„Lang beschattete Täler“ – eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden fünfter Teil

„Lang beschattete Täler“ – eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden fünfter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

V Gewalt

… Carl hatte Paul gefragt, wie das damals mit den Müttern seiner Kinder war und hörte dem Freund nun geduldig zu. Carl Eugen Friedner hatte sich als Rechtsanwalt und Steuerberater viele absurde und abwegige Vorgänge angehört und sich dabei angewöhnt, sein Gegenüber zu Ende erzählen zu lassen. Je mehr er über die Zusammenhänge erfuhr, umso besser konnte er seine Mandanten dann ja auch vertreten. Also verdrängte er seine Sorgen um Paula und wandte sich leise seufzend den Erzählungen des Freundes zu.

Stammesriten

Paul Malibo war es als ältestem Sohn vergönnt gewesen, von seinen Eltern aus einer ehemaligen französischen Kolonie nach Europa geschickt zu werden, um mit einer gewerkschaftlichen Förderung in der romantischsten Neckarstadt Württembergs Pädagogik zu studieren. Dort lernte Paul auch die Mütter seiner vier Kinder kennen. Von der Mutter seiner erstgeborenen Tochter Margret wollte er vor mehr als dreißig Jahren nicht viel mehr als guten Sex und zog es vor, die Schwangere einfach sitzen zu lassen. Nachdem er dann – scheinbar ungeschoren – in seine afrikanische Heimat zurückgekehrt war, setzte man ihn dort unter Druck, den üblichen Stammesriten gemäß, eine für ihn ausgewählte Frau zu nehmen.

Spontanheirat

Paul senkte seine Stimme und erzählte von den in weiten Teilen Afrikas verbreiteten sexuellen Verstümmelungen von Mädchen, welche unter anderem dazu führen, dass diese als Frauen später am Sex keinen Spaß haben, sondern Schmerzen leiden. Dies war ihm, der sich in Liebesdingen jahrelang in Europa ungehindert bewegt hatte, absolut zuwider. Abgesehen davon, dass sie dann als Ehefrauen mit schwärenden Wunden dauernd durch Infektionskrankheiten gefährdet und somit teuer zu versorgen seien, würden sie oft kurz nach der Geburt an Entkräftung sterben und er hätte sich laufend eine neue Frau suchen lassen müssen. Paul wollte sein Leben mit keiner solchen Frau verbringen und dachte sich daher stets neue Gründe aus, um die von seinen Eltern Angepriesenen als untauglich abzutun. Die Mutter seiner weiteren Kinder, Lisa, heiratete er spontan, als sie ihn eines Tages in seiner afrikanischen Heimat besuchte, um letztlich nicht doch noch eines der einheimischen *beschnittenen Mädchen in sein Bett gelegt zu bekommen.

Rituale

Lisas Mutter, die hiesige Großmutter von Pauls drei Kindern, bestand nach dem Tod von Lisa auf der Einhaltung von vielerlei Ritualen, welche ihm als Witwer den Alltag strukturierten. In Hoheitshausen hatte Paul am Sonntag, in der Kirche, seinen festen Platz neben ihr einzunehmen. Zum sonntäglichen Nachmittagskaffee traf man sich bei ihr, um ein Stück selber gebackenen trockenen Kuchen ohne Sahne zu verzehren. Unter der Woche hatte Paul für sie einzukaufen und spätestens zum Freitagabend war er zu einer obligatorischen Runde Catan* verabredet. Da Paul sehr gern dem roten Wein zusprach, den die Großmutter ihm aus guten Gründen auch reichlich auftischte, lösten sich seine aufkommenden Zweifel an seinem Lebensstil in Luft undWohlgefallen auf. Den Umstand, dass er seine Tochter, auch nach dem Tod seiner Frau, weiterhin jede Nacht neben sich mit ins Ehebett nahm, wurde von seiner Schwiegermutter niemals in Frage gestellt, sondern wohlweislich befürwortet.

Freundschaftliches Dreieck

Daher kam Paul niemals zu Carl nach Hohenlohe oder gar beim Heiner zu einem Besuch vorbei; diese beiden jedoch genossen den Tapetenwechsel, welchen das freundschaftliche Dreieck mit sich brachte. Sie nützten die Fahrten oft und gern, um sich einerseits in den höheren Lagen des Schwarzwalds zu erholen und andererseits ihren Geschäften im badischen Land nachzugehen. Carl Eugen hatte ein paar versprengte Mandanten im Rheintal und am Bodensee und Heiner Grün nahm, als ehemaliger Geschäftsführer seiner Energieförderungsfirma, sporadisch an Gesellschaftertreffen im hochgelegenen Linachtal teil.

Glaubensgemeinschaft

Paul jedoch litt, er schämte sich vor sich selber und bereute sein Verhalten. Jedoch der Mut, sich zu Gunsten einer neuen Liebe konsequent aus den uralten Zwängen seiner Herkunft und dem engen Korsett der Glaubensgemeinschaft seiner gestorbenen Ehefrau zu befreien, fehlte ihm damals genauso wie heute.

Merkwürdige Vorstellungen

„Und du hast dich damals nicht für eine neue gemeinsame Zukunft mit ihr eingesetzt und lediglich auf überkommenen, ja merkwürdigen Vorstellungen beharrt?“, fragte Carl am Ende von Pauls Beichte gezielt nach. Der Hauch eines dünnen „Ja …“, war aus der Richtung von Pauls gesenktem Kopf zu vernehmen. „Paul! Mir graut‘ s vor dir“, beendete Heiner Pauls Bekenntnis und ergänzte laut und deutlich: „Mensch, da braucht man sich nicht zu wundern, wenn eine gescheite Frau sich mit Grausen abwendet. Da, wo Frauen nichts zu melden haben und so wie in deinem Herkunftsland auch noch mit mörderischer Gewalt rechnen müssen, kann es ja kein Mensch aushalten!“ Und er setzte nach: „Wie hast du das eigentlich mit deinen Vorstellungen von Freiheit und Gerechtigkeit vereinbaren können, wo du doch sonst ein recht demokratisches und freiheitsliebendes Gedankengut pflegst? Und wo man dich damals und zu allem Überfluss auch noch im schönen Tübingen hat studieren lassen? Ausgerechnet dort, wo man >Attempto – ich wag’s!< dem Wahlspruch der dortigen Universität folgt ?“ Paul wusste auf keine von Heiners Fragen etwas zu erwidern.

Um Haaresbreite dem Tod entronnen

Auch Carl Eugen schwieg, ihm fehlten ebenfalls die Worte, wenn auch aus einem ganz anderen Grund: Seine geliebte Paula war nur um Haaresbreite dem Tod entronnen. Er stand auf, um weiteres Flaschenbier aus der Küche zu holen. Seine vordergründige Bereitschaft, die Männerrunde mit Nachschub zu versorgen, verschaffte ihm eine Gelegenheit, die unglaubliche Nachricht auf dem kleinen Bildschirm zu lesen. Chaotische Gedankenfetzen blitzten durch seinen Kopf, sein Herz raste vor Schreck – seine Paula war vor mehr als drei Jahren überfallen worden. Er hatte einen früheren Kollegen, welcher sich seit Jahren mit Informationsdienstleistungen über Wasser hielt, beauftragt diskret Nachforschungen anzustellen. Während Pauls Erzählungen erspähte Carl die besorgniserregende Überschrift der Nachricht auf seinem mobilen Gerät.

„Erpressung“

Sie hatten es tatsächlich gewagt, ihr Gewalt anzutun? Ihm stockte der Atem! Warum erfuhr er das erst jetzt? Und wieso hatten sie ihr das angetan? Er war einst auf die diskreten Hinweise, welche man auch Erpressung hätte nennen können, eingegangen, hatte damals zugesichert einen Mantel des Schweigens über alles zu legen, gerade um Schaden von seiner geliebten Paula abzuwenden … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Genitalverstümmelung: Beschneidungen von weiblichen Kindern in Afrika, bestialische Verstümmelungen der weiblichen Genitalien, die zu lebenslangen körperlichen und seelisch-geistigen Traumata führen.

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a- z/g/genitalverstuemmelung.html

https://www.frauenrechte.de/ https://mama-afrika.org/info/genitalverstuemmelung/

*Catan: Kindgerechtes monopolyähnlich aufgebautes Würfelspiel.

Kontaktaufnahme zur Autorin ist möglich unter der E-Mail-Adresse:

b.haebich@web.de

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2 Gedanken zu „„Lang beschattete Täler“ – eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden fünfter Teil

  1. Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir mit der Episoden letztem Teil von dem bemerkenswerten Opus „Irgendwo in Hohenlohe“, das angeblich einen Verlag (hierzu sgl.) gefunden hat, von der Episoden weiteren Teilen verschont würden. Leider war dies ein Irrtum und wir müssen der Episoden vermutlich noch viele Teile erleiden und erdulden.
    Nun zum Kairos-Verlag. Eine Nachfrage hat Folgendes ergeben:

    „wir sind ein sehr kleiner Verlag mit keiner Vertriebsstruktur im Buchhandel, deshalb „kaufen“ wir keine Manuskripte.
    Wir verstehen uns als Dienstleister. Per Auftrag übernehmen wir das Layout, die Veröffentlichungsarbeiten und holen veranschlagte Druckkosten ein.
    Diese Kosten sind nicht standardisiert sondern jeweils unterschiedlich – Das Layout für 300 Seiten kostet mehr, als das für 30, 4/4 Druck kostet mehr als 1/1 usw.
    Als letzten Schritt übernehmen wir das Werk nach Absprache in unser Programm (Damit ist es urheberrechtlich geschützt und für den Buchhandel sichtbar.)
    Um einen „aktiven“ Absatz (also Werbung, Pressearbeit, Buchhandelsbesuche, Lesereisen usw.) also um das Geschäftsfeld eines „normalen“ Verlages wollen und können wir uns nicht kümmern.
    Dieses Konzept lässt dem Auftraggeber bzw. Autor die volle Kontrolle über sein Werk, allerdings auch alle Arbeiten zur Vermarktung des selben.
    Zu unsern Auftraggebern zählen deshalb Autoren und Firmen, die schon über einen gesicherten Absatzmarkt verfügen (z.B. Fachbücher, Spezial Interesst, Jubiläumsausgaben usw. ), aber auf die öffentliche Zugänglichkeit ihrer Schriften Wert legen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Dominic Schüler“

    Dies führte zu folgender Rückfrage:
    „Hallo Herr Schüler,
    vielen Dank für die Nachricht. Wenn ich Sie also richtig verstanden habe, machen Sie also so etwas Ähnliches wie bod, nur dass es eben unter Verlag, nicht unter Self-Publishing läuft, oder?
    Mit freundlichen Grüßen“

    Die lapidare Antwort war:

    „Sie haben das Prinzip verstanden.
    Allerdings gefällt mir persönlich die Qualität von bod nicht.

    Mit freundlichen Grüssen
    Dominic Schüler

    Kairos Verlag GmbH
    72074 Tübingen
    Geschäftsführung D. Schüler
    Registergericht Stuttgart HRB 200938“

    Soviel dazu!

  2. Sehr geehrter Marcus Ring,
    es zwingt Sie niemand, die Texte zu lesen. Das ist Ihre eigene Entscheidung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

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