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Irgendwo in Hohenlohe – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich – Der Episoden achtunddreißigster Teil

Irgendwo in Hohenlohe – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich – Der Episoden achtunddreißigster Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XXXVIII Gerechtigkeit

„ … die interessanten umsatzreichen Fälle, die mit den fragwürdigen Angaben und frisierten Belegen, wurden mir aber dann im Lauf der Zeit von den Vorgesetzten unter irgendwelchen Vorwänden entzogen.“ Carl schwieg eine Weile bevor er weitersprechen konnte. Die Erinnerung an seine Zeit als Sachbearbeiter im Finanzamt war ihm immer noch sehr unangenehm, ja fast peinlich. Er musste damals offenen Auges Dinge geschehen lassen, die im zutiefst zuwider waren. Und den Ärger über die amtlich abgesegnete Ungerechtigkeit konnte er nur schlecht verbergen.

Erfolgreich

„So hatte ich mir das nicht vorgestellt, das entsprach weder meiner Gesinnung, noch einer Steuergerechtigkeit. Ich musste einsehen, dass ich auf diesem Weg nicht weiterkam. Da ich nicht willfährig war, bekam ich auch keinerlei Empfehlungen meiner Vorgesetzten. Die Möglichkeit zu einer Beförderung war somit verbaut. Eher gezwungenermaßen, als mit großer Begeisterung, begann ich dann nebenher das zusätzliche Jurastudium, beendete die Beamtenlaufbahn und wagte den Sprung in die Freiberuflichkeit. Erst in der juristischen Praxis lernte ich die gemachten Erfahrungen aus der Amtszeit zu schätzen. Es fügte sich eins zum Anderen und ich wurde dann deswegen so erfolgreich, weil ich eben nicht nur wusste wie man eine solide Steuererklärung erstellt, sondern mich ebenso mit Beschwerden und Widersprüchen durchsetzen konnte.“

Vertrautheit

Bei seinen Worten erinnerte Paula sich an ihre erste Begegnung mit Carl. Sie brauchte wegen der Erbschaft, welche ihre Tante gemacht hatte, seine Hilfe. Und Paula Engel war, wegen der Kompliziertheit der Erbschaft, auf genau diese schlaue Kombination von Rechtsanwalt und Steuerberater angewiesen. Weil sie keinen der alteingesessenen Rechtsberater mit ihrem Anliegen betrauen wollte, kam ihr die neue Adresse, unweit ihrer Werkstatt gerade recht. Damals hatte Carl Eugen Friedner seine noch nicht lang eröffnete, gemütlich anmutende Praxis noch direkt am Kocher. Ja, man meinte fast über dem Fluss zu schweben, sobald man aus einem der vielen Fenster das Panorama der malerischen Altstadt sah. Und wie gern hatte sie sich auf dem kleinen Sofa, seinem Schreibtisch gegenüber, niedergelassen. Die Schuhe von den Füßen gestreift und sich ohne jeden Zweifel, vertrauensvoll an ihn gewandt. Sie konnte es jetzt jedoch keinesfalls zugeben, wie sehr sie sich nach der damaligen Vertrautheit mit Carl sehnte.

Belogen und betrogen

Und der alte Zorn keimte wieder in Paula auf. Warum hatte er sie so schmählich verraten? Was hatte ihn dazu bewogen, sich letztlich doch zu Vorderscheins Gunsten zu verhalten? „Dein Gerechtigkeitssinn hat sich dann aber bald verflüchtigt,“ stellte sie trocken fest. Carl atmete tief durch: „Paula, bitte lass es dir doch erklären“ – weiter kam er nicht. Sie fiel ihm mit hartem Ton ins Wort: „Deine leeren Reden haben mich um mein Erbe gebracht, Du hast mich belogen und betrogen.“

Mühsam

Nun war Carl über ihren erneuten Ausbruch doch enttäuscht. Paulas Gesichtsausdruck sprach Bände, sie blickte stur vor sich hin, war bis oben hin zugeknöpft, keiner Erklärung zugänglich. Es erschien mit ihm einem Male zu mühsam, mit ihr freundlich auszukommen. Er hatte es sich leichter vorgestellt, ihr mit ausführlichen Schilderungen die Geschehnisse zu erklären. Und er war davon ausgegangen, dass Paula zuhören würde und unter Umständen sogar Dankbarkeit zum Ausdruck bringen könnte. Ein tiefer Seufzer entwich ihm unwillkürlich, er schloss die Augen. Vielleicht wäre es doch besser, den gemeinsamen Tag hier und jetzt zu beenden.

Entschluss

Sie waren am Ziel angekommen. Paula lenkte den Wagen geschickt in eine Parklücke vor ihrem Laden und zog den Zündschlüssel ab. „Nun, was ist?“ und wendete sich Carl wieder zu. „Paula, bitte, lass es dir in Ruhe erklären. Das, was du wissen möchtest, kann nicht in einer kurzen Schlagzeile zusammengefasst und auch nicht innerhalb von einem Nachmittag erzählt werden. Es ist nötig die Hintergründe gut zu kennen. Und ich dachte genau daran wärst du interessiert.“ Carl blieb auch innerlich ruhig, er hatte begriffen, wie sehr Paula von den Geschehnissen immer noch mitgenommen war. Es war an ihm, ihre Wut zu ertragen, bis sie bereit war, ihm zu verzeihen oder ihn wenigstens zu verstehen. Er hatte nichts mehr zu verlieren, schlimmer als in der Zeit des langen Schweigens, konnte es sowieso nicht mehr werden. Carl Eugen hatte den festen Willen, trotz Paulas wiederkehrenden Ausbrüchen, bei seinem Entschluss, sie wieder für sich zu gewinnen, zu bleiben.

Duftende Esspakete

„Komm, wir holen uns etwas Gutes zu essen“, meinte er versöhnlich, öffnete die Wagentür, um auszusteigen und war froh, dass seine Stimme bei den einlenkenden Worten zuversichtlich geklungen hatte. Es blieb Paula nichts anderes übrig als es ihm gleichzutun, wollte sie nicht allein im Auto sitzen bleiben. Dann begaben sie sich gemeinsam auf den kurzen Weg zu Borus, einem orientalischen Spezialitätenlokal. Sie bestellten sich einen großen Salat und verschiedene gefüllte Fladenbrote zum Mitnehmen. Carl ließ noch eine Flasche Wein einpacken, was Paula mit Stirnrunzeln kommentierte. Beladen mit den duftenden Esspaketen schlugen sie, ohne ein weiteres Wort miteinander zu sprechen, den Weg zu Paulas Laden ein.

Machtstreben

Dort angekommen, redete Carl einfach weiter auf Paula ein. Er hielt es für klug, Paula abzulenken, und plauderte munter über Nebensächlichkeiten. So würde sich die Zeit bis zum Essen überbrücken lassen. Und wenn sie erst einmal Platz genommen hatten, würde Paula sich beruhigt haben. „Fieläckerle und ich sind seinerzeit beide wieder zurück in die Stadt unserer Schulzeit gekommen. Haben die einst eingeschlagene Beamtenlaufbahn abgebrochen und uns dem zugewandt, was uns eigentlich am besten lag. Darin war mein Weg dem von Fieläckerle sehr ähnlich. Nur hat er sich in seinem Machtstreben liederlichen Brüdern zugewandt, während ich versucht habe, mir rechtschaffen eine neue Existenz aufzubauen“…. Fortsetzung folgt.

Wer hat auch schon einmal eine Immobilie verloren?

Sollte sich jemand aus der Leserschaft, durch die Beschreibung der Machenschaften daran erinnert fühlen, wie eine Immobilie verloren gegangen ist, können sich diejenigen gern an die Autorin wenden.

Kontaktaufnahme zur Autorin:

E-Mail: b.haebich@web.de

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