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Es gibt viele Gründe, den Standort des Lebensmittelmarkts in Kirchberg/Jagst zu erhalten – Neubau auf der grünen Wiese ist kein guter Plan

Normalerweise sind die etwa 50 Sitzplätze für die Zuhörer einer Gemeinderatsitzung in Kirchberg/Jagst eher spärlich besetzt. Nicht aber bei der Sitzung Ende März 2009. Der Tagesordnungspunkt „Ansiedlung eines EDEKA-Marktes Treff 3000“ beunruhigte so viele Kirchberger, dass einige von ihnen während der Diskussion stehen mussten.

Kommentar von Friedhelm Krätzer, Stadtrat der Unabhängigen Grünen Liste (UGL) in Kirchberg/Jagst

„Nicht wirtschaftlich weiterführbar
Während einer Nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates im Februar wurde das Thema schon einmal vorab besprochen. Wie in der öffentlichen Sitzung hieß es damals bereits, dass der bestehende Markt in dieser Form auf Dauer nicht wirtschaftlich weiter betrieben werden könne. Von Seiten der EDEKA, die auch den bisherigen Neukauf-Markt betreibt, wurde angekündigt, dass der Pachtvertrag nicht verlängert werden würde und so drohe der Fall, dass Kirchberg gänzlich ohne Nahversorger am Ort dastehen könnte. Aber, es wurde ein RETTER präsentiert, genauer gesagt sogar zwei: die Herren Clemens und Tritschler, Investor und Gebietsleiter der EDEKA erklärten sich bereit, im sogenannten Kirchberger Gewerbegebiet „Im Schindelwasen“ am äußersten südwestlichen Ende Kirchbergs nahe der Firma Deeg Lasertechnik einen neuen Markt zu errichten.
Vor der öffentlichen Sitzung Ende März befasste sich die UGL in einer Fraktionssitzung mit dem Thema und kam zu dem Entschluss, dass sie sich vom aktuellen Marktleiter, „Herrn Möller“, zumindest persönlich erklären lassen wollen, weshalb und ob ein wirtschaftliches Fortführen des Marktes am Standort in der Buchenstraße nicht möglich sei.

Edeka gibt hohen Investitionsbedarf beim jetzigen Standort an
Herr Möller ist selbständiger Unternehmer, der noch zwei weitere EDEKA-Märkte in Obersontheim und Gaildorf betreibt. Hierbei fungiert er, wie in Kirchberg, jeweils nur als Untermieter von Objekten, die von EDEKA direkt angepachtet werden. Möller führte im Gespräch zunächst den vorhandenen nicht unerheblichen Investitionsbedarf für die EDEKA als Grund für die Aufgabe des Neukauf-Markts an. Zwischen 200.000 und 300.000 Euro müssten in den Markt investiert werden. Nach Ende der Maßnahmen jedoch würde es sich immer noch um ein altes Objekt mit unveränderten Problemen hinsichtlich der Parkplätze und der schwierigen Anlieferungssituation handeln.
Der Parkplatz, da nicht eben angelegt, sondern mit einer Steigung versehen, wird von Möller als ungeeignet bezeichnet, obwohl der Vermieter erst vor knapp zwei Jahren 70.000 Euro in die Erneuerung der Parkflächen investiert hatte. Dies reicht sicherlich nicht als Erklärung dafür, dass in der Planung für den sogenannten „Treff 3000“ eine Aufstockung der Stellplätze um mehr als 60 Prozent von 42 auf 70 vorgesehen ist, obwohl wahrscheinlich noch kein Kirchberger am bisherigen Standort nicht einkaufen gegangen ist, weil er keinen Parkplatz gefunden hat.

Anlieferungssituation ist unbefriedigend

Die Anlieferungssituation indes ist unbestritten unbefriedigend. Diesbezüglich sieht der Sprecher der Eigentümergemeinschaft des Gebäudes, Roland Pfeiffer, jedoch machbare Möglichkeiten für eine deutliche Verbesserung. Fatal, dass allerdings mit diesem, vor der Bekanntmachung der Tagesordnung für die öffentliche Ratssitzung, keiner gesprochen hatte, obwohl dieser bereits in den Vorjahren auf Druck des Mieters EDEKA die Miete um 15.000 Euro jährlich reduzieren musste. Zudem wollte dieser in diesem Jahr in die Sanierung des Daches investieren und hatte hierfür bereits die Aufträge an zwei Kirchberger Firmen vergeben.

Es wurden Gewinne erwirtschaftet
In der Vergangenheit wurden im Markt in der ehemaligen Skifabrik „Benner“ Gewinne erwirtschaftet und auch vermittelte der Markt-Untermieter Möller den Eindruck, dass dies auch künftig unter unveränderten Marktbedingungen möglich ist. Bei einem Umsatzrückgang zwischen 10 und 20 Prozent ist dies jedoch nicht mehr gegeben und genau dies wird von Seiten der EDEKA befürchtet und erwartet. Auch deckt sich dies mit der Aussage der Stadtverwaltung, die im Gegensatz zum Schreckenszenario „Kirchberg, eine Stadt ohne Nahversorger“ steht, dass „es in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen von Investoren“ gab. Das Marktpotential scheint also vorhanden zu sein. Aber eben nicht für zwei Märkte. Im Kampf um Kunden und Marktanteile siegt heutzutage meist der, der den größeren Parkplatz vor der Tür hat und wer einfacher mit dem Fahrzeug erreichbar ist.

Konkurrenzabwehr und Standortsicherung
Würde in Kirchberg ein zweiter Markt entstehen, und dieser würde an der geplanten Stelle konkurrieren wollen, wäre das Ende für den momentanen Standort besiegelt. Baut jedoch EDEKA als Erster einen Markt „auf die grüne Wiese“, traut sich kein zweiter mehr, da die Ausgangssituation eine andere wäre (da EDEKA etabliert und gut erreichbar wäre), so lautet wohl der Plan des Lebensmittelunternehmens. Dabei wird auch klar, warum von Seiten der EDEKA keiner mit Roland Pfeiffer als Eigentümer des bisherigen Gebäudes gesprochen hatte. Konkurrenzabwehr und Standortsicherung haben eher etwas mit der „Expansionsabteilung“ zu tun, in der Herr Tritschler arbeitet. Die Abteilung, die mit Pfeiffer hätte sprechen sollen, wäre eine andere gewesen, meinte dieser in der öffentlichen Gemeinderatsitzung. Es ist zu vermuten, dass dies nur die Rechtsabteilung sein kann, damit der geschlossene Pachtvertrag auch durchgesetzt wird.

Edeka könnte jetzigen Standort bis 31. März 2011 leer stehen lassen
Der bisherige Vertrag scheint ein wahrer „Knebelvertrag“ zu sein. Dieser läuft noch bis zum 31. März 2011 und enthält unter anderem eine „Konkurrenz-Klausel“, wonach der Vermieter erst nach einem Nachmieter suchen darf, wenn der aktuelle keine Fortführung des Mietverhältnisses wünscht und dieses nicht mehr besteht. Es ist offensichtlich: EDEKA hält die Zügel straff in der Hand. Kommt ein „Treff 3000“ in der Ulmenstraße nicht zustande, ist anzunehmen, dass der heutige Neukaufmarkt, mit Eröffnung des geplanten Einkaufszentrums in Ilshofen, geschlossen und für die restliche Laufzeit blockiert (die Zahlung der Pacht für ein ungenütztes Gebäude wird bei EDEKA sicherlich unter „Peanuts“ verbucht), damit die Kirchberger gezwungen sind, sich daran zu gewöhnen, dass sie fahren müssen. Gleiches gilt für den Fall, dass der „Treff 3000“ errichtet wird. Die Folge wäre ein weiteres leer stehendes Gebäude in Zentrumsnähe in Kirchberg.

Verwirrspiel um Edeka-Markt in ILshofen
Ein Verwirrspiel herrscht auch um das geplante Bauvorhaben der EDEKA in Ilshofen. So verkündete der Regionalleiter der EDEKA in der öffentlichen Sitzung des Kirchberger Gemeinderats, dass zum einen der Investor, Herr Clemens, dort der Gleiche sei wie in Kirchberg und zum anderen, dass Herr Möller künftig die Marktführung in Ilshofen übernehmen wird. Anzunehmen wäre, dass Möller dort wiederum Untermieter ist. Dies wurde von diesem übrigens nach der Sitzung gegenüber den Mitarbeitern des Standortes in Kirchberg dementiert („es wäre noch nichts gesprochen“).

Wer ist die EDEKA-Gruppe und wer ist Treff 3000?
Die EDEKA-Gruppe ist mit einem Gesamtumsatz von 38 Milliarden Euro und rund 9.600 Märkten klarer Marktführer im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Dennoch oder gerade deswegen lautet die oberste Maxime der Unternehmensstrategie: kontinuierliche Steigerung der Investitions- und Ertragskraft. Trotz dass sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 7 Prozent auf 1,17 Mrd. Euro verbesserte. EDEKA ist ein typisches Beispiel für die in unserer Zeit wohl übliche Gewinnmaximierung – der Gier nach immer mehr – zu Lasten von Mensch und Natur.
Aber gerade das Gegenteil wird auf der Internetpräsenz behauptet. So schreibt der Vorstand in seinem Vorwort zum Geschäftsbericht 2007: „Wir sehen uns in der Verantwortung, für unsere Einzelhändler, unsere Kunden und Mitarbeiter einen Mehrwert zu schaffen“. Und auf der Homepage der EDEKA-Südwest ist unter der Überschrift „Wir übernehmen Verantwortung“ u. a. zu lesen, dass seit 2005 „an mehreren Standorten Fotovoltaikanlagen in Betrieb genommen“ wurden und dadurch „der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß um 1.155 Tonnen gesenkt“ wird. Die  andere Seite der Klimaschutz-Medaille glänzt aber nicht so.

Treff 3000 ist ein Marken-Discounter
Treff-Discount ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der EDEKA-Südwest. Bei dem Vertriebskonzept „Treff 3000“ handelt es sich um eine Marken-Discounter-Konzeption, die auf eine Produktpalette von etwa 3.000 Artikeln ausgelegt ist. Zum Vergleich: der bisherige Neukauf bietet eine Auswahl zwischen 7.000 (lt. Herrn Möller), 9.000 (lt. Herrn Tritschler) und 10.000 (lt. Personal des Neukaufs) Artikeln, wohingegen Discounter, wie ALDI (ca. 800) und LIDL (ca. 1.200) eine deutlich geringere Produktvielfalt anbieten. Ein „Treff 3000“ Markt ist vergleichbar mit einem NETTO oder PENNY und bietet einen Mix aus Markenartikeln, bekannten EDEKA-Handelsmarken (wie „gut & günstig“) und ein ausgewähltes Biosortiment. Der nächste „Treff 3000“ in unserer Region befindet sich in Ingelfingen im Hohenlohekreis. Ein Besuch dort zeigte auf, dass Einschränkungen hinsichtlich des Produktsortiments verkraftbar scheinen. Der dortige Markt wird täglich, außer samstags, mit frischem Obst und Gemüse beliefert und erhält wöchentlich einmal, wie der jetzige Neukauf übrigens auch, Trockenware und Getränke.

Rationalisierung + Stellenabbau = „Der menschliche Faktor des Erfolgs“
Eine deutliche Reduzierung der Mitarbeiteranzahl ist zu erwarten. So arbeiten in Ingelfingen lediglich sieben Mitarbeiter, wobei lediglich einer Vollzeit arbeitet, das heißt wöchentlich Minimum 45 Stunden. Als Kontrast: derzeit sind im Kirchberger Neukauf 7 Vollzeitkräfte, 8 Teilzeitarbeiter oder geringfügig Beschäftigte sowie bis zu 2 Auszubildende angestellt. Die Vollzeitkraft und die vier Aushilfskräfte hinter der Bäckereitheke sind hierbei nicht mitberücksichtigt. Die Bezahlung dürfte nicht besser werden. So verdient heute schon eine Teilzeitkraft in Lendsiedel bei den Eheleuten Stör im Markt „Um´s Eck“ mehr als eine Mitarbeiterin für die gleiche Tätigkeit in Kirchberg.
Die Mitarbeiter des Neukaufs wurden übrigens von deren Chef vorab über die Gemeinderatssitzung mit den Worten in Kenntnis gesetzt, dass man sich keine Sorgen machen müsse und dass noch nichts entschieden wäre…. Ob dies vielleicht doch damit zusammenhängt, dass Herr Möller gern Personal in Ilshofen beschäftigen möchte, welchem er vertraut?

Als puren Hohn darf man es bezeichnen, wenn der Expansionsleiter der EDEKA-Südwest, und seine vier Regionalleiter, zu denen auch der in der Gemeinderatssitzung anwesende Tilman Tritschler zählt, auf der Internetseite als „der menschliche Faktor des Erfolges“ vorgestellt werden. Genau diese Personen sind dafür verantwortlich, dass Mitarbeiter, die sagen, dass der Neukauf „ihr Leben“ ist, künftig vielleicht keinen Arbeitsplatz mehr haben.
Bauen zu Lasten von Mensch und Natur
Die Behauptung in der Pressemitteilung der Kirchberger Stadtverwaltung, dass der „Markt auf kurzem Weg“ zu erreichen ist, trifft sicherlich auf die Bewohner des äußersten Zipfels der Windshöhe (Baugebiet Richtung Autobahn) zu. Aber schon für die Kirchberger Schüler wäre es sicherlich nicht machbar, anstatt 400 Meter künftig kurz in einer Pause einen Kilometer einfache Wegstrecke zu Fuß zurückzulegen. In der Tat: für die Bewohner von Lendsiedel wäre es künftig 400 Meter weniger zu fahren. Nur sitzen die da bereits eh schon im Wagen, den selbst die Bewohner des äußersten Randes der Gemeinde müssten vorher bereits 1,5 Kilometer motorisiert zurücklegen. Mal abgesehen, dass dies dem „Um´s Eck“-Laden in Lendsiedel sicherlich auch Umsatzeinbußen bescheren würde.
Alle anderen hätten aber einen längeren Weg. Selbst Bewohner des Akazienweges, die es zu Fuß in der Tat kürzer hätten, müssten künftig mit dem Fahrzeug einen weiteren Weg zurücklegen. Und gerade dies, wird von den Herren Tritschler und Möller, doch behauptet. So sollen heute schon etwa 90 Prozent der Kunden im Neukauf mit dem Auto zum Einkaufen kommen.
Etwa einen Kilometer liegt der geplante Standort von dem jetzigen in der Buchenstraße entfernt. In Hinblick auf die Siedlungspolitik der Stadt eine Idiotie. Das bestehende Baugebiet „Sandbuck“ mit 10 freien Bauplätzen, das beabsichtige neue Baugebiet „Im Kreuzstein“ mit 31 neuen Baumöglichkeiten, sowie die Überplanung der alten Tennishalle im Hofgarten, dies alles sind Flächen, die es Interessierten noch ermöglicht hätten zu Fuß zum Einkaufen zu gehen. Insbesondere die künftigen Bewohner „Im Kreuzstein“ hätten anstatt eines Fußweges von 400 Metern künftig eine Distanz von fast 2 Kilometern zurückzulegen. Viele Einkäufe zu denen man heutzutage noch kurz gelaufen ist, weil man etwas vergessen hatte, würden künftig gezwungenermaßen mit dem Fahrzeug zurückgelegt.
Ganz zu schweigen natürlich von den vielen alten Menschen, Müttern mit Kindern und den Betreuten der Kirchberger Behinderteneinrichtungen, die man täglich beobachten kann, wie sie gen Neukauf pilgern und sich an dessen „zentralen“ Lage erfreuen, obwohl viele von ihnen in Kirchberg-Tal wohnen. Diesen Personengruppen würde es künftig geradezu unmöglich, ihre täglichen Einkäufe zu erledigen. Wo bitte entsteht hier der „Mehrwert“ für den Kunden?

Edeka will vermutlich nur noch die Großkunden

Das Problem liegt vermutlich darin, dass wir nicht verstehen, wer der gewünschte Durchschnittskunde eines „Riesen“, wie EDEKA ist. Einmal wöchentlich groß für 100 bis 200 Euro einkaufen, das ist der Wunsch der Anbieter. Dies bedeutet größeren Umsatz, bei kleineren (Personal-)Kosten, da die Kundschaft nur einmal wöchentlich und nicht dreimal täglich zu Fuß kommt. Nicht Kleinvieh bringt eben eine Steigerung der Ertragskraft, sondern vielmehr der großzügige Kofferraum der abwrackfinanzierten Fahrzeuge.

Kein Markt auf der „grünen Wiese“
Die Maßnahmen gegen den Klimawandel (siehe oben bzw. Internetpräsenz) von Seiten der EDEKA werden durch den gierigen Neubau von Märkten auf der „grünen Wiese“ mehr als aufgezehrt. Bis 2010 möchte die EDEKA-Gruppe pro Jahr 200 EDEKA-Einkaufszentren und rund 170 Netto-Märkte eröffnen. Aber allein in Kirchberg bedeutet dies, dass die Verkehrsbelastung um 2 Kilometer pro Einkauf zunimmt. Bei etwa 500 Kunden täglich werden somit pro Jahr 20.000 Liter Kraftstoff mehr verbraucht und 45 Tonnen CO² ausgestoßen. Wenn das Beispiel Kirchberg exemplarisch für die geplante Expansion der EDEKA-Gruppe ist, ist diese damit für die Erhöhung des CO²-Ausstoßes von etwa 16.000 Tonnen verantwortlich.

Alternativen sind möglich – Kirchberg kann sich politisch wehren
In der Kirchberger Bevölkerung gibt es sicherlich sehr wenige, die die Verlegung der Nahversorgung in den Außenbereich wünschen. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich: sei es die städtebauliche Entwicklung, die Benachteiligung immobiler Menschen oder die Auswirkungen auf unser Klima. Nur, welche Möglichkeiten gibt es? Der Markt im Lebensmitteleinzelhandel ist stark monopolisiert. Und der Preis- und Wettbewerbsdruck in der Branche ist hoch. Hierfür verantwortlich sind wir Verbraucher: Geiz ist geil. Unsere Ausgabegewohnheiten haben sich geändert, der Anteil des privaten Konsums für Ausgaben für Nahrungsmittel und Getränke war in den vergangenen Jahren rückläufig.
Konzerne, wie EDEKA, ALDI und LIDL, erfüllen die wichtige Funktion, zu entscheiden, was und zu welchem Preis bei uns auf den Tisch kommt. Ohne Absatz kein Ertrag. Aber man hat (auch politische) Möglichkeiten sich dagegen zu wehren. Und zwar indem man es eben nicht gestattet, dass fern vom Kunden Nahversorgungsmärkte gebaut werden, die den Namen eigentlich nicht mehr verdient haben.

Wie geht es weiter?
Variante 1: Zustimmung des Gemeinderates zur Ansiedlung eines Treff 3000 in der Ulmenstraße (Gewerbegebiet Windshöhe) und ihre Folgen
Erhöhung des Verkehrsaufkommens im Gemeindegebiet; einige Mitbürger werden gar nicht mehr in Kirchberg einkaufen gehen (aus Gaggstatt und Hornberg ist das Angebot in Rot am See und Wallhausen interessant; auch von Dörrmenz; Kleinallmerspann oder Lendsiedel ist man rasch in Ilshofen); ältere und immobile Mitmenschen werden auf Hilfe angewiesen sein oder können sich nur noch eingeschränkt im Städtchen versorgen
Weitere Fläche im Randgebieten sind verbaut, während innerorts zunächst ein Gebäude leer stehen wird; ein weiteres Problemareal nahe der neuen Festhalle entsteht (keine Planungssicherheit, was die Standorte von Feuerwehr, städtischem Bauhof, Lager der Firma Stapf und dem Anwesen Kaufmann betrifft). Für den Ernstfall hat die Eigentümergemeinschaft Pfeiffer zwischenzeitlich schon verschiedene Überlegungen angestellt. Die von Verhandlungen mit dem Schlecker-Markt über eine Verlegung der Verkaufsräume bis zum Verkauf des Geländes an die Stadt zur Errichtung von Parkplätzen reichen.

Variante 2: Ablehnung des Vorhabens durch den Gemeinderat und ihre Möglichkeiten
EDEKA betreibt den Markt in der Buchenstraße (heutiger Neukauf) mit dem Vertriebskonzept „Treff 3000“ weiter. Die Aussagen von dem Außendienstmitarbeiter der LHG, Herrn Niesner, die der Lieferant für den „Um´s Eck“-Laden in Lendsiedel ist, lassen diesen Wunschtraum zerplatzen wie eine Seifenblase. Es sei nicht anzunehmen, dass EDEKA pokere. Die Entscheidung dürfte dort längst getroffen sein.

Stadtverwaltung Kirchberg ist zu passiv

Bedenklich ist, dass sich der Kirchberger Bürgermeister Thomas Ohr in dieser Angelegenheit passiv zeigt und darauf verweist, dass die Standortfrage nun wieder bei der EDEKA auf deren Schreibtische zur erneuten Berechnung der Machbarkeit liege. EDEKA zeigt kein weiteres Interesse an dem Marktstandort Kirchberg. Anzunehmen ist, dass EDEKA die Pacht bis zum Ende des Vertrages zahlen wird um die Ansiedlung von Konkurrenz für deren Markt in Ilshofen vorerst zu verhindern und es ist zu befürchten, dass für einen Zeitraum von etwa einem Jahr kein größerer Nahversorger in Kirchberg beheimatet ist.
Die Suche nach einem Nachfolgebetreiber dürfte angesichts der schwierigen Marktverhältnisse nicht einfach werden, ist aber nicht aussichtslos. Gibt es doch in kleineren Ortschaften wie Kirchberg immer noch oder inzwischen schon wieder Nahversorger. Weit suchen muss man dabei nicht einmal: Der Dorfladen in Gailenkirchen und Gottwollshausen, ist ein Beispiel dafür, dass dies auch als Genossenschaft funktionieren kann. Ihr Zulieferer, wie in Lendsiedel, die LHG, berichtete davon, dass auch sie Märkte in der Größenordnung des Kirchberger Marktes zu ihren Kunden zählen. Übrigens existieren in Gemeinden bei Gunzenhausen, Ansbach und Dinkelsbühl sogar Märkte, in denen die Kommune als Betreiber fungiert.
Einiges ist denkbar. Nur darf man sich dabei nicht auf das Wohlwollen des Kapitals verlassen.

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2 comments to Es gibt viele Gründe, den Standort des Lebensmittelmarkts in Kirchberg/Jagst zu erhalten – Neubau auf der grünen Wiese ist kein guter Plan

  • Roman Schmitt

    Hier wird eine Entwicklung beschrieben, die einmal mehr zeigt, dass Großkonzerne sich oft wenig um lokale und regionale Belange bemühen und nur an ihre eigenen Interessen denken. Und die sind bei dem (noch) verbreiteten fundamentalistisch monetären Weltbild offensichtlich.

    Überhaupt: In diesen Zeiten und angesichts der antizipierten dramatischen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft sollte man sich besser auf lokale und regionale Versorger verlassen und weniger auf Großkonzerne, die rücksichtslos und ungeniert gefährliche Substanzen verkaufen, wie z. B. Aspartam, aber auch weitere schädigende „Zusatzstoffe“:

    http://www.med1.de/Forum/Blut.Gefaesse.Herz.Lunge/19519/
    http://www.gwittrock.de/node/5

    In diesem Sinne kann Edeka ruhig abhauen. Das wäre der Gesundheit zuträglich.

    In diesem Zusammenhang muss an das Kirchberger Lebensmittelgeschäft Schofroh und Müller erinnert werden. Wenn Edeka abziehen sollte, wird diesem (noch kleineren) Betrieb mit seinen hervorragenden Verbindungen zu regionalen Erzeugern und Lieferanten eine wesentliche Rolle bei der Versorgung der Kirchberger BürgerInnen zukommen, die nicht kilometerweit fahren möchten um einzukaufen. Ich hoffe, die Herren Schofroh und Müller bereiten sich konzeptionell auf eine solche Entwicklung vor und werden, falls die Lage sich tatsächlich zuspitzen sollte, von der Stadt und den BürgerInnen unterstützt.

    Roman Schmitt, Kirchberg-Hornberg

  • Friedhelm Krätzer

    Hallo lieber Roman Schmitt,
    vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Ich habe selbst schon Kritik von Martin Schofroh direkt bekommen und wollte dies eigentlich auch in meinen Ausführungen berücksichtigen.
    In einer kommenden Veröffentlichung in der Fraktionszeitung der Unabhängigen Grünen Liste habe ich den o. g. Artikel gekürzt und um folgenden Absatz ergänzt:
    „Wir alle als Verbraucher haben es selbst in der Hand durch unsere Konsumgewohnheiten diesen Trend zu durchbrechen. In Kirchberg gibt es durchaus noch andere Möglichkeiten der Nahversorgung. Viele Mitbürger, insbesondere Neuhinzugezogene, haben sicherlich noch nie den Tante-Emma-Laden „Um´s Eck“ in Lendsiedel oder den Naturkostladen „Schofroh & Müller“ in der Marktstraße betreten. Dabei bieten beide Nahversorger auf wenigen Quadratmetern eine reichhaltige und vielfältige Produktpalette (etwa 1.500 bis 2.000 Artikel). Zusammen mit anderen Anbietern, wie z. B. den verschiedenen Bäckern, der Metzgerei Holzinger oder auch dem Getränkefachhandel Ley in Gaggstatt, ist es möglich sich ohne Supermarkt zu versorgen.
    Doch in der heutigen Gesellschaft, will man weniger Freizeit für den täglichen Bedarf opfern und hetzt sich durch den Alltag. Für viele ist es schon ärgerlich, wenn man nicht vor der Tür parken kann. Aber dieses Problem, kann ein Parkplatz mit 70 anstatt 40 Stellplätzen nicht beheben.“
    Friedhelm Krätzer

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