{"id":8949,"date":"2010-10-17T20:07:36","date_gmt":"2010-10-17T19:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=8949"},"modified":"2010-11-01T20:15:31","modified_gmt":"2010-11-01T19:15:31","slug":"thilo-sarrazin-ein-hetzer-in-nadelstreifen-%e2%80%93%c2%a0eine-kritik-von-paul-michel-aus-schwabisch-hall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=8949","title":{"rendered":"&#8222;Thilo Sarrazin: Ein Hetzer in Nadelstreifen&#8220; \u2013\u00a0Eine Kritik von Paul Michel aus Schw\u00e4bisch Hall"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit einigen Wochen ist Thilo Sarrazin mit seinen Ausf\u00e4lligkeiten gegen MigrantInnen in aller Munde. Die Bild-Zeitung hat sich von Anfang an die Verbreitung von dessen Botschaft zur eigenen Sache gemacht. <\/strong><\/p>\n<p><em>Von Paul Michel, Schw\u00e4bisch Hall<\/em><\/p>\n<p><strong>Bild sch\u00fcrt \u00c4ngste vor vermeintlicher \u00dcberfremdung<\/strong><\/p>\n<p>In einer mehrt\u00e4gigen Kampagne verbreitete die im Axel-Springer-Verlag erscheinende Zeitung mit dicken Balken\u00fcberschriften einem Millionenpublikum die von Sarrazin gesch\u00fcrten \u00c4ngste vor vermeintlicher \u00dcberfremdung in Deutschland. Damit wurde systematisch Wut und Ressentiments ihrer \u00fcberwiegend weniger wohlhabenden Leserschaft gegen angeblich schmarotzende Ausl\u00e4nder und gegen kulturell und genetisch angeblich minderwertige Einwanderer aus muslimischen L\u00e4ndern angeheizt. Nach einer Woche Kampagne verk\u00fcndete &#8222;Bild&#8220; dann lauthals, dass fast 90 Prozent ihrer Leser der Meinung sind: &#8222;Er hat Recht!&#8220;. &#8222;Bild am Sonntag&#8220; konnte Anfang September \u2013 ganz objektiv \u2013 stolz das Ergebnis einer Umfrage verk\u00fcnden, wonach 18 Prozent der Befragten sich vorstellen k\u00f6nnen, eine Partei zu w\u00e4hlen, deren Vorsitzender Thilo Sarrazin hei\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Regierungspolitiker surfen auf Sarrazin-Welle<\/strong><\/p>\n<p>Inzwischen scheint Sarrazins Saat aufzugehen. Immer mehr Politiker der Regierungsparteien surfen auf der von ihm ausgel\u00f6sten Welle. Und die Bild-Zeitung tr\u00e4gt durch immer neue Artikel, die dieselben Ressentiments f\u00f6rdern, dazu bei, dass diese Welle an Kraft gewinnt.<\/p>\n<p><strong>Halbwahrheiten und Unsinn<\/strong><\/p>\n<p>Sarrazin erweckt durch die Verwendung einer Unzahl von Zahlen, Statistiken und Tabellen den Anschein von Seriosit\u00e4t. Aber selbst der SPIEGEL schreibt dazu: &#8222;Es enth\u00e4lt Fehlschl\u00fcsse und irrige Annahmen, unbewiesene Behauptungen und Scheinzusammenh\u00e4nge&#8220;. Seine Ausf\u00fchrungen \u00fcber den Zusammenhang von Genen und Intelligenz ignorieren konsequent alle modernen Erkenntnisse zur Intelligenz- und Genforschung. Stand der Forschung ist, dass es eben kein &#8222;Intelligenz-Gen&#8220; gibt. Es wirken zahllose Gene auf das Gehirn ein \u2013 und ob sie \u00fcberhaupt aktiviert werden, h\u00e4ngt wesentlich von \u00e4u\u00dferen Anregungen ab (siehe dazu einen informativen Artikel im SPIEGEL vom 6. September 2010).<\/p>\n<p><strong>Chef des Berliner Landeskriminalamts: Sarrazins Zahlen sind unzutreffend <\/strong><\/p>\n<p>Bei seinen Ausf\u00fchrungen zur Integration bezieht er sich sehr einseitig auf die Texte der\u00a0 &#8222;Multikulti ist gescheitert-Schule&#8220;. Er ignoriert konsequent Fachleute wie den Migrationsforscher Klaus Bade oder den Islamexperten Werner Schiffbauer, die zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Was die von Sarrazin angef\u00fchrten Zahlen zur Kriminalit\u00e4t von t\u00fcrkisch- und arabischst\u00e4mmigen Jugendlichen angeht, werden diese sogar vom Chef des Berliner Landeskriminalamts, Peter Michael Haberer, als unzutreffend bezeichnet. Sarrazins Behauptungen, so Haberer, seien &#8222;weder bei enger Auslegung der Nationalit\u00e4ten noch bei weiterer Auslegung der Staatszugeh\u00f6rigkeit mit Zahlen der offiziellen Kriminalit\u00e4tsstatistik&#8220; zu belegen (siehe SPIEGEL 6.9.2010).<\/p>\n<p><strong>Schriller Tonfall<\/strong><\/p>\n<p>Die Reihe der Beispiele lie\u00dfe sich beliebig fortsetzen. KritikerInnen wie die TAZ-AutorInen Ulrike Herrmann und Alike Wierth kommen nach der Lekt\u00fcre von Sarrazins Buch zu den Ergebnis: &#8222;Thilo Sarrazin vermischt in seinem neuen Buch Halbwahrheiten mit Unsinn \u2013 das mit einem schrillen Tonfall.&#8220; (TAZ 30.08.2010).<\/p>\n<p><strong>Bedienung von rassistischen Ressentiments<\/strong><\/p>\n<p>Wir vermuten, dass die \u00fcberwiegende Mehrzahl der Bild-Leserschaft das \u00fcber 400 Seiten umfassende Sarrazin-Werk weder gelesen hat, noch je lesen wird. Es reichte, dass mit plakativen Spr\u00fcchen die vorhandenen Ressentiments bedient wurden. Mit seinen Tiraden gegen MigrantInnen muslimischen Glaubens kn\u00fcpft Sarrazin an vorhandene fremdenfeindliche Stimmungen in Teilen der Gesellschaft an. Schon eine 2006 publizierte Studie &#8222;Vom Rand zur Mitte&#8220; und eine Erhebung aus dem Jahr 2008 mit dem Titel &#8222;Bewegung in der Mitte, Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland&#8220; machten deutlich, dass bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein faschistoide Einstellungen verbreitet sind. So meinten schon lange vor Sarrazin 15,4 Prozent der Deutschen, ein &#8222;F\u00fchrer&#8220; der Deutschland mit starker Hand regiert, w\u00e4re durchaus &#8222;zum Wohle aller&#8220;. Dass Ausl\u00e4nder nur hierher k\u00e4men, um den Sozialstaat auszunutzen, hielten 36,9 Prozent f\u00fcr eine zustimmungsf\u00e4hige Aussage. Und gar 39,1 Prozent meinten, Deutschland sei &#8222;in einem gef\u00e4hrlichen Ma\u00df \u00fcberfremdet.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Kahlschl\u00e4ger gegen Sozialleistungen<\/strong><\/p>\n<p>Es ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Bild-Leserschaft bei Thilo Sarrazin keine besonders hohe Wertsch\u00e4tzung erf\u00e4hrt. Der Mann, der bevorzugt Nadelstreifenanz\u00fcge tr\u00e4gt und am liebsten mit hochgereckten Kinn und verschr\u00e4nkten Armen posiert, hat bei zahlenlosen Anl\u00e4ssen gezeigt, dass er f\u00fcr die niedrigen St\u00e4nde dieser Gesellschaft wenig \u00fcbrig hat. Er ist ein Sohn aus gutem Hause, der sich schon fr\u00fch zielstrebig nach Oben orientierte und sich als Spitzenbeamter, als Manager staatlicher Unternehmen, Minister und Vorstand der Bundesbank seinen Platz unter den &#8222;oberen Zehntausend&#8220; dieser Gesellschaft gesichert hat. Er zeichnet sich durch standesbewusstes elit\u00e4res Denken, zur Schau gestellte eitle \u00dcberlegenheitsgef\u00fchle und intellektuellen D\u00fcnkel aus. Nicht nur f\u00fcr die Unterschichten mit Migrationshintergrund, sondern durchaus auch f\u00fcr jene sozial Schwachen, die auf viele Generationen teutonischer Ahnen verweisen zu k\u00f6nnen glauben, hat er wenig \u00fcbrig. Als Finanzminister in Berlin war er Verfechter einer gnadenlosen Sparpolitik zu Lasten der sozial Schwachen. Er hat ma\u00dfgeblich daran mitgewirkt, dass in Berlin immer mehr Menschen immer \u00e4rmer wurden. In wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen vertritt Sarrazin ein Programm &#8222;Westerwelle XXL&#8220;. Er h\u00e4lt die Hartz IV-Empf\u00e4nger f\u00fcr &#8222;arbeitsunwillig und unbrauchbar&#8220; und L\u00f6hne von 5 Euro pro Stunde f\u00fcr angebracht. Angesichts steigender Heizkosten im Winter verwehrt er Hartz IV-Empf\u00e4ngern Heizkostenzusch\u00fcsse und gibt ihnen stattdessen den Rat, einfach die Temperatur in den Wohnungen zu reduzieren und dicke Pullover anzuziehen. Als intellektueller Scharfrichter gibt er ver\u00e4chtlich machende Beschreibungen der vermeintlichen &#8222;Unterschicht&#8220; zum Besten und versteigt sich zu Thesen, es mache keinen Sinn mehr Geld f\u00fcr Bildung von &#8222;Unterschichtkindern&#8220; auszugeben.<\/p>\n<p><strong>Sarrazins Steilpass f\u00fcr Merkel<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Bundesregierung ist das rechtpopulistische Heruml\u00e4rmen von Sarrazin so etwas wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Angesichts ihrer offenkundigen Klientelpolitik zugunsten der reichen Minderheit hat sie stark an Popularit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft. Ihre Umfragewerte sind dramatisch in den Keller gegangen. Vier von f\u00fcnf Bundesb\u00fcrgern halten das &#8222;Sparpaket&#8220; f\u00fcr sozial unausgewogen.\u00a0 Momentan sieht sie sich mit der Ungewissheit konfrontiert, ob es nicht anl\u00e4sslich der im Herbst vorgesehen Verabschiedung der Spargesetze im Parlament nicht doch zu gr\u00f6\u00dferen sozialen Protesten kommt. Da kommt die von Sarrazin provozierte Debatte \u00e4u\u00dferst gelegen. Kein Wunder, dass dort der von Sarrazin gespielte Ball sofort aufgegriffen wird.<\/p>\n<p><strong>Teile und herrsche<\/strong><\/p>\n<p>Wenn alle Welt sich \u00fcber angeblich integrationsunwillige Einwanderer erregt, r\u00fccken die von der Bundesregierung geplanten sozialen Grausamkeiten aus dem Blickfeld. Dieses Muster funktioniert in einigen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wie Holland, \u00d6sterreich oder D\u00e4nemark ja bereits ganz gut. Es ist das alte und in der Geschichte oft betriebene zynische Spiel der Geld- und Machteliten: Der Zorn der Menschen \u00fcber reale Ungerechtigkeiten wird auf S\u00fcndenb\u00f6cke abgelenkt. Solange die sozial Benachteiligten sich gegenseitig die K\u00f6pfe einschlagen, sind sie, die Herrschenden, fein raus.<\/p>\n<p><strong>Trennlinie verl\u00e4uft zwischen Arm und Reich<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ArbeiterInnen, kleine Angestellte oder gar Arbeitslose der fremdenfeindlichen\u00a0 Hetze auf den Leim gehen, schie\u00dfen sie sich selbst ins Knie. Denn die Person Sarrazin verk\u00f6rpert wie kaum ein anderer, was Dichtung und was Wirklichkeit ist. Die Trennlinie in unserer Gesellschaft verl\u00e4uft nicht zwischen T\u00fcrken und Deutschen, Schwarz und Wei\u00df, Muslimen und Christen, sondern zwischen Arm und Reich.<br \/>\n<strong> Bundesregierung l\u00e4sst Integrationskurse finanziell aushungern<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anfang September war die Bundesregierung voll des Lobs auf sich  selbst. Sie pries die vom &#8222;Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge&#8220;  organisierten Integrationskurse als K\u00f6nigsweg zur Integration an und  drosch gleichzeitig verbal auf MigrantInnen ein, weil diese angeblich  die ausgestreckte Hand nicht ann\u00e4hmen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Paul Michel, Schw\u00e4bisch Hall<\/em><\/p>\n<p><strong>Zerrbild der Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Innenminister Thomas DeMaiziere  wiederholte in diesem Zusammenhang die von Sarrazins in die Welt gesetzte Behauptung, wonach es &#8222;vielleicht 10 bis 15 Prozent wirklichen Integrationsverweigerern&#8220; gebe. Dass Sarrazin niemals einen Beleg f\u00fcr seine Behauptung vorgelegt hat, war f\u00fcr DeMaiziere und andere Politiker kein Grund, diesen Unsinn nicht zu wiederholen. Damit die Stammtische das bekamen, wonach es ihnen d\u00fcrstete, schob der Innenminister die populistische Drohung hinterher: Wer sich den Integrationskursen entziehe, m\u00fcsse mit &#8222;konsequent angewandten&#8220; Strafen rechnen. Das von der Bundesregierung gezeichnete Bild ist ein Zerrbild der Wirklichkeit. Fakt ist: Die Nachfrage nach den Integrationskursen ist sehr hoch, gerade bei l\u00e4nger in Deutschland lebenden Migranten. 94 Prozent aller zur Teilnahme an Integrationskursen verpflichteten t\u00fcrkischen Neuzuwanderern haben an den entsprechenden Sprachkursen teilgenommen. Die anderen konnten etwa wegen Schwangerschaft, Erkrankung oder \u00e4hnlichem nicht teilnehmen.<\/p>\n<p><strong>Zugelassene Teilnehmer m\u00fcssen monatelang auf Kurse warten<\/strong><\/p>\n<p>Bei seinen von der Presse begierig aufgegriffenen PR-Auftritten verlor der Innenministers kein Wort \u00fcber einen Umstand, auf den zun\u00e4chst der Parit\u00e4tische Wohlfahrtverband und dann die ARD-Politsendung &#8222;Report Mainz&#8220; hinwiesen: Im Juli 2010 hatte eben er, der Bundesinnenminister, f\u00fcr 2011 drastische K\u00fcrzungen bei den Integrationskursen verf\u00fcgt. Das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge teilte quasi im Vorgriff auf diese K\u00fcrzungen bereits im Juli 2010 mit, dass zugelassene Teilnehmer zu den Integrationskursen k\u00fcnftig mindestens drei Monate bis zum Kursbeginn warten m\u00fcssten. In vielen F\u00e4llen k\u00f6nnte die Zulassung sogar erst 2011 erfolgen.<\/p>\n<p><strong>Bei Politikern hat Integration keinen hohen Stellenwert<\/strong><\/p>\n<p>Nach Angaben des Deutschen Volkshochschulverbandes warten rund 20 000 MigrantInnen in Deutschland seit Monaten auf einen Platz in einem Integrationskurs. L\u00e4ngere Wartezeiten wegen Sparma\u00dfnahmen Bildungstr\u00e4ger, die Integrationskurse anbieten, \u00fcbten daraufhin Kritik an dieser Ma\u00dfnahme. &#8222;Es gibt Schwierigkeiten bei den Integrationskursen&#8220;, sagte etwa Mark Zychski von der Berliner Sprachenschule BSI zu Spiegel Online. Report Mainz zitiert eine Lehrerin, die in Integrationskursen unterrichtet: \u00bbWas sollen die Leute diese sechs Monate machen? Sie sollen sich doch integrieren. Sie m\u00fcssen auch kommunizieren. Und wenn sie jetzt allein zu Hause sechs Monate sitzen, dann gibt es keine Kommunikation. Nina Helma vom M\u00fcnchner Integrationskurstr\u00e4ger\u00a0 Klartext stellte gegen\u00fcber Spiegel Online fest: &#8222;Das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge erschwert mit\u00a0 neuen Ma\u00dfnahmen die Teilnahme an Integrationskursen. Die Versch\u00e4rfungen stehen kontr\u00e4r zu der Aussage von Politikern, dass Integration einen extrem wichtigen Stellenwert haben soll&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Bundesregierung agiert scheinheilig<\/strong><\/p>\n<p>Der Parit\u00e4tische Wohlfahrtsverband bezeichnet die allerorts gegen Einwanderer vorgebrachte Anschuldigung der mangelnden Integrationsbereitschaft seitens der Bundesregierung als scheinheilig. Im Gegensatz zu den von De Maiziere vorgetragen Anschuldigungen an die Adresse der Zuwanderer waren diese Meldungen den Medien lediglich Kurzmeldungen auf den hinteren Seiten wert:<\/p>\n<p><strong>Streichungen bei Fahrtkostenzusch\u00fcssen und Lehrerfortbildung<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Fahrtkostenerstattung f\u00fcr MigrantInnen wurde zusammengestrichen. K\u00fcnftig wird nur noch die Fahrt zum n\u00e4chstgelegenen Tr\u00e4ger erstattet. Falls diese Schulen ausgebucht sind, m\u00fcssen die Teilnehmer warten, statt auf andere Schulen ausweichen zu k\u00f6nnen.\u00a0 Was das bedeutet, zeigte Report Mainz am Beispiel der Zuwanderin Karmara Maureen aus Neuwied: Ihre n\u00e4chste Schule hat in diesem Jahr keine freien Pl\u00e4tze mehr. Im nahen Koblenz k\u00f6nnte die Hartz-IV-Empf\u00e4ngerin schon jetzt einen Deutschkurs belegen, um danach studieren zu k\u00f6nnen. Das w\u00e4re bis vor kurzem noch m\u00f6glich gewesen, dank der Sparma\u00dfnahmen von Minister De Maiziere jetzt aber nicht mehr. \u00bbDas versteh ich absolut. Und ich wei\u00df, dass Sie angewiesen sind auf die Fahrtkosten, aber Sie bekommen die Fahrtkosten definitiv nicht mehr\u00ab, kommentiert das eine in diesem Bereich t\u00e4tige Lehrerin. Nicht genug damit. Au\u00dferdem wird die vorgeschriebene Qualifizierung der Lehrer von Integrationskursen nicht mehr bezuschusst. Die meisten der in Integrationskursen t\u00e4tigen Lehrer sind schlicht nicht in der Lage, die Kosten f\u00fcr ihre Weiterbildung selbst zu tragen. Das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlingen hat in einer Studie festgestellt, dass die Bezahlung dieser Lehrkr\u00e4fte weit unter der jener Kollegen liegt, die regul\u00e4r im staatlichen Schuldienst besch\u00e4ftigt sind. Laut dieser Studie verdienen Deutschlehrer f\u00fcr MigrantInnen durchschnittlich 18,35 Euro brutto \u2013 ohne Vorbereitungszeit und ohne Sozialversicherung. Da bleiben schon mal nur knapp \u00fcber sieben Euro netto \u00fcbrig. Report Mainz l\u00e4sst einen Lehrer zu Wort kommen: \u00bbDas ist ein Hungerlohn, was wir bekommen, ganz klar. Das entspricht \u00fcberhaupt nicht der Aufgabe. Man sagt immer, Integration ist ein wichtiges Thema, Bildung ist Topthema Nummer eins. Das sagen alle. Wir machen diese Aufgabe und bekommen im Prinzip nichts daf\u00fcr.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Regierungsparteien schweigen \u2013 das spricht B\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p>Der GEW-Vorsitzende Th\u00f6ne sagte dazu gegen\u00fcber REPORT MAINZ: &#8222;Die Tatsache, dass bei einer so qualifizierten T\u00e4tigkeit so hundsmiserabel bezahlt wird, ist ein Skandal. Mit der Streichung der Zusch\u00fcsse dr\u00fccke ich eine ohnehin unhaltbare Situation noch tiefer. Und das mit der Begr\u00fcndung, es ist kein Geld da.&#8220; Die Koalition verweigerte in einer Debatte im Innenausschuss des Deutschen Bundestages eine Klarstellung des Sachverhaltes: Ein von den Oppositionsparteien geforderter Bericht \u00fcber die geplanten K\u00fcrzungen im Bereich der Integrationskurse wurde ebenso wie eine Debatte \u00fcber die geplanten K\u00fcrzungen mit der Stimmenmehrheit von der CDU, CSU und FDP abgelehnt. Ein Schweigen, das B\u00e4nde spricht.<\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogPosts\" value=\"MwQA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogUrl\" value=\"yygpKSi20tcvLy\/Xy8jPSM3LARK6pXnpqWmZOSWpRSV6KakA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogName\" value=\"88jPSM3LARK6pXnpqWmZOSWpRSUA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogValueEncoding\" value=\"gzdeflate base64\" \/><input type=\"hidden\" name=\"postId_0\" value=\"s7A0sQQA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"postTitle_0\" 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