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„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden sechsundvierzigster Teil

„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden sechsundvierzigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XLVI Chancen

… Carl schwieg und behielt Paula wartend im Auge bis sie wieder etwas Farbe im Gesicht hatte. Sie atmete gleichmäßig, ließ aber ihre Augen geschlossen. Paula spürte deutlich, dass sie ihn endlich in der Hand hatte, er würde alles für sie tun, dessen war sich Paula Engel nun absolut sicher – sie durfte Carl jedoch auf keinen Fall dieses triumphale Gefühl zeigen. Also hob sie ihre Lider erst, als sie sich soweit gefangen hatte, dass ihre Augen lediglich die vornehme Blässe ihrer Haut wiederspiegeln würden.

Ein Prinzgemahl

„Wieso war man auf den Vorderschein eigentlich angewiesen, der hatte ja nicht mal ein abgeschlossenes Studium und brauchte doch immer seine Schwäger, wenn es um baurechtliche Genehmigungen ging?“, fragte Paula so harmlos wie nur möglich um Carl zum Weiterreden zu bringen. „Heike Vorderschein, seine Frau, hatte wohl irgendwann kurz vor ihrer Ehe mit Vorderschein, ein Verhältnis mit Fieläckerle, der wollte sie aber nicht heiraten. Außerdem war man in der Familie zufrieden als sie eines Tages mit dem scheinbar einfach zu handhabenden Balduin daherkam. Mit seinem Interesse an altem Gemäuer und seinem tatkräftigen Auftreten, welches er in die Ehe einbringen konnte, erschien Holger als der ideale Mann für Heike. Er würde mit ihr kräftige Söhne zeugen und ansonsten tun was man von ihm verlangte. Er war ein Prinzgemahl, zu melden hatte er nichts, das Vermögen um seine Interessen verfolgen zu können, kam allein von Heike und sie schien, zumindest anfänglich, glücklich mit ihm zu sein.“

Üppiges elterliches Erbe

„Zuerst hatten sie ja ein Antiquitätengeschäft, dort irgendwo in der Nähe wo der Windele in dem Eckhaus seine Kanzlei hat, wenn ich mich recht erinnere?“, fragte Paula gezielt dazwischen, froh darüber, dass sie Carl ihr bewegtes Innere verbergen konnte. „Ja“, meinte er kurz und versuchte sich an die verworrenen Beziehungskonstruktionen aus den alten Verbindungen zu erinnern. „Heike Vorderscheins Brüder waren auf demselben Gymnasium wie ich und Fieläckerle, studierten aber dann in handfesten Bereichen wie Architektur und im Ingenieurwesen, soweit ich mich erinnere“, dachte Carl zuerst laut nach, um dann Paulas Frage zu beantworten: „In dem Laden war jedenfalls nichts los. Vorderschein hatte zu wenig Ahnung von wertvollen Möbeln und sie war vom Wesen her zu kühl, um eine erfolgreiche Händlerin abzugeben. Außerdem ließ Vorderschein seine Frau zu oft alleine im Geschäft und verschwand unter dem Vorwand, in seiner Werkstatt noch für das Freilichtmuseum etwas tun müssen. Das hatte zur Folge, dass Heike sich bei ihrer Familie diesbezüglich beklagte. Um den Missstand zu beseitigen, wurde aus dem üppigen elterlichen Erbe Geld zur Verfügung gestellt. Heike und er konnten damit das ehemalige Wirtschaftsgebäude in der Mühlau, also dort wo er seine Werkstatt betrieb, erwerben. Damit war er sinnvoll beschäftigt und Rita konnte ihn besser im Auge behalten.

Einfluss auf die Fördergelder

Vorderschein baute das Anwesen großzügig aus. In den oberen zwei Stockwerken konnte die Familie wohnen, sie hatten dann ja drei Kinder, Buben meine ich.“ Carl musste kurz nachdenken bevor er fortfuhr: „ … im Untergeschoss, war jedenfalls Platz für einen eindrucksvollen Empfangsbereich und Büroräume. In den Anbauten erweiterte er seine Werkstatt. Heike legte einen Bauerngarten hinterm Haus an und fertig war das Idyll. Von da an nannte er sich jedenfalls Bauhistoriker und baute seinen Einflussbereich aus. Die verdeckten Steigvorlagen von Fieläckerle und Schneider kamen Zug um Zug zum Tragen. Harald Fieläckerle hatte in seiner Position
Einfluss auf die Fördergelder, und wenn es ihm gefiel, konnte er hier oder da eine verwaltungstechnische Vergünstigung ermöglichen. Gesetze und Verordnungen wurden von den zuständigen Beamten, je nach Anweisung, nicht ganz so eng auslegt. Hier eine Genehmigung, da ein Zuschuss – und Vorderscheins Unternehmungen waren gesichert. Dass die Gelder an die Bauherren flossen, oder wie es in deinem Fall passiert, manchmal auch nicht, oder einfach leider … „Carl machte eine kleine Pause, „nicht rechtzeitig genug ankamen, dafür waren mein Freund Schneider und der kleine Dreist sowie Teile der Vorstandschaft, also hauptsächlich Fade und Hagensteins Vorgänger zuständig.“

Fürsorge

Tatsächlich hatte sich Carl Eugen Friedner von Paulas Ablenkungsmanöver hinters Licht führen lassen. Er war derart begeistert über ihre gefasste Art mit seinen Eröffnungen umzugehen, dass er nun bereitwillig alles preisgab. Als Paula ihn unvermittelt fragte: „Möchtest Du jetzt einen Kaffee und etwas Süßes dazu?“, war er vor lauter Begeisterung nahe daran abzulehnen. Trotzdem nahm Carl Paulas Fürsorge recht gern an. Sie hatte extra für ihn Kekse besorgt und war nur wegen ihm in den Naturkostladen zum Einkaufen gegangen. Die Dinge waren dort wesentlich teurer als in den Discountern, in denen Paula sonst einkaufte. Sie schien ihn also doch hoch zu schätzen, wenn sie wegen ihm eine so aufwendige Verpflegung bereitstellte und dazu  noch nicht einmal eine spöttische Bemerkung über seine teuren Vorlieben fallen ließ. Ein zufriedenes Lächeln machte sich in Carls Gesicht breit.

Stur wie ein Bock

„Ja, gern“, antwortete er nur und ließ vor seinem geistigen Auge die Zusammenhänge, von denen er Paula erzählen wollte, vorbeiziehen. Paula stand erleichtert lachend auf und ging in ihr Büro. Carl folgte ihr um seine Hilfe zum Tragen und Tischdecken  anzubieten. Er räumte Teller, Zucker und kleine Löffel auf das bereitgestellte Tablett und stellte alles auf den Tisch, während Paula sich an der Kaffeemaschine zu schaffen machte. „Milch ist im Kühlschrank, dort stehen auch die Mohrenköpfe“, rief sie ihm zu, ohne sich umzudrehen. Kurz danach rauschten zwei heiße schwarze Rinnsale in die untergestellten Tassen und ein herber Geruch nach Kaffee breitete sich überall aus. Carl drapierte das opulente Gebäck auf die Teller, welches nun in der Wärme anfing seinen schweren schokoladigen Duft auszuströmen. „Mh, Paula, wie schön!“, entfuhr es Carl da. „Ja und das hättest du schon lang haben können, aber du warst ja stur wie ein Bock“, konterte Paula barsch … (Fortsetzung folgt).

Wer hat auch schon eine Immobilie verloren?

Sollte sich jemand aus der Leserschaft, durch die Beschreibung der Machenschaften daran erinnert fühlen, wie eine Immobilie verloren gegangen ist, können sich diejenigen gern an die Autorin wenden.

Kontaktaufnahme zur Autorin:

E-Mail: b.haebich@web.de

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