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„Genpflanzen zu entfernen, verstehen wir als Notwehr“ – Interview mit dem EU-Kandidaten Jürgen Binder (Grüne) aus Künzelsau

Jürgen Binder aus Künzelsau: EU-Kandidat der Grünen. FOTO: David Jäger

Jürgen Binder aus Künzelsau: EU-Kandidat der Grünen. FOTO: David Jäger

Interview von Hohenlohe-ungefiltert-Mitarbeiter David Jäger mit Jürgen Binder, dem Hohenloher Grünen-Kandidat für die Europawahl am 7. Juni 2009. Jürgen Binder ist Berufsimker und Mit-Initiator der Aktion „Gendreck weg“ (www.gendreck-weg.de/), welche gentechnisch veränderte Pflanzen von den Äckern entfernt. Außerdem betreibt der Imkermeister in Künzelsau eine Bioland „Honig-Manufaktur“ (www.honigmanufaktur.com/). Er ist Gründer der Heimvolkshochschule Lauda und dort auch als Lehrer tätig.

Herr Binder, angenommen, Sie werden bei der Wahl am 7. Juni 2009 von der Hohenloher Bevölkerung nach Brüssel geschickt – was würden Sie zurück in die Region geben?
Jürgen Binder: Ein Europaparlamentarier ist ja nicht nur seiner eigenen Region verpflichtet. Er ist zuständig für die europäische Zusammenarbeit. Bisher hat sich auch das Verständnis der Arbeit eines Europapolitikers, nicht darauf bezogen, dass er die Interessen seiner eigenen Region vertritt. Der Politiker im europäischen Parlament sollte versuchen, den Frieden in Europa zu stabilisieren. Jedoch ist Hohenlohe schon jetzt Zukunftsregion, was alternative Energie und ökologischen Landbau angeht. Und meiner Meinung nach kann Hohenlohe diesbezüglich ein Modell für Europa sein.

Welche persönliche Kompetenzen besitzen Sie, um diese Vorstellung in Brüssel adäquat zu vertreten?
Ich bin Lehrer und Tierwirtmeister, ich habe einen Landwirtschaftlichen Betrieb und einen Imker-Betrieb. Ebenso bin ich im Vorstand von Bioland. In diesem Verband arbeiten wir seit Jahren an der Ökologisierung der Landwirtschaft.  Und ich bin der Meinung dass wir 100 Prozent Bio-Anbau anstreben sollten.

Sie sind Mit-Initiator der Aktion „Gendreck weg“, wobei sie Gentechnik mehr oder weniger illegal von den Felder entfernen? Was muss man sich darunter vorstellen?
Als im Jahr 2004 in Deutschland der Anbau von Gentechnik gesetzlich erlaubt wurde, habe ich mich mit Kollegen zusammengesetzt und überlegt, was wir denn jetzt noch tun können. Wir haben demonstriert, wir haben Unterschriften gesammelt, doch jetzt wird es trotzdem angebaut und kontaminiert somit die umliegenden Flächen. Und unsere Bienen befliegen dann noch diese Pflanzen, sodass der Gen-Pollen dann im Honig landet. Das Ergebnis dieser langen Analyse war, wenn er jetzt noch angebaut wird, bleibt uns nur noch die Option die Genpflanzen zu entfernen. Wir verstehen das als Notwehr.

So nachvollziehbar wie das klingt, ist Selbstjustiz in Deutschland nicht strafbar?
Ich habe im Moment auch einen Prozess vor dem Bundesverfassungsgericht am Laufen. Dort wird mir der Aufruf zu Straftaten vorgeworfen.

Wie soll ihrer Meinung nach grüne Politik in Brüssel aussehen. Worauf legen Sie ihr Hauptaugenmerk?
Mein Hauptaugenmerk besteht darin, dass wir die landwirtschaftliche Struktur so ändern, dass wir eine Erntesouveränität sicherstellen. Nicht nur bei uns, sondern auch in den Ländern der Dritten Welt, sodass diese nicht Lebensmittel herstellen und weiterverkaufen. Das sind derzeit beispielsweise Soja und Mais, die bei uns an Tiere verfüttert werden. Die Landwirte der Dritten Welt sollen Lebensmittel für ihre eigene Bevölkerung herstellen. Dann muss auch niemand hungern und wir brauchen auch keine Gentechnik mit ihrem Heilsversprechen, die Welt vom Hunger zu befreien.

Bewerbung von Jürgen Binder bei der 29. ordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Januar 2009 in Dortmund für eine Kandidatur auf der Grünenliste bei der Europawahl: bewerbung_juergen_binder (PDF-Datei)

Weitere Infos im Internet:

www.gendreck-weg.de/

www.honigmanufaktur.com/

www.gentechnikfreies-europa.org/

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