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„Schildbürgerstreich am Haller Bahnhofareal Nord: Parkhaus statt Parkplätze“ – Teil 2 der vierteiligen Artikelserie von Paul Michel

Im Gegensatz zum „Bahnhofsareal Süd“ ist das „Bahnhofsareal Nord“ In Schwäbisch Hall im Moment kein großes öffentliches Thema. Ich habe festgestellt, dass kaum jemand weiß, welche Veränderungen die Stadt für die Fläche plant, die stadtseitig vor dem Bahnhof liegt und momentan in Form von Parkplätzen und Bushaltestellen genutzt wird.

Von Paul Michel, Schwäbisch Hall, Teil 2 der vierteiligen Artikelserie über das Haller Bahnhofsareal

Viele Klötzchen

Hin zu den Gleisen gibt es noch ein paar Restgebäude des alten Güterbahnhofs, die aber nicht mehr genutzt werden. Auf den Planskizzen der „Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft“ (HGE) zu diesem Gebiet sind in diesem Bereich nur unscheinbare kleine Kästchen erkennbar. Am Modell für die Pläne im Bahnhofareal wird deutlich erkennbar, was da passieren soll: Es weist in diesem Bereich viele Klötzchen auf. Die Klötzchen besagen, dass auch in diesem Bereich eine Bebauung mit Häusern stattfinden soll. Auf Nachfrage bestätigte das Herr Mathieu vom Planungsamt der Stadt. Offenbar weiß die Stadt aber noch nicht so recht, was sie dort bauen will. Sicher ist, dass es nicht eine Wohnbebauung in der Art wie im „Bahnhofsareal Süd“ geben soll. Herr Mathieu äußerte sich bei einem Gespräch mit Mitgliedern der „Linken Liste“ dahingehend, dass die dort neu entstehenden Immobilien wohl überwiegend gewerblich genutzt werden sollten. Näheres konnte oder wollte Herr Mathieu aber nicht sagen.

Stadt will mehr Einnahmen

Wie zum Teufel kommt die Stadt auf die Idee, in diesem Bereich gewerblich genutzte Räume für Architekten, Rechtsanwälte, Steuerberater oder Immobilienbüros zu bauen? Bisher war noch nie die Rede davon, dass es in Schwäbisch Hall einen Mangel an Büroraum für Rechtsanwälte, Steuerberater, Immobilienmakler oder Unternehmensberater gibt. Dennoch will die Stadt in dem Bereich, der bisher von Pendlern mit der Bahn als eine Art Park & Ride benutzt wird, Bürogebäude bauen. Es liegt der Verdacht nahe, dass die Stadt mit der Bebauung des Areals durch Verkauf oder Vermietungen an kleine Firmen oder Selbstständige einfach ein paar Mehreinnahmen generieren will.

Parkhausbau = Steuergeldverschwendung

Quasi als Ausgleich soll offenbar direkt unter der Fläche, die oben zugebaut wird, unten ein Parkhaus gebaut werden. Nun weiß jederman/ jedefrau, dass Parkhäuser nicht gerade billig sind. Es mutet wirklich wie ein Schildbürgerstreich an: Millionen werden für Parkhäuser verschleudert, um letztendlich weniger Parkplätze zu schaffen als man selber gerade zugebaut hat für Häuser, die niemand braucht. Ein Fall von Steuergeldverschwendung, deren einziger Nutznießer wohl die beauftragten Baufirmen sind. Für Pendler, die bisher gratis ihr Auto am Haller Bahnhof abstellen konnten, heißt das: Parkhausgebühren, wo bisher gratis Parken üblich ist. Es bedarf schon einiger Frechheit, zu behaupten, dass dieser Parkhausbau eine Maßnahme zur Förderung des ÖPNV ist. Denn im erwähnten Gespräch wollte Herr Mathieu vom Bau-Planungsamt zwar nichts über die Höhe der angedachten Parkgebühren sagen. Aber dass das Parken in diesem Parkhaus umsonst sein werde, schloss er aus.

Nadelöhr in der Steinbacher Straße

Hinzu kommt, dass eine Verlagerung der Bushaltestellen geplant ist. Geht es nach den Planern, so soll es künftig vier Bushaltestellen an der Steinbacher Straße geben – etwa in der Höhe, wo heute die Bahnhofsstraße in die Steinbacher Straße einmündet. Schaut mensch sich die Verhältnisse konkret vor Ort an, wird deutlich, welch ein Unfug da geplant wird. In dem Bereich der Einmündung der Bahnhofstraße in die Steinbacher Straße wird ein Nadelöhr entstehen, wenn hier auf engsten Raum ein mit Ampel geregelte Fußgängerübergang, vier Bushaltestellen und noch die Ein- und Ausfahrt aus dem Parkhaus zusammenkommen. An dieser Stelle ist auf beiden Seiten der Steinbacher Straße kaum Platz für eine Verbreiterung. Auf der einen Seite ist der Hang hin zum Bahnhof, auf der anderen Seite gibt es in Richtung Rentenversicherung keinen Platz für eine Verbreiterung der Straße.

Von der Stadt Auskunft verlangen

Was also tun? Eine Schneise in den Hang schlagen? Oder den Autoverkehr in der Steinbacher Straße anhalten, solange dort Fahrgäste aus dem Bus einsteigen und aussteigen? Und wie soll die Ein- und Ausfahrt der Autos zum Parkhaus geregelt werden? Nach Angaben von Leuten, die diese Strecke oft mit dem Auto befahren, gibt es jetzt dort schon ein hohes Verkehrsaufkommen – nicht nur in den Stoßzeiten. Es gehört wenig Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass in diesem Bereich Staus und Chaos fast der Normalfall sein werden, wenn dort Fußgängerübergang (mit Ampel), Ein/Ausfahrt zum Parkhaus und Busverkehr (mit oder ohne Abbiegespur?) bei einer deutlich verengten Fahrbahn zusammenkommen. Auf die Frage, was denn konkret die Pläne für diese Stelle seien, wusste Herr Mathieu nicht viel zu sagen. Mein Eindruck war, dass es den Planern noch gar nicht klar ist, welchen Engpass sie an dieser Stelle schaffen. Die Haller BürgerInnen hätten aber jeden Grund, hier von der Stadt Auskunft zu verlangen. Absolut unverständlich ist, warum dieser Unsinn in Planung im alten Gemeinderat niemand aufgefallen ist.

Eine einfache Lösung

Mein Resumee zum „Bahnhofareal Nord“ sieht so aus: Erstens blöd und zweitens teuer. Parkplätze zu überbauen, um darunter ein Parkhaus zu errichten – darauf muss man erst mal kommen. Ein echter Schildbürgerstreich. Es gehört wirklich schon eine gehörige Portion Unverfrorenheit dazu, wenn in der Einleitung zur Vorlage im Gemeinderat die bestehenden Pläne als ein Beitrag zur Stärkung des ÖPNV bezeichnet werden. In Wirklichkeit machen die Verlagerung der Bushaltestellen und der Bau eines Parkhauses den Umstieg auf die Bahn teurer und beschwerlicher. Ganz zu schweigen davon, welche Folgen die geplanten Verschlimmbesserungen im Bereich Steinbacher Straße/ Bahnhofstraße haben werden. Dabei ist auch hier die Lösung gar nicht so schwierig: Belassung der Parkplätze auf dem Areal „Bahnhofareal Nond für die Pendler kürzer und stressloser als das, was die Stadt plant. Das Belassen der Bushaltestellen, da, wo sie jetzt sind, hat weitere Vorteile gegenüber jenem Szenario der Planer: 1.) Der Weg zu den Zügen ist kurz. 2.) Sie müssen keine Straße (mit oder ohne Ampel) überqueren und auf keinen fließenden Autoverkehr achten. 3) Sie sparen sich Ärger, wenn es mal schnell gehen muss.

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