IG Metall fordert: „Kahlschlagpläne bei Getrag müssen vom Tisch“

Seit letzter Woche ist die Katze bei dem Unternehmen Getrag endgültig aus dem Sack und alle Gerüchte, die seit dem Jahreswechsel kursierten, werden noch übertroffen. Betroffen ist auch ein Getrag-Standort in Neuenstein.

Pressemitteilung der IG-Metall Schwäbisch Hall

Im Klartext heißt das:

– Jeder vierte Arbeitsplatz wird bis Ende 2011 gestrichen, insgesamt sollen 700 Arbeitsplätze wegfallen! Über 400 Stellenstreichungen sollen schon 2010 erfolgen, obwohl es einen tariflichen Kündigungsschutz bis zum 31.12.2011 gibt. Und trotz Überstunden und laufenden Anträgen auf Wochenendschichten.

– Das Werk Ludwigsburg soll Ende 2011 geschlossen werden, obwohl es eine Standortgarantie bis Ende 2012 gibt! Stattdessen soll die Fertigung nach Kechnec (in den Osten der Slowakei) verlagert werden. Leiharbeit am Billiglohnstandort statt Facharbeit am Stammsitz heißt die Devise!

– Beide Schritte sind vermutlich nicht einmal das Ende der Fahnenstange: Gibt es keine Einigung mit VW über die weitere Produktion der Radsätze aus Neuenstein, könnte dieses Produkt und damit noch weitere Stellen entfallen!

– Und weil man gerade dabei ist, soll die Belegschaft die Kosten dieser Restrukturierung auch noch selbst bezahlen durch Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld 2010 und 2011 sowie ein weitgehendes Aussetzen von Tariferhöhungen bis 2012!

Noch Ende Januar, in einem Brief der Geschäftsleitung an die Beschäftigten von Getrag, klang das Konzept von Kotecha wesentlich „smarter“. »Als Getrag Corporate Group werden wir eine herausragende weltweite Marktposition erreichen – Dank einer einzigartigen Kombination aus richtiger Größe, Technologien und Kunden, auf die wir stolz sein werden. Dieser Ausblick ist äußerst ansprechend«, hieß es dort. Jetzt zeigt sich die wahre Absicht hinter all den schönen Worten. Die neue Geschäftsführung vollzieht jetzt genau das Kahlschlagprogramm, das die Banken schon im letzten Jahr gefordert haben, als es um die Neufinanzierung der Kredite ging. Dieser Ausblick ist nicht „ansprechend“, sondern „abstoßend“!

„Wir zahlen nicht für Eure Krise“

Die Belegschaft weiß genau: sie ist nicht schuld an der Schieflage der Getrag. Unkontrolliertes Wachstum, sinnlose Verlagerungen, bei denen einstmals „schwarze“ Produkte „rot“ wurden, abenteuerliche Finanzierungskonstruktionen, all das hat dazu beigetragen, dass die Getrag schon deutlich angeschlagen Ende 2008 in die Krise geraten ist. Und das, obwohl über viele Jahre hinweg IG Metall, Betriebsräte und die ganze Belegschaft immer wieder bereit waren, über direkte finanzielle Beiträge, über Verschlechterung der Leistungsbedingungen oder durch neue Pausenregelungen Umstrukturierungen oder „zu große“ Investitionsvorhaben zu unterstützen. Mittlerweile belaufen sich diese Beiträge auf weit über 100 Millionen Euro.

Die Belegschaft hat genügend Vorleistungen gebracht

Dass jetzt in der Krise, die auch die Kfz-Industrie voll getroffen hat, die Lage nicht besser wird, liegt auf der Hand. Aber genau dafür gibt es ja eigentlich Unternehmer und Banken: die Risiken zu tragen, die ein technologiegetriebenes Geschäft mit sich bringt. Wir sagen deutlich: Es reicht! Die Belegschaft hat mehr als genug Vorleistungen gebracht, immer und immer wieder! Jetzt ist es an der Geschäftsführung, die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen – und an den Banken, die ja selbst mit Milliarden öffentlicher Mittel gerettet wurden, hierfür die nötigen Kredite zur Verfügung zu stellen, ohne im Gegenzug Personalabbau und Verzicht der Beschäftigten zu verlangen. Die IG Metall wird nicht zulassen, dass die Lasten der Krise mal wieder auf ihre Opfer abgewälzt werden.

Echte Zukunftsperspektiven statt Sterben auf Raten

Ohnehin, Dank für die Vorleistungen war ja nicht wirklich zu erwarten. Aber zumindest hätte die Zeit, die wir der Geschäftsführung und der Getrag im letzten Jahr mit den für Viele schmerzlichen Zugeständnissen durch „Kurzarbeit Null“, Abordnungen oder Aufhebungsverträge geschaffen haben, besser genutzt werden können. Was jetzt auf dem Tisch liegt, ist nicht mehr als ein Sterben der Getrag-Standorte auf Raten. Denn die geplante Neuausrichtung der Getrag wird eindeutig und einseitig zu Lasten der Standorte in Bayern und Baden-Württemberg gehen. Selbst wenn die Wachstumsvisionen der Geschäftsführung (4 Millionen Einheiten bis 2015) eintreten sollten, gehen sie an den klassischen Standorten der Getrag KG – die das gesamte Wachstum erst finanziert und technisch möglich gemacht haben – vorbei. Zukunft Nein Danke – genau dieses Programm läuft bereits auf vollen Touren.

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