IG Metall Schwäbisch Hall fordert die Firma Arnold in Forchtenberg-Ernsbach auf, die Krise ohne Entlassungen zu bewältigen

Entlassungen_Freisetzung_Verschlankung

Entlassungen, Freisetzung, Verschlankung.

Entlassungen plus Verzicht – diese Rechnung der Geschäftsleitung darf nicht aufgehen, schreibt die IG Metall Schwäbisch Hall zur Krise bei der Firma Arnold in Forchtenberg-Ernsbach. „Gemeinsam die Krise bewältigen“ habe Priorität und zeige die Fähigkeiten einer guten Geschäftsführung. Die IG Metall fordert die Geschäftsleitung auf,  über intelligente Lösungen zu verhandeln. Die Firma hat nach eigenen Angaben derzeit 570 Mitarbeiter.

Von der IG Metall Schwäbisch Hall

Krise trifft die Firma Arnold nicht unerwartet

Die Krise in der Automobilindustrie trifft die Firma Arnold als Zulieferer nicht unerwartet. Der Auftragseingang befindet sich auf niedrigerem Niveau, ist jedoch stabil. Die Geschäftsleitung plant mit einem Umsatz von rund 65 Mio. Euro und möchte beim Jahresabschluss 2010 eine schwarze Null ausweisen. Die Konsequenz daraus: bei den Personalkosten müssen nach einer Vorgabe aus dem Konzern 4 bis 4,5 Mio. Euro eingespart werden.

Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Die Personalkosten lassen sich am schnellsten senken, wenn alle Beschäftigten gezwungen werden, Verzicht zu leisten. Entlassungen dauern dagegen etwas länger, kosten auch Geld und kratzen am Image der Firma.

Gibt es Alternativen zu Entlassungen? Welche Möglichkeiten haben die Belegschaft und der Betriebsrat? Welche Handlungsspielräume sieht die IG Metall?

Kurzarbeit ausdehnen. Durch die Anwendung von Kurzarbeit haben die Unternehmen erhebliche Einsparmöglichkeiten, sie bleiben flexibel und Entlassungen können vermieden werden. Bei Verteilung auf alle Beschäftigte sind auch alle gleichermaßen von den Einkommenseinbußen, die sich aus der Kurzarbeit ergeben, betroffen. Die derzeit gültige Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit bei Arnold hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2009. Der Betriebsrat bestimmt bei der Lage und Dauer sowie der Verteilung auf die einzelnen Beschäftigtengruppen mit. Arnold hätte die Möglichkeit, noch bis Herbst 2010 das Instrument Kurzarbeit zu nutzen. Der Betriebsrat sieht darin die größte Chance, die Krise zu überwinden. Die Geschäftsleitung aber will Kurzarbeit plus „weitere Maßnahmen“.

Auch die außertariflich bezahlten Angestellten heranziehen

Die Mehrzahl der Beschäftigten bei Arnold leistet bereits Verzicht. Die Rückführung auf die 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und der Wegfall von Nachtschicht und Samstagsarbeit haben zu spürbaren Löchern im Geldbeutel geführt. Kurzarbeit verringert das Einkommen ebenfalls, denn die tarifliche Aufzahlung auf das Kurzarbeitergeld kommt erst ab einem bestimmten Volumen zum Tragen. Bisher sind hauptsächlich die Beschäftigten in der Produktion von den Einbußen betroffen. Die Kurzarbeit kann jedoch auf alle Bereiche ausgeweitet werden. Auch die sogenannten außertariflich Beschäftigten müssen herangezogen werden.

Die Geschäftsleitung sähe es gerne, wenn der Betriebrat ihre weiteren Kürzungspläne unterstützen würde: Entlassungen und Verzicht auf das tarifliche zusätzliche Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Dies reicht aber nicht aus und bringt erst die Hälfte des gewünschten Sparvolumens.

Wo sind die Gewinne der letzten Jahre geblieben?

Der Betriebsrat geht davon aus, dass aus den Gewinnen der vergangenen Jahre Rücklagen für schlechte Zeiten gebildet wurden. In einer solchen Situation befindet sich das Unternehmen jetzt. Also könnten die Rücklagen nun auch eingesetzt werden.

Der Betriebsrat ist gegen weitere Verzichtsleistungen

Der Betriebsrat ist nicht bereit, mit der Geschäftsleitung eine Regelungsabsprache über Verzichtsmaßnahmen zu treffen. Also will die Geschäftsleitung die Beschäftigten (alle?) dazu bringen, einen Einkommensverzicht einzelvertraglich zu akzeptieren. Wenn alle gemeinsam handeln, und einen solchen Einzelarbeitsvertrag, der den Verzicht auf die Ansprüche aus dem Tarifvertrag bedeutet, nicht unterschreiben, ist jedoch die Geschäftsführung gezwungen, zu verhandeln. Die Signale aus der Belegschaft richten sich gegen weitere Verzichtsleistungen, solange nicht alle gleichermaßen betroffen sind. Ein Blick in die Lohn- und Gehaltslisten zeigt sehr schnell, wo es noch Einsparpotentiale gäbe.

Interessenausgleich und Sozialplan

Hält die Geschäftsleitung an ihrem Entschluss fest, dann soll es zu einer Reduzierung der Belegschaft auf 400 Beschäftigte kommen. Das Betriebsverfassungsgesetz sieht für diesen Vorgang einen Sozialplan vor. Der Betriebsrat kann nur wenig gegen die unternehmerische Entscheidung tun, in den Verhandlungen um einen Sozialplan die geplanten Entlassungen jedoch so teuer machen, dass das Unternehmen eventuell doch noch von der Umsetzung absieht. Durch öffentlichkeitswirksame Aktivitäten wie Kundgebungen, Pressekonferenzen, Radio- und Fernsehbeiträge bis hin zur Demonstration vor die Konzernzentrale ist einiges denkbar, um den Betriebsrat bei den Verhandlungen zu unterstützen

Entlassen ist einfach – Alternativen sind aller Mühen wert

Sollten die Verhandlungen dennoch zu keinem Ergebnis führen, kommt es zum Einigungsstellenverfahren. Auf diesem Weg soll dann eine Einigung zwischen den Betriebsparteien erzielt werden. Je nach Ergebnis kann das Unternehmen dann handeln.

Verhandlungen über einen Anerkennungstarifvertrag

Für die IG Metall machen solche Verhandlungen nur einen Sinn, wenn Arnold alle Tarifverträge anerkennt. Im Nachgang könnten dann für einen befristeten Zeitraum davon abweichende Vereinbarungen getroffen werden. Betriebsbedingte Entlassungen müssen dabei außen vor bleiben. Gleichzeitig verzichten und entlassen passt nicht zusammen. Am liebsten würde die Geschäftsleitung jedoch nur mit dem Betriebsrat und nicht mit der IG Metall verhandeln. Jetzt gilt es, der IG Metall und dem Betriebsrat den Rücken zu stärken.

Informationen zur Firma Arnold im Internet:

de.wikipedia.org/wiki/Arnold_Umformtechnik

www.arnold-umformtechnik.de/home/home.php

Folgende Unternehmensgrundsätze hat das Unternehmen auf seiner Internetseite veröffentlicht (dabei geht es auch um „effektive und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren (…) Mitarbeitern“):

Wir fördern die effektive und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern.
Unser wichtigstes Wort im Umgang miteinander heißt „Danke“.
Wir arbeiten verantwortlich in gegenseitigem Respekt und handeln geradlinig und berechenbar.
Wir fordern und fördern Leistung.
Wir sind optimistisch, dynamisch und durchsetzungsstark.
Wir kämpfen leidenschaftlich um den Erfolg.
Wir machen das Erfolgreiche konsequent weiter und packen neue Dinge an.
Wir streben nach Perfektion in jedem Bereich unseres Handelns.
Jeder Mitarbeiter ist für eine hochwertige Arbeitsausführung eigenverantwortlich.
Produktsicherheitsbelange werden besonders beachtet. Bei Abweichungen im Bereich der Qualität und der Termineinhaltung besteht Handlungs- und Informationspflicht.

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