„Sachverständigenrat: Kein bisschen weise“ – Leserbrief von Paul Michel aus Schwäbisch Hall

Einen Leserbrief zum Artikel „Warnung an die Koalition – Wirtschaftsweise rügen zentrale Projekte“ vom 14. November 2013 in der Südwestpresse schreibt Paul Michel aus Schwäbisch Hall. Seine  selbstgewählte Überschrift lautet: Sachverständigenrat: Kein bisschen „weise“.

Leserbrief von Paul Michel, Schwäbisch Hall

Sachverständigenrat: Kein bisschen „weise“

Ich möchte den drei Herren und der einen Dame von der neoliberalen Hardcore-Mehrheit des  „Sachverständigenrats“ absprechen, „weise“ zu sein. Dass sie zwar über ausgeprägtes Selbstvertrauen, aber  weder über besonderen Sachverstand verfügen, noch sich einer wissenschaftlich fundierten Arbeitsweise bedienen, haben sie in der Vergangenheit schon des Öfteren durch grottenfalsche Prognosen bewiesen. So auch diesmal: Während sich real in Deutschland die Wirtschaft abschwächt, phantasieren die Gutachter von einer deutlichen Belebung der Konjunktur. Und das kommt meiner Meinung nach nicht von ungefähr. Wohl wissend, dass positive Zukunftsprognosen der aktuellen Regierung eher nützen als schaden, haben die Sachverständigen mit superoptimistischen Prognosen nie gegeizt – wenn die Regierung konservativ war.

Vorher schon bekannt, was rauskommen soll

Sie wissen vorher schon, was bei ihren Gutachten letztlich rauskommen soll, weil sie wissen, was ihre Auftraggeber hören wollen. Und das sind die Wirtschaftsverbände, mit denen ihre Institute eng verbunden sind, für die sie Forschung auf Bestellung leisten und von denen ihre Institute und auch sie als Individuen vermutlich üppig honoriert werden. Von daher erklärt sich auch das schlichte Schwarz-Weiß-Schema, das den „Sachverständigen“ als Maßstab gilt. Gut ist demnach, was die ohnehin schon üppigen Profite in den Taschen der reichen Minderheit an den Kommandostellen der Wirtschaft weiter anschwellen lässt. Schlecht ist, was auch nur im Ansatz profitmindernd wirken könnte.

Propagandistische Putztruppe des Unternehmerlagers

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass dieser propagandistischen Putztruppe des Unternehmerlagers schon ein bescheidener Mindestlohn von 8,50 Euro als Werk des Teufels erscheint. Selbst bescheidene, eher kosmetische Korrekturen bei der Rente und beim Thema Mietenexplosion  treiben ihnen die Zornesröte ins Gesicht. Ganz zu schweigen von der Energiewende, die kaputt zu schreiben, ihnen eine Herzensangelegenheit ist.

Den Gierhals weiter füllen

An einer Stelle ist der Frontman der Gutachtertruppe, Christoph Schmidt vom „Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung“ (RWI) –in einer Art freudschem Versprecher vermutlich unfreiwillig – ehrlich. Nämlich als er sagt: „Allein mit Umverteilen und Ausruhen auf Erfolgen wird es nicht getan sein.“  Das kann man getrost so übersetzen: Mit der Agenda 2010 waren wir bei der Umverteilung von Unten nach Oben sehr erfolgreich. Aber das reicht uns nicht. Wir wollen mehr!

Raffzähne am Werk

Im Volksmund hat man/frau für  Menschen mit solcher Geisteshaltung eine treffende Bezeichnung: Raffzähne

Link zum Artikel „Warnung an die Koalition – Wirtschaftsweise rügen zentrale Projekte“ in der Südwestpresse vom 14. November 2013:

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Warnung-an-die-Koalition;art4306,2303619

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