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Die Not mit der Notdurft auf dem Crailsheimer Bahnhof – Kloschlüssel gibt’s nur gegen ein Pfand und nach einem Fußmarsch

Hinweiszettel an der Crailsheimer Bahnhofstoilette

Hinweiszettel an der Crailsheimer Bahnhofstoilette

Bahnfahrer, die auf dem Crailsheimer Bahnhof schnell mal aufs stille Örtchen wollen, haben es seit geraumer Zeit schwer. Das einzige Toilettenhäuschen ist verschlossen. Wer mal dringend muss, muss sich erst beim Bahnpersonal den Toilettenschlüssel holen und dafür ein Pfand hinterlegen.

Von Ralf Garmatter, Freier Journalist aus Kirchberg/Jagst

„In den vergangenen Monaten hat es immer mehr Vandalismus in den Toiletten gegeben“, sagte eine Crailsheimer Bahnhofsmitarbeiterin am Sonntagabend (15. März 2009) einem Zugfahrgast, der gerade dem Intercity aus Nürnberg entstiegen war. Der Mann hatte es eilig. Im Zug konnte er nicht aufs Klo gehen, weil es zunächst ständig besetzt war. Als es dann endlich frei wurde, war die gesamte Klobrille dermaßen verdreckt, dass sie nur noch mit Gummihandschuhen angefasst werden konnte. Seine Hoffnung war die Toilette auf dem Bahnsteig 2 des Crailsheimer Bahnhofs. Doch deren Türen waren verschlossen. Knapp 50 Meter musste er den Bahnsteig entlang gehen, bis er den speziellen Servicebereich (nicht am Fahrkartenschalter) des Bahnhofflachbaus erreichte. Die dortige Bahnmitarbeiterin wunderte sich, dass er sich über die verschlossenen Toilettentüren wunderte. Sie wollte nicht verstehen, dass es in dringenden Fällen auch mal zu spät sein könnte für eine ordnungsgemäß entsorgte Notdurft. „Das ist doch kein Aufwand, hier den Schlüssel abzuholen und wieder herzubringen“, meinte sie. „Doch, wenn man es eilig hat, dann schon“, meinte der Fahrgast und verließ den Ort mit den Worten: „Sie könnten doch das Toilettenhäuschen gleich ganz abreißen.“ Antwort der Bahnhofmitarbeiterin: „Das wäre das Allerbeste.“

Aktion der Bahn scheint nach hinten los zu gehen

Dass die Aktion der Bahn mit den Toilettenschließungen ganz offensichtlich nach hinten losgeht, konnte der Mann anschließend vor seiner Weiterfahrt nach Gaildorf selbst beobachten. Zwei ältere Männer sparten sich ganz einfach die Mühe, zum Serviceschalter an Gleis 2 zu gehen. Sie pinkelten kurzerhand an die Hauswand des Toilettenhäuschens. Das war sicher auch nicht im Sinne des Erfinders der Hinweiszettel auf den Toilettentüren. Darauf hatte die DB Station&Service AG Bahnhofsmanagement Ulm geschrieben:

DB Netze / Information zur WC-Benutzung

Wegen anhaltendem Vandalismus ist der Zutritt nur noch auf Anfrage möglich. Bitte fragen Sie bei unserem Service-Personal am Bahnsteig Gleis 2 nach dem Schlüssel. Die Ausgabe erfolgt grundsätzlich nur gegen Pfand.

DB Station&Service AG Bahnhofsmanagement Ulm

P.S. des Autors: Was macht eigentlich ein Mensch, der sich ordnungsgemäß einen Toilettenschlüssel beim Bahnpersonal geholt hat, wenn dann ein fremder Dritter, „ungefragt und unbefugt“ mit in das Toilettenhäuschen geht und sich zum großen Geschäft in einer Toilettenkabine einschließt? Soll er dann nach dem erledigten Pinkeln die Toilettentür von außen verriegeln und den Eindringling einsperren, bis der nächste Schlüsselbesitzer oder ein Bahnmitarbeiter kommt und den Fremden wieder freilässt? Oder soll er gar wegen des unbefugten Eindringlings die Polizei alarmieren? Da ist guter Rat teuer. Jedenfalls zeugt das derzeitige Verhalten der Bahn AG nicht gerade von kundenfreundlichem Service auf dem Crailsheimer Bahnhof. Für ein Dienstleistungsunternehmen ist es ein Armutszeugnis.

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