„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden neunzehnter Teil

„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden neunzehnter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XIX Gewissen

… am nächsten Morgen begann er sofort nach dem Frühstück den Rat seines Freundes umzusetzen und entwarf ein Schreiben an Paula. In seinen Papiervorräten fanden sich noch ein paar wunderschöne Bogen handgeschöpften Papiers, auf diesen würde er dann die Reinschrift machen. Ein blütenweißer Umschlag mit Seidenfutter lag bereits auf seinem Schreibtisch, Briefmarken müsste er noch kaufen. Über seinen Vorbereitungen war es Mittag geworden und er bekam Hunger. Da in seinem Büro auch noch einiges zu erledigen war, fuhr Carl in Richtung Kreisstadt. Dort wollte er zuerst etwas essen, dann könnte er zur Post laufen und auf der Heimfahrt noch kurz im Büro nach dem Rechten schauen.

Gewinnbringend anwenden

Carl Eugen hatte, wegen des ärztlichen Rates kürzer zu treten, seinem Assistenten seit kurzem vorübergehend die Verantwortung für seine Kanzlei übertragen. In juristischen Belangen war der junge Kollege bestens ausgebildet, in das tatsächliche Geschehen der Rechtsgeschäfte hier zusätzlich von ihm persönlich eingeführt worden und für die steuerlichen Fragen stand er selbstverständlich jeder Zeit zur Verfügung. Auf lange Sicht würde er noch einen Steuerberater einstellen müsse, außerdem waren die fleißigen Bürodamen sehr kompetent, sodass die Kanzlei in guten Händen war. Er konnte sich also beruhigt einmal eine Weile zurücklehnen. Die Kombination Steuern und Recht war seiner Meinung nach die Grundlage für eine funktionierende Beratung vermögender Mandanten. Selbst bei den einfachsten Fragen kleiner Handwerker und Händler sah er, dass ein brauchbarer Rechtsrat immer wieder wichtig war, um bestehende Vermögensverhältnisse zu klären; und dann galt es auch die konkreten Fragen zur Firmierung, in Bezug auf das anwendbare Steuerrecht stets sorgfältig zu prüfen und sowohl gewinnbringend als auch sinnvoll anzuwenden.

Beschaulicher Ausflug

Plötzlich merkte Carl dass etwas fehlte – seine Magenschmerzen waren verschwunden. Er war erstaunt, hielt inne, war die Plage wirklich ganz verschwunden? Nur ein minimales Druckgefühl war noch zu spüren. Fast vermisste er das gemeine Zwicken. Also halfen die vom Arzt verordnete Ruhe und die vom Anton empfohlene Zielstrebigkeit wohl doch? Wahrscheinlich hatte der beschauliche Ausflug zusätzlich eine heilsame Wirkung auf ihn gehabt. Anton zeigte Verständnis für seine Gewissensbisse, das tat ihm gut und er genoss den befreiten Zustand sehr. Die Luft war mild und er ging beschwingt durch die engen Gassen zu einem seiner Lieblingslokale. Das milde Wetter hatte auch dort schon für viel Grün gesorgt; die hohen Bäume spendeten bereits Schatten. Er holte sich im türkischen Imbiss eine große Portion Salat und ein Glas Mineralwasser, bugsierte sein Tablett vorsichtig die kleine Außentreppe hinunter und setzte sich im Freien auf eine der Sitzbänke. Die Luft war wunderbar, ein leichter Frühlingsduft umwehte ihn sanft.

Verordneter Müßiggang

Seine Gedanken wanderten wieder zu Paula. Das alte Gemäuer, das ihrer Großtante gehörte, war in so vielem der Stein des Anstoßes gewesen. Er bezweifelte noch immer, dass es die ganzen Auseinandersetzungen eigentlich wert gewesen war. Es würde sicherlich schwierig werden, miteinander zu reden. Wieder verlor Carl für eine Weile den Mut. Doch er rief sich zur Ordnung, er musste seinen Plan in die Tat umsetzen und ihr schreiben. Nachdem er seinen Salat gegessen und das Wasser getrunken hatte, stand er auf und ging Richtung Marktstraße, um auf dem kürzesten Weg zur Post zu gelangen. Es gab nette Blumenmarken, er nahm verschiedene Wertzeichen, vielleicht ließen sich ja ein paar Blumen auf dem Umschlag so passend kombinieren, dass der Brief schon von außen auf sie wie ein bunter Blumengruß wirken würde. Beglückt über seine Idee ging er mit zügigem Schritt zu seinem Wagen. Er war nie eine Künstlerseele gewesen. Lediglich durch den verordneten Müßiggang bekam Carl Eugen Friedner nun so langsam einen Eindruck davon, wie schön alleine schon die Möglichkeit zu träumen war. Und das war es, was ihn an Paula Engel auch immer wieder aufs Neue faszinierte. Ihre Fähigkeit zu träumen, verbunden mit der Fertigkeit, Menschen und Situationen so einzufangen, dass nicht nur ein ansehnliches Bild entstand, sondern man beim Betrachten geradezu meinte, selbst in dem Bild zu sein.

Schlechtes Gewissen

In seiner Kanzlei war alles in Ordnung, man vermisste ihn auch nicht besonders. Carl wusste noch nicht, ob sich darüber freuen oder ärgern sollte – die Situation, Verantwortung abzugeben, war neu für ihn, er musste sich erst daran gewöhnen. Daheim würde er sich in den grün gewordenen Garten setzen und sich in aller Ruhe dem Brief an sie widmen. Er würde versuchen Paula zu erklären, warum er damals sowohl ein schlechtes Gewissen hatte, als auch keinen Mut, ihr den wahren Grund dafür zu eröffnen…. Fortsetzung folgt.

Kontaktaufnahme zur Autorin per E-Mail:

b.haebich@web.de

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