{"id":22379,"date":"2017-06-27T21:30:32","date_gmt":"2017-06-27T20:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=22379"},"modified":"2017-06-27T21:33:23","modified_gmt":"2017-06-27T20:33:23","slug":"pharmakonzerne-haben-562-millionen-euro-an-aerzte-gezahlt-hohenlohe-ungefiltert-kooperiert-mit-correctiv-recherchen-fuer-die-gesellschaft-gemeinnuetzige-gmbh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=22379","title":{"rendered":"&#8222;Pharmakonzerne haben 562 Millionen Euro an \u00c4rzte gezahlt&#8220; \u2013 Artikel von CORRECTIV \u2013 Recherchen f\u00fcr die Gesellschaft gemeinn\u00fctzige GmbH, Kooperationspartner von Hohenlohe-ungefiltert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bis Ende Juni 2017 wollen die Arzneimittelhersteller wieder die Namen von \u00c4rzten ver\u00f6ffentlichen, die im vergangenen Jahr Geld bekommen haben. Doch immer mehr \u00c4rzte lehnen das Transparenzprojekt ab: Waren im vergangenen Jahr noch 31 Prozent der Geldempf\u00e4nger bereit, dass ihr Name im Internet ver\u00f6ffentlicht wird, sind es in diesem Jahr nur noch 25 Prozent. Die Pharmaindustrie bezeichnet diesen R\u00fcckgang als &#8222;erwartbar&#8220;. In den USA ist die Ver\u00f6ffentlichung der Zahlungen seit 2013 f\u00fcr alle \u00c4rzte verpflichtend.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Markus Grill (correctiv.org)<\/em><\/p>\n<p><strong>Warmer Geldregen f\u00fcr die \u00c4rzte<\/strong><\/p>\n<p>Die 54 gr\u00f6\u00dften Pharmaunternehmen haben im Jahr 2016 insgesamt 562 Millionen Euro an \u00c4rzte und medizinische Fachkreisangeh\u00f6rige in Deutschland bezahlt. Das teilte der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VfA), die Lobbyorganisation der Pharmaindustrie, am Mittwoch (21. Juni 2017) in Berlin mit.\u00a0Das meiste Geld (356 Millionen Euro) floss dabei als Honorar f\u00fcr die Durchf\u00fchrung von klinischen Studien und Anwendungsbeobachtungen (AWBs). 105 Millionen Euro bekamen \u00c4rzte als Vortragshonorar und f\u00fcr die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen. Mit weiteren 101 Millionen Euro sponserte die Industrie Veranstaltungen und Institutionen.<\/p>\n<p><strong>Unternehmen mauern<\/strong><\/p>\n<p>Eine Unterscheidung zwischen Zulassungsstudien und AWBs lehnt die Industrie ab, obwohl AWBs unter Wissenschaftlern einen schlechten Ruf haben, weil sie h\u00e4ufig dazu dienen, \u00c4rzte mit finanziellen Anreizen dazu zu bringen, ihren Patienten ein ganz bestimmtes Pr\u00e4parat zu verordnen. Die Unternehmen wollen aber weder verraten, wie hoch der Anteil der AWBs unter den Studienhonoraren sind, noch welche \u00c4rzte genau an AWBs teilnehmen.<\/p>\n<p><strong>FSA- und vfa-Transparenzkodex: Zahlungen in den Bereichen im Vergleich<\/strong><\/p>\n<p>Die Gesamtausgaben der Zahlungen an \u00c4rzte und medizinische Fachkreisangeh\u00f6rige liegen insgesamt rund zwei Prozent unter den Werten des Jahres 2015. Damals hatte die Industrie noch 575 Millionen Euro an insgesamt 70.000 \u00c4rzte in Deutschland gezahlt. Nach Angaben des VfA waren im vergangenen Jahr 31 Prozent der \u00c4rzte bereit, dass die Zahlungen an sie mit der konkreten Summe und der Namensnennung des Arztes auf der Website des Pharmaunternehmens ver\u00f6ffentlicht werden darf. In diesem Jahr erteilten nur noch 25 Prozent ihr Einverst\u00e4ndnis, die Daten zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p><strong>FSA- und vfa-Transparenzkodex: Zustimmungsquote<\/strong><\/p>\n<p>Dass die Zahl der \u00c4rzte dieses Jahr deutlich niedriger ist als im vergangenen Jahr, liegt nach Ansicht der Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Pharmaverbands, Birgit Fischer, an den Medien. &#8222;Es ist schlecht, dass \u00c4rzte, die den Weg der Transparenz gehen, an den Pranger gestellt werden. Im Vorjahr ist das zu unserem Bedauern geschehen&#8220;, sagte die VfA-Chefin, ohne die Vorw\u00fcrfe zu konkretisieren. &#8222;Hier liegt ein Grund, dass die Zustimmungsquote der \u00c4rztinnen und \u00c4rzte zur namentlichen Ver\u00f6ffentlichung von rund einem Drittel im Vorjahr auf rund ein Viertel in diesem Jahr gesunken ist.&#8220;\u00a0Als im vergangenen Jahr 31 Prozent der \u00c4rzte ihre Zustimmung erteilt hatten, erkl\u00e4rte Frau Fischer noch, dass die Zahl in den n\u00e4chsten Jahren steigen werde. \u201eIch gehe davon aus, dass in Zukunft mehr \u00c4rzte der Transparenz zustimmen werden\u201c, sagte Fischer im Juni 2016 und erg\u00e4nzte: \u201eHeute ist, glaube ich, ein Wert von einem Drittel ein ganz guter Beginn. Die Zustimmungsrate wird sich in Zukunft noch ver\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gesundheitsministerium Hermann Gr\u00f6he (CDU) zeigt bisher kein Interesse<\/strong><\/p>\n<p>Holger Diener von der pharmaeigenen \u201eFreiwilligen Selbstkontrolle f\u00fcr die Arzneimittelindustrie\u201c (FSA) erkl\u00e4rte heute nun, dass ein R\u00fcckgang der Transparenz \u201enat\u00fcrlich zu erwarten\u201c gewesen sei, dennoch liege die Zustimmungsrate \u201eimmer noch im erwartbaren Rahmen\u201c.\u00a0In den USA hatte die Regierung unter Barack Obama im Jahr 2010 ein Gesetz beschlossen, das die Ver\u00f6ffentlichung der Pharmazahlungen an \u00c4rzte verpflichtend festschreibt. Seit 2013 m\u00fcssen die Firmen diese Zahlungen ver\u00f6ffentlichen und Patienten k\u00f6nnen zum Beispiel nachschauen, wie viel Geld ihr Arzt im vergangenen Jahr von welchem Unternehmen bekommen hat.\u00a0In Europa versucht die Pharmaindustrie seit mehreren Jahren ein solches Gesetz zu verhindern, indem sie auf eine freiwillige Transparenz pocht \u2013 was angesichts einer Zustimmungsquote von mittlerweile nur 25 Prozent aber immer fraglicher erscheint. Intern h\u00f6rt man aus der Branche immer wieder, dass man mit einem entsprechenden Gesetz wie in den USA auch in Deutschland gut leben k\u00f6nne. Weil damit klare und gleiche Bedingungen f\u00fcr alle gelten w\u00fcrden. Und nicht nur f\u00fcr jene Firmen, die sich im Pharmaverband VfA zusammen geschlossen haben. Denn die kleinen und mittleren Unternehmen, die im Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) zusammen geschlossen sind, ver\u00f6ffentlichen bisher ebenso wenig ihre Zahlungen an \u00c4rzte wie die gro\u00dfen Generikafirmen oder auch die Hom\u00f6opathie-Unternehmen. Das Gesundheitsministerium unter Hermann Gr\u00f6he (CDU) zeigt bisher aber kein Interesse an einem Transparenzgesetz f\u00fcr \u00c4rzte in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Bis zum 30. Juni 2017 sollen Namen ver\u00f6ffentlicht werden<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie in den USA haben CORRECTIV und \u201eSpiegel-Online\u201c mit den freiwillig ver\u00f6ffentlichten Daten der gro\u00dfen Pharmaunternehmen eine Datenbank gebaut, in der jeder Nutzer gezielt nach seinem Arzt suchen kann.\u00a0In den kommenden Tagen \u2013 bis zum 30. Juni 2017 \u2013 wollen die VfA-Firmen nun die einzelnen Namen jener 25 Prozent der \u00c4rzte ver\u00f6ffentlichen, die der Transparenz zugestimmt haben.<\/p>\n<p>Der Autor ist Redakteur des Recherchezentrums CORRECTIV. Die Redaktion, mit der unsere Internetzeitung Hohenlohe-ungefiltert kooperiert, finanziert sich \u00fcber Spenden und Mitgliedsbeitr\u00e4ge. Wenn Sie CORRECTIV unterst\u00fctzen m\u00f6chten, werden Sie F\u00f6rdermitglied. Informationen finden Sie unter <a href=\"http:\/\/correctiv.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">correctiv.org<\/a><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen und Kontakt:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/correctiv.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/correctiv.org\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/correctiv_org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/twitter.com\/correctiv_org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/correctiv.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.facebook.com\/correctiv.org\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Adresse:<\/strong><\/p>\n<p>CORRECTIV \u2013\u00a0Recherchen f\u00fcr die Gesellschaft gemeinn\u00fctzige GmbH<br \/>\nHuyssenallee 11<br \/>\n45128 Essen<\/p>\n<p>Handelsregister Essen<br \/>\nHRB 25135<br \/>\nGesch\u00e4ftsf\u00fchrer: David Schraven<\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" 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