„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden einundfünfzigster Teil

„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden einundfünfzigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

LI Reue

… „An dem Nachmittag als ich mit Ewald Bündner zu den Vertragsverhandlungen ging, stimmten wir auf dem kurzen Fußweg, zwischen dir hier und dem Hafenmarkt, den Verhandlungsspielraum ab. Wir wurden höflich empfangen, es gab keine große Runde, aus dem Vorstand saß lediglich Peter Fade am Tisch, Dreist als dein zuständiger Bankberater und Vorderschein. Die Stimmung wurde ziemlich eisig, als Ewald Bündner gleich zu Beginn des Gesprächs seine Machtposition ausspielte und durchblicken ließ, dass er den gesamten Vorstand mit Rechtsmitteln überziehen würde, falls man sich nicht zügig einig werden wollte. Dein Onkel machte kein großes Federlesen, als souveräne und verhandlungssichere Persönlichkeit nannte er sofort eine Summe, mit der er deine Schulden ablösen und den oberen Hausteil zu übernehmen gedachte.

Weichgeklopft

Den Vorderschein hatte Dreist wohl schon am Vormittag weichgeklopft. Man wollte ihm ja sowieso auch niemals nur ein Stück von diesem historischen Bauwerk überlassen. Es war also nur noch eine Formsache des Vorstandes, ihm den gerichtlich erstrittenen Vorverkaufsvertrag offiziell gegen die Verbriefung eines anderen Objektes abzunehmen. Somit waren die Verhandlungen zu den Vertragsmodalitäten im Schnelldurchlauf erledigt und man tauschte die üblichen Höflichkeiten aus. Beim Gespräch wirkte Herr Bündner ganz ruhig – „Oh“, und Carl schnellte von seinem Platz hoch und lief aufgeregt durch den Raum, „da fällt mir noch etwas Wichtiges ein. Auf dem Weg, erwähnte er mir gegenüber kurz, dass er sich über die hier anführenden Bankherren, wie er sie heraushebend nannte – vermutlich waren Fade und Hagenstein gemeint – erkundigt habe und dabei sei, ihnen auf die Schliche zu kommen. Sein Anwalt wolle ihn gleich morgen früh unter vier Augen sprechen. Uns blieb aber keine Zeit, das Thema zu vertiefen. Ich ging davon aus, dass wir später noch ausführlich reden würden.“ Carl zog die Augenbrauen hoch, schaute Paula fragend an und setzte sich wieder hin.

Bleibt in der Familie

Nachdem wir unsere Vertragsausfertigungen erhielten, verließen wir umgehend das Gebäude. Danach begleitete ich Ewald Bündner in die Tiefgarage, er wollte auf einmal sofort heimfahren. Er schien müde zu sein und meinte, es wäre ihm heute nicht wohl. „Trotzdem bestand er darauf, dass ich dich herzlich von ihm grüßen und dir ausrichten solle, dass jetzt andere Zeiten anbrechen würden.“ Carl Eugen wurde traurig und seine Stimme leise: „Dein Onkel war ein besonderer Mensch, ich hätte noch viel von ihm lernen können. Er war sich seiner Macht und der Wirkung seines Vermögens bewusst und trotzdem nahm er seine Gegenüber stets partnerschaftlich an. Und er wollte mir die Verwaltung seines >Haller Vermögens<, wie er es spöttisch nannte, übertragen. Ich sei vor Ort, und >meine Nichte scheint Sie wohl ins Herz geschlossen zu haben, Herr Friedner, damit bleibt das Haller Vermögen ja dann auch in der Familie< meinte er augenzwinkernd als er sich verabschiedete.

Resignierter Tonfall

„Mit seinem tödlichen Zusammenbruch hatte ich erneut einen Vertrauten und den Einfluss auf deine Angelegenheiten verloren. Weder seine Frau noch jemand aus der
Familie seiner Frau kam auf mich zu. Im später gefundenen Testament stand wohl kein Wort von dir oder mir. Wir wären sonst ja eingeladen worden. Auf meine Recherchen hin erfuhr ich nur, dass dieses Testament nicht notariell abgesichert war.“ Carl seufzte, blickte auf den Boden und sprach dann mit resigniertem Tonfall weiter: „Um mehr in dieser Angelegenheit zu tun, fehlte mir dein ausdrücklicher Auftrag. Also ließ ich weitere Nachforschungen bleiben. Der später eingesetzte Verwalter nahm Kontakt zu mir auf und wollte mir unbedingt meine Beratungsgebühr für die Vertragsverhandlungen erstatten, obwohl ich an deinen Onkel nie eine Rechnung gestellt hatte. Ich lehnte ab, schließlich war ich nur in deinem Auftrag bei den Verhandlungen dabei gewesen. Das ist alles was mir momentan dazu einfällt Paula“, und er wandte ihr sein Gesicht wieder zu. „Sind damit deine Fragen beantwortet?“

Augen funkeln

„Vorläufig, aber sag mir Carl, warum hast du so lange gewartet? Wieso hast du dich nicht schon früher an mich gewandt, oder mit mir gesprochen? Ich habe dir geschrieben, dir angerufen, dich in deiner Kanzlei besuchen wollen – du hast dich verleugnen lassen. Du wolltest mir nicht einmal meine Unterlagen zurückgeben als ich dich persönlich mit meiner Freundin Meli zusammen in deiner Kanzlei darum gebeten hatte“ Paulas Augen begannen schon wieder verdächtig zu funkeln, doch Carls Blick war noch stur auf den Boden gerichtet. Er saß da wie ein begossener Pudel und bereute zutiefst was er mit seiner überheblichen Fehleinschätzung angerichtet hatte. Es brauchte eine Weile bis er Paula wieder anschauen konnte.

Juristisch verworren

„Ich fühlte mich verantwortlich für die ganzen Geschehnisse und schämte mich wegen meiner Verfehlung vor dir. Jahrelang irrte ich wie betäubt herum, außerstande über meine Fehler zu reden und jede Begegnung mit dir schmerzte mich. Ich konnte dir nicht mehr unter die Augen treten und wurde darüber kränker und kränker. Mein Arzt hat bei seinen Untersuchungen und Behandlungen ständig betont, dass ich zusätzlich eine Lösung für meine Sorgen finden müsse, sonst würden die ganzen Therapien und Kuren auf Dauer nichts bringen. Ich solle mir seelische Hilfe geben lassen. Aber irgendeinem Fremden hätte ich kein Wort von dem Geschehenen erzählen können. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.“ Carl macht eine Pause bevor er weitersprach. „Wahre Freunde, die es gut mit mir meinten waren rar. Unser alter Knecht, der mir immer mehr wie ein Freund war, hatte schon gleich gar nichts für Frauen übrig, und ansonsten gab es kaum Vertraute, vor denen ich meine Gefühle zu dir ausbreiten wollte. Zudem brauchte ich in dieser ja auch juristisch verworrenen Geschichte fachlich fundierte Hilfe. Es hat lang gedauert bis es mir in den Sinn kam, mich Anton anzuvertrauen. Er ist der einzige, der uns beide kennt. Anton ist unparteiisch, er verurteilt mich nicht. Aus seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung weiß er um die tiefen Abgründe der Menschen, ihm traute ich einen guten persönlichen Rat zu. Sein Vorschlag kam mir umsetzbar vor, ich schöpfte wieder Hoffnung. Und mit dir zusammen, Paula, scheint mir ein Ausweg aus der schwierigen Situation möglich zu sein…. Fortsetzung folgt.

Wer hat auch schon eine Immobilie verloren?

Sollte sich jemand aus der Leserschaft, durch die Beschreibung der Machenschaften daran erinnert fühlen, wie eine Immobilie verloren gegangen ist, können sich diejenigen gern an die Autorin wenden.

Kontaktaufnahme zur Autorin:

E-Mail: b.haebich@web.de

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