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Gedenkfeier am 5. April 2009 erinnert an den Beginn des Todesmarschs von KZ-Häftlingen in Hessental 1945

Luftbild des KZ Hessental

Luftbild des KZ Hessental

Die Gedenkfeier der KZ-Gedenkstätte Schwäbisch Hall-Hessental findet am Sonntag, 5. April 2009, um 11 Uhr auf dem Gelände des ehemaligen Hessentaler Konzentrationslagers beim Bahnhof statt. Als Gastredner spricht israelische Pädagoge und Historiker Gideon Greif. Die Gedenkfeier wird von Jochen Narciß musikalisch begleitet.

Von der KZ-Gedenkstätteninitiative Schwäbisch Hall-Hessental

Gideon Greif wurde 1951 in Tel Aviv geboren und ist seit 1983 Mitarbeiter des Forschungsinstituts und Pädagogischen Zentrums an der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Als promovierter Pädagoge und Historiker hat er den Holocaust und vor allem die Geschichte des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau erforscht. Er hat mehrere Bücher geschrieben sowie Rundfunkreportagen und Dokumentarfilme über den Holocaust veröffentlicht.

Die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Hessental

Die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Hessental

Weitere Infos zum Hessentaler KZ gibt es im Internet auf der Seite de.wikipedia.org/wiki/KZ_Hessental, außerdem: de.wikipedia.org/wiki/Hessentaler_Todesmarsch. Die KZ-Gedenkstätte Hessental berichtet auf ihrer Internetseite www.kz-hessental.de/ über den Todesmarsch, der am 5. April 1945 begann:

„Anfang April 1945, als die amerikanischen Truppen unaufhaltsam näher rückten, begannen die Vorbereitungen zur Evakuierung des Hessentaler Lagers. Am 3. April wurden zwölf gedeckte Güterwaggons ins Lager geschoben. Tags zuvor waren ungefähr 200 weitere Häftlinge im Lager eingetroffen. Sie stammten aus dem Lager Kochendorf und waren krank und völlig erschöpft von Hütten, wo ein etwa 1500 Mann starker Häftlingstreck biwakiert hatte, nach Hessental gebracht worden. An den folgenden beiden Tagen war keine Lokomotive verfügbar, so dass die Häftlinge nicht verladen werden konnten.

Am frühen Morgen des 5. April traf mit SS-Untersturmführer Heinrich Wicker der für die Evakuierung verantwortliche Kommandoführer in Hessental ein. Er befahl, die Häftlinge sofort zu verladen. Da immer noch keine Lokomotive greifbar war, wurden die Waggons mit den Häftlingen an den regulären Personenzug 2065 nach Crailsheim angehängt. Mit 40 Minuten Verspätung verließ der Zug um 7.50 Uhr den Hessentaler Bahnhof. Es ist dies der Beginn des Evakuierungsmarsches der Hessentaler Häftlinge, der unter dem Begriff „Hessentaler Todesmarsch“ in die historische Literatur eingegangen ist. Sein Ziel war das Außenlager Allach des KZ’s Dachau.

Nach nur wenigen Kilometern Fahrt geriet der Zug bei Sulzdorf in einen Angriff amerikanischer Jagdbomber. Die Lokomotive wurde schwer beschädigt, so dass eine Weiterfahrt unmöglich wurde. Die Häftlinge wurden in zwei großen Marschkolonnen von ungefähr 500 bzw. 200 Männern zusammengefasst und zu Fuß weitergetrieben. Zurück blieben die ersten 17 Toten der Evakuierungsaktion. Sie waren bei dem Angriff sowie bei Fluchtversuchen ums Leben gekommen. Andere wurden, weil sie vollkommen marschunfähig waren, von den Begleitmannschaften erschossen.

In den folgenden Tagen schleppte sich der Zug der völlig ausgemergelten Häftlinge in Richtung Osten. Die Marschroute führte über Bühlertann, Rosenberg, Ellwangen, Röhlingen, Zöbingen und Wallerstein bis nach Nördlingen, wo die Überlebenden wieder in einen Zug verladen wurden (andere Aussagen sprechen von Augsburg als dem Ort der Verladung). Entlang dieser Strecke spielten sich schreckliche Szenen ab: Die Häftlinge wurden von der SS unbarmherzig vorangetrieben. Unzählige starben an Entkräftung oder wurden – erschöpft liegen geblieben – von den Wachleuten erschlagen oder erschossen.

Am 11. April erreichte der Transport Karlsfeld bei München. Von dort mußten die Häftlinge nach Allach weiter marschieren, wo sie in den darauf folgenden Tagen eintrafen. In den nur noch unvollständig vorhandenen Unterlagen des KZ’s Dachau sind am 14. und 15. April 1945 293 Zugänge aus Hessental verzeichnet.

Für viele der Hessentaler KZ-Häftlinge war Dachau-Allach allerdings noch nicht die Endstation ihres Leidensweges. Die SS trieb sie nach kurzem Aufenthalt von dort weiter in die geplante „Alpenfestung“ der Nazis. Ende April 1945 wurden sie im bayerischen Voralpenland von den Amerikanern befreit.

Über die Zahl der Opfer des „Hessentaler Todesmarsches“ gibt es sehr unterschiedliche Angaben. Sie schwanken zwischen 50 und über 300 Todesopfern. Nach den Ermittlungen in den ersten Nachkriegsjahren muss davon ausgegangen werden, dass 100 bis 150 Menschen bei der Evakuierung des KZ-Lagers Hessental ums Leben kamen.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass in einigen Fällen die Bevölkerung der angrenzenden Ortschaften Häftlingen Hilfe zuteil werden ließ. In einem Fall versteckten Wilhelm Nass und seine Frau Barbara zwei geflohene polnische Juden in einem Taubenschlag in Neunstadt. Sie gaben ihnen solange ausreichend Essen, bis die amerikanischen Truppen den Ort besetzt hatten. Über die Bedingungen des „Hessentaler Todesmarsches“ berichtet eine Vielzahl von Zeitzeugenaussagen aus den Jahren nach 1945.

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