„Ich werde sicher politisch aktiv bleiben, auch in der Partei“ – Silvia Ofori (DIE LINKE) über ihre politische Zukunft

Silvia Ofori (Die Linke).

Silvia Ofori (Die Linke).

Die Bundestagswahl hat für den Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe ein klares Ergebnis gebracht. Christian von Stetten (CDU) wird auch in der nächsten Legislaturperiode einziger Vertreter des Wahlkreises im Deutschen Bundestag sein. Hohenlohe-ungefiltert hat die Direktkandidaten der anderen Parteien zum Wahlausgang und zu ihrer politischen Zukunft befragt. Im folgenden Interview sind die Antworten von Silvia Ofori (DIE LINKE) zu lesen.

Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Wie schätzen Sie den Wahlausgang mit etwas zeitlichem Abstand ein?

SILVIA OFORI: Schlecht. Schwarz-gelb wird hart für das „untere“ Drittel der Gesellschaft und für diejenigen, die für soziale Gerechtigkeit kämpfen. Bei den Koalitionsverhandlungen und deren Ergebnis sehe ich schwarz. Wir werden sehr bald in die Puschen kommen müssen. Für mich persönlich war das Wahlergebnis wirklich hervorragend. In den 38 baden-württembergischen  Wahlkreisen habe ich das sechsthöchste prozentuale Wahlergebnis bei den Erststimmen. Das ist beachtlich, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir uns auf ländlich strukturiertem Gebiet mit äußerst konservativer Prägung bewegen. Gemessen an den Stimmenzuwächsen steht unser Wahlkreis innerhalb der Linken sogar an vierter Stelle bei den Erststimmen. Und der Abstand zum Zweitstimmenergebnis ist sehr niedrig was nicht überall so ist. Für die LINKE in Baden-Württemberg ist sehr positiv, dass jetzt 6 statt bisher 3 Abgeordnete im Bundestag sind. Natürlich ist das Ergebnis für die LINKE insgesamt sehr gut. Wir konnten unsere Bundestagsmandate insgesamt von 50 auf 76 erhöhen. Das heißt, wir können auf Fraktionsebene mehr Arbeit leisten. Das wird uns stärken.

Warum hat es für Sie persönlich nicht für den Einzug in den Bundestag gereicht (was waren die Gründe) – sind Sie persönlich enttäuscht?

Für mich persönlich hat es deshalb nicht in den Bundestag gereicht, weil ich mich auf einem vorderen Platz der Landesliste nicht durchsetzen konnte. Ich habe auf Platz 5 mit fünf weiteren Bewerberinnen kandidiert und Annette Groth hat sich durchgesetzt. Das hat mehrere Gründe. Natürlich bin ich enttäuscht. Ich habe mir lange überlegt, ob ich wirklich diese Weichenstellung in meinem Leben vornehmen will und habe mich aus innerer Überzeugung dafür entschieden. Das hat dann nicht geklappt und das ist schon eine gewisse Enttäuschung.

Was werden Sie in Zukunft beruflich tun? Werden Sie weiterhin für Ihre Partei politisch aktiv sein – möglicherweise auch wieder für ein Amt kandidieren? Werden wir Sie als politische/n Akteur/in weiterhin in der Region Hohenlohe sehen?

Ehrlich gesagt brauche ich noch Zeit, um mich zu erholen und mir Gedanken für die Zukunft zu machen. Ich werde sicher politisch aktiv bleiben, auch in der Partei. Für ein Amt kandidieren, das weiß ich noch nicht.

Was möchten Sie der künftigen Bundesregierung mit auf den Weg geben? Welche Politik wird gut sein für die Region Hohenlohe und welche für Deutschland?

Die Regierung soll sehr vorsichtig überlegen, was sie tut. Wenn die SPD in der Opposition ist, sind die Gewerkschaften nicht mehr so berechenbar. Es könnten sich größere Proteste als bisher entwickeln. Welche Politik ist gut für Hohenlohe und für Deutschland? Eine Politik ohne Atomkraftwerke. Eine Politik für Menschen, bei der die Menschen ernst genommen werden und nicht veräppelt werden – wie jetzt aktuell bei der Schweinegrippenimpfung. Es ist doch wohl der Oberhammer, dass gewisse Staatsdiener ein risikoärmeres Mittel geimpft bekommen sollen. Gut wäre eine Politik, bei der sich die Reichen mehr finanziell an der Gesellschaft beteiligen müssten und bei der es weniger Kinderarmut gäbe. Das Gegenteil wird der Fall sein: die Reichen werden weiter entlastet und Kinder werden weiterhinein Armutsrisiko sein.

Christian von Stetten (CDU) wird auch in der nächsten Legislaturperiode der einzige Abgeordnete des Bundestagswahlkreises Schwäbisch Hall-Hohenlohe sein. Was erwarten Sie politisch von ihm? Was soll er tun und um was soll er sich besonders kümmern, damit die Region Hohenlohe und seine Bewohner/innen einen Nutzen von seiner Arbeit in Berlin haben?

Ich erwarte nichts und er soll auch nichts tun. Dann richtet er schon keinen Schaden an. Wenn er was tut, dann nur zu Gunsten der oberen 20 Prozent. Da kann ich gerne drauf verzichten. Im übrigen finde ich es schockierend, dass wir zunehmend vom Adel regiert werden. Diese Plakate von zu Guttenberg und von von Stetten, das war zuviel. Ich fühle mich zurückversetzt ins 16. Jahrhundert.

Raum für ein persönliches Statement von Ihnen…

Aus linker Sicht sind die Stimmenzuwächse der FDP deprimierend. Wie ist es möglich, dass die Menschen so viel Vertrauen in die FDP in der Krise haben? Ich vermute ihr wird wirtschaftspolitische Kompetenz zugeschrieben. Das halte ich für einen Blick in die Zukunft mit überdimensionalen Scheuklappen: ein Nichtrealisierenwollen der wichtigsten Zukunftsprobleme.

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