„Wer recherchiert und schreibt, braucht eine fundierte Ausbildung, Zeit und angemessene Arbeitsbedingungen“ – Den Arbeitskampf von Zeitungsjournalisten mit einer Online-Petition unterstützen

Einen offenen Brief an die Zeitungsverleger in Deutschland hat Martin Gross aus Reutlingen geschrieben. Um die Arbeitsbedingungen von Journalisten zu verbessern, bittet er um Unterstützung seiner Online-Petition.

Von Martin Gross aus Reutlingen

Text des offenen Briefes:

An die Zeitungsverleger in Deutschland

Sehr geehrte Zeitungsverleger in Deutschland,

die Zeitung ist ein wertvolles Gut. Umfassende Information, fundierte Recherche, Analyse und Hintergrund, Kritik und gegensätzliche Standpunkte in lesbarer Form zu präsentieren, ist unverzichtbar in einer Demokratie. Guter Journalismus fällt nicht vom Himmel. Wer recherchiert und schreibt, braucht eine fundierte Ausbildung, Zeit und angemessene Arbeitsbedingungen. Nur so kann Qualität entstehen. Alltag in den Redaktionen, das hieß im vergangenen Jahrzehnt aber Konzentration von immer mehr Aufgaben auf immer weniger Mitarbeiter, bei Löhnen, die nicht einmal mit der Teuerungsrate Schritt hielten.

Gehälter sind weniger gestiegen als die Preise

Während von 2000 bis 2010 die Löhne in der Wirtschaft um 24 Prozent gestiegen sind, waren es bei den Journalisten an Tageszeitungen nur 15 Prozent. Bei einer gleichzeitigen Preissteigerung von 17 Prozent ergab sich daraus unterm Strich sogar ein Minus. Dazu noch mehr Zeitdruck, Flexibilität und Arbeit in den Abendstunden und an den Wochenenden. Dieser Prozess lässt sich nicht beliebig fortsetzen.

Verleger wollen die Gehälter teilweise drastisch senken

Nun die Gehälter drastisch zu senken, wie Sie dies in der aktuellen Tarifauseinandersetzung vorschlagen, ist das falsche Signal. Ein Schlag ins Gesicht aller Journalisten, die trotz Verschlechterungen weiterhin engagiert arbeiten. Was uns besonders wehtut, ist Ihre Absicht, Neu-Einsteiger in diesen Beruf mit bis zu 25 Prozent weniger zu entlohnen. Eine Branche, die sich für junge, engagierte Bewerber unattraktiv macht, erklärt sich selbst zum Auslaufmodell. Billig-Journalismus ist keine Methode, um für Leser attraktiv zu bleiben. Langfristig schadet das auch der Demokratie. So werden Sie der gesellschaftlichen Verantwortung, auf die Sie sich sonst gerne berufen, nicht gerecht.

So hat Journalismus keine Zukunft

Daher fordern wir Sie auf: Steuern Sie um! Verlassen Sie Ihren bisherigen Kurs, bei dem die Öffentlichkeit den Eindruck bekommt, dass Journalismus keine Zukunft hat. Wertschätzung und angemessene Entlohnung für Journalisten wären die richtigen Zeichen, um zu zeigen, dass Sie noch Vertrauen in Ihr eigenes Geschäftsmodell haben.

Reutlingen und Tübingen, 22. Juli 2011

Die Unterzeichner

Begründung: Journalisten, Nachwuchsjournalisten und Zeitungsleser sind wegen des anhaltenden Tarifkonflikts in Sorge über die Zukunft „ihrer“ Zeitung und der Zeitungsbranche. Für die von den Verlegern vorgeschlagenen Gehaltskürzungen gibt es keine wirtschaftliche Notwendigkeit

Wir fordern ein Umdenken der Verleger. Der offene Brief soll einen Anstoß dazu geben.

Reutlingen und Tübingen, 22. Juli 2011

Die Unterzeichner

Im Namen aller Unterzeichner.

Martin Gross, Reutlingen

Reutlingen, 22.07.2011 (aktiv bis 18.08.2011)

Die Online-Petition unterschreiben:

http://openpetition.de/petition/online/offener-brief-an-die-zeitungsverleger-in-deutschland

 

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