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„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden zweiundvierzigster Teil

„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden zweiundvierzigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XLII Liegenschaften

… „doch diese Sparkassenbrüder zerlegen wir heute Nacht nicht mehr. Also bis bald meine Liebe.“ Sie waren vor Carls Haus angekommen, Paula stellte den Wagen ab und blickte stumm vor sich hin. Carl war nun wirklich erschöpft und wollte sich zwar kurz, jedoch mit einer liebevollen Geste von Paula verabschieden. Paula aber blieb regungslos am Steuer sitzen bis er ausgestiegen war. Erst als er von außen durch die Türöffnung einen fragenden Blick auf sie warf, wurde ihr bewusst, dass es für heute Abschied nehmen hieß. „Ich rufe dir an so wie ich wieder länger Zeit habe,“ war alles was Paula herausbrachte. Dann drehte sie den Schlüssel im Zündschloss und startete den Motor. Carl meinte kurz: „Ich warte – gute Nacht, Paula,“ schloss die Wagentüre und ging seines Weges zur Eingangstür.

War das nur Theater?

Paula wendete ihr Auto und fuhr dann zügig los. Sie war überhaupt nicht müde, sie spürte deutlich ihre innere Unruhe und war aufgekratzt. In ihrem Kopf drehten sich immer noch die gleichen unbeantworteten Fragen. Warum hatte er sie damals verraten? Wie konnte er ausgerechnet sie so furchtbar hintergehen? Und weshalb sollte sie ihm gerade jetzt trauen? Vielleicht redete er nur so viel und so nett auf sie ein, um seinen Kopf zu retten, täuschte sie abermals, um nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden? Er hatte sie so bodenlos gemein verraten, sie kam einfach nicht darüber weg. Und dabei fühlte sie sich in seiner Nähe wieder genauso wohl wie vor Jahren, ja sie genoss, die netten Worte, seine rücksichtsvolle Art und die Liebenswürdigkeit mit der er sie umgab. War das nur Theater? Sie fühlte sich hilflos, wie konnte sie diesem Mann denn jetzt vertrauen? Und wie sollte sie ihm verzeihen? Kein anderer Mensch hatte sie jemals so tief verletzt wie Carl Eugen Friedner es damals vermochte. Sie hatte ihm grenzenlos vertraut und er stand ihr nicht bei, gerade als sie ihn am meisten brauchte.

Gunst der Stunde

Ihre Gedanken wanderten zurück zur Gerichtsverhandlung in der Carl so unglaublich versagt hatte. Paula Engel musste durch diesen verlorenen Prozess, ausgerechnet Vorderschein das Vorkaufsrecht auf große Teile ihres Erbes einräumen. Dieser hatte ihr, wenn sie in Zahlungsnot war, immer wieder großzügig angeboten, für unbezahlte Rechnungen mit einem kleinen Gefallen entgegenkommen zu wollen und ihr so auf das geerbte Gebäude ein Vorkaufsrecht abgeschwatzt. Sie hatte nichtsahnend was dies eines Tages bedeuten könnte und völlig überfordert von der desolaten finanziellen Situation einfach zugestimmt. Sie unterschrieb ein Vertragswerk auf dessen Einhaltung Vorderschein dann bald danach pochte. Zur gleichen Zeit verweigerte ihr die Bank unerwartet die Einräumung eines kurzfristigen Kredites und Vorderschein nutzte die Gunst der Stunde für sich aus. Paula war jedoch nicht gewillt, sich auch nur irgendetwas von ihrem geerbten Haus abnehmen zu lassen. Und es schien als ob auch Carl, tatkräftig wie immer, ihr gegen Vorderschein beistehen würde und er widersprach in ihrem Auftrag einer Vertragserfüllung.

Armer Kater

Vorderschein hingegen, dachte gar nicht daran von dem lukrativen Vertrag zurückzutreten und so kam es zum Rechtsstreit vor dem Landgericht der Neckarstadt im Unterland. Mit dem verlorenen Prozess kamen dann, zusätzlich zu allen anderen Belastungen, auch noch die kompletten Kosten der gerichtlichen Auseinandersetzung auf sie zu. Paula Engel saß in der Falle. Es war eine schier ausweglose Situation in die sie sich getrieben sah. Zwar griff damals noch kurzfristig ihr Onkel Ewald in das Geschehen ein, aber letztlich kam sie trotzdem um einen erheblichen Teil ihres Erbes. Diese Niederlage konnte sie Carl einfach nicht verzeihen! Nein, und nochmals nein! Sie würde nicht ruhen bis diese Schmach aus der Welt geschafft war. Carl würde dafür bezahlen müssen. Tränen der Wut und Enttäuschung liefen ihr übers Gesicht. Zum Glück waren die Straßen leer, denn die Heulerei nahm ihr die Sicht. Vorsichtig lenkte sie den Wagen durch die einsame Nacht. Vor ihren Ladenräumen angekommen, stieg sie aus, schloss den Wagen ab und begrüßte zuerst den süßen Kater Muller, der erwartungsvoll auf der Treppe zum Eingang saß. Muller miaute sie vorwurfsvoll an, als wolle er sagen: „Du wirst mir untreu, erst bringst du einen fremden Mann mit hierher, dann lasst ihr mir nichts von euren guten Dingen zum Fressen übrig und nun bist du auch noch so lange weg und ich armer Kater muss alleine sein, hungern und frieren.“

Trost

Sie nahm den miauenden Muller auf den Arm und ging mit ihm ins Haus. Muller war ihr zugelaufen. Nachdem ihr roter betagter Kater Heinrich gestorben war, hatte sie sich eigentlich keine neue Katze anschaffen wollen, aber Muller war einfach irgendwann frech durch die vorhandenen Katzentürchen spaziert, setzte sich unbekümmert auf ihren Schreibtisch und ließ sich ausgiebig streicheln. Muller hatte etwas weiter oben in der Stadt ein sehr gutes Zuhause. Der Filou war aber so rank und schlank, dass man ihn stets für halb verhungert halten würde, wenn man nicht ganz genau wüsste, wie er sich ansonsten munter durch alle Gassen bis hinunter an den Kocher fraß. Er tat recht lieb, schmeichelte einem um die Beine, schmuste und schnurrte recht laut, wie man es von einem Katzenmann erwartete. Zum Schlafen legte er sich manchmal zu Paula aufs Sofa oder rollte sich auf ihrem Schoß zusammen. Oft fand sie ihn aber auf seinem Stammplatz, wo er sich friedlich schlafend, von den Anstrengungen des städtischen Katzenlebens erholte. Paula fand bei ihm in den Jahren des langen Schweigens Trost und hatte gleichzeitig die Freiheit, sich nicht ganz und gar für ihn verantwortlich fühlen zu müssen.

Grübeln

Nachdem sie für den Kater eine Dose geöffnet und die feine Pastete in sein Tellerchen gefüllt hatte, ließ sie die Türe zum Katzenfressplatz offen, um ihm beim Vertilgen seiner Portion zuzuschauen. Er würde nachher sicherlich noch zu ihr kommen, um sich seine Streicheleinheiten abzuholen. Paula setzte sich in ihren gemütlichen Ohrensessel und begann erneut zu grübeln. Sie kam mit ihren, sich immer um dasselbe Thema kreisenden Fragen, ohne Carl aber zu keinem gescheiten Ergebnis. Das lange Gespräch hatte sie doch mehr angestrengt als sie es vor sich selber zugeben wollte. Sie öffnete das Fenster zur Kocherseite hin, legte sich auf ihr Lieblingssofa, breitete eine Decke über sich und bevor Paula die Lindenblätter im Wind rauschen hören konnte, sank sie in einen unruhigen Schlaf…. Fortsetzung folgt.

Wer hat auch schon einmal eine Immobilie verloren?

Sollte sich jemand aus der Leserschaft, durch die Beschreibung der Machenschaften daran erinnert fühlen, wie eine Immobilie verloren gegangen ist, können sich diejenigen gern an die Autorin wenden.

Kontaktaufnahme zur Autorin:

E-Mail: b.haebich@web.de

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