„Herrschaften – Was Sie schon immer über den Bundestag wissen wollten“ – Ein Buch mit Karikaturen des Crailsheimer Grafikers Frank Stiefel

Umschlagseite des Buchs "Herrschaften".

Titelseite des Buchs "Herrschaften".

Für mehr Durchblick in der Bundespolitik will das Autorentrio Stiefel/Kühn/Dietzel sorgen. „Herrschaften – Was Sie schon immer über den Bundestag wissen wollten“, heißt ihr vor kurzem erschienenes Buch. „Herrschaften“ – auf der Titelseite ist aber die Karikatur einer Frau zu sehen – Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Zeichnung stammt – wie auch die vielen anderen Karikaturen des Buches – von dem in Crailsheim aufgewachsenen Grafiker Frank Stiefel.

Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

„Mögen hätt‘ ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“

Mit dem 160 Seiten dicken Buch wollen die Autoren nach eigenen Worten „die Leser nicht in eine bestimmte politische Richtung lenken, sondern informieren und auch unterhalten“. Dies soll im Sinne von Charlie Chaplin geschehen, der im Vorwort mit dem Satz „Ein Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag“ zitiert wird. Dass die Bürgerinnen und Bürger politisch mutig auftreten sollen, wird mit einem Zitat von Karl Valentin verdeutlicht: „Mögen hätt‘ ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“ Dürfen soll man sich schon trauen.

Ein Buch für politische Quizrunden mit Freunden

Herrschaften ist kein Buch, das sich zum Durchlesen an einem Stück eignet. Es ist aber durchaus ein Werk, das durch seinen Faktenreichtum über das politische Geschehen im und rund um den Bundestag aufklärt. „Herrschaften“ eignet sich gut für politische Quizrunden mit Freunden, der Familie und Bekannten. Nach jeweils einleitenden Sätzen sind die zehn Kapitel durch zahlreiche Fragen und Antworten strukturiert. Es geht um Bundeskanzler (Chefsache), Bundespräsidenten (Häuptlinge), Reichstag (Rund um die Kuppel), Bundesminister (Erste Diener), Parteien (Mannschaften), Affären und Skandale (Im Namen des Volkes?), Statistik (Daten, Fakten und Beweise), Begriffe (Schwer von Begriff), Parlamentarisches (Law and Order), Marginalien und Zitate. Ein eineinhalbseitiges Literaturverzeichnis schließt das unterhaltsame Werk aus dem Stroh&Flausen-Verlag ab.

Die Wahlbeteiligung war 1949 niedriger als 2002

Im Kapitel Daten, Fakten und Beweise gibt es einige Überraschungen. Beispielsweise war die Wahlbeteiligung 1949 (78,5 Prozent) geringer war als 2002 (79,1 Prozent). Es gab wohl auch nach der NS-Zeit das, was heute als Politikverdrossenheit bezeichnet wird. Informiert wird in Herrschaften auch darüber, dass die Partei DIE LINKE während der Wahlperiode 2005 bis 2009 (Stichtag: 11. Juni 2009) mit 2133 die meisten Parlamentarischen Initiativen eingebracht hat – gefolgt von der FDP (1799) und Bündnis 90/Die Grünen (1652).

Frauen und Männer erst seit 1957 gleichberechtigt

Für viele jüngere Leser ist sicher überraschend, dass das „Gesetz über die  Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“ erst 1957 verabschiedet wurde. Besonders interessant ist (Anmerkung: persönliche Meinung des Autors dieses Artikels) das Kapitel Law&Order. Dort wird unter anderem berichtet, dass Bundestagsabgeordnete bereits einen Tag vor dem jeweiligen Sitzungstag Anwesenheitspflicht in Berlin haben, „andernfalls drohen drakonische Strafen“. Die Abgeordneten können sich aber leicht beim Bundestagspräsidenten entschuldigen. Dazu genügt ein Fax, in dem der Abgeordnete mitteilt, dass er aus „mandatsbezogenen Gründen nicht an der Sitzung teilnehmen kann“. Mandatsbezogene Gründe sind ein weit gefasster Begriff. Darunter könnte auch eine Zechtour mit politischen Kumpels fallen.

Hinterbänkler und Hinterwäldler sind nicht so spannend

Politiker aus Hohenlohe sucht man in „Herrschaften“ allerdings vergeblich. Dazu merkt Mitautor Frank Stiefel an: „Von Stetten kommt nicht vor, Bachmaier auch nicht. Hinterbänkler und Hinterwäldler sind nicht so spannend.“

Gestalterischer Kritikpunkt von Hohenlohe-ungefiltert: Die Seitenzahlen sind zu weit am unteren Seitenrand angebracht. Dadurch hat der Leser den Eindruck, die Buchseiten seien zu knapp abgeschnitten worden. Die Seitenzahlen scheinen unten aus der Seite herauszufallen. Auch der Text sitzt zu dicht auf der Seitenzahl. Durch diese Fußlastigkeit wirken die Seiten etwas vollgepackt. Eine Zeile weniger Text pro Seite hätte luftiger und besser ausgesehen. Herrschaften ist aber inhaltlich und auch gestalterisch ein Buch, das von Hohenlohe-ungefiltert uneingeschränkt zum Kauf empfohlen werden kann.

Informationen zum Buch:

„Herrschaften – Was Sie schon immer über den Bundestag wissen wollten“, von Frank Stiefel, Timo Kühn und Matthias Dietzel ist erschienen im Stroh&Flausen Verlag Berlin. 160 Seiten mit zahlreichen Karikaturen, Preis 15 Euro, ISBN 3-00-028672-8

Weitere Informationen im Internet:

www.stroh-flausen-verlag.de

www.frankstiefel-art.de

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Ein Gedanke zu „„Herrschaften – Was Sie schon immer über den Bundestag wissen wollten“ – Ein Buch mit Karikaturen des Crailsheimer Grafikers Frank Stiefel

  1. Rezension über die kleine Polit – Bibel „Herrschaften“
    Im Gegensatz zur christlichen Bibel zeichnet sich das jüngste Werk von Frank Stiefel, Timo Kühn und Mathias Dietzel vor allem durch seine gut recherchierte und dennoch mit einer Menge geistreichem Humor gespickte Glaubhaftigkeit aus.
    Es besteht kein Zweifel an der Echtheit der Fakten und der teilweise unfreiwillig überaus komischen Zitate der Deutschen Politiker, welche von der Nachkriegszeit bis heute für reichlich zwerchfellerschütternden Gesprächsstoff sorgen.
    „Herrschaften“ bildet eine politische Lektüre, die ohne Druck mit viel Spass beim lesen Wissen über Wesentliches und wissenswertes über die Wesen, die den politischen Alltag der Bundesrepublik Deutschland ausfüllen, vermittelt.
    Für alle die sich beispielsweise bei Quiz Sendungen wie „Wer wird Millionär“ bewerben wollen und den Telefon – Joker nicht für Fragen aus der Politik verheizen wollen.
    Oder auch einfach für Leute, die bei politischen Diskussionen durch humorvolles Fachwissen das Salz in der Suppe sein wollen.
    Rhon Diels, Januar 2010

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