängnis.

Menschenunwürdige Verhältnisse

– In der Corona Zeit sind menschenunwürdige Verhältnisse in der LEA und anderen Einrichtungen. Deshalb lohnt es sich, unter dem Motto ‚jetzt reden wir‘ den Kampf um die gemeinsamen Ziele fortzusetzen.“

Von Bundeswehr bewacht

– Bundesweit häufen sich in den letzten Wochen (Bremen, Leipzig, Halberstadt) berechtigte Proteste in zahlreichen Flüchtlingsunterkünften gegen den unverantwortlichen Umgang mit der Corona-Pandemie. Während allgemein Kontaktsperre gilt, ließ man in den Flüchtlingsunterkünften eine ungehemmte Ansteckung zu – in Ellwangen sind inzwischen über zwei Drittel der Flüchtlinge infiziert, die ganze Zeit eingesperrt – von Polizei und in Ellwangen sogar Bundeswehr bewacht. Das bezahlen die Flüchtlinge mit Dauer-Eingesperrtsein, Dauer-Angst, Dauer-Panik und Dauer-Verbot jeglicher Bewegungsfreiheit.

„Freundeskreis Alassa & friends“ gebildet

– Bezogen auf die bedeutende Klage von Alassa Mfouapon gegen das Land Baden-Württemberg beanstandet sein Rechtsanwalt Roland Meister: „Bis heute wurde in diesem Verfahren – an dem national und international großes Interesse besteht – noch kein Verhandlungstermin angesetzt. Das offensive Vorgehen auch auf juristischer Ebene trug bereits dazu bei, dass im Hinblick auf dieses Verfahren das Amtsgericht Ellwangen Strafverfahren gegen Flüchtlinge eingestellt bzw. ausgesetzt hat, weil es die Zulässigkeit von Razzien in Flüchtlingsunterkünften ohne richterlichen Beschluss bezweifelt.“ Ausgehend von Ellwangen 2018 hat sich eine bundesweite Bewegung „Freundeskreis Alassa & friends“ gebildet, die vielfältig Proteste und Prozesse koordiniert, öffentlich Stellung bezieht und nunmehr auffordert, am 9. Mai 2020 an möglichst vielen Orten bundesweit zu demonstrieren.

Alassa Mfouapon:Wir sind Flüchtlinge und keine Kriminellen

„Alle Sammellager sofort auflösen und evakuieren! Immer noch gilt: Wir sind Flüchtlinge und keine Kriminellen! Wir sind Flüchtlinge, wir sind auch Menschen und wir müssen leben!“

Freundeskreis Alassa & friends im Internet: change.org/alassa und change.org/evakuierung

Spendenkonto:

„Solidarität International e.V.“, IBAN: DE86 5019 0000 6100 8005 84, Stichwort: „Alassa“ oder „Moria“

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