{"id":23329,"date":"2018-02-13T22:47:37","date_gmt":"2018-02-13T21:47:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=23329"},"modified":"2018-02-13T22:52:06","modified_gmt":"2018-02-13T21:52:06","slug":"nette-geschichtchen-vom-herrn-professor-weiter-nichts-kommentar-zu-helge-peukerts-vortrag-ueber-das-moneyfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=23329","title":{"rendered":"&#8222;Nette Geschichtchen vom Herrn Professor \u2013 weiter nichts&#8220; \u2013 Kommentar zu Helge Peukerts Vortrag \u00fcber \u201eDas Moneyfest\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach dem\u00a0 Vortrag von Helge Peukert am\u00a06. Februar 2018 in Schw\u00e4bisch Hall \u00fcber &#8222;Das Moneyfest&#8220; waren viele Zuh\u00f6rerInnen, aber besonders die Veranstalter, tief beeindruckt von den Ausf\u00fchrungen des Referenten. Dem Autor des nachfolgenden Textes ging es nicht so. Er w\u00e4hlte f\u00fcr seinen Kommentar die \u00dcberschrift &#8222;Nette Geschichtchen vom Herrn Professor \u2013 weiter nichts&#8220;. Veranstalter des Vortrags war die Schw\u00e4bisch Haller &#8222;Akademie der Weltmarktverlierer&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p><em>Kommentar von Paul Michel, Schw\u00e4bisch Hall\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Teil 1:\u00a0 Analyse? Fehlanzeige<\/strong><\/p>\n<p>Eines muss man ihm lassen, dem Herrn Professor: Er versteht, zu beeindrucken. Das f\u00e4ngt bei seinem Auftritt in Anzug und Krawatte an, der den Eindruck erweckt, dass es bei ihm sehr seri\u00f6s zugeht. Und das gilt auch f\u00fcr seine Pr\u00e4sentation: Die schier endlose Powerpoint-Pr\u00e4sentation ist gespickt mit Begrifflichkeiten aus dem Fachchinesisch akademischer \u00d6konomen und fl\u00f6\u00dft dem Laienpublikum offenbar geh\u00f6rig Respekt vor der geballten Kompetenz des Vortragenden ein. Dazu im Kontrast sein Vortragsstil: Er ist \u00fcberwiegend gut verst\u00e4ndlich, gespickt mit vielen Beispielen, die auch gut und gerne von ATTAC stammen k\u00f6nnten und bei den Anwesenden ein D\u00e9j\u00e0-vu-Erlebnis ausl\u00f6sten, weil sie die meisten ja schon einmal irgendwo geh\u00f6rt hatten. Und sie wurden vom Professor locker-flockig pr\u00e4sentiert in einer Sprache, die sich angenehm abhob vom Ehrfurcht und Respekt einfl\u00f6\u00dfenden Fachjargon der Folien.<\/p>\n<p><strong>Er versteht sich aufs Geschichten-Erz\u00e4hlen<\/strong><\/p>\n<p>Der Professor hat es mit dem \u201eNarrativ\u201c, einem Begriff, der gegenw\u00e4rtig auch bei Besprechungen von Managern der h\u00f6heren und mittleren Ebene und bei Marketingspezialisten Hochkonjunktur hat. Also, der Professor beherrscht die Kunst des \u201eNarrativs\u201c oder in schlichten Worten ausgedr\u00fcckt: Er versteht sich aufs Geschichten-Erz\u00e4hlen. Daran ist zun\u00e4chst einmal gar nichts auszusetzen. Denn man kann den Geschichten folgen im Gegensatz zu Referenten mit akademischem Grad, die ihre Kompetenz durch den Gebrauch eines m\u00f6glichst kryptischen, mit vermeintlich fachspezifischen Fremdw\u00f6rtern gespickten Vortrag unter Beweis stellen wollen.<\/p>\n<p><strong>Geschichtchen statt Analyse<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem mit Professor Peukert ist, dass er auch da, wo er vorgibt, zu analysieren, nicht \u00fcber das Geschichtenerz\u00e4hlen hinauskommt. Ein Beispiel: In seiner Powerpoint-Pr\u00e4sentation unterlegt er seine Behauptung, dass die Verschuldung ma\u00dfgeblich f\u00fcr das Entstehen der modernen Krisen verantwortlich sei, mit einem Zitat von John Kenneth Galbraith: Alle Krisen haben etwas mit Schulden zu tun, die in der einen oder anderen Weise v\u00f6llig aus dem Ruder gelaufen sind, im Verh\u00e4ltnis zu den verf\u00fcgbaren Zahlungsmitteln.\u201c Dass es f\u00fcr Krisen im Kapitalismus noch eine Reihe ganz anderer Ursachen gibt, erw\u00e4hnt Peukert nicht. Bei der Krise von 2000\/2001 war das Platzen der IT-Blase, die neben dem \u201eIrrationalen \u00dcberschwang\u201c der Spekulation\u00a0 nicht zuletzt auch viele Z\u00fcge einer ganz banalen \u00dcberproduktionskrise aufwies, die im Kapitalismus im Abstand von sieben bis zehn Jahren aufzutreten pflegt, interessiert den Professor nicht. Das gilt noch in viel st\u00e4rkerem Ma\u00dfe f\u00fcr die Weltwirtschaftskrise von 1973 bis 1975, die das Ende des Goldenen Nachkriegszeitalters des Kapitalismus und den Umschwung zum Neoliberalismus einl\u00e4utete. Selbst als Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Krise von 2007\/2008 ist der alleinige Hinweis auf die Verschuldung mehr als d\u00fcrftig. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere, dass es damals in der Autoindustrie eine \u00dcberproduktionskrise gab, die die drei Autogiganten von Detroit an den Rand des Bankrotts brachte. Es ist an dieser Stelle nat\u00fcrlich nicht angebracht, eine umfassende Analyse der Krise von 2007\/2008 zu machen. Aber es sich so einfach zu machen wie Professor Peukert, geht nicht. Bei ihm hat die Liebe zum Narrativen offenbar einen bedeutend h\u00f6heren Stellenwert als das Bem\u00fchen um eine fundierte Analyse.<\/p>\n<p><strong>Wor\u00fcber Peukert spricht, und wor\u00fcber nicht<\/strong><\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel lie\u00df bei mir den Verdacht aufkommen, dass bei Peukerts Auswahl der Themen f\u00fcr seine Geschichtchen solche Themen wegfallen, die das politische und \u00f6konomische Regime des Kapitalismus in keinem guten Licht erscheinen lassen. Beispiel: Seine Aussagen zur Einheitsw\u00e4hrung Euro und dessen Folgen. Peukert hat nat\u00fcrlich am Euro etwas auszusetzen. Aber was? Das wird nicht so klar. Er erw\u00e4hnt, dass die S\u00fcdstaaten Europas die Gelegenheit nutzten, dass sie nach Einf\u00fchrung des Euro die M\u00f6glichkeit, Kredite zum Zinssatz von einem Prozent zu bekommen, weidlich ausnutzten (Vor Einf\u00fchrung des Euro mussten sie mindestens acht bis zehn Prozent zahlen). Was\u00a0 f\u00fcr ihn daraus folgt, verr\u00e4t der Professor nicht. Kein Thema ist f\u00fcr Peukert, dass die Bundesrepublik Deutschland und deren m\u00e4chtige Exportindustrie der Hauptprofiteur der Einf\u00fchrung des Euro waren. Nicht nur, dass das Umtauschverh\u00e4ltnis der D-Mark zum Euro f\u00fcr die deutsche Industrie vorteilhaft, f\u00fcr die meisten anderen Volkswirtschaften von Nachteil war; dank freiem Markt und Einheitsw\u00e4hrung, entfiel mit der Einf\u00fchrung des Euro f\u00fcr die schw\u00e4cheren Volkswirtschaften in der EU eine Option, die z.B. Italien fr\u00fcher ausgiebig genutzt hatte: Die Abwertung der eigenen W\u00e4hrung und eventuell die Einf\u00fchrung von Importz\u00f6llen, um die eigene Volkswirtschaft zu sch\u00fctzen. Jetzt aber waren sie auf Tod und Verderben der deutschen Exportdampfwalze ausgeliefert. So hatte das, was die Menschen ab 2010 in der s\u00fcdeurop\u00e4ischen Peripherie erleiden mussten, seine Ursache nicht in der Verschuldung ihrer L\u00e4nder, sondern in der Entfesselung der ungebremsten Konkurrenz des neoliberalen Kapitalismus, wobei die Lohnabh\u00e4ngigen in den L\u00e4ndern des S\u00fcdens die Opfer und die m\u00e4chtigen kapitalbesitzenden Eliten in der BRD die Gewinner waren.<\/p>\n<p><strong>Finanzblasenforschung<\/strong><\/p>\n<p>Wer darauf wartete, dass Peukert den Gr\u00fcnden f\u00fcr das Anwachsen des Finanzsektors nachgehen w\u00fcrde oder gar auf eine \u201egenaue Analyse des aktuellen Status Quo\u201c darlegen w\u00fcrde, wartete vergebens. Deswegen seien hier ein paar Punkte genannt, die aber offenbar f\u00fcr Peukert ohne Belang sind.<\/p>\n<p><strong>1. Die wachsende Ungleichheit:<\/strong><\/p>\n<p>Als Folge der\u00a0 neoliberalen Offensive des Kapitals seit Beginn der 1980er Jahre kam es weltweit zu einer drastischen Umverteilung von Verm\u00f6gen und Einkommen \u2013 von unten nach oben. W\u00e4hrend Einkommen und Verm\u00f6gen der Reichen durch die Decke schossen, stagnierten bzw. sanken die Einkommen der Lohnabh\u00e4ngigen. Gleichzeitig schwimmen seither die Reichen im Geld und wissen nicht wohin damit, weil wegen sinkender Einkommen der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, der Sparpolitik des Staates die Nachfrage nach G\u00fctern und Dienstleistungen stagniert bzw. in einzelnen Bereichen sogar r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Die Reichen investieren ihren Reichtum also nicht in Fabriken, sondern tragen ihr Geld auf die Finanzm\u00e4rkte und investieren in Finanzprodukte wie die Spekulation um Immobilien und Rohstoffe (auch Lebensmittel), Aktien, Anleihen, Derivate. Als Folge ergeben sich spekulative Blasen, die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden platzen und zu Finanzkrisen f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>2. Deregulierung und Liberalisierung<\/strong><\/p>\n<p>Die neoliberale Politik hat in den vergangenen 35 Jahren bis dahin bestehende staatliche Regulierungen des Finanzsektors immer mehr abgebaut und damit das Entstehen eines gewaltigen Netzes neuer internationaler Finanzinstitutionen erm\u00f6glicht. Die entfesselten Finanzm\u00e4rkte haben dabei ihrerseits die Umverteilung von unten nach oben erheblich bef\u00f6rdert, indem sie zeitweise Renditen im zweistelligen Bereich zu Gunsten der Verm\u00f6gensbesitzer erm\u00f6glicht haben.<\/p>\n<p><strong>3. Privatisierung<\/strong><\/p>\n<p>Die Privatisierung vormals \u00f6ffentlicher Institutionen hat das Anwachsen der Finanzm\u00e4rkte zus\u00e4tzlich\u00a0 befeuert. So sind in den vergangenen 20 Jahren ehemals \u00f6ffentliche Unternehmen und Dienste sowie Teile der Sozialversicherung zu Anlagefeldern geworden. Beispielsweise flie\u00dfen mit der Riester-Rente hohe Summen zus\u00e4tzlich auf die Finanzm\u00e4rkte, um einen Kapitalstock f\u00fcr k\u00fcnftige Renten aufzubauen. Folglich treten private Versicherungsunternehmen als zus\u00e4tzliche Nachfrager nach Anlagem\u00f6glichkeiten auf und treiben damit die Blasen auf den Finanzm\u00e4rkten unausweichlich weiter an<\/p>\n<p>Im zweiten Teil des Textes werde ich die \u201enachhaltigen L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge\u201c Peukerts zur Z\u00e4hmung des Finanzsektors unter die Lupe nehmen (Artikel 2 folgt in K\u00fcrze).<\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogPosts\" value=\"MwQA\" \/><input type=\"hidden\" 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Veranstalter des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,6,2,8,5,3,7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23329"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23329"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23334,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23329\/revisions\/23334"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}