„In Deutschland arbeiten Millionen Menschen für Armutslöhne“ – Petition fordert „Übergroßen Reichtum stärker besteuern“

Vor kurzem präsentierte die Bundesregierung den Armuts- und Reichtumsbericht. Ein kurzer Moment, in dem der alltägliche Skandal ins Licht rückte: In Deutschland arbeiten Millionen Menschen für Armutslöhne, zugleich werden Millionäre immer reicher. Seitdem Stille. Es fehlt der Aufschrei.

Von Annette Sawatzki, Organisation Campact

Große Vermögen gerecht besteuern

Gemeinsam mit Sozialverbänden, Gewerkschaften und vielen weiteren Organisationen will Campact das bis zur Bundestagswahl ändern. Eine neue Bundesregierung muss große Vermögen endlich gerecht besteuern und konsequent gegen Steuerbetrug vorgehen. Als Auftakt wollen wir unseren Protest am Samstag, 13. April 2013, in 60 Städten mit einem bundesweiten Umfairteilen-Aktionstag auf die Straße tragen. Sind Sie mit dabei?!

Menschenketten, Straßentheater oder Flashmobs

Ob Menschenketten, Straßentheater oder Flashmobs, ob Umfairteilen-Märkte oder satirische Millionärs-Demos: Ganz sicher startet auch in Ihrer Nähe eine Aktion. Machen Sie mit und bringen Sie Familie, Freund/innen und Kolleg/innen mit!

Infos über alle Orte und Aktionen finden Sie auf der folgenden Bündnis-Website:

http://umfairteilen.de/start/home/alle-termine/

Den Aufruf unterzeichnen:

http://umfairteilen.de/start/mitmachen/als-person-unterstuetzen/

Aufruftext des Bündnisses Umfairteilen:

In den letzten Jahren haben die Regierenden mit Steuersenkungen und Bankenrettung massiv von unten nach oben umverteilt. Wir wollen nicht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht und öffentliche und soziale Leistungen weiter verschlechtert werden. Es gibt eine Alternative: Umfairteilen!

Jetzt muss endlich übergroßer Reichtum stärker besteuert werden! Wir fordern:

– eine dauerhafte Vermögensteuer und eine einmalige Vermögensabgabe – möglichst europaweit koordiniert;

– einen konsequenten Kampf gegen Steuerbetrug und Steueroasen, auch auf internationaler Ebene.

Mehr Geld für Bildung und Soziales, Pflege, Gesundheit, Energiewende

Wir brauchen Geld für Investitionen in mehr Bildung und Soziales, Pflege und Gesundheit, in bessere öffentliche Infrastruktur, sozialen Wohnungsbau und die Energiewende. Wir brauchen finanzielle Spielräume für den Schuldenabbau und internationale Armutsbekämpfung. Und es geht um gelebte Solidarität in unserer Gesellschaft.

Weitere Informationen und Kontakt:

http://umfairteilen.de/start/home/

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„Rassistisches Gefasel kam schon 1924 aus der Mitte der Gesellschaft“ – Gedenkrede von Siegfried Hubele zum Jahrestag des Hessentaler Todesmarschs

Zum Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Hessental und den Todesmarsch, der dort am 5. April 1945 begann, sprach als erster Redner Siegfried Hubele aus Schwäbisch Hall. Hubele ist einer der Sprecher der Initiative KZ Gedenkstätte Hessental. Hohenlohe-ungefiltert dokumentiert die Rede in voller Länge.

Von Siegfried Hubele, Initiative KZ Gedenkstätte Hessental

Hessentaler Todesmarsch begann am 5. April 1945

Ich begrüße Sie im Namen der Initiative KZ Gedenkstätte Hessental zu unserer Gedenkveranstaltung anlässlich des Beginns des „Hessentaler Todesmarsches“ am 5. April 1945.

Am 2. September 1924 war im Haller Tagblatt folgendes zu lesen:

„Nach der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur, die der Redner anführte, gäbe es 4 Rassen im deutschen Volk. Die Juden seien dort nicht aufgeführt, infolgedessen gehörten sie wissenschaftlich nicht zum deutschen Volk. Es sei auch eine Wunschvorstellung, wenn man meine, alles, was Menschenantlitz trage, gehöre zusammen.“ Dieses rassistische Gefasel stammt aus einem Vortrag des Obermedizinalrates Dr. de Bury, auf einer Veranstaltung der Haller NSDAP.

Heute würde man sagen – von einem Mann aus der „Mitte der Gesellschaft“.

Mit der Machtübertragung am 30. Januar 1933, an Hitler als Reichskanzler, ohne Parlamentsvotum und tatsächliche Mehrheitskoalition – begann der Marsch Deutschlands in Verfolgung, Krieg und Völkermord.

Schweigen, Wegsehen und Mitmachen großer Teile der Gesellschaft

Nachdem die politischen Gegner – Sozialdemokraten, Kommunisten, standhafte Gewerkschafter und aufrichtige Menschen aus dem Bürgertum durch den SA-Terror schwer geschwächt waren – konnte sich der Rassismus des neuen Regimes voll entfalten. Leider auch getragen durch Schweigen, Wegsehen und Mitmachen großer Teile der Gesellschaft.

Synagoge in Steinbach von Nazis und gut situierten Bürgern niedergebrannt

Am 1. April 33 organisierte die SA den ersten Boykott jüdischer Geschäfte in Hall. 1935 wurden alle jüdischen Kinder aus den Haller Schulen verbannt und mussten auf eine jüdische Schule nach Braunsbach. 1938 wurde die Synagoge in Steinbach von Nazis und gut situierten Bürgern – darunter Lehrer, Beamte, Kaufleute… – niedergebrannt und der jüdische Betsaal in Hall zerstört und mehrere jüdische Bürger verhaftet, einige ins KZ Dachau verbracht.

Finanzamt und Polizei waren willige Gehilfen

1939 bereicherte sich der Nazistaat bei der Flucht und Vertreibung der Haller Juden über die so genannte „Reichsfluchtsteuer“ und die „Judenvermögensabgabe“. Das Finanzamt und die Polizei waren dabei willige Gehilfen. 1941 – beim ersten Transport württembergischer Juden in die Vernichtungslager waren vier Hallerinnen und Haller betroffen. Alle vier Menschen überlebten das Ghetto von Riga nicht.

42 Haller wurden Opfer des rassistischen Völkermords

Insgesamt wurden 42, mindestens zeitweise in Schwäbisch Hall lebende Menschen, Opfer des rassistischen Völkermords. Im Mai 1942 stellt der Haller Bürgermeister fest: Dass Schwäbisch Hall nun „judenfrei“ sei. Schon ein Jahr zuvor hatte sich zumindest ein Haller Bürger aktiv bei der Verwirklichung „judenfreier Gebiete“ in der Ukraine hervorgetan.

90 Kinder und Säuglinge ermordet

August Häfner – sorgte dafür, dass 90 jüdische Kinder und Säuglinge am 22. August 1941 in einer von der Wehrmacht ausgehobenen Grube von ukrainischer SS erschossen wurden.

Millonenfacher Mord

„Judenfrei“ war das Reichsgebiet Anfang der 1940er Jahre – weil die in Deutschland lebenden Juden zur Zwangsarbeit und Vernichtung in den europäischen Osten gebracht wurden. Offensichtlich war es den „Volksgenossen“ nicht zuzumuten, die Vernichtungslager der Juden vor der Haustüre zu haben. Den millionenfachen Mord an den jüdischen Menschen aus Osteuropa, durch die SS – und Polizei-Sonderkommandos und die Wehrmacht – wollten viele nur als „Feindpropaganda“ sehen.

800 jüdische Häftlinge sollten den Flugbetrieb in Hessental sicherstellen

1944 angesichts der militärischen Niederlage der Wehrmacht unternahm der Nazistaat nochmals Anstrengungen die Rüstungsproduktion zu steigern, insbesondere mit der Fertigung von Kampfflugzeugen. Auch hier in Hessental. 800 jüdische Häftlinge sollten den Flugbetrieb auf dem Fliegerhorst sicherstellen.

„Wettlauf mit dem Tod“

Izchak Lamhut, der Ende 1944 Häftling hier im KZ Hessental war, musste zuvor Sklavenarbeit für eine deutsche Flugzeugfabrik im polnischen Budzy verrichten. Er stammte aus dem kleinen Städtchen Krasnik. Izchak Lamhut verlor fast die gesamte Familie während der verschiedenen Auflösungen der Ghettos und Arbeitslager durch die Deutschen. Seine Mutter war im Gefängnis des Ghettos mit dem jüngsten Bruder Schlomo eingesperrt. In seinen Erinnerungen „Wettlauf mit dem Tod“ beschreibt Izchak Lamhut in dramatischen Worten den letzten Kontakt mit der Mutter:

Gott, hilf mir doch, meiner Mutter zu helfen!

„Irgendjemand erzählte mir, dass meine Mutter im Gefängnis saß. Ich rannte natürlich sofort dorthin, und meinen Augen bot sich ein schreckliches Bild. Meine Mutter steht am geschlossenen Fenster, das zusätzlich mit einem Gitternetz überzogen ist, hält Shlojmele an der Hand und beide weinen. Als meine Mutter mich unten stehen sah, begann sie mich anzuflehen, liebes Kind, Itzchak, rette uns, morgen wollen sie uns täten. Liebes Kind, schütte Öl in die Lampe, solange der Docht noch brennt, du wirst deine Mutter verlieren. Ich schauderte am ganzen Körper, ich konnte mich nicht von der Stelle bewegen und sie erzählte mir alles, was in den paar Tagen, seitdem ich sie zum letzten Mal gesehen hatte, zugestoßen war. Damals war sie noch zuhause gewesen, und jetzt zog sich schon die Schlinge um ihren Hals zu. Erbarme dich meiner, und wenn nicht, dann wenigstens deines kleinen Bruders. Meine Mutter sprach mit heiserer Stimme, und wie in einem Reflex hob ich die Arme hoch und schrie `Gott, hilf mir doch, meiner Mutter zu helfen!´ Ich merkte gar nicht, dass hinter mir zwei von der SS standen. Plötzlich bekam ich eine schallende Ohrfeige und jemand schrie: `Mach, dass du wegkommst, du Hund, sonst erschieß ich dich!´ Das war das letzte Mal, dass ich meine Mutter gesehen habe. Ich hatte überhaupt keine Möglichkeit, Öl in die Lampe zu gießen, und am nächsten Tag brachten sie meine Mutter und das Baby auf den Friedhof und erschossen sie dort.“

Hunger, Krankeit und Mord 

Izchak Lamhut war am 5. April 1945 ein Überlebender des KZ Hessental. Mit seelischen und körperlichen Narben, die wir uns kaum vorstellen können. Mindestens 182 seiner Leidensgenossen aus dem KZ-Außenlager Hessental starben durch Hunger, Krankeit und Mord.

Hessentaler Todesmarsch forderte mehr als 150 Todesopfer

Wahrscheinlich mehr als 150 Todesopfer forderte der Hessentaler Todesmarsch, den die Häftlinge größtenteils zu Fuß ab Sulzdorf – über Ellwangen und Nördlingen nach Dachau-Allach zurücklegen mussten.

Dieser Männer gedenken wir heute!

Gedenken hat aber immer etwas mit nachdenken zu tun. Es gab in den letzten Jahren kaum einen Skandal, der die Menschen in der Bundesrepublik so beschäftigt hat, wie die Morde des terroristischen Nazitrios „Nationalsozialistischer Untergrund“. Die meisten hätten sich die Ausmaße dieser Verbrechen vorher nicht vorstellen können.

Gegen alltäglichen Rassismus kämpfen

Deshalb ist es an solchen Gedenktagen, wo wir an die Opfer des Faschismus erinnern, ein wichtiges Anliegen, nachzudenken, ob Rassismus und rechter Terror eine Gesellschaft wie unsere wieder beherrschen könnte? Welche Warnsignale kommen aus der „Mitte der Gesellschaft“? Was können wir tun gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Asyl-Hetze, gegen den alltäglichen Rassismus!

Hauptredner ist Hermann Abmayr

Unser Hauptredner heute ist Hermann Abmayr. Er ist Journalist, Buch- und Hörfunkautor und Filmemacher – und hat sich auf vielfältige Weise mit dem Thema befasst. Ich denke er wird in seinem Beitrag die Kontinuität des historischen Faschismus aufzeigen, der bis heute der Bezugspunkt vieler terroristischer Nazigruppen ist. Zuerst spielt nochmals die Gruppe Yondar – die uns auch in diesem Jahr einen würdigen musikalischen Rahmen bereitet. Danke.

Anmerkung von Hohenlohe-ungefiltert:

Die Rede von Hermann Abmayr wird demnächst auf dieser Internetseite veröffentlicht.

Weitere Informationen und Kontakt:

http://www.kz-hessental.de/index.php/geschichte/der-todesmarsch

http://www.kz-hessental.de/index.php/termine

http://stuttgarter-ns-taeter.de/

http://moessingergeneralstreik.wordpress.com/

http://de.wikipedia.org/wiki/Mössinger_Generalstreik

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2013/01/31/wdr3-wdr5-zeitzeichen-moessinger-generalstreik.xml

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„Rechtsradikale und Rassismus 1933 und heute“ – Vortrag heute (Freitag) in Schwäbisch Hall-Hessental

 Zur Erinnerung an die Auflösung des Konzentrationslagers Hessental 1945 und den Beginn des Todesmarsches spricht heute, Freitag, 5. April 2013, um 17 Uhr, Hermann G. Abmayr zum Thema „Rechtsradikale und Rassismus 1933 und heute“. Die Veranstaltung findet auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte am Hessentaler Bahnhof statt.

Von der Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental

„Stuttgarter NS-Täter – Vom Mitläufer zum Massenmörder“

Abmayr ist bekannt für seine Arbeit als Herausgeber des Buches  „Stuttgarter NS-Täter. Vom Mitläufer zum Massenmörder“ aus dem Jahr 2009 oder als Autor von „Wir brauchen kein Denkmal. Willi Bleicher: Der Arbeiterführer und seine Erben“, 1992.  Sein Film über die „Spur der Erinnerung“ hält eine Bürgeraktion im Jahre 2009 fest, die mit vielen unterschiedlichen Aktionen von BürgerInnen mit und ohne Behinderungen, Vereinen, Archiven, Gemeinden etc. eine breite Spur zwischen Grafeneck, Ort der Vernichtung von Menschen mit Behinderungen, und Stuttgart zog.

Terminvorschau:

19. April 2013, 19.30 Uhr:

Gasthof Goldener Adler, Am Markt 11, Schwäbisch Hall – Nebenzimmer:

Jahreshauptversammlung der Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V.

Tagesordnung:
1. Bericht des Sprecherrats
2. Aussprache
3. Kassenbericht
4. Entlastung des Sprecherrats und der Kassenleiterin
5. Neuwahlen
6. Verschiedenes (Programm, Anregungen und Anträge)
7. Film “Spur der Erinnerung“

Der Film über die von vielen Menschen gebildete 70 Kilometer lange Spur von Grafeneck nach Stuttgart erinnert an die Tötung zahlreicher Menschen mit Behinderungen im Rahmen des Euthanasieprogramms der Nazis. Der Film über diese Bürgeraktion entstand unter der Regie von G. Abmayr und R. Sanchez. Alle Vereinsmitglieder, aber auch alle an unserer Arbeit Interessierten sind herzlich eingeladen. Über Ihren/Euren Besuch freuen wir uns sehr.

Weitere Informationen und Kontakt:

http://www.kz-hessental.de/index.php/termine

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„Europa im Schleudergang“ – Vortrag in Schwäbisch Hall

„Europa im Schleudergang“ lautet der Titel eines Vortrags am Mittwoch, 17. April 2013, um 19.30 Uhr im Theatersaal des Alten Schlachthaus in Schwäbisch Hall. Über den aktuellen Waschgang im Europäischen Parlament berichtet der Kenner und Kritiker europäischer Krisenpolitik, Sven Giegold.

Von Uli Simon und Uli Gierschner, attac-Gruppe Schwäbisch Hall

Gründlich übereinander nachdenken

Sven Giegold ist Mitglied des Wirtschafts- und Währungsausschusses (ECON) des Europäischen Parlaments, Mitglied der Fraktion „Die Grünen/EFA“ und Mitbegründer von attac. „Seit der Euro-Krise reflektieren die Völker Europas so gründlich über sich selbst und übereinander wie nie zuvor.

Das ist dringend nötig, denn nur in der direkten Auseinandersetzung können die Völker Europas die derzeit alles überwölbende Frage beantworten:

Wie wollen wir leben – und wollen wir es gemeinsam tun?

Dass dieser Prozess schmerzhaft ist, liegt auf der Hand. Es ist wie bei einem Pärchen, das zusammenzieht und merkt, dass das gemeinsame Leben auch aus dem Waschen schmutziger Socken und dem Bügeln verknitterter Blusen besteht.“ (S. Schoepp in Süddeutsche Zeitung 23.3.2013)

Sanierung der Banken auf Kosten des Steuerzahlers

„Schmutzige Socken“ – das sind Boni von Bankern und Fondsmanagern in Millionenhöhe. Das ist die Sanierung der Banken auf Kosten des Steuerzahlers. Das sind die Steueroasen der Reichen – wie Zypern, Luxemburg, Irland, London. Das ist wachsende Armut in Europa und Umverteilung von unten nach ganz oben. Das ist nationalistische Überheblichkeit und Besserwisserei.

Bundesweiter Aktionstag „Umfairteilen“

Im Zusammenhang mit dem bundesweiten Aktionstag „Umfairteilen“, der am 13. April 2013 über die Bühne geht, ist es uns gelungen, für den 17. April 2013 einen der profiliertesten und kritischen Europaparlamentsabgeordneten Sven Giegold nach Hall einzuladen. Sein Thema lautet: „Europa im Schleudergang“. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 17. April 2013, um 19.30 Uhr im Alten Schlachthaus in Schwäbisch Hall, Haalstraße, statt.

Steuerflucht und Geldwäsche von 130.000 reichen Menschen 

Im übrigen empfehlen wir  die Lektüre der Süddeutschen Zeitung. Sie gehört zu den Medien weltweit, die gegenwärtig eine investigativen Journalisten anonym zugespielte Daten-Festplatte auswerten über die Steuerflucht und Geldwäsche von 130.000 reichen Menschen. Da Sven Giegold auch Mitglied des Tax Justice Network ist, kann er zu der ganzen Geschichte sicher auch noch einiges berichten.

Es verspricht also – auch aus aktuellem Anlaß – ein interessanter Abend zu werden.

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„Abgeordnetenbestechung bestrafen“ – Petition unterschreiben

Beim Thema Bestechung wehren sich Abgeordnete dagegen, mit Richtern auf eine Stufe gestellt zu werden (denn für die gelten strenge Anti-Korruptionsregeln). Doch in Sachen Bezahlung soll das Gehalt von Richter nun zur Richtschnur für unsere Volksvertreter werden. Eine Diätenerhöhung könnte noch vor der Sommerpause beschlossen werden.

Vom Verein Abgeordnetenwatch

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten

Wir finden: Diese Rosinenpickerei darf es nicht geben! Wer die selben Rechte wie ein Richter beansprucht (Verdienst, Zulagen), für den müssen auch die gleichen Pflichten gelten (Anti-Korruptionsregeln). Das haben wir diese Woche auch auf SPIEGEL ONLINE angemahnt.

Expertenanhörung im Rechtsausschuss

abgeordnetenwatch.de wird weiter Druck machen: Mitte April 2013 wird im Rechtsausschuss eine Expertenanhörung stattfinden, bei der wir dem FDP-Obmann unsere Petition „Abgeordnetenbestechung bestrafen!“ überreichen werden. Je mehr Menschen unterschreiben, desto mehr Gewicht bekommt dieses wichtige Thema.

Hier Petition unterschreiben und verbreiten!

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„Hohenlohe-ungefiltert bedauert das Ende des Fichtenauer Forums“ – Wieder ein Stück weniger Vielfalt bei den Hohenloher Medien

Wolfgang Moser, der Herausgeber des „Fichtenauer Forums“ hat sein Internetforum am 4. März 2013 eingestellt. Tags zuvor war Fichtenaus Bürgermeister Martin Piott mit 90,16 Prozent der abgegebenen Stimmen wieder gewählt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,15 Prozent.

Kommentar von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

Interessantes und faktenreiches lokales Online-Medium

Hohenlohe-ungefiltert dokumentiert die Erklärung von Wolfgang Moser zur Einstellung seines Blogs – außerdem auch die Stellungnahme Mosers zum Artikel des Hohenloher Tagblatts vom 5. März 2013.

Hohenlohe-ungefiltert bedauert das Ende des Fichtenauer Forums. Die Vielfalt in Hohenlohes Medienszene schwindet weiter. Das Fichtenauer Forum (Eigenwerbung: „Kritisch, kompetent, konstruktiv“) war ein interessantes und faktenreiches lokales Online-Medium. Der Tonfall war oft scharf und bissig. Doch das müssen hochbezahlte Wahlbeamte verkraften können.

Wolfgang Moser schrieb am 4. März 2013 im Fichtenauer Forum:

Sehr geehrte Forumsbesucher!
Der Ausgang der gestrigen Fichtenauer Bürgermeisterwahl veranlaßt uns, die weitere Herausgabe des FICHTENAUER FORUMS einzustellen.

Der vor dreieinhalb Jahren gestartete Versuch, mit den Mitteln moderner Informationstechnologie ein Medium kritisch-konstruktiver Aufklärung und des Gehörtwerdens im ländlichen Raum zu etablieren, muß als gescheitert angesehen werden. Für die in urbanen Milieus längst einen hohen Stellenwert genießenden Werte Transparenz, Ehrlichkeit und der Fähigkeit, mit Kritik angemessen umzugehen, scheint im „schönsten Landkreis Deutschlands“ (Landrat Bauer) die Zeit noch nicht reif.

Dies, wie sich jetzt am Fichtenauer Wahlergebnis eindrucksvoll zeigt, falsch eingeschätzt zu haben, müssen wir uns als Fehler anrechnen lassen.

Wir entschuldigen uns bei allen, die sich durch unsere Kritik verletzt gefühlt haben.

Unser Dank gilt allen Besuchern, ob sie uns wohlgesinnt waren oder nicht. Besonders bedanken wir uns bei jenen, die ihre Wünsche, ihre Kritik, ihre Anregungen, ihre Wut oder was auch immer in Kommentaren (weit über 3000!) zum Ausdruck gebracht haben. Eine Form bürgerschaftlichen Engagements, die man in einem traditionell immer noch weitgehend von politischer Sprachlosigkeit und Desinteresse geprägten Milieu gar nicht hoch genug schätzen kann.

Der Gemeinde Fichtenau wünschen wir unter ihrem mit spektakulärer Mehrheit wiedergewählten Bürgermeister Martin Piott für die Zukunft alles Gute.

FICHTENAUER FORUM bleibt für Informationszwecke und als Zeitdokument eines gescheiterten medienpolitischen Experiments weiterhin online zugänglich. Die Kommentarfunktion steht noch bis Mitternacht zur Verfügung. Danach findet keine Moderation mehr statt.

FICHTENAUER FORUM
W. Moser

Stellungnahme von Wolfgang Moser zum Artikel des Hohenloher Tagblatts vom 5. März 2013 über die Bürgermeisterwahl in Fichtenau:

(postumes) Update 19. März 2013
Am 5. März berichtete das Hohenloher Tagblatt unter der Überschrift „Nach Wahlsieg des Amtsinhabers quittiert ´Fichtenauer Forum´ den Dienst“ über die Einstellung des FICHTENAUER FORUMS.

Eine Veröffentlichung der nachstehende Stellungnahme ist bis heute nicht erfolgt. Auch die Aufforderung, die Nichtveröffentlichung wenigstens zu begründen, wird von Redaktionsleiter Harthan mit Schweigen beantwortet. Selbst dazu ist dieser sogenannte Journalist zu feige.

Wozu so ein „Wahltriumph“ doch alles gut sein kann. Zum Beispiel dafür, daß die geneigte HT-Leserschaft auf diese Weise von einem Gebilde erfährt, welches offenbar schon seit geraumer Zeit als eine Art scheues Reh des Internets im Sprengel des Wahltriumphators sein Unwesen treibt. Pardon: getrieben hat. Denn seine nunmehr mit mehrjähriger Verspätung enthüllte Existenz verdankt das unter der Bezeichnung „Fichtenauer Forum“ herumgeisternde Wesen justament dem Umstand, daß es sich jetzt eigenhändig die Kugel gegeben hat. Beziehungsweise „den Dienst quittiert hat“, wie es das Crailsheimer Blatt pietätvoll formuliert.

Merkwürdig nur, daß dessen Redakteure, die ausweislich der Forums-Besucherstatistik zu den größten Fans des „ätzende Kommentare“ absondernden Internet-Aliens gehörten, ihn zu Lebzeiten offiziell nie auf dem Schirm hatten. Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte sein, daß Journalisten, insbesondere Provinzjournalisten, häufig vom professionellen Tunnelblick heimgesucht werden, der sie tragischerweise der Fähigkeit beraubt, Themen, in denen sich das „Fichtenauer Forum“ förmlich zu wälzen schien, überhaupt wahrnehmen zu können.

Lauter Igittigitt-Themen: ein mit der Wahrheit und dem Gesetz auf Kriegsfuß stehender Dorfschultes zum Beispiel. Eine Kommunalaufsicht und ein Landrat, die ihre schützende Hand darüber halten. Behörden, die ihre Bürger für dumm verkaufen. Und Medien und Volksvertreter, die vor all dem engagiert ihre Augen und Ohren verschließen.

Kurzum, das pralle Leben, wie es in der Provinz halt so kreucht und fleucht.

Nur eben nichts, was einem Macher des Blattes, das seinen Lesern „Tag für Tag ein journalistisch erstklassiges Produkt zu liefern“ verspricht (HT-Eigenwerbung), auch nur einen Mausklick wert wäre.

Es sei denn, es gilt ein Begräbnis zu feiern.

Internetseite des Fichtenauer Forums:

http://fichtenauerforum.blogspot.de/2013/03/sehr-geehrte-forumsbesucher.html

Zum Artikel des Hohenloher Tagblatts:

Nach Wahlsieg des Amtsinhabers quittiert `Fichtenauer Forum´ den Dienst“ http://www.swp.de/crailsheim/lokales/landkreis_schwaebisch_hall/Nach-Wahlsieg-des-Amtsinhabers-quittiert-Fichtenauer-Forum-den-Dienst;art5722,1882475

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„Wurde in Kirchberg wirklich zum Wohle der Bürger entschieden?“ – Leserbrief von Werner Schüpf

Immer wieder lese ich in der Lokalzeitung, dass Kirchberg/Jagst hoch verschuldet sei. Wir Kirchberger erfahren dies aber meist erst über die Presse.

Leserbrief von Werner Schüpf, Kirchberg an der Jagst

Bürgergesellschaft stärken

Schaue ich in die Nachbargemeinden, so werden dort die Bürger in Bürgerversammlungen über die bevorstehenden Entscheidungen informiert und es wird Rechenschaft abgelegt. Der Bürger hat somit die Möglichkeit – im Rahmen einer Bürgergesellschaft –, Lob zu zollen, Kritik zu üben, Fragen an die Gemeinderäte zu stellen, aber auch Vorschläge zu machen sowie Ideen und Kompetenzen einzubringen zum Nulltarif. So können möglicherweise Entscheidungen verhindert werden, die die Bürger gar nicht wollen.

Bürgerversammlung anberaumen

Innerhalb einer normalen Gemeinderatssitzung können die Stadträte ja nicht – laut Gemeindeordnung – befragt werden. Seit 43 Jahren lebe ich nun schon in Kirchberg, kann mich aber nicht erinnern, dass uns Bürgern im Mutterort je eine Bürgerversammlung angeboten wurde, mit Ausnahme der Informationsveranstaltung zum Thema „Mobilfunk“.
Nach Paragraf 20 a der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg wird jedem Gemeinderat aber empfohlen, in der Regel einmal im Jahr eine Bürgerversammlung anzuberaumen.

Festhalle verschandelt das Ortsbild

Ich frage mich, wovor hat der erste Bürger – sprich Bürgermeister – beziehungsweise haben unsere Stadträte Angst? Kann diese „Angsthasenpolitik“ die hohe Verschuldung eventuell mitverursacht haben?
Hier einige Fakten: Unsere neue Festhalle hat 2,4 Millionen Euro gekostet. Ihre Lage verschandelt das Ortsbild und der Knatsch mit den Anliegern war vorprogrammiert. Letzteres hat wohl dazu geführt, dass die Halle im Wesentlichen nur von Einheimischen genutzt werden darf (bis 23 Uhr) und dass diese dürftige Belegung nur wenige Euros in die Stadtkasse spielt.

Hohe Verschuldung auch hausgemacht?

Der dazugehörige Parkplatz befindet sich in 300 Metern Entfernung auf dem Kreuzstein und wurde zum teuersten Parkplatz im Altkreis Crailsheim. Einschließlich der riesigen Lärmschutzwälle musste der Steuerzahler 330.000 Euro investieren. Abgestellt sind dort aber durchschnittlich nur fünf Autos pro Tag. Ich frage mich letztendlich, wurde in Kirchberg wirklich nur zum Wohle der Bürger investiert beziehungsweise entschieden, wie es die Stadträte bei ihrer Verpflichtung gelobt haben, oder ist die hohe Verschuldung doch auch in gewissem Maße hausgemacht?

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Künftiger Leerstand schon in Planung? – Ilshofen soll neue Ladengeschäfte erhalten

Das sind die inoffiziellen Mitteilungen, die der Einwohnerschaft derzeit zugestanden werden. KIK und TEDI folgen im Verein mit Lidl dem vor kurzem eröffneten EDEKA- Markt. Alles wird etwas außerhalb des Ortes im Ilshofener Osten zu finden sein.

von Peter Trumpp, SPD-Ortsverein Ilshofen

Das neue "Einkaufsparadies" im Ilshofener Osten nimmt Gestalt an

Das neue "Einkaufsparadies" im Ilshofener Osten nimmt Gestalt an

Nun ist gegen eine weitere Nahversorgung nichts einzuwenden, allerdings wirkt das Vorhaben doch etwas wie ein Nachbrenner zu den „Aussiedlungen“ anderen Ortes.

Schlechte Beispiele lassen sich in vielen Gemeinden entdecken. Fast überall müssen die Einwohner für die meisten Einkäufe den PKW benutzen. Hierin liegt jedoch auch eine deutliche Gefahr für die Geschäfte am Ort. Wer erst einmal das Fahrzeug benutzen muss, der fährt möglicherweise auch gleich noch ein Stückchen weiter, um in noch größeren Geschäften in Crailsheim oder Schwäbisch Hall die wesentlichen Besorgungen zu erledigen. Vieles wird folglich von der Attraktivität der örtlichen Geschäfte abhängen. Genau hier beginnt aber vermutlich schon das Problem. Auch ohne herablassend zu erscheinen, darf die Frage gestellt werden, wer denn tatsächlich einen KIK oder TEDI benötigt.

Die im Gemeinderat von Frau Garimort zurecht aufgeworfene Frage zu den Produktionsbedingungen, die den Vorlieferanten dieser „Billiggeschäfte“ auferlegt, ja diktiert werden, stellt nur einen – wenn auch wichtigen – Aspekt dar.

Insgesamt werden diese Anbieter keinen Kriterien gerecht, die neben Qualität und Preisgestaltung unter anderem verstärkt auch von Stiftung Warentest oder Ökotest bei den Untersuchungen zugrunde gelegt werden. Soziale Mindeststandards in den Produktionsländern werden kaum erfüllt. Uns Konsumenten ist dies offenbar so lange gleichgültig, bis wir selbst von solchen Produktionsbedingungen betroffen sind. Außerdem konnte noch selten nachgewiesen werden, dass die vermeintlich billigeren Produkte ihren Preis wert sind.

Das bleibt für Ilshofen abzuwarten. Wer den beachtlichen Leerstand in größeren Gemeinden betrachtet, dürfte nicht überrascht sein, wenn sich schon bald herausstellt, dass sich derartige Läden in Ilshofen nicht lohnen, weder für die potenziellen Kunden noch für die Betreiber.

Hier muss jedoch unbedingt noch ein weiterer Aspekt angesprochen werden, der sich auf den Ilshofener Westen bezieht. Als vor circa 15 Jahren viele Interessenten für die Bebauung der Lerchenhöhe gefunden werden sollten, da sah die Nahversorgung doch etwas besser aus. Der Comet lag nahe, war auch zu Fuß von der gesamten Lerchenhöhe gut erreichbar, wofür nicht nur alte Menschen sehr dankbar waren. Inzwischen sind diese Menschen auf Fahrzeug oder Familienangehörige angewiesen, um die wesentlichen Besorgungen vornehmen zu können. Schon damals war unter anderem schwer vorstellbar, dass sich kein Briefkasten im gesamten Gebiet zwischen Ortsgrenze und Klinik in der Haller Straße lohnen würde.

Der Ilshofener Westen ist von der Entwicklung abgehängt, dürfte sich in Teilen weiterhin eher in Wolpertshausen mit Lebensmitteln versorgen. Dies ist allerdings nur ein Aspekt unter vielen. Dem Diktat der Einzelhandelskonzerne hinsichtlich Fläche und Lage der Geschäfte ist natürlich nur schwer zu entgehen. Fraglich bleibt aber, ob nicht auch andere Grundstücke zur Verfügung gestanden hätten und eine Ballung im äußersten Osten vermeidbar gewesen wäre.

In Ilshofen ist kaum zu erwarten, dass kommunale und bürgerschaftliche Initiativen jemals zu alternativen Konzepten der Nahversorgung gelangen könnten. Dies stellt sich auch in Gemeinden mit wesentlich fortschrittlicherer Verwaltung und größerem gelebten Gemeinsinn schwierig dar.

Allerdings gibt es verschiedene Beispiele, die belegen, dass solche Konzepte sich auch wirtschaftlich tragen. Derartige Ansätze und Initiativen benötigen eine Gemeinde, die sich solchen Formen des Gemeinwesens stellt.

In Ilshofen wurde vor etlichen Jahren ein ernstzunehmender Anlauf etlicher Bürgerinnen und Bürger für eine Lokale Agenda 21 von Bürgermeister und Ratsmehrheit nach etwa 2 Jahren der Vorarbeit „plattgesessen“.

Die Beteiligten mussten einsehen, dass Ilshofen noch lange nicht bereit für mehr Bürgerbeteiligung ist. Die Vorzeichen haben sich auch leider nicht verändert. Ratsmehrheiten und an Innovation interessierte Bürgermeister sind nötig, um hier voran zu kommen.

Was bringt die Zukunft bezüglich der Ladengeschäfte – außer Leerständen?

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