{"id":23954,"date":"2018-09-04T20:21:16","date_gmt":"2018-09-04T19:21:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=23954"},"modified":"2018-09-04T20:25:43","modified_gmt":"2018-09-04T19:25:43","slug":"gescheiterte-globalisierung-hintergrundbericht-von-paul-steinhardt-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=23954","title":{"rendered":"&#8222;Gescheiterte Globalisierung&#8220; \u2013 Hintergrundbericht von Paul Steinhardt (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bei der Diskussion zu dem Vortrag &#8222;Gescheiterte Globalisierung&#8220; vor Kurzem in Schw\u00e4bisch Hall \u00fcber deutsche Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse wurde sehr kontrovers diskutiert.\u00a0Das hat den Referenten Paul Steinhardt dazu bewogen, noch einmal eine ausf\u00fchrliche Erkl\u00e4rung nachzuschieben. Hohenlohe-ungefiltert ver\u00f6ffentlicht den vollst\u00e4ndigen Text in zwei Teilen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Hintergrundbericht von\u00a0Paul Steinhardt (Teil 1)<\/em><\/p>\n<p><strong>Teil 1:\u00a0<\/strong><strong>Kritische Analysen zu\u00a0Politik und Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Herausgeber: Heiner Flassbeck &amp; Paul Steinhardt \u2013\u00a0Handelsungleichgewichte \u2013 Wie erkl\u00e4rt man\u00a0das Problem? (Teil 1) von Paul Steinhardt | 7. August 2018<\/p>\n<p><strong>Erste Station Schw\u00e4bisch Hall<\/strong><\/p>\n<p>Viele unserer Leser berichten uns regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber ihre Schwierigkeiten, unsere wirtschaftspolitischen Kernaussagen in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis verst\u00e4ndlich zu vermitteln. Wie schwer das ist, musste auch ich anl\u00e4sslich einer Vorstellung unserer \u201eGescheiterten Globalisierung erfahren.\u00a0Erste Station unserer Buchvorstellungstournee war die zirka 40.000 Einwohner gro\u00dfe Stadt Schw\u00e4bisch Hall. Warum wir unser Buch in einer Kleinstadt vorstellten? Nein, nicht etwa, weil die dort ans\u00e4ssige Bausparkasse uns dorthin mit einem pekuni\u00e4ren Angebot gelockt hatte, dem wir nicht widerstehen konnten. Und auch nicht, weil die Stadt durch eine \u00e4u\u00dferst pittoreske mittelalterliche Altstadt zu gefallen wei\u00df, f\u00fcr Kunstfreunde es in der Kunsthalle W\u00fcrth viel zu sehen gibt und auf den 54 Stufen der Stadtkirche St. Michael allj\u00e4hrlich seit 1925 eindrucksvolle Theaterinszenierungen zur Auff\u00fchrung gebracht werden.<\/p>\n<p><strong>Krachend voll<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSentimentalit\u00e4t\u201c hei\u00dft die Antwort. Als geb\u00fcrtiger \u201eHaller\u201c hat mich vermutlich der Gedanke an das Gleichnis von der R\u00fcckkehr des verlorenen Sohnes dazu bewogen, der dortigen Attac-Gruppe einen Vortrag zu unserer \u201eGescheiterten Globalisierung\u201c anzubieten. Und immerhin fanden zur Veranstaltung, zu der auch die dortige Volkshochschule und das Evangelische Bildungswerk geladen hatte, bei br\u00fctender Hitze in einem mit zun\u00e4chst vierzig Pl\u00e4tzen bestuhlten Raum \u00fcber 80 Interessierte Platz und war damit krachend voll. Von einem krachenden Erfolg unseres Auftrittes zu reden, w\u00e4re dagegen allerdings etwas \u00fcbertrieben.<\/p>\n<p><strong>Vermittlungsh\u00fcrden<\/strong><\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend unserer Pr\u00e4sentation beschlich mich das ungute Gef\u00fchl, dass die Konzeption unseres Vortrags auf allzu optimistisch eingesch\u00e4tzten Vorkenntnisse vieler unserer Zuh\u00f6rer basierte. Diese Einsch\u00e4tzung wurde durch die an die Vortr\u00e4ge anschlie\u00dfende Diskussion und einen recht ausf\u00fchrlichen Bericht des dort viel gelesenen \u201eHaller Tagblatts\u201c best\u00e4tigt.\u00a0Dieser Artikel war \u00fcberdies Zeugnis davon, wie erfolgreich die neoliberale \u00d6konomenzunft und ihre publizistischen Sprachrohre ihre Botschaften als Wahrheiten im Glaubenssystem der meisten Menschen zu verankern wussten. Und vor allem davon, wie ein solches Glaubenssystem ein Bollwerk gegen ein Verst\u00e4ndnis elementarer makro\u00f6konomischer Zusammenh\u00e4nge darstellt.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6hne in Deutschland zu niedrig<\/strong><\/p>\n<p>Wer so programmiert wurde, h\u00f6rt wohl zwar Dinge wie, dass eine funktionierende Marktwirtschaft der Verschuldungsbereitschaft von Unternehmen und\/oder des Staates bedarf, dass auf die Verschuldung des Auslands zu setzen, die Handelspartner sch\u00e4digt und langfristig kaum gut gehen kann, dass die L\u00f6hne in Deutschland zu niedrig sind, dass Haushaltsdefizite unter gegenw\u00e4rtigen Bedingungen als positiv zu bewerten sind etc.pp. Beim entsprechend epistemisch konditionierten H\u00f6rer scheinen solche Thesen so starke negative Gef\u00fchle zu verursachen, dass es ihm unm\u00f6glich ist, den Erkl\u00e4rungen, die f\u00fcr diese Behauptungen vorgebracht werden, auch nur im Ansatz zu verstehen.<br \/>\nWird einem dann noch von einem echten Volkswirtschaftsprofessor wie Clemens Fuest best\u00e4tigt, es gebe nicht die einfachen Zusammenh\u00e4nge, wie sie von Flassbeck behauptet werden, dann hat man sich erfolgreich einer kognitiven Dissonanz entledigt. Das ist zwar emotional entlastend, aber leider hindert es einen daran, etwas \u00fcber die Funktionsweise real existierender Marktwirtschaften zu lernen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber einfache Antworten und einfache Fragen<\/strong><\/p>\n<p>In der Diskussion mit den Zuh\u00f6rern und auch in dem oben genannten Artikel wurde deutlich, dass man recht einfache makro\u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge als wohl f\u00fcr viel zu einfach erachtet. So einfach kann einfach alles nicht sein! Die offensichtlichen Divergenzen der wirtschaftlichen Entwicklung von Deutschland und Italien z.B. auf deren divergierenden Inflationsraten zur\u00fcckf\u00fchren? Als L\u00f6sung eine Erh\u00f6hung der L\u00f6hne in Deutschland vorschlagen? Viel zu einfach! Und vor allem so offensichtlich falsch! H\u00f6here L\u00f6hne, wo doch die Globalisierung uns dazu zwingt Ma\u00df zu halten! Deutschland war doch der kranke Mann Europas, weil L\u00f6hne, vor allem die Lohnnebenkosten, viel zu hoch waren. Die Italiener m\u00fcssen sich halt so wie wir anstrengen. Von nichts kommt halt nichts!<\/p>\n<p><strong>Nachfragen w\u00e4re besser gewesen<\/strong><\/p>\n<p>Anstatt der so gezeigten Emp\u00f6rung \u00fcber unsere Ausf\u00fchrungen w\u00e4re an dieser Stelle freilich fragen und nachfragen sehr viel besser gewesen. Fragen wir also: Warum setzt sich eine Zentralbank, wie z.B. die EZB, sich ein positives Inflationsziel?\u00a0Wie kann eine Zentralbank die Inflationsrate steuern?\u00a0Wenn eine Zentralbank, wie Sie behaupten, die Inflationsrate nur begrenzt zu steuern in der\u00a0Lage ist, was bestimmt dann die Inflationsentwicklung?\u00a0Wie k\u00f6nnen Sie behaupten, dass in einem Hochlohnland wie Deutschland, die L\u00f6hne zu niedrig sind?\u00a0Warum f\u00fchren Lohnst\u00fcckkostendivergenzen zwischen untereinander handelnden L\u00e4ndern zu wirtschaftlichen Verwerfungen?\u00a0K\u00f6nnen nicht doch alle L\u00e4nder wie Deutschland ihre Wirtschaft ankurbeln, indem sie ebenfalls wettbewerbsf\u00e4higer werden?\u00a0Warum sollte der Staat gezwungen sein, mehr auszugeben, als er einnimmt, sich also verschulden?<\/p>\n<p><strong>Geduld und Neugierde<\/strong><\/p>\n<p>Im Folgenden m\u00f6chte ich versuchen, diese Fragen, ohne allzu viel Vorwissen vorauszusetzen, zu beantworten. Ohne etwas Geduld und Bereitschaft ihrer Freunde und Bekannten Neues zu lernen und nat\u00fcrlich auch meiner Haller, wird es wohl trotzdem ein hoffnungsloses Unterfangen bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Geld- nicht Tauschwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Um die folgenden \u2013\u00a0leider nicht immer so ganz einfachen \u2013\u00a0Antworten auf all diese Fragen verstehen zu k\u00f6nnen, muss man sich zun\u00e4chst einmal von der Vorstellung freimachen, dass eine Marktwirtschaft als eine Tauschwirtschaft konzeptualisiert werden kann (ausf\u00fchrlich belege ich das in meinem Buch &#8222;Was ist eigentlich eine Marktwirtschaft?&#8220;). Anders gesagt, eine Marktwirtschaft ist kein Wirtschaftssystem, das auf der Basis eines einfachen Tauschs von G\u00fctern zwischen Dir und mir verstanden werden kann. In einer real existierenden Marktwirtschaft tauscht z.B. ein Fischer mit einem B\u00e4cker keine Fische gegen Brot und wird das Austauschverh\u00e4ltnis auch nicht durch subjektive Nutzenempfindungen bestimmt. Obsolet ist damit auch der Geldbegriff, der den meisten wirtschaftsliberalen Theorien zugrunde liegt. Geld ist nicht im Prinzip eine Ware, wie jede andere, die sich allein durch ihre besondere Marktg\u00e4ngigkeit von allen anderen Waren unterscheidet. Damit aber hat sich auch die Vorstellung eines Kapitalmarkts, auf dem Anbieter und Nachfrager dieser Ware in Ab- h\u00e4ngigkeit vom Zinssatz Geld heute gegen Geld sp\u00e4ter tauschen als nicht haltbar erwiesen.\u00a0Geld hat keinen intrinsischen Wert und ist auch kein Repr\u00e4sentant des Wertes von irgendwelchen Warenk\u00f6rben. \u201eGeld\u201c ist zun\u00e4chst ein Begriff, der eine Recheneinheit bezeichnet, die es erlaubt, Waren zu bewerten. So z. B. ein St\u00fcck Butter, das bei meinem Supermarkt mit einem Preis von 1,85 Euro\u00a0bewertet, oder wie man in diesem Zusammenhang eher sagt, ausgezeichnet wird. Will ich Butter kaufen, dann jedenfalls muss ich daf\u00fcr diesen Preis bezahlen. Die Bezahlung erfolgt z.B. durch die \u00dcbergabe von M\u00fcnzen, die in der Summe sich auf diesen Betrag belaufen. Der Begriff Geld bezieht sich in diesem Fall also auf ein Zahlungsmittel, das es erlaubt, Zahlungsverpflichtungen, die sich aus einem Kaufvertrag ergeben, schuldbefreiend zu begleichen. Um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden, werde ich nur dann von \u201eGeld\u201c reden, wenn ich ihre zweite Verwendungsweise im Sinn habe. Im ersten Fall dagegen werden ich von \u201eW\u00e4hrung\u201c reden. G\u00fcter werden also mit einer W\u00e4hrung bewertet und solche G\u00fcter werden mit einem Zahlungsmittel bezahlt, das in dieser W\u00e4hrung denominiert ist. Geld, so kann man im Anschluss an Georg-Friedrich Knapp zusammenfassend festhalten, ist die Dokumentation des Anspruches Geldschulden zu begleichen (ausf\u00fchrlich habe ich das in meiner Geldserie erl\u00e4utert, hier der erste Teil).<\/p>\n<p><strong>Handelsungleichgewichte \u2013 Wie erkl\u00e4rt man das Problem?<\/strong><\/p>\n<p>Neben der Tatsache, dass wir G\u00fcter, die wir uns w\u00fcnschen oder derer wir bed\u00fcrfen, nicht \u00fcber Tauschgesch\u00e4fte in unseren Besitz gelangen, ist von ebenfalls gro\u00dfer Bedeutung, dass weder \u201eDu\u201c noch \u201eich\u201c diese G\u00fcter in der Regel selbst herstellen. Kennzeichnend f\u00fcr eine Marktwirtschaft ist, dass die Produktion der \u00fcberwiegenden Mehrheit dieser G\u00fcter durch Unternehmen erfolgt. Unternehmen sind Organisationen, deren Ziel es ist, mit der Herstellung von G\u00fctern einen monet\u00e4ren Gewinn zu erzielen. Ihr Ziel ist es also, dass der in W\u00e4hrung bewertete und f\u00fcr die Produktion notwendige Input kleiner ist als der des Outputs, also der zum Verkauf angebotenen Waren. Und Unternehmen k\u00f6nnen dieses Ziel nur dann erreichen, wenn sie diese Waren auch erfolgreich zu einem entsprechend hohen Preis verkaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6hne und Gewinne<\/strong><\/p>\n<p>Typisch f\u00fcr eine Marktwirtschaft ist also damit, dass wer \u00fcber bestimmte G\u00fcter, die durch ein Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht produziert werden, verf\u00fcgen will, zun\u00e4chst einmal das daf\u00fcr notwendige Einkommen erwerben muss. Von besonderer Bedeutung f\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis der Marktwirtschaft ist, dass Einkommen in Form von L\u00f6hnen und Einkommen und in Form von Gewinnen erworben werden k\u00f6nnen.<br \/>\nF\u00fcr ein Wirtschaftssystem, das durch diese Charakteristika gekennzeichnet ist, gelten, wie der bedeutende deutsche \u00d6konom Wolfgang St\u00fctzel richtig festgehalten hat, \u00bbneben Zusammenh\u00e4ngen, die vom menschlichen Verhalten abh\u00e4ngen\u00ab, auch solche, die selbst \u00bbdann unver\u00e4ndert bestehen bleiben w\u00fcrden, wenn die Menschen sich noch so ungew\u00f6hnlich verhielten\u00ab (das ganze Buch von St\u00fctzel aus dem das Zitat stammt, ist Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr jeden, der tiefer in die Materie einsteigen m\u00f6chte).<\/p>\n<p><strong>Warum Einkommen sinken<\/strong><\/p>\n<p>Ein solcher, geradezu trivialer Zusammenhang ist, dass in einer Marktwirtschaft die Gesamtheit aller Einnahmen niemals h\u00f6her sein kann als die Gesamtheit aller Ausgaben. Daraus aber folgt logisch zwingend, dass wenn in einer bestimmten Periode insgesamt weniger ausgegeben als eingenommen wurde, die Summe der Einkommen der folgenden Periode sinken muss.<\/p>\n<p><strong>Bruttoinlandsprodukt<\/strong><\/p>\n<p>Das Bruttoinlandsprodukt ist die Summe der Ausgaben f\u00fcr Konsum- und Investitionsg\u00fcter. Die Ausgaben k\u00f6nnen von (1) privaten Haushalten, (2) Unternehmen und (3) dem Staat get\u00e4tigt werden, wobei diese Akteure sich im In-oder Ausland befinden k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen daher vier Sektoren einer bestimmten Volkswirtschaft unterscheiden: Die inl\u00e4ndischen Haushalte, die inl\u00e4ndischen Unternehmen, den Staat und das gesamte Ausland. W\u00e4hrend der Verkauf von G\u00fctern an Ausl\u00e4nder das BIP er- h\u00f6ht, verringert der Kauf von ausl\u00e4ndischen G\u00fctern durch Einheimische das BIP. Zusammenfassend gilt f\u00fcr eine Geldwirtschaft also der folgende Zusammenhang:<br \/>\nBruttoinlandsprodukt = (inl\u00e4ndischer) Konsum + (inl\u00e4ndische) Investitionen + (Exporte \u2013 Importe) Kurz: BIP = C + I + (Ex \u2013 Im)<\/p>\n<p><strong>Finanzierungssalden<\/strong><\/p>\n<p>Aus diesem unbestreitbaren Zusammenhang folgt dann aber, dass wenn z.B. die Gesamtheit der Haushalte in einer Periode weniger ausgeben, als sie einnehmen, dann das BIP gegen\u00fcber dem Vorjahr entweder sinken oder deren Einnahme\u00fcberschuss durch einen entsprechenden Ausgabe\u00fcberschuss eines anderen Wirtschaftssektors kompensiert werden muss. Das Ergebnis der Gegen\u00fcberstellung von Einnahmen und Ausgaben solcher Sektoren einer Volkswirtschaft bezeichnet man als Finanzierungssalden. Finanzierungssalden k\u00f6nnen also entweder null, positiv oder negativ sein. Aufgrund der dargestellten Zusammenh\u00e4nge folgt wiederum logisch zwingend, dass die Summe aller Finanzierungssalden 0 betr\u00e4gt. Hat ein Sektor also einen \u00dcberschuss, dann muss zumindest einer der anderen Sektoren zwingend ein Defizit gleicher H\u00f6he ausweisen.<\/p>\n<p><strong>Inflation und ihre Ursachen<\/strong><\/p>\n<p>Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen produziert in einer bestimmten Periode G\u00fcter, deren Kosten sich auf insgesamt 100 Geldeinheiten (GE) beliefen und das Unternehmen nehme zu ihrer Begleichung ein zehnj\u00e4hriges Darlehen mit gleichbleibender Tilgung von 80 GE mit einem Zinssatz von 10 Prozent pro Jahr (p.a.) auf. Klar ist, dass dann alleine um die Kosten der Produktion decken zu k\u00f6nnen, die Verkaufserl\u00f6se sich am Ende dieser Periode auf 116 GE belaufen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Inflation und Deflation<\/strong><\/p>\n<p>Von \u201eInflation\u201c spricht man, wenn das Preisniveau anhaltend steigt, von \u201eDeflation\u201c wenn es anhaltend sinkt. Eine Inflation wird also Waren verteuern, was auf die absetzbaren Mengen dieser G\u00fcter einen negativen Einfluss haben mag. Inflation mag also das Wirtschaftswachstum beeintr\u00e4chtigen. Allerdings hat sich diese Vermutung empirisch f\u00fcr nicht astronomisch hohe Inflationsraten nicht best\u00e4tigen lassen (ausf\u00fchrlich dazu hier). Dass eine Deflation extrem gef\u00e4hrlich ist, wird aber von niemandem bestritten. Wie das kleine Beispiel oben illustriert, kann sie Unternehmen rasch in Existenzschwierigkeiten bringen. Der Grund: bestimmte Verbindlichkeiten, wie etwa Darlehen, sind nominal fixiert, sind also unabh\u00e4ngig von der Entwicklung des Preisniveaus. Ein geringes Preisniveau aber f\u00fchrt zu geringeren Einkommen und gef\u00e4hrdet daher die Bedienung von in der Vergangenheit aufgenommen Krediten.<br \/>\nZentralbanken haben also einen guten Grund, sich ein positives Inflationsziel zu setzen. Ob sie guten Grund haben zu glauben, dass sie \u00fcber die geeigneten Instrumente verf\u00fcgen, um dieses auch steuern zu k\u00f6nnen, kann man dagegen bezweifeln. Denn das einzige Instrument \u00fcber das sie verf\u00fcgen, ist der Zinssatz. Unbezweifelbar ist dagegen der Zusammenhang zwischen der Inflation und der Entwicklung der L\u00f6hne. Betrachten wird dazu die folgende Grafik (<a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2018\/08\/handelsungleichgewichte-wie-erklaert-man-das-problem-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/makroskop.eu\/2018\/08\/handelsungleichgewichte-wie-erklaert-man-das-problem-1\/<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Lohnst\u00fcckkosten<\/strong><\/p>\n<p>Die blaue Kurve der dortigen Grafik zeigt die j\u00e4hrlichen Ver\u00e4nderungen der so genannten Lohnst\u00fcckkosten. Die Lohnst\u00fcckkosten wiederum geben Auskunft dar\u00fcber wieviel Lohn f\u00fcr die Produktion eines Wirtschaftsgutes bezahlt werden muss. Nehmen wir z.B. an, dass die Herstellung eines Wirtschaftsguts 100 Arbeitsstunden betr\u00e4gt und eine Stunde mit 10 Euro entgolten wird, dann betragen die Lohnst\u00fcckkosten dieses \u201eSt\u00fccks\u201c 1000 Euro. Die Lohnst\u00fcckkosten h\u00e4ngen ganz offensichtlich von der H\u00f6he der L\u00f6hne ab. Sie sind aber nicht weniger davon abh\u00e4ngig, wie viele Stunden man braucht, um ein solches St\u00fcck zu produzieren. Braucht man beispielweise nur noch etwa 90 Stunden zu seiner Fertigung, dann sinken die Lohnst\u00fcckkosten auf 900 Euro. Die Lohnst\u00fcckkosten sind gesunken, weil der Arbeiter weniger Zeit ben\u00f6tigte, ein St\u00fcck zu produzieren, also seine Produktivit\u00e4t erh\u00f6hte. Eine erh\u00f6hte Produktivit\u00e4t muss aber nicht notwendigerweise die Lohnst\u00fcckkosten verringern, denn ihre Entwicklung h\u00e4ngt ja ebenfalls von der Entwicklung der L\u00f6hne ab.<\/p>\n<p><strong>Preisniveau<\/strong><\/p>\n<p>Die blaue Kurve nun gibt nicht Auskunft \u00fcber die Entwicklung der Lohnst\u00fcckkosten eines ganz bestimmten Gutes, sondern der aller produzierten G\u00fcter einer Volkswirtschaft, in diesem Fall von Deutschland. Die braune Kurve gibt Auskunft \u00fcber die Entwicklung des Preisniveaus in dieser Volkswirtschaft, also \u00fcber die Inflationsrate. Die Kurve zeigt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Lohnst\u00fcckkosten und der Inflationsraten gibt.\u00a0Sich wie in der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion ein gemeinsames Inflationsziel zu setzen, kommt damit einer Vereinbarung gleich, die Entwicklung der Lohnst\u00fcckkosten europaweit zu koordinieren.<\/p>\n<p><strong>Im zweiten Teil dieser Artikelserie k\u00f6nnen Sie lesen, was passiert, wenn eine solche Lohnkoordination ausbleibt.\u00a0Teil 2 folgt in K\u00fcrze in Hohenlohe-ungefiltert.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen im Internet:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.makroskop.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.makroskop.eu<\/a><\/p>\n<p><strong>Erschienen unter:<\/strong> <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2018\/08\/handelsungleichgewichte-wie-erklaert-man-das-problem-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/makroskop.eu\/2018\/08\/handelsungleichgewichte-wie-erklaert-man-das-problem-1\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen \u00fcber das Buch &#8222;Gescheiterte Globalisierung&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/gescheiterte_globalisierung-heiner_flassbeck_12722.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/gescheiterte_globalisierung-heiner_flassbeck_12722.html<\/a><\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" 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dazu bewogen, noch einmal eine ausf\u00fchrliche Erkl\u00e4rung nachzuschieben. Hohenlohe-ungefiltert ver\u00f6ffentlicht den vollst\u00e4ndigen Text in zwei Teilen. 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