„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden sechster Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden sechster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

VI Erkenntnis

… „Hat dich der Schlag getroffen?“, unterbrach Heiner Carls Gedanken, „oder brauchst du jetzt auf die Erzählungen von Paul hin, eher einen Beruhigungstee anstatt Bier?“, fragte er Carl, während er aufstand, dem mitgenommen wirkenden Freund das Bier abnahm, sich wieder hinsetzte, die Flaschen öffnete und mit den Worten: „Alkohol hilft vielleicht vorübergehend diese elende >Karinakrise< zu vergessen, aber hilft nicht unbedingt aus einer Krise hinaus!“ jedem sein Bier zuschob. Carl holte tief Luft und setzte zu einer Erklärung an: „Nein, da hilft kein Tee und kein Bier – weder dem Paul noch mir“, und als Heiner verständnislos von einem zum anderen blickte, erklärte Carl Eugen weiter: „Man muss nicht erst umständlich aus anderen Kontinenten hierher nach Europa geflohen sein, um Frauen das Leben schwer zu machen.“

Paula

Heiner, der nicht wusste auf was Carl hinauswollte, wandte sich erneut an Carl: „Mensch, jetzt sag mal was los ist, hat dich die Geschichte von Paul derart umgehauen, dass du jetzt so blass bist, wie ein Kätzle am Bauch? Und außerdem hast du doch gar keine Frau“ und setzte nach einer Weile grinsend nach, „oder doch, sag, wo hast du sie versteckt?“ Carl Eugen Friedner seufzte und atmete nochmals tief durch: „Also, es gibt eine Frau von der ich euch seither nie erzählt habe. Ich schäme mich wie Paul über mich selber, und ich möchte am liebsten alles vergessen, was mit ihr zusammenhängt – sie heißt Paula. Aber das Vergessen funktioniert nicht, weder in meinem Hirn noch in meinem Herzen, und seit es mir gesundheitlich wieder besser geht, erst recht nicht mehr. Es fühlt sich an, als müsste ich einen schweren Stein mit mir herumschleppen den ich nirgends ablegen kann.“ Heiner blickte den Freund ungläubig an, sein Leben war – seit er mit Thea verheiratet war – geordnet.

Wärme-Kraft-Kopplung in anmutiger Kocherstadt

Neben den laufenden Aufregungen und Unwägbarkeiten, welche die Gründungen, Erweiterungen und die Aufrechterhaltung der Energiefirmen über Jahrzehnte hinweg mit sich brachten, hätte er keinerlei zusätzliche persönliche Belastungen vertragen. Heiner Grün hatte vor mehr wie vierzig Jahren angefangen, in den örtlichen Presseorganen seiner Heimatstadt mit Schriften aufzuklären und informelle Busreisen zu organisieren. Heiner wollte damals unter anderem, dass man die gute Idee der Wärme-Kraft-Kopplung* zum Betreiben von sogenannten Blockheizkraftwerken*, die in der anmutigen Kocherstadt im Nachbarkreis, in einem dort entstehenden, neuen Wohnviertel eingebaut wurden, durch Besichtigungen gründlich kennenlernte. Heiner Grün fand es schon damals enorm wichtig, dass der Gesamtwirkungsgrad von eingesetzter Energie in Heizungsanlagen so hoch wie möglich lag. Und im Lauf der Zeit wurden verschiedenste Energiefirmen unter dem Dach seiner GEDEA* vereinigt.

Energiedschungel

Der Weg durch den wirtschaftlichen und politischen Energiedschungel war oft arg steinig, aber seine Frau Thea unterstützte ihn, fast ausnahmslos darin, sich immer wieder aufs Neue für die zukunftsweisende dezentrale Energieversorgung in bürgerschaftlicher Hand einzusetzen. Die Verkündung der EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen* gaben ihm jetzt, in seinem unerschütterlichen Bestreben und in seinen stets sorgfältig weiterentwickelten Energiewendegedanken, letztlich doch recht. Er wurde neuerdings sogar von der Agentur für erneuerbare Energien e.V.* zu einem Interview gebeten. Die Eröffnungen von Paul schlauchten Heiner und er hatte bereits genug von den Berichten der Beziehungsstrapazen des einen Freundes – er hatte ja Glück mit seiner Ehefrau gehabt – wollte jetzt der andere etwa auch noch den Bodensatz vergangener Intimitäten aufrühren?

Gemeiner Betrug

„So, und jetzt erzählst du uns von deiner Paula, dann versenken wir den schweren Stein und du bringst das wieder in Ordnung. So wie wir dich kennen, Carl, kann das Ganze doch gar nicht so schlimm sein“, versuchte Heiner Carl zu beruhigen. „Diesmal täuschst du dich Heiner“, erwiderte Carl und begann den Freunden von der langjährigen innigen Zuneigung zu seiner geliebten Paula zu erzählen und von dem gemeinen Betrug, den man an ihr verübte und an dessen Gelingen er als ihr Steuerberater und Rechtsanwalt damals sogar maßgeblich beteiligt war.

Verstrickt

„Paula Engel, Handwerksmeisterin und Künstlerin, wurde meine Mandantin, weil angesehene Bürger aus der Kreisstadt, alte Verbindungen aus meiner Schulzeit, denen ich mich damals, vor zwanzig Jahren, immer noch verbunden fühlte, auf ihr Erbe aus waren. Sie wähnte sich bei mir sicher, da ich vom Land kam und ein ehrbarer Hohenloher war, der anscheinend nichts mit den Brüdern* in der Stadt zu schaffen hatte. Paulas Erbe war ein wertvolles Baudenkmal mitten in der historischen Altstadt. Damals hat man mich in einer perfiden Intrige gegen sie ausgespielt. Es waren ein früher einflussreicher Landespolitiker, der heute nur noch als Gemeinderat fungiert sowie ein rühriger selbsternannter Bauhistoriker, den man zum Ende der Intrige mit einem kleinen Anwesen abgefunden hat, in die ganzen undurchschaubaren Machenschaften verstrickt. Im Zusammenspiel mit dem ortsansässigen Kreditinstitut wurde Paula Engel gezielt um ihr Erbe gebracht. Ein vermögender Onkel Paulas wurde irgendwann eingeweiht und versuchte als erfolgreicher Geschäftsmann einzugreifen. Er wollte damals retten, was noch zu retten war, aber dieser Onkel starb leider am Tag des vorgesehenen Vertragsschlusses.“ Carl Eugen Friedner ließ nichts aus, erzählte auch von der Drohung, die damals gegen ihn gemacht wurde, sollte er es wagen mit den Geschehnissen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Knapp dem Tod entgangen

Er legte vor Paul und Heiner ein umfassendes Geständnis ab und überwand sich auch von der mit Fleiß* misslungenen Gerichtsverhandlung zu erzählen, von seiner jahrelangen Feigheit, seinem Schweigen gegenüber Paula, seiner Erkenntnis, dass er mit ihr hätte reden sollen, ja müssen, und auch davon, dass er erst vorhin erfahren habe, dass sie vor drei Jahren nur knapp dem Tod durch einen Überfall entgangen sei. „Wieso hast du das erst jetzt erfahren?“, wollte Heiner wissen, der nach einer Weile als erster wieder das Wort ergriff. Er beugte sich in Richtung des Freundes vor, um dann eindringlich an Carl zu appellieren: „Carl! Vor Dir kann es einem aber auch grauen. Mensch, das musst du unbedingt wieder in Ordnung bringen!“ … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Wärme-Kraft-Kopplung in Blockheizkraftwerken: https://de.wikipedia.org/wiki/Blockheizkraftwerk

*GEDEA: https://cdn.website- editor.net/f2e4bd5c50274b788f195797ce845591/files/uploaded/A%252BKompakt- Bericht%2520D%2520Stand%252031.12.2019-Internet.pdf

* EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen EERL/EU-Richtlinie: https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/gesetz/4696

*Agentur für erneuerbare Energien e.V.: https://unendlich-viel-energie.de/

*Text zum Interview: https://cdn.website- editor.net/f2e4bd5c50274b788f195797ce845591/files/uploaded/ZzZ- Manuskript%2520Podcast-Querformat.pdf

*Brüder: Siehe Episode “Verrat“ aus „Irgendwo in Hohenlohe“: http://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=19981

*mit Fleiß: Redewendung zu etwas, das mit voller Absicht unterlassen oder gemacht wurde.

Kontaktaufnahme zur Autorin ist möglich unter folgender E-Mail-Adresse:

b.haebich@web.de

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