Regionale Medienkritik / 25. Juli 2009: Scheinheiliger der Woche – Mathias Bartels

Wir überlegen uns seit einiger Zeit ernsthaft die Rubrik des >Scheinheiligen der Woche< einzuführen. Da es aber sowieso meistens Herrn Bartels vom Hohenloher Tagblatt treffen würde, haben wir davon Abstand genommen.

Von Axel Wiczorke, Hohenlohe-ungefiltert

In der Rubrik >Ins Visier genommen< - unter der Überschrift “Was wäre denn sonst gewesen?" - wehrt er sich diesmal gegen die Vorwürfe von Briefschreibern als "Todeshetzer“ und "Mörder" bezeichnet zu werden (im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Vorgänge im Crailsheimer Rathaus und dem Volksfestplatz). Und siehe da, plötzlich wird der „grundsätzliche Auftrag der Medien“ bemüht, um die (Form der) Berichterstattung zu rechtfertigen. Sein Kommentar schließt mit: „Zum Freitod zwingen kann man niemand. Nicht einmal die Medien.“ Zum einen gibt es dafür genug Gegenbeispiele - ganz abgesehen davon, dass 'Zwang' eine subjektive Größe ist. Zum anderen hat das Hohenloher Tagblatt in der Vergangenheit leider nur allzu oft diesen „grundsätzlichen Auftrag“ vergessen. Ich erinnere nur an die bundesweite Affäre um Christian von Stetten und die Rolle des Hohenloher Tagblatts in dieser Angelegenheit (https://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=215).

Auch muss man sich fragen, wie eine Zeitung, die im Lokalteil zu einem großen Teil nur aus Pressemitteilungen und PR-Artikeln besteht, die permanent gemeinsam mit sogenannten ‚Kooperations-Partnern‚ (z.B. die Versicherungsbranche) Veranstaltungen plant und bewirbt, überhaupt noch unabhängig und seriös diesem „grundsätzlichen Auftrag“ nachkommen kann und will!

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4 Gedanken zu „Regionale Medienkritik / 25. Juli 2009: Scheinheiliger der Woche – Mathias Bartels

  1. Statt in gewohnter Manier auf das HT einzuteufeln, sollte man bemerken, dass die Zeitung endlich mal wieder (!) seinem öffentlichen Auftrag nachgekommen ist. Also warum immer das Negative suchen statt diese Bemühungen zu loben? Die Artikel waren recherchiert, faktenorientiert und dienten der Information in einer öffentlich relevanten Angelegeheit. Die Leserschaft hat schon bemerkt, dass die Qualität der Lokalzeitung dieser Zeit gestiegen ist – und sie wird es auch merken, wenn sich das wieder ändert. Bleibt die Hoffnung, dass das HT sich auf diese ursprüngliche Aufgabe und Verpflichtung zurückbesinnt und auch in Zukunft wieder mehr beherzigt.

  2. so ambitioniert, interessant, notwendig http://www.hohenlohe-ungefiltert.de ist, so schade ist es, dass es leider allzuoft nur um eine abreibung gegen die handelnden personen des hohenloher tagblatts geht. zugegeben, manchmal zu recht, aber manchmal wird einfach auch nur ein grund gesucht, um mal wieder gegen das HT abzuledern. ich kann pete nur recht geben, im bezug auf die ganze waffenklau/rücktritts und korruptionsgeschichte hat das HT journalistisch sauber gearbeitet…

  3. „Zum Freitod zwingen kann man niemand. Nicht einmal die Medien.“
    Dieser Satz entbehrt (wenn man vom traurigen Hintergrund einmal absieht) nicht einer gewissen Komik.
    Gemeint war sicherlich so etwas wie „Niemand kann jemanden zum Freitod zwingen. Das kann nicht einmal die Presse“. Genau das hat man aber nicht geschrieben sondern etwas ganz anderes.

    Lustig?
    Peinlich?

  4. Eine Anmerkung zu den Kommentaren von Pete und Jochen Schmidt: JA, das Hohenloher Tagblatt ist „endlich mal wieder (!) seinem öffentlichen Auftrag nachgekommen …“ Das habe ich in meinem Artikel auch nirgends bestritten. Aber die entscheidende Frage stellen Sie sich anscheinend nicht – das war nämlich auch meine Stoßrichtung: Warum ausgerechnet jetzt und hier? Wo sonst doch sonst so gut wie alles unter den Tisch gekehrt wird?
    Wenn sie schreiben „Die Leserschaft hat schon bemerkt, dass die Qualität der Lokalzeitung dieser Zeit gestiegen ist …“ (Pete), dann kann ich nur sagen: auf den Leim gegangen. Denn das war ja auch die Absicht dieser Aktion (http://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=2775).

    Also noch einmal: Warum ausgerechnet hier und jetzt?

    Ich denke mal – das ist meine ganz persönliche Meinung/Einschätzung, dass Herr Raab ab einem gewissem Zeitpunkt einfach zum ‚Freiwild‘ erklärt wurde. Für die CDU und die Stadt Crailsheim wurde er zunehmend zum Problem. Das HT sah sich in der Folge keinem wirtschaftlichen oder politischen ‚Interessenkonflikt‘ mehr ausgesetzt, konnte also endlich mal wieder seinem „öffentlichen Auftrag“ nachkommen. Deswegen lief dann alles so ab, wie es ablief …

    Dass es mit dem Anstieg der „Qualität der Lokalzeitung“ nicht weit her ist, belegt eine Meldung dieser Tage: am Freitag, dem 31. Juli finden wir im HT eine Meldung mit der Überschrift „Ex-Politiker vor dem Amtsgericht – Früherer CDU-Funktionär soll Heroin beschafft haben“. Im Artikel selbst wird dann von einem 40-jährigen CDU-Politiker aus Neckarsulm gesprochen. Der Name des Mannes und sein Bezug zur Region fällt in dem ganzen Artikel nicht einmal!

    Die Rede ist natürlich von Andreas Zwickl, dem ehemaligen Wahlkreisbüroleiter und engstem Mitarbeiter von Christian von Stetten. (Kleine Anmerkung am Rande: im Zuge der Dreharbeiten zu meinem Dokumentarfilm „Wie im Stadion“ wurde ich für ein Interview mit Christian von Stetten auf Schloss Stetten von selbigem Herrn Zwickel in Empfang genommen – mehr Informationen zu der Heroingeschichte und Herrn Zwickl findet man auf Hohenlohe-ungefiltert – einfach bei der Suchfunktion >Zwickl< eingeben) Aber es ist ja Wahlkampf. Und Christian von Stetten sieht es wohl gar nicht gerne, mit der Person von Herrn Zwickel irgendwie in Verbindung gebracht zu werden. Von Zunahme der Qualität beim HT kann also keine Rede sein: alles wie gehabt!

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