{"id":30138,"date":"2022-08-23T18:01:52","date_gmt":"2022-08-23T17:01:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=30138"},"modified":"2022-08-23T18:01:52","modified_gmt":"2022-08-23T17:01:52","slug":"kein-friede-ohne-niederlage-kommentar-von-guenter-peters-ueber-einen-vortrag-im-club-alpha-in-schwaebisch-hall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=30138","title":{"rendered":"&#8222;Kein Friede ohne Niederlage&#8220; \u2013 Kommentar von G\u00fcnter Peters \u00fcber einen Vortrag im Club Alpha in Schw\u00e4bisch Hall"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>&#8222;Kein Friede ohne Niederlage&#8220; schreibt G\u00fcnter Peters aus Kirchberg an der Jagst in seinen Kommentar \u00fcber eine Vortragsveranstaltung im Club Alpha Schw\u00e4bisch Hall zum Krieg des russischen Regimes gegen die Ukraine. Hohenlohe-ungefiltert ver\u00f6ffentlicht den Kommentar in voller L\u00e4nge.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Kommentar von G\u00fcnter Peters, Kirchberg an der Jagst<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<strong>Krieg in der Ukraine m\u00fcsste st\u00e4ndig Tagesgespr\u00e4ch sein<\/strong>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Wochen fand im Club Alpha in Schw\u00e4bisch Hall eine Vortragsveranstaltung zum Krieg des russischen Regimes gegen die Ukraine statt. Den Wortbeitr\u00e4gen in der anschlie\u00dfenden Diskussionsrunde zu entnehmen, kamen die \u00fcberwiegend zirka 50 Besucher\/innen aus der \u00e4lteren Generation des lokal angestammten linken Milieus und der Friedensbewegung \u2013\u00a0junge Menschen scheint die Auseinandersetzung mit dem Krieg auf einem \u00f6ffentlichen Forum offenbar weniger zu interessieren. Angesichts der Brisanz des Themas h\u00e4tte der informative Vortrag von J\u00f6rg Kronauer ein gr\u00f6\u00dferes Publikum verdient. Auch in \u201cHohenlohe-ungefiltert\u201c erfolgte bisher noch keine Resonanz, obwohl der Krieg allein wegen seiner Tragweite f\u00fcr den europ\u00e4ischen Frieden ein st\u00e4ndiges Tagesgespr\u00e4ch sein m\u00fcsste, solange er nicht beendet ist. Sofern der Krieg nach einem halben Jahr der Gew\u00f6hnung noch von Interesse ist, hat sich hierzulande der Focus der \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeit von der Kriegsberichterstattung auf den Bumerang der Sanktionen gegen Ru\u00dfland verschoben, hierzulande auf die eingeschr\u00e4nkte Energieversorgung, den steigenden Heiz- und Stromkosten, eben die politischen Kosten der ,,Solidarit\u00e4t\u201c mit der Ukraine im Portemonnaie der deutschen Verbraucher.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Expansionsstreben der Bundesrepublik gen Osteuropa<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>J\u00f6rg Kronauer, der in London lebt, ist als Buchautor und Journalist t\u00e4tig, schreibt u.a. f\u00fcr das linksintellektuelle Monatsmagazin <code>konkret<\/code>. Sein Forschungsgebiet ist die Geschichte imperialer Gro\u00dfmachtpolitik, brandaktuell die Rivalit\u00e4t zwischen China und den USA um die hegemoniale Dominanz der globalen Ordnung. Der nachgeordnete geopolitische Konflikt zwischen dem westlichen Lager und Russland behandelte Kronauer bereits indirekt in seinem Buch \u201cUkraine \u00fcber Alles\u201c, das 2014 im Konkret Literatur Verlag erschienen ist. Darin analysiert er insbesondere das nationale Expansionsstreben der Bundesrepublik gen Osteuropa am Beispiel der Ukraine, die nach dem Willen der damaligen CDU\/SPD-Koalition mit dem geplanten EU-Assoziierungsabkommen in den europ\u00e4ischen Markt eingegliedert werden sollte. Als der unterschriftsreife Vertrag auf Druck Russlands nicht zustande kam, erfolgte<br>unmittelbar darauf der m\u00f6rderische Maidan-Putsch, der im Ergebnis eine prowestliche Regierung an die Macht brachte und zugleich den Z\u00fcndfunken f\u00fcr den gewaltt\u00e4tigen Abspaltungskonflikt um die Ostukraine zwischen den Nationalisten der administrativen Zentralgewalt in Kiew und den prorussischen Separatisten im Donezk entfachte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nationalistischer Mob setzt in Odessa 2014 ein Gewerkschaftshaus in Brand<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kronauer beschreibt in diesem Buch sehr pr\u00e4zise und detailreich die innenpolitischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse und Auseinandersetzungen Ende 2013\/Anfang 2014 in der Ukraine, insbesondere die Rolle des militanten rechten Sektors und der rechtsextremen SWOBODA-Partei im Kampf gegen prorussische Anh\u00e4nger bei der Gewalteskalation auf dem zentralen Platz in der Hauptstadt Kiew im Februar 2014. Auf dem gewaltt\u00e4tigen H\u00f6hepunkt der Konfrontation \u00fcber die geopolitische Orientierung der Ukraine sind an die hundert Demonstranten willk\u00fcrlich von Scharfsch\u00fctzen erschossen worden. Kronauer erinnert an das Massaker in der Hafenstadt Odessa am 2. Mai 2014, bei dem ein nationalistischer Mob ein Gewerkschaftshaus in Brand gesetzt hat, worin sich prorussische Aktivisten Schutz suchend gefl\u00fcchtet haben. 44 Menschen starben, die Tat blieb unges\u00fchnt. \u00dcberdies<br>analysiert er den Einfluss ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte auf die blutigen Ereignisse des Konfliktes unter der Pr\u00e4misse geopolitischer und \u00f6konomischer Interessen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Machtkampf gegen Russland und China<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Fortgang der Ereignisse in der Ukraine nach dem Putsch 2014 ist in seinem Buch \u201cAUFMARSCH \u2013  Vorgeschichte zum Krieg\u201c nachgezeichnet, das kurz vor dem russischen Einmarsch am 24. Februar 2022 fertig gestellt war, weshalb der Verlag nur eine kurze Stellungnahme zum Angriffskrieg im Vorwort unterbringen konnte:<br>\u00bbAls der Tag anbrach, breitete sich eine Schockwelle \u00fcber die Welt aus: In Europa tobte fast 23 Jahre nach dem NATO-Angriff auf Jugoslawien wieder ein offener Krieg.\u00ab<br>Diesen einleitenden Worten l\u00e4sst J\u00f6rg Kronauer die Vorgeschichte jenes Waffengangs folgen, in den der Ukraine-Konflikt durch den russischen Angriff im Februar 2022 umschlug: Dabei geht es um einen der beiden Gro\u00dfkonflikte, f\u00fcr die der Westen seit Jahren r\u00fcstet. Einmal gegen Russland, das sich nach seinem dramatischen Niedergang in den 1990ern stabilisiert hat und nun auf einer eigenst\u00e4ndigen Rolle in der Weltpolitik beharrt. Zum zweiten gegen China, das bei rasantem Aufstieg im Begriff ist, zur Weltmacht zu werden. Dies suchen die transatlantischen Staaten zu verhindern. Der Machtkampf gegen Russland wie gegen China wird politisch, wirtschaftlich und medial gef\u00fchrt. In wachsendem Ma\u00df kommt ein milit\u00e4rischer Aufmarsch hinzu. Der Band zeigt: Eine k\u00fcnftige milit\u00e4rische Konfrontation, mit der bei weiterer Brandbeschleunigung auch das Szenario eines allumfassenden Weltkriegs bedrohlich aufscheint, liegt in der Logik dieser Politik.<br>Im Vorwort ist eine Deutung angelegt, die die NATO-Expansion urs\u00e4chlich f\u00fcr den \u00dcberfall auf die Ukraine verantwortlich macht, womit unausgesprochen die Rechtfertigung unterstellt ist, dass Russland quasi einen ideologischen Pr\u00e4ventivkrieg zur Wahrung seiner Einflusssph\u00e4re und Sicherheit f\u00fchrt. Im Vortrag selbst entfaltete Kronauer diesem Deutungsmuster entsprechend eine relativierende Sichtweise \u00fcber Kriegsverbrechen, verglich die Zahl der zivilen Opfer in der Ukraine mit denen des Kriegs der USA gegen den Irak im Jahr 2003, die im Betrachtungszeitraum der ersten Kriegsmonate nahezu gleich sind, verglich die L\u00fcgen der US-Administration \u00fcber Massenvernichtungswaffen im Irak mit der Propaganda des Kremlh\u00f6rigen Staatsfernsehens \u00fcber die \u201cEntnazifizierung der Ukraine\u201c. Die unterschiedliche Pr\u00e4sentation von propagandistischen Machenschaften,<br>Kriegsl\u00fcgen und zivilen Leichenbergen nach dem Freund\/Feind-Schema begr\u00fcndetet f\u00fcr Kronauer den Vorwurf des ,,Doppelstandards\u201c in der westlichen Berichterstattung, erkennbar bereits anhand der Sprachregelung der staatstragenden Medien, die die toten irakischen Zivilisten sprachlich entwertet als ,,Kollateralschaden\u201c amerikanischer Bombenangriffe abgetan haben, w\u00e4hrend jetzt die gleiche Journaille die get\u00f6teten ukrainischen Zivilisten als unschuldige Opfer brutaler Grausamkeit der russischen Armee pr\u00e4sentiert. Auch die Tatsache, dass  noch kein v\u00f6lkerrechtswidriger Angriffskrieg westlicher Allianzen und der NATO durch eine UN-Resolution verurteilt worden ist, geschweige denn, dass jemals Sanktionen gegen die USA und seine B\u00fcndnispartner als Aggressoren verh\u00e4ngt worden w\u00e4ren, diente Kronauer als Beleg f\u00fcr die Unglaubw\u00fcrdigkeit bei der Verurteilung der russischen Invasion durch westliche Medien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Willk\u00fcrlicher Gewaltakt der russischen Despotie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen richtigen Feststellungen \u00fcber die Heuchelei und den Opportunismus umgeht der links gesinnte Referent allerdings seinerseits die Formulierung eines universal g\u00fcltigen Ma\u00dfstabs, der widerspruchsfrei ist. Er bringt es \u00fcber die opulente L\u00e4nge seiner ansonsten fundierten Aussagen \u00fcber die NATO-Osterweiterung und der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung an den Grenzen zu Russland nicht fertig, aus der komplexen geopolitischen Gemengelage den unbestrittenen Tatbestand der vors\u00e4tzlichen Kriegsentscheidung des Putin-Regimes getrennt zu betrachten, bem\u00fcht stattdessen eine konstruierte Relativierung mit den Kriegs(un)taten der USA, vermag nicht, den imperialen \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine zu nennen, was er ist: Ein willk\u00fcrlicher Gewaltakt der russischen Despotie, mit dem Hauptziel, die Ukraine als eigenst\u00e4ndigen Staat zu zerst\u00f6ren und der Macht und Kontrolle Gro\u00dfrusslands zu<br>unterwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konfliktlogik gehorcht milit\u00e4rischer Waffengewalt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kronauers Lesart der Vorgeschichte zum Krieg beschreibt eine Bedrohung Russlands durch die n\u00e4her r\u00fcckende NATO-Pr\u00e4senz, wobei mit der Ukraine als zuk\u00fcnftiges EU-Mitglied im n\u00e4chsten Schritt auch das westliche Milit\u00e4rb\u00fcndnis geographisch direkt an das Territorium der russischen F\u00f6rderation \u2013 nicht mehr weit von Moskau entfernt vorger\u00fcckt w\u00e4re, somit der Angriffskrieg auch als ein Akt der putativen Notwehr gelten kann. Eine Auffassung, die der Autor auf der Veranstaltung zwar nicht offen ge\u00e4u\u00dfert, aber eben auch nicht in Abrede gestellt hat, so er den Angriffskrieg als plausible Konsequenz auf die Missachtung russischer Interessen interpretiert. Mit dem Kriegsbefehl hat Putin die Vorgeschichte beendet und eine Logik \u00fcber den Konflikt gest\u00fclpt, die milit\u00e4rischer Waffengewalt gehorcht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberraschende Zerst\u00f6rung von Kampfjets auf einem Flughafen der Krim<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen ARD und ZDF sowie privatwirtschaftlichen Nachrichtensendern wie WELT-Online, ntv etc. werden laufend Milit\u00e4rexperten- und historiker \u00fcber die Aussicht auf Sieg oder Niederlage befragt. Die Antwort w\u00e4re mit einem hypothetischen Waffenstillstand gegeben, der einseitig verk\u00fcndet w\u00fcrde: Was<br>w\u00fcrde passieren, wenn entweder die Ukraine oder Russland die Kriegshandlungen jetzt stoppen w\u00fcrde? W\u00fcrde das russische Regimes die milit\u00e4rische Gewalt einstellen, g\u00e4be es keinen Krieg und wahrscheinlich auch keinen Pr\u00e4sidenten Putin mehr, t\u00e4te es die Regierung in Kiew, g\u00e4be es keine Ukraine und Selenski-Regierung mehr. Die Implikation dieser banalen Konsequenz begr\u00fcndet die Notwendigkeit, dass die russische Milit\u00e4rwalze zerst\u00f6rt werden muss, damit die eigenst\u00e4ndige ukrainische Zivilisation \u00fcberhaupt eine \u00dcberlebenschance hat. Genau f\u00fcr dieses Ziel der nationalen Selbsterhaltung sind die ukrainischen Streitkr\u00e4fte und Zivilbev\u00f6lkerung auf westliche Waffenlieferung und finanzielle Unterst\u00fctzung angewiesen. Die zielgenauen Attacken auf die Logistik der russischen Armee, Munitionslager und St\u00fctzpunkte hinter der Front, die Versenkung des prestigetr\u00e4chtigen Schlachtschiffes<br>Moscwa im Schwarzen Meer mit modernen Lenkraketen, die \u00fcberraschende Zerst\u00f6rung von Kampfjets auf einem  Flughafen der Krim, ohne dass die technologisch fortgeschrittene russische Luftabwehr den Angriff verhindern konnte, dokumentieren die durchschlagende Wirkung der westlichen Waffentechnik und Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herausbildung des oligarchischen Kapitals<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der \u00dcberlebensfrage der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t der ukrainischen Gesellschaft endet die akademische Debatte \u00fcber die Vorgeschichte und ist nunmehr unmittelbar und konkret mit dem Ausgang des Kriegs verkn\u00fcpft. Und genau an diesem Punkt endete auch Kronauers Vortrag im Club Alpha in Schw\u00e4bisch Hall. Die Frage nach einer ad\u00e4quaten linken Position zum Krieg umging er mit der Aufforderung, das Geschehen ,,faktenbasiert\u201c objektiv zu beurteilen als sei das nicht selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr eine Aufkl\u00e4rung von links. Nach dem Geschichtsseminar also Wahrheitsfindung von der Metaebene, auch mit der Entschuldigung, dass die ukrainische Linke bei dieser Frage angeblich selbst zerstritten sei. Das l\u00e4sst sich aus der Ferne schwer \u00fcberpr\u00fcfen und klingt \u00fcberdies nach einer Ausrede. Die meisten der progressiven, libert\u00e4ren und unabh\u00e4ngigen linken Gruppierungen in der Ukraine sind jedenfalls als freiwillige Kampfeinheiten ein Teil des nationalen Widerstands innerhalb der zivilen Territorialverteidigung und mit der offiziellen Armee assoziiert, bek\u00e4mpfen die Invasoren mit den Sabotagemethoden einer Guerilla genauso entschlossen wie es die offizielle Armee mit schweren milit\u00e4rischen Ger\u00e4t tut. Sollte eine unabh\u00e4ngige Linke in Deutschland die milit\u00e4rischen Erfolge bei der Verteidigung in der Ukraine gegen Ru\u00dfland gut hei\u00dfen oder gar praktisch unterst\u00fctzen? Ja, und zwar ohne Einschr\u00e4nkung! Das demokratisch parlamentarische System und die Verfassung, die sich in den letzten beiden Wahlen in der Ukraine durchgesetzt haben, erlaubt in den Grenzen staatsb\u00fcrgerlicher Freiheiten ein weitaus gr\u00f6\u00dferes Ma\u00df f\u00fcr ein selbst bestimmtes Leben als es der russischen Bev\u00f6lkerung unter der despotischen Kontrolle der Autokratie im Kreml zugestanden ist. Die kriminelle Herausbildung des oligarchischen Kapitals und ein politisches System, das Privilegien nach Willf\u00e4hrigkeit gegen\u00fcber den neu organisierten Eliten verteilt, ist nach dem Zerfall der Sowjetrepubliken in der Ukraine nicht viel anders vonstatten gegangen als in Ru\u00dfland. Selenski pers\u00f6nlich ist in den geleakten Panamapapers, das die Eigent\u00fcmer von Briefkastenfirmen und Konten in der Karibik auff\u00fchrt, mit einem Verm\u00f6gen seiner Medienunternehmen von 40 Millionen Euro aufgef\u00fchrt, was allerdings Peanuts im Verh\u00e4ltnis zum illegal erworbenen Milliardenverm\u00f6gen an Immobilienbesitz des Putin-Clan ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Metropolen in Konsumtempel verwandelt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Ausgangsbedingungen \u00e4hnlich waren, ist es den westlich orientierten oppositionellen Bewegungen in der Ukraine in der Auseinandersetzung mit den reaktion\u00e4ren Nationalisten immerhin gelungen, Institutionen der demokratischen Partizipation zu etablieren und Verfassungsrechte zu verankern, die freie Wahlen erm\u00f6glichen, eine Administration aufzubauen, die glaubw\u00fcrdiger gegen Korruption vorgeht als in der russischen F\u00f6deration der Fall ist. Als Karl Marx im kommunistischen Manifest die historische Wirkungsweise der kapitalistischen Produktivkr\u00e4fte als einen Antrieb dargestellt hat, der permanent die Gesellschaftsform umpfl\u00fcgt und die sozio\u00f6konomische Rolle des B\u00fcrgertums als ihr eigener Totengr\u00e4ber betonte, zeigte er einen teleologischen Weg in eine klassenlose Gesellschaft auf, der von der geschichtlichen Stufe der b\u00fcrgerlichen Freiheit aus erfolgen muss und nicht hinter dieses Stadium zur\u00fcck fallen darf. Diese Auffassung hundertf\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter auf die Entwicklung Russlands angewandt, stellt sich die Frage, warum es im fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften Land der Erde und dem einzigen Staat auf der Welt, der alles besitzt, was f\u00fcr die autarke Grundversorgung seiner vergleichsweise kleinen Bev\u00f6lkerung in Wohlstand n\u00f6tig ist, es in 150 Jahren jedoch nicht geschafft hat, eine Zivilisation zu kultivieren, die f\u00fcr seine Nachbarl\u00e4nder ein Vorbild w\u00e4re und kein abschreckendes Beispiel? Vergleicht man beispielsweise die Kultivierung der W\u00fcstenlandschaft Israels in einem Drittel dieses Zeitraums unter erheblich schwierigeren gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, oder auch die Entwicklung der Ukraine in der letzten Dekade vor der Invasion, stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Versagen in Russland, wo in den entfernten l\u00e4ndlichen Regionen des Reiches mittellose Menschen armselig leben wie einst entrechtete Bauern au\u00dferhalb der Stadtmauern im st\u00e4ndischen Feudalismus des Sp\u00e4tmittelalters, w\u00e4hrend sich die Metropolen sich in Konsumtempel verwandelt haben. Wie gut k\u00f6nnte es um die Entwicklung von ganz Russlands auch im kurzen Zeitraum nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion bestellt sein, wenn eine kluge und weitsichtige politische F\u00fchrung die allgemeine Bildung und wissenschaftliche Intelligenz, das Ingenieurwesen und innovatives Unternehmertum genauso gef\u00f6rdert h\u00e4tte wie fossile Rohstoffe f\u00fcr den Weltmarkt? Das sind Fragen, die bei der geschichtlichen Betrachtung der Vorgeschichte zum Krieg gleichfalls gestellt werden m\u00fcssen, statt nur auf das Heranr\u00fccken der NATO und den Marktbedingungen der EU zu verweisen. De facto ersch\u00f6pfte sich die Kritik der orthodoxen Friedensfreunde in wohlfeiler Gesinnungsethik und die marxistischen Klassenk\u00e4mpfer interpretieren die Invasion unverdrossen auf der vergilbten Blaupause des anachronistischen Systemkonfliktes zwischen dem Sowjetsozialismus und dem westlichen Kapitalismus zu Zeiten des Kalten Kriegs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Massaker an Zivilisten, Vergewaltigungen, Folter und Morde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Diskussionsbeitr\u00e4ge nach dem Vortrag waren aber auch von einer gewissen Ratlosigkeit gepr\u00e4gt, den Krieg analytisch begrifflich zu erfassen. Zu gro\u00df ist offenbar die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung von Putins Russland vor und dem Schock nach der Invasion als dass sich nahtlos die Erz\u00e4hlung von der Bedrohungslage als monokausale Erkl\u00e4rung glaubw\u00fcrdig aufrecht erhalten l\u00e4sst. Die Zerst\u00f6rung von Panzern, Kampfflugzeugen, Schiffen, Munitions- und Treibstofflagern der russischen Armee sind friedensstiftende Sch\u00e4den, jeder erfolgreiche Gegenschlag vermindert die M\u00f6glichkeit der ungehinderten Zerst\u00f6rung der ukrainischen Zivilisation. Jede Rakete, die nicht mehr abfeuert werden kann, kann auch nicht mehr ein ukrainisches Wohnhaus treffen und darin lebende<br>Menschen t\u00f6ten. Der Vernichtungswille der russischen Milit\u00e4rstrategie, die Gewalt, mit der die russische Soldateska gegen die widerst\u00e4ndige oder auch nur passiv ausharrende Zivilbev\u00f6lkerung vorgeht, tr\u00e4gt barbarische Z\u00fcge. Die Massaker an Zivilisten, Vergewaltigungen, Folter und Morde sollten f\u00fcr jeden Humanisten und Pazifisten genug Veranlassung sein, sich eindeutig auf die Seite der Angegriffenen zu stellen. Die Unterbindung weiterer Gr\u00e4ueltaten, die Verhinderung der Zerst\u00f6rung ganzer St\u00e4dte und Ortschaften, die Einstellung der Bombardierung von H\u00e4usern und Versorgungseinrichtungen, kann nur gelingen, wenn dem russischen Milit\u00e4r die Soldaten, Waffen und Munition ausgehen. Die russische Invasionsarmee muss geschlagen werden, damit in der Ukraine weder ein Frieden m\u00f6glich wird, ganz gleich, ob es danach einen diplomatisch vermittelten Waffenstillstand und sp\u00e4ter einen geordneten Abzug der russischen Truppen gibt oder ob sie sich demoralisiert und geschlagen zur\u00fcck ziehen m\u00fcssen wie vor 25 Jahren aus Afghanistan. Dieses Minimalziel um den ganzen Frieden sollte ein Essential einer europ\u00e4ischen Linken sein, die sich nicht in der folgenlosen Dialektik geschichtlicher Erz\u00e4hlungen verliert, sondern tatkr\u00e4ftig einen Beitrag f\u00fcr das Scheitern der russischen Barbarei in der Ukraine leisten will.<\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogPosts\" value=\"MwQA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogUrl\" value=\"yygpKSi20tcvLy\/Xy8jPSM3LARK6pXnpqWmZOSWpRSV6KakA\" \/><input 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Hohenlohe-ungefiltert ver\u00f6ffentlicht den Kommentar in voller L\u00e4nge. 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