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„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden fünfzigster Teil

Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

L Mensch

… augenblicklich hörte Carl auf in der Teetasse zu rühren und sah Paula aufmerksam an. „Meine liebe Paula,“ fing er an, doch Paula fiel ihm ohne zu zögern lautstark ins Wort: „In diesem Fall bin ich überhaupt und gar nicht >Deine liebe Paula<, was war zwischen euch? Warum musstest du ausgerechnet auch noch mit der etwas anfangen?“ Carl schwieg und wartete bis Paula sich beruhigt hatte, dann antwortete er: „Du hast mir in dieser Zeit nur allzu deutlich gezeigt, dass du nicht mehr von mir als Steuererklärungen und die korrekte Anwendung von Paragraphen erwartet hast – ich bin auch nur ein Mensch. Es war nicht viel zwischen uns, eine kleine Liebelei, eine Nacht, nichts Wichtiges Paula, glaub mir. Es war ein warmer Sommerabend und du bist damals ja nicht mit zu dem Gespräch bei deinem Onkel gekommen. Es wäre mir lieber gewesen, wenn es bei diesem Ausflug zwischen uns beiden eine Annäherung gegeben hätte. Ich war damals bereit zu mehr zwischen uns, aber du wolltest ja nicht einen Schritt aus deinem Atelier hier weg. Was hätte ich tun sollen? Sie etwa zurückweisen?“ Carl zuckte unschuldig mit den Schultern und schüttelte verneinend den Kopf, als ob Paula etwas völlig Absurdes von ihm verlangen würde.

Wie betrogene Ehefrau

Und Paula erkannte, dass sie ihre brennende Eifersucht sofort wieder in den Griff bekommen musste. Sie hatte überhaupt kein Recht, sich wie eine betrogene Ehefrau aufzuführen. Sie wollte damals partout nicht mit an den Bodensee. Die Entfernung war zu groß, um am gleichen Tag wieder zurückzufahren. Hatte der Onkel sie ja auch extra zusammen und ganz herzlich eingeladen, bei einem Besuch ein paar Tage in der geräumigen Villa zu bleiben. Sie hätten auf dem weitläufigen Gelände direkt am See wunderbar Ferien machen können. Faulenzen, baden, in der Sonne liegen, sich auf der Terrasse mit gutem Essen verwöhnen lassen und interessante Unterhaltungen mit dem Onkel und der Tante führen können.

Angebot

Es war ihre eigene Schuld, sie hatte Carl beharrlich auf Distanz gehalten, hatte jede Gemeinsamkeit gescheut und keine Nähe zugelassen. Paula war mit der lapidaren Begründung, arbeiten zu müssen, einfach vor dem gemeinsamen Wochenende davongelaufen. Ihr fiel nichts ein, was sie jetzt Vernünftiges dazu sagen könnte, also schwieg sie und wartete, ob Carl ihre damaligen Zicken weiterverfolgen würde. Doch Carl war nicht danach, beleidigt zu sein oder Paula gar Vorwürfe zu machen. Bei dem Gedanken an die kurze Affäre mit Luzia musste er lächeln – es war wirklich nur ein ganz kleines Abenteuer gewesen. Es kamen keine besonderen Liebesgefühle dabei auf, die Begegnung war dem warmen Sommertag geschuldet, eine günstige Gelegenheit, es gab auch kein Nachspiel. Und so beschloss er das Thema mit den begütigenden Worten: „Paula, es war nur eine Nacht. Mehr nicht. Meine ganze Zuneigung galt und gilt nur dir. Und falls du dich erinnerst – ich habe dir vorhin angeboten meine Frau zu werden.“

Späte Selbsterkenntnis

Paula errötete wie ein Schulmädchen und wich seinem Blick aus. Sie ärgerte sich, warum musste sie ihm auch derart deutlich zeigen, dass sie sogar jetzt noch eifersüchtig war. Er sollte sich bloß nichts darauf einbilden. Und gleichzeitig keimte in ihr langsam aber sicher eine Erkenntnis auf: Sie hatte über Jahre hinweg Carl Eugen Friedners Illusion von einer liebevollen Gemeinsamkeit geschürt und mit seinem Bedürfnis nach Zuwendung und Zärtlichkeit gespielt. Trotzdem dachte Paula damals gar nicht daran, sich ernsthaft auf eine Liebesbeziehung mit ihm einzulassen. Sie hatte ihn gern in ihrer Nähe, sie beobachtete ihn, lediglich darauf bedacht, dass er tat was sie wollte. Hatte er seinen Dienst getan, weidete sie sich dann an seiner schüchternen Hilflosigkeit und ließ ihn kühl abblitzen. Sie hatte sich nicht nur verweigert, sondern sie hatte ihn mit ihrer gezielt an den Tag gelegten Zurückhaltung und ihrem stetigen Geziere auch noch in die Arme einer anderen Frau getrieben. Paula Engel traf diese späte Selbsterkenntnis wie ein Schlag. Sie wurde sie blass und sank vollkommen in sich zusammen.

Veränderungen

Carl bemerkte ihre Veränderung und blickte sie besorgt an. Sie weinte zwar nicht, aber es schien eine Veränderung in seiner geliebten Paula vorzugehen, von der sie nichts nach außen dringen lassen wollte. Er meinte ihren Schmerz über etwas zu spüren, aber er nahm gleichzeitig wahr, dass sie ihn auf keinen Fall daran teilhaben lassen wollte. So behielt er sie einfach im Auge, begann in kleinen Schlucken seinen Tee zu trinken und ließ sich die restlichen Kekse dazu schmecken.

Last der Erkenntnisse

Bisher hatte sie sich niemals ihr eigenes Verhalten bewusst gemacht, keinen Gedanken daran verschwendet, dass Carls vermeintliche Untreue auch eine Folge ihrer eigenen dummen Spielereien hätte sein können. Und womöglich war seine mangelnde Professionalität bei der Verhandlung auch nur ein weiterer unbewusster Versuch von ihm, ihren Manipulationen etwas entgegenzusetzen. Sie atmete schwer. Die Last der Erkenntnisse drückten sie, aber sie war außerstande mit Carl Eugen offen darüber zu reden. Sie meinte auch jetzt, sie müsse ihre Fehler vor ihm verbergen und schwieg.

„Nein, bleib“

„Kann ich bitte noch einen Tee bekommen?“, fragte Carl die in sich gekehrte Paula mit sanfter Stimme. „Ja, selbstverständlich“, antwortete sie abwesend. Paula stand auf und bereitete Carl eine weitere Tasse Tee zu. Noch immer war sie von ihren eigenen Erkenntnissen wie erschlagen. „Bist du müde?“, fragte Carl sie mitfühlend, „soll ich gehen – es war viel heute“. „Nein, bleib“, antwortete Paula, und Carl meinte in ihrer Stimme ein leichtes Flehen zu vernehmen. Mittlerweile hatte sie wieder etwas Farbe im Gesicht bekommen, daher sicherte Carl ihr gern sein Bleiben zu: „Gut, wenn du meinst.“ Und als Carl im versprochenen frisch gebrühten Melissentee rühren konnte, begann er Paulas Fragen zu ihrem Onkel Ewald Bündner zu beantworten … Fortsetzung folgt.

Wer hat auch schon eine Immobilie verloren? – Bitte melden

Sollte sich jemand aus der geneigten Leserschaft, durch die Beschreibung der Machenschaften daran erinnert fühlen, wie eine Immobilie verloren gegangen ist, können sich diejenigen gern an die Autorin wenden.

Kontaktaufnahme zur Autorin:

E-Mail: b.haebich@web.de

Geschichte als Buch erschienen – Zu beziehen über den Buchhandel und direkt bei der Autorin

Die Geschichte „Irgendwo in Hohenlohe“ von Birgit Häbich ist auch als gebundenes Buch im Kairos Verlag Tübingen erschienen. Es hat 230 Seiten und ist ab sofort unter der ISBN 978-3-920523-21-7 im Buchhandel beziehbar und kann auch direkt bei der Autorin per E-Mail an b.haebich@web.de portokostenfrei bezogen werden.

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