„Die Baugeschichte von Schloss Kirchberg/Jagst“ – Vortrag in Crailsheim von Lena S. Grüner

Zum Auftakt des Frühjahr- und Sommerprogramms von Stadtarchiv Crailsheim und Crailsheimer Historischem Verein geht es am Montag, 9. März 2020, um 19.30 Uhr im Forum in den Arkaden (Rathaus) um die Baugeschichte von Schloss Kirchberg/Jagst. Referentin ist Lena S. Grüner, die im Rahmen ihrer Promotion das Gebäude unter bau- und kunsthistorischen Aspekten erforschte.

Von der Stadtverwaltung Crailsheim

Hochmittelalterliche Schildmauerburg

Den Anfang der sieben Jahrhunderte währenden baulichen Entwicklung des Schlosses machte eine hochmittelalterliche Schildmauerburg, deren Abriss 1590/91 die Abrechnung des „Steinbrechers“ dokumentiert. Der Schlossneubau diente bis 1650 als Witwensitz, dann stiftete Graf Joachim Albrecht die erste Kirchberger Linie. Sein Bauschaffen konzentrierte sich auf den Turmbaubestand, darunter ein mutmaßlich antik inspirierter „Turm der Winde“, der als Lusthaus im Schlossgarten diente. Das jetzige Erscheinungsbild der Schlossanlage mit Ehrenhof prägt der letzte große Umbau zur Barockresidenz unter Fürst Carl August.

Der Vortrag ist den zentralen Bauphasen von Schloss Kirchberg gewidmet und gewährt einen Eindruck der jüngsten Forschungserkenntnisse.

Info: Eintritt 5 Euro an der Abendkasse, Mitglieder des Crailsheimer Historischen Vereins frei.

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„Das große Wegschweigen“ – Artikel der Kontext:Wochenzeitung über das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg in der NS-Zeit

Zwei Männer suchen einen Raum, in dem sie eine Nazi-Geschichte erzählen können. Nicht irgendeine, sondern eine über Fürst Ernst II. von Hohenlohe-Langenburg, der Hitler für ein Geschenk Gottes hält. Die beiden Männer finden keinen Saal, weil sie keinen kriegen sollen. In Langenburg und anderswo.

Von Josef-Otto Freudenreich, Kontext:Wochenzeitung

Die Nazis „geadelt“

(…) Vor zwei Jahren machte sich der freie Journalist Ralf Garmatter, 55, daran, die NS-Geschichte derer von Hohenlohe-Langenburg zu erforschen. Der Faschismus in der Region, das ist seit 1995 eines seiner Themen, weil er, im Rahmen seiner Möglichkeiten, verhindern will, dass Deutschland wieder ein antidemokratisches Land wird. Und weil er erklären will, wie es kommen konnte, dass die Nazis von diesen Herrschaften geadelt wurden. Zu all dem betreibt er auch einen Blog. Diesmal kümmerte er sich um Fürst Ernst II. (1863–1950), den Urgroßvater des amtierenden Standesherrn Philipp.

„Gebet für den Führer“

Die gesamte Familie, Vater, Mutter, zwei Töchter, ein Sohn, war Mitglied in der NSDAP, als Patron der evangelischen Kirchengemeinde sorgte Ernst II. 1936 dafür, dass das „Gebet für den Führer“ in den Gotteshäusern legitimiert wurde. Für ihn war Hitler ein „Geschenk Gottes“ an das deutsche Volk, das sich „nach starken Führern“ sehnt, die Demokratie war des Übels, der Parlamentarismus zum Erbrechen. Als Abgeordneter im Berliner Reichstag konnte er den „Ekel nicht überwinden“, schrieb er 1906 an seinen Vater, wenn Bebel oder Erzberger sprachen.

Trostloser Fürst-Ernst-Platz

Die Stadt Langenburg machte ihn 1936 zum Ehrenbürger, erhielt dafür zwei Parzellen Land (rund 600 Quadratmeter) zwischen Schloss und Friedhof, welche fortan „Fürst-Ernst-Platz“ hießen, auf dem die Jugend, so der Namensgeber, sich tummeln und zu „tüchtigen deutschen Menschen“ heranwachsen solle. Was zunächst wie eine Schenkung aussah, notiert Heimatforscher Garmatter, bezahlte die Gemeinde mit 1.500 Reichsmark in bar. Den Ehrentitel gibt es noch immer, den Platz auch. Er ist ein wenig trostlos.

„Täter Helfer Trittbrettfahrer“

Nachzulesen ist diese Geschichte in dem Buch „Täter Helfer Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus dem Norden des heutigen Baden-Württemberg“, herausgegeben von Wolfgang Proske, erschienen 2018. Garmatter und Proske hätten gerne daraus gelesen, am liebsten in einem Raum der Stadt, in dem sich ihre Geschichte erzählen ließ. Aber das war ihnen nicht vergönnt. Ihr Name war fortan Odysseus. (…)

Link zum ganzen Artikel in Kontext:Wochenzeitung:

https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/465/das-grosse-wegschweigen-6534.html

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„Initiator, Querdenker und Ideengeber“ – Ortschaftsrat Roßfeld verabschiedet Horst Müller nach fast 40 Jahren

Fast 40 Jahre lang war Horst Müller ununterbrochen im Ortschaftsrat Roßfeld aktiv. Auf eigenen Wunsch schied er nun aus und wurde durch Ortsvorsteher Hartmut Werny verabschiedet. Sein Nachfolger wird Paul Ackermann.

Von der Stadtverwaltung Crailsheim

14 Jahre als Vorsteher

Für Horst Müller ist die Geschäftsstelle Roßfeld so etwas wie seine zweite Heimat. Mit viel Liebe hat er dort die Roßfelder Heimatstube mitaufgebaut. In mehreren Räumen können Besucher einen Blick in die Geschichte des Dorfes werfen. Einen großen Teil dieser Historie hat Müller mitgeprägt. Seit September 1980 war er ununterbrochen im Ortschaftsrat Roßfeld aktiv. „Du warst oft genug Initiator, Vordenker und Ideengeber“, bedankte sich Ortsvorsteher Hartmut Werny nun anlässlich seiner Verabschiedung. Denn nach fast 40 Jahren Mitgliedschaft, darunter auch 14 Jahre als Vorsteher, hatte Müller sein Ausscheiden beantragt.

Seniorenwohnanlage Roßfeld fehlt noch

Er selbst blickte mit großer Zufriedenheit auf sein Lebenswerk, auch wenn eine Herzensangelegenheit noch nicht realisiert wurde: „Weiterhin trete ich für eine Seniorenwohnanlage in Roßfeld ein. Viele Bürgerinnen und Bürger aus dem Ort wünschen sich hier in ihrer Heimat, umgeben von Freunden, alt zu werden.“

Verdienstabzeichen in Gold mit Lorbeerkranz

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer verabschiedete Horst Müller persönlich. Er konnte dem damals 77-Jährigen bereits im Oktober 2019 das Verdienstabzeichen des Städtetages Baden-Württemberg in Gold mit Lorbeerkranz als Zeichen der Anerkennung überreichen.

Unkonventioneller Querdenker

Mit Müller verlässt auch ein Querdenker den Ortschaftsrat, der durchaus unkonventionell agiert hat. „Du warst vielleicht manchmal auch zu schnell mit deinen Gedanken sowie Vorschlägen und hast vermutlich nicht immer alle mitgenommen“, erinnert sich Werny. „Aber das gehört zur Kommunalpolitik dazu. Man kann es nie allen recht machen.“ Müller gilt für viele als „Paradepferd“ Roßfelds, wie ihn Werny bereits 2012 bezeichnet hatte. So gestaltete dieser nicht nur die Ortsmitte neu und setzte sich für die Wiederherstellung des Dorfbrunnens ein, sondern hat mit der „Sichelhenket“ 1982 auch eine Traditionsveranstaltung ins Leben gerufen, die aus dem Gemeinschaftsleben nicht mehr wegzudenken ist.

Weitere Informationen und Kontakt:

https://www.crailsheim.de/specials/staedtische-nachrichten/?no_cache=1

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„Kein Raum für historischen Vortrag über das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg in der NS-Zeit“ – Kritik an der Blockadehaltung in Langenburg

In der Stadt Langenburg ist es nicht möglich, einen Vortrag über das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg in der NS-Zeit zu halten. Seit fast zwei Jahren sind der Sozialwissenschaftler Dr. Wolfgang Proske und der Journalist Ralf Garmatter auf der Suche nach einem Raum in Langenburg, um dort einen Vortrag zu diesem Thema halten zu können.

Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Warum wird Vortrag in Langenburg blockiert?

Was bewegt beispielsweise die Stadt Langenburg, die Evangelische Kirchengemeinde Langenburg und das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg dazu, einen solchen Vortrag zu blockieren? Ein schon geplanter Vortrag im November 2019 in Gerabronn wurde von der Evangelischen Kirchengemeinde Gerabronn und der Katholischen Kirchengemeinde Gerabronn fünf Tage vor der Veranstaltung abgesagt – ohne vorher mit den beiden Referenten gesprochen zu haben.

Wer blockiert in Langenburg?

In Lauenburg blockieren die Stadtverwaltung Langenburg, die Volkshochschule, das Stadtarchiv, die Evangelische Kirchengemeinde Langenburg, der Geschichtsverein, die Organisatoren des Philosophenkellers und das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg selbst. Auch den amtierenden Fürst Philipp hatte der Autor dieses Artikels wegen eines Raums für einen Vortrag mit Diskussion angefragt. Das Fürstenhaus hat schriftlich abgelehnt.

Hohenlohe-Zentralarchiv: Nutzungssperre für Akten, die jünger als 100 Jahre sind

Das Gesamt-Fürstenhaus Hohenlohe und das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg gewährten bisher keinen Einblick in die einschlägigen Akten und Dokumente des staatlichen Hohenlohe-Zentralarchivs. Zuständig ist das Land Baden-Württemberg, das sich auf eine Nutzungsvereinbarung mit dem Haus Hohenlohe eingelassen hat. Diese Vereinbarung beinhaltet, dass bei allen Archivalien, die jünger als 100 Jahre sind, die Nutzung durch das Gesamtfürstenhaus Hohenlohe verweigert werden kann. Das bedeutet im konkreten Fall: Dokumente über das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg während der NS-Zeit blieben – trotz zahlreicher Nutzungsanfragen durch den Autor in den vergangenen Jahren – unter Verschluss. Bleibt zu hoffen, dass sich das für die historische Forschung bald ändert.

Kirchenarchiv Langenburg: Nutzung durch den Autor nicht genehmigt

Die Evangelische Kirchengemeinde Langenburg hat trotz zahlreicher Anfragen über mehrere Jahre hinweg die Nutzung des Kirchenarchivs Langenburg durch den Autor verweigert. So bleiben viele Dokumente über die Anfänge der NS-Zeit in Langenburg und die Arbeit des antisemitischen Stadtpfarrers und Langenburger Dekans Albert Borst ungenutzt.

Fürst Ernst II. und seine Tochter Prinzessin Alexandra

Zwei Artikel in dem Buch „Täter Helfer Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus dem Norden des heutigen Baden-Württemberg“ aus dem Jahr 2018 beschäftigen sich mit Fürst Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg (1863-1950) und seine Tochter Prinzessin Alexandra zu Hohenlohe-Langenburg (1901-1963). Herausgeber der bisher zehnbändigen Buchreihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ ist Dr. Wolfgang Proske. Die Artikel stützen sich ausschließlich auf schriftliche Dokumente. Die Artikel über Fürst Ernst II. und seine Tochter Prinzessin Alexandra bilden die Grundlage für den geplanten Vortrag in Langenburg.

Oberamt Gerabronn hatte die meisten NSDAP-Wähler in Württemberg

Das Oberamt Gerabronn (zu dem auch Langenburg gehörte) hatte etwa zwischen 1932 und 1934 bei Wahlen den höchsten Anteil an NSDAP-Stimmen in ganz Württemberg. Aktive Förderer der frühen Jahre in der Region waren neben anderen auch das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg sowie der Langenburger Dekan und Stadtpfarrer Albert Borst. Borst sagte 1933, dass es für ihn als Kirchenmann eine Freude sei, mit dem Langenburger NSDAP-Ortsgruppenleiter zusammenzuarbeiten. Endlich sei der demokratische Geist aus dem Kirchengemeinderat verschwunden. Albert Borst war Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre „Stahlhelm-Pfarrer“ und in diesem Amt für den ganzen Bereich Württemberg zuständig. Der Stahlhelm war eine große antisemitische und militaristische Vereinigung während der Weimarer Republik. Dem Stahlhelm gehörten auch viele ehemalige Soldaten des Ersten Weltkriegs an.

Langenburger Fürstenhaus an der Spitze eines Kolonialvereins

Fürst Ernst II. war in der Kaiserzeit um die Jahrhunderwende und danach an vorderster Stelle eines deutschen Kolonialvereins. Ernsts Vater war in den 1880er Jahren Gründungsvorsitzender dieses reichsweit agierenden Kolonialvereins gewesen. Fürst Ernst II. hat das Ende des Kaiserreichs 1918 nicht verwunden. Er schloss sich früh republikfeindlichen Grundbesitzervereinen und Adligenvereinen an.

Kontakte zu hohen Nazikreisen

Fürst Ernst II. war antisemitisch eingestellt und hatte insbesondere durch seinen Neffen aus Coburg und durch seine nahe Verwandtschaft zum deutschen Ex-Kaiser schon in den 1920er Jahren Zugang zu höchsten NSDAP-Kreisen. Prinz August Wilhelm (Auwi), der Kaisersohn, der sich am stärksten an die Nazis rangeschmissen hat, ist auf Initiative von Ernst II. Ende der 1940er Jahre auf dem Friedhof in Langenburg beerdigt worden. Sein Grab existiert noch heute.

Fürst Ernst II.: Hitler ist ein „Geschenk Gottes für das deutsche Volk“

Fürst Ernst II. hat bei einem evangelischen Bezirkskirchentag Mitte der 1930er Jahre in Weikersheim Adolf Hitler öffentlich als „ein Geschenk Gottes für das deutsche Volk“ bezeichnet. Mit der Antisemitin Cosima Wagner aus Bayreuth pflegte Fürst Ernst II. einen langjährigen Briefverkehr. Einen Teil dieser Briefe veröffentlichte Fürst Ernst II. im Jahr 1936 in einem Buch, das noch antiquarisch erhältlich ist.

Prinzessin Alexandra, NS-Kreisfrauenschaftsführerin

Seine Tochter, Prinzessin Alexandra, war von 1933 an NS-Kreisfrauenschaftsführerin im gesamten Oberamt Gerabronn und gleichzeitig Ortsfrauenschaftsführerin in Langenburg. Durch ihre Initiative sind viele Frauen der Region in die NS-Frauenschaft eingetreten. Bei den NS-Werbeveranstaltungen im gesamten Oberamt Gerabronn hat Prinzessin Alexandra oft selbst gesprochen.

Prinzessin Irma, BdM-Führerin

Ihre jüngere Schwester Prinzessin Irma zu Hohenlohe-Langenburg stand von Beginn der NS-Zeit an der Spitze des Bunds Deutscher Mädel (BdM) in Langenburg. Die NS-Mädchen- und NS-Frauenarbeit war fest in der Hand des Fürstenhauses Hohenlohe-Langenburg.

Erbprinz Gottfried wurde als Landrat abgesetzt

Erbprinz Gottfried zu Hohenlohe-Langenburg wurde von den Amerikanern nach deren Einmarsch im Altkreis Crailsheim zum ersten Landrat nach dem Zweiten Weltkrieg ernannt. Nach wenigen Wochen wurde er wieder abberufen als der Militärregierung in Crailsheim seine Aktivitäten während der NS-Zeit näher bekannt wurden.

Merkwürdige Rolle des Hohenloher Tagblatts

Die Lokalzeitung Hohenloher Tagblatt in Crailsheim spielt beim Themenkomplex „Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg in der Zeit des Nationalsozialismus“ eine merkwürdige Rolle. Obwohl der Lokalredaktion alle Informationen vorgelegt wurden, wurde über den abgesagten Vortrag in Gerabronn (dieser war am 26. November 2019 geplant gewesen) bis zum heutigen Tag nicht berichtet. Der Leserbrief unten (am 1. Januar 2020 an die Lokalredaktion Crailsheim des Hohenloher Tagblatts geschickt und dort auch nachweislich angekommen) wurde bis heute (2. Februar 2020) im Hohenloher Tagblatt (dem Monopolblatt im Altkreis Crailsheim) nicht veröffentlicht. Auf Nachfrage des Autors wurden von der Redaktionsleitung dafür keine Gründe genannt.

Jahrelange Blockadehaltung – Thema wird totgeschwiegen

Im Artikel des Hohenloher Tagblatts vom 1. Februar 2020 über den Vortrag von Rainer Höß in Langenburg wird mit keinem Wort erwähnt, dass während des Vortrags eine lebhafte Diskussion begonnen hatte, die aber vom Moderator mit großem Einsatz abgewürgt worden war. Es sollte offensichtlich nicht besprochen werden, welche Rolle das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg im lokalen und regionalen Geschehen während der NS-Zeit gespielt hat. Auch sollte in der Diskussion und Fragerunde nicht auf die Anmerkungen des Fragestellers aus Ilshofen eingegangen werden, warum der geplante Vortrag in Gerabronn über das Thema Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg in der NS-Zeit kurzfristig abgesagt worden war.

Auf Spekulationen angewiesen

Was gibt es zu verbergen, dass die Diskussion über dieses lokalgeschichtliche Thema so vehement unterbunden wird? Alle Interessierten sind bei der Beantwortung dieser Frage auf Spekulationen angewiesen. Als Lokaljournalist habe ich für solch eine jahrelange Blockadehaltung kein Verständnis.

Bisher nicht veröffentlichter Leserbrief von Ralf Garmatter (am 1. Januar 2020 an das Hohenloher Tagblatt geschickt):

„Vortrag über Nazis wurde leider kurzfristig abgesagt“

Leserbrief von Ralf Garmatter zum HT-Artikel „Vortrag über die Nazi-Zeit – Autoren befassen sich in Gerabronn mit Tätern“ vom 21. November 2019

Leider hat der im HT angekündigte Vortrag über NS-Belastete aus Langenburg und Crailsheim am 26. November 2019 im evangelischen Gemeindehaus Gerabronn nicht stattgefunden. Fünf Tage vor der Veranstaltung sagten Pfarrer Axel Seidel (Projektleiter der OffenBar Gerabronn), Pfarrer Simon Englert (Evangelische Gesamtkirchengemeinde Gerabronn) und der Gemeindereferent Nils Neudenberger von der katholischen Kirchengemeinde Gerabronn die Veranstaltung ab. Nicht an der Absage beteiligt war der Co-Veranstalter, der Verein „Ohne Rechtsaußen“.
Mit den Referenten, dem Sozialwissenschaftler Dr. Wolfgang Proske aus Gerstetten bei Heidenheim und mir, dem Kirchberger Journalisten Ralf Garmatter, hatte zuvor leider keiner der Kirchenvertreter gesprochen. Als Grund für die Absage nannten die beiden evangelischen Pfarrer und der katholische Gemeindereferent, dass „In den Vorgesprächen zu der gemeinsamen Veranstaltung und auf dem Weg zur Erstellung des Plakates mehrfach von den Verantwortlichen der evangelischen und katholischen Kirchen und der OffenBar klargestellt und dann vereinbart worden sei: Es dürfen in keiner schriftlichen/öffentlichen Werbung für die Veranstaltung die vollen Namen von mutmaßlichen „Tätern“ genannt werden.“
Wie bereits gesagt: Vor der Absage hat keiner der Kirchenvertreter jemals mit den Autoren gesprochen, geschweige denn derartige Vorgaben gemacht. Deshalb konnten wir Autoren von einer solchen Vereinbarung auch nichts wissen. Und: Warum soll in einer Pressemitteilung zu der Veranstaltung nicht geschrieben werden, dass es bei dem Vortrag um Fürst Ernst II. und seine Tochter Alexandra zu Hohenlohe-Langenburg sowie den späteren Crailsheimer Landrat Werner Ansel geht? Was gibt es da 74 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur zu verheimlichen? Alle drei Personen sind schon vor vielen Jahren gestorben. Und ihre Biographien sind in dem 2018 erschienenen Buch „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus dem Norden des heutigen Baden-Württemberg“ nachzulesen.
Wegen der überraschenden Absage in Gerabronn sind wir, die Autoren Ralf Garmatter und Dr. Wolfgang Proske, wieder auf der Suche nach einem Raum in Langenburg, wo wir den Vortrag über das Thema „Das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg in der NS-Zeit“ halten können. Trotz zahlreicher Anfragen bei in Frage kommenden Veranstaltern in Langenburg war es uns in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht möglich, in dem Fürstenstädtchen Langenburg einen Raum für den Vortrag zu finden. Wir würden uns freuen, wenn sich das bald änderte.

Ein Artikel in Hohenlohe-ungefiltert vom 27. März 2019:

http://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=24845

„Die Nazis geadelt“ – NS-Belastete aus dem Langenburger Fürstenhaus

Groß war vor Kurzem das Interesse an dem Vortrag „NS-Belastete aus dem Langenburger Fürstenhaus“. Über 80 Besucher kamen in das Forum in den Arkaden des Crailsheimer Rathauses.

Pressemitteilung des Referenten

„Täter, Helfer, Trittbrettfahrer…“

Der Journalist Ralf Garmatter berichtete über Fürst Ernst II. (1863-1950) und dessen Tochter Prinzessin Alexandra zu Hohenlohe-Langenburg (1901-1963). Grundlage des Vortrags waren zwei Artikel in dem 2018 erschienenen Buch „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus dem Norden des heutigen Baden-Württemberg“ (THT, Band 8). Veranstalter des Abends waren das Stadtarchiv Crailsheim und der Crailsheimer Historische Verein.

Keinen Raum in Langenburg

In ihren einführenden Reden berichteten Crailsheims Stadtarchivar Folker Förtsch und Wolfgang Proske, Herausgeber der THT-Buchreihe, von den Schwierigkeiten bei der Archivrecherche und beim Finden eines Veranstaltungsraums in Langenburg. Ralf Garmatter wurde konkreter: „In Langenburg, Gerabronn und beim Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein ist es trotz zahlreicher Versuche während der vergangenen Monate nicht gelungen, einen Raum für diesen Vortrag anzumieten.“ Gerne würde der Journalist seinen Vortrag in Langenburg halten.

Fürstenhaus Hohenlohe erschwerte Archivrecherche

Auch die Recherchen zu den zwei Biographien haben sich viel schwieriger gestaltet als zuvor gedacht. „Beim Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein durfte ich nur Akten einsehen, die älter als 100 Jahre waren“, erklärte Garmatter. Jüngere Akten blieben unter Verschluss, weil das Fürstenhaus Hohenlohe sein Veto eingelegt hatte. Das Findbuch – die Inhaltsangabe des Archivbestands – habe er einsehen dürfen, berichtet der Journalist. Dort fanden sich einige interessante Hinweise und Kontakte von Fürst Ernst II. und seiner Tochter Alexandra. Die Dokumente selbst blieben aber unter Verschluss. „Bei meinen Recherchen war ich vor allem auf Unterlagen aus anderen Archiven, Zeitungsartikel und auf einschlägige Literatur über das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg angewiesen.“

Fürst Ernst II.: „Hitler ist ein Geschenk Gottes für das deutsche Volk“

Fürst Ernst II. war von 1913 bis zu seinem Tod 1950 Standesherr des Hauses Hohenlohe-Langenburg. Dazu gehörte auch die Position als Kirchenpatron der evangelischen Kirchengemeinde Langenburg. Zu Beginn seiner Regentschaft in Langenburg war Ernst 50 Jahre alt. „Völkisches und antidemokratisches Denken herrschte schon früh am Fürstenhof Hohenlohe-Langenburg“, berichtete der Referent. Fürst Ernst II. (1863-1950) war ein großer Anhänger Hindenburgs. In Adolf Hitler sah er ein „Geschenk Gottes“ für das deutsche Volk.

Prinzessinnen an der Spitze der NS-Frauenbewegung

Ernsts Tochter Alexandra (1901-1963) engagierte sich von der Fürstenfamilie am stärksten in den NS-Organisationen. Sie war Führerin der NS-Frauenschaft im Oberamt Gerabronn und Leiterin der NS-Frauenschaft in Langenburg. Alexandras jüngere Schwester Irma (1902-1986) stand in Langenburg an der Spitze des „Bund deutscher Mädel“ (BdM). Somit waren alle NS-Frauen- und Mädchenorganisationen fest in der Hand von Mitgliedern des Fürstenhauses.

Amerikaner setzten Erbprinz Gottfried als Landrat ab

Kronprinz Gottfried (1897-1960) haben die Amerikaner im Mai 1945 kurzzeitig als Landrat des Kreises Crailsheim eingesetzt. Schon nach wenigen Wochen setzten sie ihn aber ab, „vermutlich als seine politische Vorgeschichte stärker in den Blickpunkt rückte“, heißt es im Findbuch des Hohenlohe-Zentralarchivs Neuenstein. Mitglieder der NSDAP waren alle vier genannten Personen der Fürstenfamilie. Auch Fürstin Alexandra (1878-1942) war ab 1937 Mitglied der Nazi-Partei. Sie starb bereits 1942.

Dekan Borst – „Nationalsozialist und Leiter eines Kirchenbezirks“

Langenburgs evangelischer Dekan Albert Borst (1892-1941) nannte es in seinem Pfarrbericht von 1933 „bemerkenswert, dass das Fürstenhaus bei den Frauen- und Mädchenorganisationen die Führerinnen stellt, nicht ohne vor Übernahme des Amtes und nun in der Führung engste Fühlung mit mir zu haben“. Sich selbst bezeichnete Borst als „Nationalsozialist und Leiter eines Kirchenbezirks“. Borst lobte die gute Zusammenarbeit der örtlichen Kirchengemeinde mit dem NS-Ortsgruppenleiter in Langenburg.

„Für Rassepolitik, aber gegen Judenvernichtung“

Prinzessin Alexandra befürwortete nach eigenem Bekunden die Rassepolitik der Nazis, sprach sich nach eigenen Worten aber gegen die Judenvernichtung aus. Diese Aussage machte sie in ihrem Entnazifizierungsverfahren 1947. Dort gab sie an, von KZs in der Region und von der Verfolgung und Inhaftierung politisch Andersdenkender erstmals am Tag der Spruchkammerverhandlung gehört zu haben. Dabei hatte sie über Jahre hinweg persönlichen Kontakt zu Erich Gunzenhauser aus Atzenrod. Erich Gunzenhauser war Pächter des Gutshofs in Atzenrod, der dem Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg gehörte. Der Landwirt saß 1938 fünf Tage lang in Gestapo-Haft in Ellwangen, weil er bei der Volksabstimmung 1938 gegen Hitler gestimmt hatte.

Fürst Ernst II. erhielt „Weihnachtsamnestie“

Wegen ihres Engagements für die Nazis im Oberamt Gerabronn wurde Prinzessin Alexandra von der Militärregierung 27 Monate lang im Interniertenlager Ludwigsburg inhaftiert. Am 10. Dezember 1947 wurde sie aus der Haft entlassen. Formell wurde Alexandra zuerst als „Minderbelastete“ (Stufe 3 von 5) eingestuft, in einer Berufungsverhandlung als „Belastete“ (Stufe 2), später wurde sie einer Mitläuferin (Stufe 4) gleichgestellt. Allerdings blieben 20 Prozent ihres Vermögens eingezogen. Ihr Vater Fürst Ernst II. fiel wegen seines Alters und seines schlechten Gesundheitszustands unter die Weihnachtsamnestie und blieb straffrei. Beide starben in Langenburg und wurden auf dem dortigen Friedhof der Fürstenfamilie beerdigt. Ihre Gräber bestehen noch heute.

Buchempfehlung:

Weitere Informationen über das Buch „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus dem Norden des heutigen Baden-Württemberg“ gibt es auf folgender Internetseite:

http://www.ns-belastete.de/band_8.html

Das Buch kann unter folgender ISBN-Nummer im Buchhandel bestellt werden:

„Täter, Helfer, Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus dem Norden des heutigen Baden-Württemberg“, herausgegeben von Wolfgang Proske, Kugelbergverlag Gerstetten, 441 Seiten, Preis 19,99 Euro, ISBN 978-3945893098

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„Für eine bessere Klima-Politik und Gerechtigkeit in der Weltwirtschaft“ – Aktionen der Akademie der Weltmarktverlierer in Schwäbisch Hall

Akademie der Weltmarktverlierer in Schwäbisch Hall: Insgesamt waren vergangene Woche 350 Besucher bei den Veranstaltungen, 200 haben mit den Aktivisten von Fridays-for-Future vor der Bausparkasse gegen den Weltmarktführer-Gipfel für eine bessere Klimapolitik demonstriert.

Von Hans A. Graef, Akademie der Weltmarktverlierer in Schwäbisch Hall

Radio Störfunk berichtet über die Veranstaltungen

Im Radio StHörfunk in Schwäbisch Hall gibt es inzwischen die ersten Sendungen der Weltmarktverlierer-Veranstaltungen. Der erste Schwerpunkt befasst sich mit dem „Lieferkettengesetz“. Weitere Vorträge sind ab Freitag, 7. Februar 2020, im Radio Sthörfunk zu hören.

Link zur Mediathek des Radio-Sthörfunk:

http://www.sthoerfunk.de/mediathek

Weitere Informationen im Internet über die Akademie der Weltmarktverlierer in Schwäbisch Hall:

http://www.weltmarktverlierer-akademie.de

Weitere Informationen und Kontakt:

E-Mail: hans.a.graef@t-online.de

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„Schweres Erbe des Großvaters“ – Vortrag von Rainer Höß bei der Gedenkfeier in Langenburg zur Befreiung des KZ Auschwitz vor 75 Jahren

Eine Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren durch die Rote Armee veranstaltet der CVJM Langenburg am Donnerstag, 30. Januar 2020, um 20 Uhr in der Stadtkirche Langenburg. Es referiert Rainer Höß, ein Enkel des ehemaligen Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß. Weitere Veranstalter des Gedenkvortrags sind die evangelische Kirchengemeinde Langenburg und das evangelische Kreisbildungswerk Schwäbisch Hall.

Informationen des Evangelischen Kirchenbezirks Schwäbisch Hall

„Verdrängen hält die Erlösung auf“

Am 27. Januar 2020 jährte sich die Befreiung von Auschwitz zum 75. Mal. Wenn es ein Scheitern des Menschseins gibt, dann wurde dies in Auschwitz in seiner ganzen Schrecklichkeit deutlich. Rainer Höß ist deshalb am Donnerstag, 30.Januar 2020, um 20 Uhr, in der Stadtkirche Langenburg zu einem Vortrag zu Gast. Er ist Enkel des Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß. Seit vielen Jahre setzt er sich kritisch mit dem schweren Erbe durch seinen Großvater auseinander. „Auschwitz ist nicht Geschichte, sondern Warnung für Gegenwart und Zukunft“, gemäß dem Satz an der ehemaligen Synagoge in Braunsbach: „Verdrängen hält die Erlösung auf. Erinnern bringt sie näher.“

Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Weitere Informationen und Kontakt:

https://www.kirchenbezirk-blaufelden.de/kirchengemeinden/hengstfeld-michelbachluecke/aktuelles/

https://www.kirchenbezirk-blaufelden.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KB_blaufelden/Kirchengemeinden/Langenburg/download/Amtsblatt/4_Amtsblattwoche_2020.pdf

http://www.gelsenzentrum.de/kinder_der_taeter.htm

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.die-geschichte-des-rainer-hoess-der-enkeleines-moerders.c4158111-596c-4adb-ab09-735f7acf2c0e.html

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„Traditionen und eine fast vergessene Pleite“ – Kritik in der Zeitung „RotFuchs“ an Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA)

„Traditionen und eine fast vergessene Pleite“ lautet die Überschrift ist des Artikels von Victor Grossmann in der Zeitung „RotFuchs“ vom Januar 2020. Grossmann kritisiert darin die Entscheidung der Berliner Finanzverwaltung, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) die Gemeinnützigkeit abzuerkennen.

Von Victor Grossmann, Arbeitskreis Frieden der Berliner VVN-BdA in der Zeitung „Rotfuchs“ vom Januar 2020

„Ausgerechnet vom bayrischen Verfassungsschutz“

In der Politik sind Traditionen wichtig. Als das Berliner Finanzamt beschloss, der VVN/BdA die Gemeinnützigkeit zu entziehen, wurde das glasklar. Die Entscheidung, die es ihr finanziell fast unmöglich macht, ein Büro ohne feste Angestellte zu behalten, ihre Existenz also gefährdet, basiert offiziell auf deren Einstufung als „gefährlich für die Demokratie“ – ausgerechnet vom bayrischen Verfassungsschutz.

Alte Nazis

Doch baut sie eben auf einer viel älteren Tradition auf. Spätestens 1959 beschloss die Bundesregierung, die VVN, wie vor ihr die FDJ, die KPD und alle „kommunistischen Tarnorganisationen“ als verfassungswidrig zu verbieten. Nach drei Jahren war sie soweit. Vor 57 Jahren also, am 29. November 1962, eröffneten Professor Fritz Werner und zwei Nebenrichter des ersten Senats des Bundesverwaltungsgerichts den Prozess. Doch kaum hatte er begonnen, mischte sich August Baumgarte ein, ein Überlebender der KZ Sachsenhausen und Mauthausen, und überreichte Dokumente, die bewiesen, dass gerade Werner schon vor 1933 Mitglied der NSDAP war, dass er stolz den Ehrentitel „Alter Parteigenosse“ trug und nach 1933 zum höheren SA-Führer berufen wurde. Danach kam heraus, dass der beisitzende Richter Eugen Hering, seit 1933 NSDAP-Mitglied, sogar in der SS war und bis zuletzt Landrat einer Ortschaft im besetzten Polen. Der dritte Richter, Lullies, auch seit 1933 in der NSDAP, hatte zur Nazi-Zeit einen hohen Rang in Erfurt inne und wäre Oberbürgermeister in Regensburg geworden, wenn das Kriegsende diese Beförderung nicht verhindert hätte. Schließlich war der Staatsanwalt der Regierung, Hermann Reuß, ebenfalls NSDAP-Mtglied und früher Richter, der schon gleich nach Hitlers Machtantritt das Verbot aller anderen Parteien forderte.

„Der Prozess ist gescheitert“

Diese Enthülliungen wurden in den bundesdeutschen Medien fast völlig vertuscht und waren der Grund , warum schon am zweiten Tag das Ganze verschämt „verschoben“ und kaum je wieder erwähnt wurde (nachdem Bonns Regierungssprecher kleinlaut zugab: “Der Prozess ist gescheitert.“). Dazu kommentierte seinerzeit die britische Zeitung „New Statesman“ bissig: Die VVN vor Gericht zu stellen zeugt schon überhaupt von sehr schlechtem Geschmack, dann aber dafür einen Nazi-Richter und SA-Mitglied als Vorsitzenden zu ernennen, ist absolut unglaublich… Nun, wenn Adenauer die Vertreter von Menschen, die in Konzentrationslagern litten, unbedingt bestrafen will, müsste sich, um ihre Schuld festzustellen, irgendwo in seinem Reich ein Richter finden lassen, der selbst kein Nazi war.“

„Extremisten“

Die neuerliche Entscheidung in Berlin ist noch mit einer ähnlichen Tradition verknotet, die neulich auf sehr hoher Ebene erkennbar wurde – nämlich bei der Europäischen Union. Diese Tradition bezeichnet linke Ideen und linke Menschen, ob Bolschewiken, Kommunisten oder “linke Extremisten“ genannt, nicht nur als schlecht und geradezu gefährlich, sondern stellt sie mit Faschisten gleich – und sogar verwandt, als wären die UdSSR, der „Ostblock“ und erst recht die DDR mit dem Dritten Reich der Nazis verwandte böse Brüder, wobei deutlich wird, für etliche seien die „Roten“ am Ende noch die gefährlicheren des Verwandtenpaars. Man spricht dabei von einem verwandten „Totalitarismus“. Nur, die eigentliche Tradition sieht ganz anders aus.

Hitler ermutigt, den Weltkrieg zu beginnen

Am 19. November 1937 traf sich Lord Halifax – bald wurde er britischer Außenminister – insgeheim mit Adolf Hitler. Nachdem er die großen Verdienste, die sich der Führer um den Wiederaufbau Deutschlands erworben habe, „voll und ganz“ lobte, versicherte er, dass er „wie andere Mitglieder der englischen Regierung davon durchdrungen (wäre), dass der Führer nicht nur in Deutschland selbst Großes geleistet habe, sondern auch durch die Vernichtung des Kommunismus im eigenen Lande diesem den Weg nach Westeuropa versperrt habe und dass daher mit Recht Deutschland als Bollwerk des Westens gegen den Bolschewismus angesehen werden könne.“ Dieses Treffen bestärkte England darin, Hitler und Mussolini bei deren entscheidender Hilfe für General Franco im Spanischen Bürgerkrieg gegen die dortige demokratische Regierung zu unterstützen – auf Kosten ungeheuren Elends nicht nur für das spanische Volk, sondern für alle Völker; denn diese Politik war es, die Hitler ermutigte und ihm ermöglichte, den Weltkrieg zu beginnen.

„Vielleicht morgen einem Hocker?“

Die Tradition ist also längst offenbar geworden, dass Regierungen und Politiker, die auf Antikommunismus schwören, meistens bereit sind, sich mit Faschisten zu verbinden. Trotz aller sorgsam gepflegten Totalitarismus-Theorien, sobald es darauf ankam, waren solche „Demokraten“ geneigt, einem Franco eher als einem Negrin zu helfen, einem Ngo Dinh Diem eher als einem Ho Chi Minh, einem Pinochet eher als einem Allende. Und vielleicht morgen einem Höcke?

„Faschisten bedrohen niemals die Reichen“

Die tatsächliche Verwandtschaft besteht nämlich nicht zwischen Faschisten und den Linken, Sozialisten und Kommunisten, welche sie immer grundsätzlich als Hauptfeind hassten und bekämpften, sondern mit den Antikommunisten, und wenn sie noch so glatt über Demokratie, Verfassungstreue oder böse Extremisten reden konnten. Diese Verwandtschaft liegt nämlich darin, dass sie bei Linken um ihr Eigentum fürchten mussten, dass ihre Millionen oder gar Milliarden vermindert oder – ach Gott – gar enteignet werden. Solche Ängste brauchen sie bei den Faschisten nicht zu haben, die ja niemals die Reichen bedrohen, die sie zumeist – wenn auch zuerst geheim – immer wieder finanzieren und unterstützen.

Verlogene Schritte gegen die VVN

Gerade die deutschen Traditionen – Linke betreffend – machen deutlich, wie verlogen Schritte gegen die VVN sind – und wie gefährlich. Sie harmonisieren allzuleicht mit den Forderungen mancher Minister – stark an eine gewisse Vergangenheit erinnernd – nach immer mehr Waffen und immer mehr Einsätzen. Dahinter, immer lauter, erkennt man schon die alt-neuen Sirenengesänge eines Höcke oder, kaum verdeckt, das Gebrüll eines blutlüsternen Mobs – wie einst!

Weitere Artikel im Internet in der Zeitung „RotFuchs“ zum aktuellen Thema VVN-BdA:

http://rotfuchs.net/files/rotfuchs-ausgaben-pdf/2020/RF-264-01-20.pdf

Weitere Informationen im Internet über die Zeitung RotFuchs:

http://rotfuchs.net/

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„Für ein gerechtes Wirtschaftssystem“ – Vier Veranstaltungen der „Akademie der Weltmarktverlierer“ in Schwäbisch Hall

Vier Veranstaltungen der „Akademie der Weltmarktverlierer“ finden in den nächsten Tagen in Schwäbisch Hall statt. Die Vorträge werden in den kommenden Wochen in der gleichnamigen Sendung freitags ab 16 Uhr im Radio Sthörfunk gesendet.

Von der Akademie der Weltmarktverlierer Schwäbisch Hall

Montag, 27. Januar 2020, um 19.30 im Brenzhaus Schwäbisch Hall:

Veranstalter: ATTAC Schwäbisch Hall und Evangelisches Kreisbildungswerk

Thema: „Zum Beispiel BASF. Über Konzernmacht und Menschenrechte“, es referiert SIMONE KNAPP von der KASA (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika) in Heidelberg

Wie ist es möglich, dass die Menschen, die eines der wertvollsten Metalle der Welt für ein deutsches Vorzeigeunternehmen abbauen, in Slums leben? Am Beispiel der Platinlieferkette zwischen dem deutschen Chemiekonzern BASF und dem britisch-südafrikanischen Platinproduzenten Lonmin erörtert sie koloniale Kontinuitäten im Rohstoffhandel und versammelt Stimmen von ArbeiterInnen, AktivistInnen und WissenschaftlerInnen. Es geht um die direkte Verbindung des Massakers von Marikana nach Europa, um globale Lieferketten und deren Gestaltung durch Handelsabkommen und Entwicklungspolitik, um Steuervermeidung, Lobbyismus und Unternehmensverantwortung, um dringend notwendige rechtliche Regulierungen und postkoloniale Verantwortungskonzepte – und um die neuen Herausforderungen transnationaler Solidarität.

Dienstag, 28. Januar 2020, um 19.30 Uhr im Haus der Bildung Schwäbisch Hall:

Veranstalter: ATTAC Schwäbisch Hall und Volkshochschule

Dokumentarfilm „Goldmann Sachs – eine Bank lenkt die Welt“

Vortrag Finanzwende von Dr. Schick abgesagt

Wegen einer Erkrankung kann der bekannte Finanzpolitiker Dr. Gerhard Schick von der Bürgeraktion Finanzwende am Dienstag, 28. Januar 2020 seinen angekündigten Vortrag „Die Finanzwirtschaft an die Kette legen“ bei der VHS im Haus der Bildung  leider nicht halten. Der Termin soll in Kürze nachgeholt werden. Stattdessen wird für Interessierte der Dokumentarfilm „Goldmann Sachs – eine Bank lenkt die Welt“ gezeigt.

Für eine Finanzwirtschaft, die der Gesellschaft dient, nicht ihr schadet

Er ist promovierter Volkswirt, ehemaliges Mitglied des Bundestages (ehemaliger finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion), Mit-Initiator des Vereins und dessen geschäftsführender Vorstand. Bekannt wurde er in den Medien durch seine Aufklärung der so genannten Cum-Cum- und Cum-Ex-Geschäfte, bei der europäische Staaten durch Geschäfte der Finanzwirtschaft um 55 Milliarden Euro betrogen wurden – einer der größten Steuerbetrügereien der letzten Jahrzehnte. „Willfährige Wirtschaftsprüfer sind Erfüllungsgehilfen der Firmen“ titelte die Süddeutsche Zeitung. Literaturhinweis: Giegold/Philipp/Schick. Finanzwende – den nächsten Crash verhindern. (Wagenbach)

Mittwoch, 29. Januar 2020, um 19.30 Uhr Theatersaal Altes Schlachthaus in Schwäbisch Hall:

Veranstalter: ATTAC Schwäbisch Hall, Publik und Brot für die Welt

Thema: „Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern – Eine Streitschrift (2019)“

WOLFGANG KESSLER (ehemaliger Publik-Chefredakteur)

„Rasender Kapitalismus“

Megakonzerne und Großinvestoren erobern Innenstädte, Krankenhäuser, Pflegeheime, Ackerland und unsere Daten. Für hohe Renditen werden Rohstoffe ausgebeutet, Regenwälder abgeholzt und die Meere vermüllt. Der rasende Kapitalismus bedroht Mensch, Demokratie, Natur und Klima. Wirtschaft und Konsum müssen grundlegend anders werden. Das erfordert die Kunst, das Wirtschaftssystem tiefgreifend zu verändern – ohne dass es in eine Krise abstürzt. Wolfgang Kessler zeigt, wie dies gehen kann. Und was wir dafür tun können.

Andere über Wolfgang Kesslers Streitschrift:

»Ein Buch für alle, die in diesem Land etwas verändern wollen.« Stephan Hebel, Journalist
»Sagenhaft aufrüttelnd«. Friedhelm Hengstbach SJ
»Ein beeindruckendes Feuerwerk von Alternativen, das nur eine Schlussfolgerung zulässt: Alles ist tatsächlich zum Besseren veränderbar. «Christian Felber, Publizist

Freitag, 31. Januar 2020, um 20 Uhr im Kino im Schafstall in Schwäbisch Hall:

DER MARKTGERECHTE MENSCH Ein „Film von unten“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, anschließend FILMGESPRÄCH mit den Autoren

Veranstalter: Kino im Schafstall, Club Alpha 60, ATTAC und Verdi

„Arbeitnehmer-Unternehmer“ statt Arbeitnehmer-Sicherheit

Wie bei dem Film „Der marktgerechte Patient“, der zeigte wie das Gesundheitswesen den kapitalistischen Prinzipien profitabel privatisiert wurde und der im Januar 2019 in Schwäbisch Hall gezeigt wurde, dokumentiert der neue Film, wie Solidarität verloren geht und wir alle Gefahr laufen, in Konkurrenz zueinander zu versinken – während die Reichen immer reicher werden. Europa ist im Umbruch. Seit dem neuen Jahrtausend und zuletzt nach der Finanzkrise wurden neue Weichen gestellt. Die soziale Marktwirtschaft, gesellschaftliche Solidarsysteme, über Jahrzehnte erstritten, werden infrage gestellt. Besonders der Arbeitsmarkt und mit ihm die Menschen verändern sich rasant. „Arbeitnehmer-Unternehmer“ statt Arbeitnehmer-Sicherheit Noch vor 20 Jahren waren in Deutschland knapp zwei Drittel der Beschäftigten in einem Vollzeitjob mit Sozialversicherungspflicht. 38 Prozent sind es nur noch heute. Aktuell arbeitet bereits knapp die Hälfte der Beschäftigten in Unsicherheit. Sie befinden sich in Praktika, wiederholt befristeter Arbeit, in Werkverträgen und Leiharbeit. Welche Folgen hat die Arbeitsmarktderegulierung für die Menschen? Wer auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft mitspielen will, muss sich von klein an auf Flexibilität und Wettbewerb einstellen. Wie verändert diese Unbeständigkeit und Konkurrenz uns Menschen selbst und unsere sozialen Beziehungen zu anderen?

Konkurrenzkampf führt ins Abseits

Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Arbeitskämpfe haben seit der Industrialisierung Standards des Arbeitsrechts erstritten, die für die soziale Marktwirtschaft grundlegend waren. Welche politischen Entscheidungen waren bestimmend, als seit den 1980er Jahren zuerst in den USA und dann auch in Großbritannien der schlanke Staat, die Beseitigung aller Schranken des Marktes und der entgrenzte globale Wettbewerb propagiert wurden? In Deutschland etablierte sich diese Politik erstmals mit der Rot-Grünen Regierung Schröder/Fischer. Mit einer Senkung der Unternehmenssteuern und der Deregulierung des Arbeitsmarktes schaffte sie es, deutschen Konzernen nachhaltig Kostenvorteile zu verschaffen. Die Realeinkommen sanken allerdings infolge dessen zwischen den Jahren 2000 und 2010 im Mittel um 4,2 Prozent, im unteren Lohnbereich sogar um bis zu 23,1 Prozent. Fast alle Menschen in Europa verlieren an sozialer Sicherheit und werden in einen Konkurrenzkampf geschickt, der zunehmend alle Lebensbereiche umfasst und viele ins Abseits drängt.

Flyer: Akademie der Weltmarktverlierer 2020

ATTAC Schwäbisch Hall & Unterstützer laden ein zur 4. Jahrestagung der Akademie der Weltmarktverlierer

Schattenseiten der Globalisierung werden ausgeklammert

Die neoliberale Akademie der Weltmarktführer wird zum zehnten Mal ein Gipfeltreffen der kapitalistischen Elite in Schwäbisch Hall ausrichten, wo ein Loblied auf Globalisierung und Wirtschaftswachstum gesungen wird. Die Schattenseiten des Welthungers, der Rohstoffkriege, des Elends, des diskriminierenden Freihandels und der Klimakatastrophe werden komplett ausgeklammert. Dem positivistischen Weltbild dieser Lobbyorganisation der Weltmarktführer setzen wir als demokratische unabhängige Akademie unsere kritische wissenschaftliche Aufklärung entgegen. Wir geben als Teil der privilegierten Gesellschaft den Opfern der strukturellen Gewalt global und bei uns eine Stimme. Feudale Feste im Stile der Sonnenkönige klammern die Überlebensfragen unseres Planeten aus. Das von Dr. Walter Dörings neoliberalem Gipfel propagierte Wirtschaftswachstum ist Hauptursache der Klimakrise, die Profiteure sind Reiche, die Börsen und Konzerne.

Unsere Parole: Eine andere, solidarische und klimafreundliche Welt ist möglich!

Die Aufklärung über die Opfer und Abgründe der Globalisierung als aktuelle Form des kapitalistischen Kolonialismus ist unser Ziel. Diese Globalisierung erzeugt strukturelle Gewalt, Terror, Kriege – eine andere Globalisierung ist nötig. Die Wirtschafts- und Politikelite wird ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung in keiner Weise gerecht. Konzerne bemächtigen sich der Staaten, wie man es nicht nur in den USA beobachten kann. Demokratien werden durch Lobbyisten ausgehöhlt und manipuliert – und die Weltmarktführer-Akademie ist eine Lobbyvereinigung, mitverantwortlich für die Defizite, auf die wir hinweisen. Nur ein Beispiel: Die globale Steuerberatungs- UND Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ist Partner des Elitentreffens, mitverantwortlich für den Cum-Ex-Steuerbetrugsskandal, der europäische Staaten 55 Milliarden Euro Steuern entzog, die für Bildung, Gesundheit und Soziales fehlen.

Unterstützer der Akademie der Weltmarktverlierer Schwäbisch Hall:

ATTAC, Weltladen Schwäbisch Hall, Brot für die Welt, Evangelisches Kreisbildungswerk, Volkshochschule Schwäbisch Hall, Club Alpha 60, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), IG Metall, Verdi, Umweltzentrum Schwäbisch Hall, Verein Umfairteilen Schwäbisch Hall

Weitere Informationen und Kontakt:

http://www.weltmarktverlierer-akademie.de/

https://www.facebook.com/events/akademie-der-weltmarktverlierer/jahrestagung-akademieweltmarktverlierer-aufkl%C3%A4rung-solidarit%C3%A4t/507271983194734/

https://www.attac.de/

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„Hilft, bewegt, verändert“ – Hilfsorganisation „Solidarität International“: Kulturabend in Schwäbisch Hall

Die Bundesdelegiertenversammlung der Solidaritäts- und Hilfsorganisation „Solidarität International“ findet in Schwäbisch Hall statt. Dazu gibt es am Samstag, 25. Januar 2020, einen Kulturabend im Schwäbisch Haller Brenzhaus. Bei dem Kulturabend treten acht bis zehn internationale Künstler(-gruppen) auf. Das arabische Büfett wird von Marwa Radwan geliefert. Essen ist von 19 bis 20 Uhr, danach beginnt der Kulturabend.

Informationen zugesandt von Willi Maier, Schwäbisch Hall

„Solidarität gemeinsam organisiert“

Das Motto der Veranstaltung von Solidarität International lautet „SOLIDARITÄT GEMEINSAM ORGANISIERT: hilft, bewegt, verändert.

Zeitlicher Ablauf:

ab 19 Uhr Abendessen

ab 20 Uhr Kulturabend

Eintritt: 15 Euro mit Speisen* (ermäßigt 12 Euro) 5 Euro ohne Speisen (ermäßigt 3 Euro)
* Getränke sind nicht enthalten.

Veranstaltungsort: Schwäbisch Hall, Brenzhaus, Mauerstraße 5

Weitere Informationen und Kontakt:

Solidarität International e.V., Grabenstraße 89, 40057 Duisburg

Internet: https://solidaritaet-international.de/index.php?id=669&no_cache=1

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„Bankenrebell“ Fritz Vogt berichtet über sein „Lebensthema Raiffeisen“ – Vortrag in Kirchberg/Jagst

Über sein „Lebensthema“ Friedrich Wilhelm Raiffeisen und kleine Genossenschaftsbanken auf dem Land spricht Fritz Vogt am Donnerstag, 16. Januar 2019, um 19.30 Uhr im Landhotel Kirchberg/Jagst. Die Veranstaltung des örtlichen Gewerbe- und Fremdenverkehrsvereins ist Teil des Jubiläums „150 Jahre Gewerbeverein(e) in Kirchberg“. Ausdrücklicher Wunsch des 89-jährigen Referenten ist, dass es genügend Zeit für die Diskussion und für Fragen gibt. Der Eintritt ist frei.

Informationen des Gewerbe- und Fremdenverkehrsvereins Kirchberg/Jagst

Raiffeisen und sein Zeitgenosse Schulze-Delitzsch

Fritz Vogt wurde in den vergangenen Jahrzehnten von verschiedenen Medien als Bankenrebell bezeichnet. Er berichtet in seinem Vortrag in Kirchberg über den Sozialreformer und Genossenschaftspionier Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888). Dabei geht er auch auf dessen Verhältnis zu Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883) ein, dem anderen bedeutenden Gründer genossenschaftlicher Banken des 19. Jahrhunderts.

„Einer für alle, alle für einen“

Friedrich Wilhelm Raiffeisen gründete als junger Bürgermeister im Westerwald im Hungerwinter 1846/47 den „Brodverein“, 1864 den ersten Darlehenskassenverein. Damit schuf er die erste ländliche Genossenschaft. „Einer für alle, alle für einen, lautet nach Raiffeisen das Motto in unserer Genossenschaftsbank“, erklärt Fritz Vogt einen der Grundsätze der Gammesfelder „Raiba“. „Vor allem in Notzeiten merken die Leute, dass sie sich zusammentun und sich gegenseitig selbst helfen müssen.“ Ein trauriges Resultat der Globalisierung und des ungebremsten Kapitalismus sei, dass es mehr ultra-reiche und mehr arme Menschen gebe. Auch darauf wird Fritz Vogt in seinem Vortrag in Kirchberg eingehen.

Raiffeisenbank Gammesfeld hat nur einen Mitarbeiter 

Fritz Vogt war 41 Jahre lang (bis Ende 2007), „Vorstandschef“ und einziger Mitarbeiter der Raiffeisenbank Gammesfeld (Gemeinde Blaufelden, Landkreis Schwäbisch Hall). Nach Angaben der Finanzfachzeitschrift „Capital“ war die Raiffeisenbank Gammesfeld 2019 die „kleinste Bank Deutschlands, was das Personal betrifft“. Hinsichtlich der Bilanzsumme gab es „noch fünf kleinere Genossenschaftsbanken“, heißt es in der Finanzzeitung weiter.

Prozess gegen Bankenaufsicht gewonnen

Bundesweit bekannt wurde Fritz Vogt durch seinen 1990 gewonnenen Kampf gegen die deutschen Finanzaufsichtsbehörden. Diese wollten die Gammesfelder Bank schließen, weil das in den 1980er Jahren eingeführte Vier-Augen-Prinzip bei Banktransaktionen nicht eingehalten werde. Das ist auch unmöglich, weil die Bank nur einen Mitarbeiter hat.

Fritz Vogt als „Antikapitalist“ in vielen Talkshows

Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Schotter wie Heu“ aus dem Jahr 2002 ist eine sehenswerte Milieustudie über Gammesfeld, die Bank und ihren damaligen „Direktor“. Der Film wurde ein großer Publikumserfolg. Danach saß Fritz Vogt als „Antikapitalist“ in vielen Talkshows von Maischberger bis Beckmann. Zeitungsartikel erschienen auch in der FAZ, der taz, Welt, im Handelsblatt und Capital. Eine Fernsehdokumentation der Deutschen Welle wurde weltweit ausgestrahlt.

Vor 150 Jahren erster Kirchberger Gewerbeverein gegründet

Das Bankenthema passt gut zur Jubiläumsveranstaltung des Kirchberger Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein. Der erste Gewerbeverein in Kirchberg wurde 1869 gegründet, um kurz darauf eine genossenschaftlich organisierte Gewerbebank in Kirchberg zu eröffnen. Einlass zum Vortrag im Kirchberger Landhotel ist am Donnerstag, 16. Januar 2020, um 19 Uhr. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr.

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