„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: der Episoden achter Teil

„Irgendwo in Hohenlohe“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: der Episoden achter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig, und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

VIII Angst

… Carl war ungeduldig, seine Gedanken sprangen hin und her. Bald würde er zu Anton fahren, sie wollten sich auf der Eck treffen, einem gern besuchten Ausflugsziel zwischen Rems und Murr. Der wunderbare Blick auf die abwechslungsreiche Hügellandschaft, Dörfer, Felder und dunkle Wälder war atemberaubend und bei gutem Wetter reichte die Sicht sogar bis in die schwäbische Metropole. Es würde ein erholsamer Ausflug werden, und Carl war sich sicher, dass der Zuspruch des Freundes ihm helfen würde, einen Weg zu Paula zu finden.

Leben und leben lassen

„Helena“, so hieß die allseits beliebte Gaststätte mitten in der Kreisstadt, der Familienbetrieb der Ionos war bereits in der zweiten Generation. Man war sich nach einigen Konflikten über die Art und Weise der Fortführung endlich einig geworden, nun doch keine neumodisch hochtrabende Esskultur einzuführen und behielt auch den alten Namen bei. Die treue Kundschaft, an die Speisekarte im „Helena“ gewöhnt, war dankbar dass die Schließung nur kurze Zeit andauerte. Es gab seit Jahr und Tag dieselben wohlschmeckenden, aber einfachen Gerichte der südosteuropäischen Küche. Kein Schnickschnack, gute Zutaten, welche stets frisch zubereitet und appetitlich auf Tellern, kleinen Platten und in Schüsseln serviert wurden. Genauso behandelten die Ionos auch ihre Gäste, es gab keine Extrawürste, dafür war aber jeder willkommen und wurde sehr freundlich bedient. Die Familie Ionos wollte mit
allen gut auskommen – Leben und leben lassen war ihre Devise.

Sizilianische Verhältnisse?

Paula äußerte Carl Eugen Friedner gegenüber einmal den Verdacht, dass man die Ionos wohl davor gewarnt hätte, Geschäftsbeziehungen zu ihr aufzubauen. Das hatte er aber damals nicht für möglich gehalten. Wer sollte das tun, und warum sollte man fleißige und anständige Gastronomen einschüchtern und dadurch Angst und Unsicherheit hervorrufen? Wie sollten solche hinterhältigen Drohungen Erfolg haben können? Vielleicht waren zu dieser Zeit ihre Nerven überspannt und man hörte ja so viel Unsinn in der städtischen Gerüchteküche. Sizilianische Verhältnisse in der beschaulichen Kreisstadt? Nein, das konnte nicht sein!

Mehr Ruhe

Carl hatte damals aber auch nicht konkret nachgefragt, woher sie das wissen wollte, oder wer das erzählt hatte. Und jetzt, wo er mehr Ruhe hatte über manche der Geschehnisse von vor so vielen Jahren nachzudenken, konnte er Paula nicht einfach so belanglos nach irgendetwas fragen, sie mied ihn weiterhin. Er musste sie erst wieder für sich gewinnen, alles andere war vorläufig egal.

Genug Konkurrenz

Außerdem gab es tatsächlich genug Konkurrenz zu der man gehen konnte, wenn man Paula Engels Fachgeschäft nicht aufsuchen wollte. Es war ja schade, dass sich der erhoffte Umsatz in den neuen Räumen einfach nicht einstellte, aber womöglich gingen die Leute eben doch lieber in billige Drogeriemärkte oder bezogen über das Internet.

Dankbarer Augenaufschlag

Frau Klack, eine sehr tüchtige Geschäftsfrau, bei der man schöne Schmuckkarten und Umschläge sowie Utensilien im Schreibwarenbereich kaufen und sich bei Bedarf auch etwas Nettes gestalten lassen konnte, nahm seine klugen Ratschläge immer sofort an, war schnell von etwas Klugem zu überzeugen und himmelte ihn stets mit dankbarem Augenaufschlag an.

Auseinandersetzungen

Nur Paula war niemals von ihren Vorstellungen abzubringen, keinen seiner Vorschläge zog sie auch nur in Erwägung. Immer ging es nur um den Standort mitten in der Stadt. Anfangs diskutierten sie noch offen miteinander, gaben sich gute Argumente zu bedenken, aber die geführten Auseinandersetzungen wurden immer härter, der Ton unversöhnlicher, und irgendwann stritten sie nur noch.

Am besten Platz

Sie hätte auf ihn hören, die Kreisstadt verlassen und auf dem Land neu anfangen sollen. Paula wäre, seiner Meinung nach, viel erspart geblieben und er hätte sie effektiver vor den Neidern beschützen können. Er hätte sie bei dem Umzug und dem Neuanfang tatkräftig unterstützt, aber Paula wollte davon nichts wissen. Sie beharrte darauf, dass das Geschäft mitten in der Stadt sein musste, sie am besten Platz sein würde, und die Kunden schon nach und nach den Weg zu ihr finden würden.

Inspirationen

Carl musste sich eingestehen, dass es ihm eigentlich aus völlig egoistischen Gründen lieb gewesen wäre, sie in seiner Nähe zu wissen. Es war absehbar, dass er irgendwann nicht mehr so oft in die Stadt kommen würde und wollte damit auch dem Verlust an gemeinsamer Zeit vorbeugen. Er wollte Paula so gern um sich haben, hatte in seinem Anwesen mehr Platz als er brauchen und sinnvoll nutzen konnte, und in der ländlichen Idylle hätte sie sicherlich auch die für ihren Beruf so nötigen Inspirationen gefunden.

Es machte ihn traurig, wenn er daran zurückdachte, und er fragte sich wieder, was er
tun könnte, um das unmöglich Scheinende doch noch zu erreichen…. Fortsetzung folgt

Kontaktaufnahme zur Autorin per E-Mail: b.haebich@web.de

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